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„Warum ist eine Pflanze verboten und eine andere nicht?“

Im Gespräch mit Rohan Marley
Publiziert am: 04.07.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Interview: Janika Takats
Foto: Perry Ottmüller

Bob Marley ist schon lange tot, doch seine Musik und seine Vision leben weiter. Nicht zuletzt auch, weil sie von seinen Kindern weiter in die Welt getragen werden. Rohan Marley ist einer von Bobs zahlreichen Kindern, über deren genaue Anzahl nur spekuliert werden kann. Rohan, der im Gegensatzt zu vielen seiner Geschwister kein Musiker geworden ist, zieht zur Zeit durch die Welt, um den Film „Marley“, der das Leben Bob Marley erzählt, vorzustellen und die von der Familie auf den Markt gebrachte Kopfhörerserie zu promoten.

Im Gegensatz zu vielen deiner Geschwister bist du kein Musiker geworden. Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?

Musik IST mein Leben. Ich brauche sie wie ich Nahrung und Luft zum Atmen brauche.

Dein Vater starb als du noch sehr jung warst ...
Er ist nicht tot, er existiert weiter und wird immer da sein. Ich vermisse ihn nicht, denn er ist immer bei mir. Natürlich will man als Kind seinen Vater auch physisch um sich haben, aber man muss die Realität akzeptieren.

Was für ein Verhältnis hattest du zu deinem Vater?
Ich habe meinen Vater viel beobachtet und ihm zugehört. Ich hatte immer großen Respekt vor ihm. Mein Vater hat uns Kinder nicht an die Leine gelegt. Wir waren frei. Aber frei zu sein bedeutet nicht, dass man immer recht hat als Kind. Deshalb hat er uns trotzdem in die richtige Richtung geleitet. Er hat mich gelehrt, was im Leben von Bedeutung ist und er hat mir gezeigt, dass die Liebe zu Gott das Wichtigste ist. Alles andere wird sich fügen, wenn du dein Herz Gott anvertraust.
Ich gebe meinen Kindern keine Werte vor. Ich vertraue darauf, dass sie mich beobachten und für sich das übernehmen, was für ihr Leben das Richtige ist. Hoffentlich werden sie dadurch zu besseren Menschen. Ich möchte nicht, dass mir meine Kinder eines Tages vorhalten, dass ich ihnen falsche Ratschläge gegeben habe. Das hat mein Vater auch nie getan. Das einzige, was er mir gesagt hat, war: „Wenn du Dinge tust, die nicht richtig sind, bist du nicht mein Sohn.“ Das sage ich auch meinen Kindern, denn sie sollen das Richtige tun.

Du hast auf Jamaika ein Stück Land gekauft und begonnen Kaffee anzubauen, was hat dich dazu bewogen?
Ein Freund von mir hat mir erzählt, dass bei ihm in der Nähe ein Stück Land zum Verkauf steht und mir nahegelegt es zu kaufen. Also bin ich hingefahren und habe mir das Land angesehen. Das war im Jahr 1999. Das Land war und ist wunderschön. Als ich das Grundstück dann gekauft habe und den Schlüssel in den Händen hielt, wollte ich ihn nicht an jemand anderes weiter geben. Das war mein Land. Nicht dass ich das Land wirklich besitzen könnte, denn es war bereits vor mir da und wird auch noch da sein, wenn ich schon lange nicht mehr auf dieser Erde weile. Aber ich kann das Land für einen bestimmten Zeitraum nutzen. Ich wusste nicht, was sich auf dem Land befindet und habe die Leute aus der Community gefragt. Sie haben mir erzählt, dass sich auf dem Land Kaffeepflanzen befinden. Also habe ich angefangen Kaffee anzubauen. „Marley Coffee“ ist seit einigen Jahren in Jamaika, den USA, Canada und einigen anderen Ländern erhältlich.

Was ist „The House of Marley“?
'The House of Marley‘ begann mit einem Haus (lacht). Wir als Kinder sind damit aufgewachsen, das Gesicht unseres Vaters auf der ganzen Welt zu sehen. Viele Menschen sehen sein Bild, doch viele interpretieren es falsch. Sie verstehen die wirkliche Bedeutung des Namens nicht. Deswegen haben wir „The House of Marley“ gegründet, um den Menschen zeigen zu können, wofür der Name steht und worum es meinem Vater wirklich gegangen ist. Es ist eine Bewegung die für soziale Gerechtigkeit steht und umweltbewusstes Leben. „The House of Marley“ steht für die Prinzipien unseres Vaters und dafür, was wir der Welt noch zurückgeben können, abgesehen von unserer Musik. „The House of Marley“ soll für jeden offen stehen, so dass mehr und mehr Menschen zusammen kommen, um unsere Vision zu teilen und für eine bessere Welt einzutreten. More unity, more strength, more togetherness! Deswegen wollen wir nicht mit Menschen zusammen arbeiten, denen es nur um Profit geht. Wir wollen die Welt ein Stück weit besser machen.

Wie ist es für dich zu sehen, das viele Leute Bob Marley und seine Bedeutung missverstehen?
Es gibt jede Menge Menschen, die Bob Marley‘s Botschaft verstehen, deshalb kümmere ich mich nicht wirklich um jene, die es nicht tun. Wir haben unsere eigene Identität. Wir wissen, wer wir sind und wir kenne unsere Ziele. Auch wenn Leute den Namen Marley missbrauchen, so bleibt unsere Mission doch dieselbe. Alles, was den Namen Marley trägt, steht für unsere gesamte Familie. Es gibt keine Trennung zwischen einzelnen Personen. Wir sind eine Familie und wir setzen alles daran, die Vision unseres Vaters zu verwirklichen.

Empfindest du den Namen Marley auch manchmal als Last?
Nein, niemals. Es ist keine Last, es ist eine Bestimmung. Warum sollte es eine Last sein, Menschen zu helfen? Die Welt zu verbessern ist keine Last, sondern eine Pflicht und wir können dafür dankbar sein, dass unser Vater dafür den Grundstein gelegt hat. Viele Menschen wissen dies nicht. Doch wir als Kinder haben das von klein auf gelernt. Es ist in uns, es ist unser Leben. Ich würde nie sagen, ich hätte lieber einen anderen Namen gehabt. Ich wäre ein Narr, würde ich mich selbst verleugnen.

Deine Familie hat vor kurzer Zeit eine Kopfhörer Serie rausgebracht, die den Namen deines Vaters trägt. Wie kam es dazu?
Die Initiative ging von meiner Familie aus. Wir wollten ein Produkt auf den Markt bringen, dass unsere Familie repräsentiert und deutlich macht, worum es uns geht – Musik. In Zusammenarbeit mit Allan Kaufman, dem CEO von HoMedics, haben wir die Kopfhörer sowie die Docking Station entwickelt. Wir haben eine Lifestylebewegung begründet, die Musik und Umweltfreundlichkeit miteinander verbindet. Die Kopfhörer bestehen auf umweltfreundlichem Material wie Baumwolle und Holz. Es ging uns hauptsächlich darum die Ideen meines Vaters zu verwirklichen und seine Botschaft in die Tat umzusetzen. Ich bin glücklich, dass ich an diesem Projekt beteiligt sein kann. Ich weiß, unser Vater wäre stolz auf uns gewesen.

Ein Teil der Einnahmen aus dem Kopfhörerverkauf gehen an ein gemeinnütziges Projekt. Was kannst du mir über dieses Projekt erzählen?
Von allen Einnahmen, auch aus denen unseres Kaffees und unserer anderen Marley Produkte geht ein Teil an OneLove.org. Es war uns wichtig unsere eigene Hilfsorganisation zu gründen, um Jamaika zu helfen. Vor Ort unterstützen wir lokale Projekte und Initiativen, damit die Hilfe direkt bei den Leuten ankommt. Wir hätten auch den einfachen Weg gehen können und einfach irgendwelche Kopfhörer mit unserem Namen drauf auf den Markt bringen können, um Profit zu machen. Aber das wollten wir nicht.

Unter den Materialien, die für die Herstellung der Kopfhörer verwendet werden, ist auch Hanf. Diese Verwendung ist gesetzlich erlaubt, doch auf der anderen Seite ist Marihuana illegal. Findest du diese Unterscheidung gerechtfertigt oder sollte deiner Meinung nach Marihuana unter Einhaltung strenger Jugendschutzvorschriften legalisiert werden?
Nein, für mich gibt es keinen gerechtfertigten Grund für diese Trennung. Warum ist eine Pflanzensorte verboten und eine andere nicht? Und selbst dieses Verbot ist nicht einheitlich. In einigen Ländern ist Marihuana legal, in anderen nicht. Wer hat also recht? Beziehungsweise wer hat das Recht zu bestimmen, welche Pflanzen legal sind und welche nicht? Es ist so, als würde jemand einen Mangobaum wählen und sagen „Diese Mangos haben zu viel Vitamin C und deshalb muss man sie verbieten.“ Das macht keinen Sinn. Marihuana wurde von der Natur geschaffen und es ist absurd etwas von der Natur Geschaffenes verbieten zu wollen.

Vor kurzem ist ein Film über deinen Vater erschienen. Wie ist die Idee zum Film „Marley“ entstanden?
Die Idee stand schon lange im Raum. Viele Leute wollten eine Dokumentation über meinen Vater und sein Leben machen. Vor sieben Jahren hat mein Bruder Ziggi dann entschieden, dass wir das Projekt in die Tat umsetzen sollen, doch er wollte die Geschichte aus der Perspektive meines Vaters zeigen. Ziggi war am besten dafür geeignet die Sache in die Hand zu nehmen und die Geschichte unserer Familie zu erzählen. „Marley“ wird von der Familie, Freunden und Kollegen erzählt, das unterscheidet den Film von anderen Dokumentationen, die es bisher gab. Die Geschichte wird so erzählt, wie mein Vater sie erzählen würde. Es ist die wahre Geschichte.

Die Premiere von „Marley“ war in Berlin auf der Berlinale. Wie wurde der Film aufgenommen?
Die Reaktionen waren sehr positiv. Viele Leute waren begeistert. Es war gut, dass die Premiere in Deutschland stattfand, denn Deutschland hat eine wichtige Rolle im Leben meines Vaters gespielt. Hier hat er seine letzten Monate verbracht. Ich habe die Menschen in Deutschland damals als sehr stark erlebt. Die Menschen, die sich um meinen Vater kümmerten, wussten nicht, wer er war, aber sie haben ihm beigestanden und ihn als Mensch kennen gelernt. Mein Vater war ein sehr gütiger und warmherziger Mann.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Wir werden weiter „The House of Marley“ ausbauen. Wir werden weiter die Arbeit von OneLove.org vorantreiben und alle unsere Projekte verfolgen. Wir sind nicht perfekt, aber wir arbeiten hart daran dorthin zu gelangen, wo wir hin wollen.

Vielen Dank!
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