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Buchtipp: St.Petri-Schnee

Vom Mutterkornalkaloid zum Gottesglaube
Publiziert am: 13.07.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Ein sehr lesenswerter Roman

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wies Lorenz Jäger in seinem Artikel zu Albert Hofmanns Geburtstag am 11. Januar 2006 auf den Roman „St.Petri-Schnee“ des Schriftstellers Leo Perutz hin. Perutz hatte 1933 (fünf Jahre, bevor Albert Hofmann erstmalig LSD herstellte und zehn Jahre bevor er die Wirkung dieser Substanz erkannte) in diesem Roman die Entstehung der Religion, die sich ihm als Massenhysterie darstellte, auf eine Infektion durch den Getreidepilz Mutterkorn zurückgeführt. Darauf aufbauend beschrieb Perutz in dem Roman die Arbeit eines auf naturwissenschaftlichem Gebiet arbeitenden Barons, der aus dem Mutterkorn einen Stoff extrahierte, der vorübergehende psychische Wirkungen hervorrief und in keiner Weise den Organismus schädigte. Pikanterweise befand sich das Laboratorium des Barons im Pfarrhaus. Perutz entwickelte in dem Roman mit großer erzählerischer Virtuosität zwei Versionen nebeneinander, die so exakt mit allen Mitteln der erzählerischen Virtuosität konstruiert waren, dass die Leser nicht entscheiden konnten, welche der beiden ‚Realitäten‘ die wahrscheinlich(er)e sei ... In diesem Wechselspiel von Traum und Wirklichkeit erweist sich der Roman als ein erzählerisches Meisterwerk.
Zitate aus „St.Petri-Schnee“ von Leo Perutz
Der Pfarrer:
„Glauben heißt begnadet sein. Der Glaube ist das Werk Gottes in uns und er kann nur lebendig werden durch geduldige Arbeit, durch dienende Liebe und durch Gebet.“ Die Pharmakzeutin: „Nein, auch durch Chemie.“ (S. 114)
Der Baron: „Das, was wir religiöse Inbrunst und Ekstase des Glaubens nennen, bietet als Einzel- wie Massenerscheinung fast immer das klinische Bild eines durch ein Rauschgift hervorgerufenen Erregungszustandes.“ (S. 115)
Der Baron: „Es gibt - oder es gab - eine Getreidekrankheit, die in früheren Jahrhunderten oft beschrieben worden ist, und in jeder Gegend, in der sie auftrat, war sie unter einem anderen Namen bekannt. In Spanien hieß sie ‚die Magdalenenflechte‘, im Elsass ‚der Armen-Seelen-Tau‘. Das ‚Arztbuch‘ des Adam von Cremona beschrieb sie unter dem Namen ‚Misericordia-Korn‘, in den Alpen war sie als ‚St.Petri-Schnee‘ bekannt. In der Umgebung von St. Gallen nannte man sie den ‚Bettelmönch‘ und im nördlichen Böhmen die ‚St. Johannis-Fäule‘. Hier bei uns im Westfälischen, wo sie besonders oft auftrat, hieß sie bei den Bauern ‚der Muttergottesbrand‘. (...) Und nun beachten Sie, dass alle Namen, die ich ihnen aufgezählt habe, etwas gemeinsames besitzen: die Verknüpfung mit religiösen Vorstellungen.“ (S. 121)

Es gelang der Pharmazeutin, durch ein Destillationsverfahren aus dem Pilz das flüssige Rauschgift zu gewinnen, und die Analyse, die sie vornahm, ergab: „Die wirksamen Bestandteile sind eine Anzahl Alkaloide. Außerdem finden sich noch kleinere Mengen harzartiger Produkte und ein wenig Sphazelynsäure vor und schließlich lassen sich eine Spur einer öligen Substanz nachweisen.“ (S. 127)
Der Baron: „Dieses Mittel (dieses Alkaloid) schädigt in keiner Weise den Organismus. Es ruft rein psychische Wirkungen hervor, vorübergehende Wirkungen übrigens. Es macht vielleicht den Mann für kurze Zeit ein wenig glücklicher ¨C das ist alles.“ (S. 79)

Leo Perutz:
„St.Petri-Schnee“, 208 Seiten, 9,80 Euro
www.dtv.de

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