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Auch ein Verbot verhindert den Gebrauch nicht

Konshens im Gespräch
Publiziert am: 07.08.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Interview: Janika Takats
Fotos: Kez876 Entertainment

Früher hat er lediglich andere ins Studio begleitet, heute ist Konshens einer der vielversprechendsten aufstrebenden Künstler, die Jamaika zu bieten hat. Mit seinem Album „Mental Maintenance“, das Anfang des Jahres erschien und auf Anhieb auf Platz 1 einiger iTunes Charts landete, sowie der neuen Single „Gal a Bubble“, scheint ihm auch der internationale Durchbruch endgültig gelungen zu sein. In Zeiten, in denen zahlreiche jamaikanische Artists mit dem Gesetz in Konflikt geraten, lässt er sich nicht beirren, sondern bleibt auf dem rechten Weg, um seine Karriere weiter voranzutreiben.


Wie bist du zum Musik machen gekommen?
Ich habe im Jahr 2003 angefangen Musik zu machen. Damals habe ich meinen älteren Bruder und Freunde von uns oft ins Studio begleitet. Wir gingen damals oft ins Studio von Sugar Minott. Ich war damals noch in der Schule und war sportlich sehr engagiert. Ich hatte Fußball- und Basketballtraining und habe teilweise sogar die Teams angeführt.

Welche Artists waren dabei deine Vorbilder?
Viele Künstler haben mich geprägt. Sugar Minott war der einzige, der meine Musik sozusagen direkt beeinflusst hat, da er im Studio bei vielen Aufnahmen dabei war. Trotzdem gab und gibt es viele andere Künstler, an denen ich mich orientiert habe. Ich kannte damals keinen der Artists, denen man immer auf den Partys begegnet ist, persönlich, aber ich war ein großer Fan der Musik und habe daher jede Gelegenheit genutzt dabei zu sein. Ich kannte nicht die Künstler, aber ich kannte ihre Lieder und jeder von ihnen hatte zumindest einen oder zwei Songs, von denen ich ein Fan war. Wenn ich wählen müsste, würde ich sagen, dass ich mich am meisten an Beres Hammond und Sizzla orientiert habe. Generell habe ich jedoch versucht so viel wie möglich mitzubekommen und „aufzusaugen“.

Wer hat dich in deiner Entwicklung am meisten beeinflusst?
Es gab niemanden, der mich direkt angetrieben bzw. veranlasst hat Musik zu machen. Ich habe Musik einfach schon immer geliebt. Auch als ich damals noch einen normalen Job hatte, habe ich den größten Teil meiner Zeit und Energie der Musik gewidmet. Auch das Geld, dass ich damals verdient habe, habe ich in die Musik gesteckt.

Als was hast du damals gearbeitet?
Ich habe alles Mögliche gemacht. Ich habe in einem Schuhladen gearbeitet aber auch als Labortechniker. Ich habe auch noch einige andere Sachen gemacht, über die man aber in einem Interview lieber nicht redet (lacht).

Erzähl mir ein bisschen über dein 2010 gegründetes Label „Subkonshens“.
Subkonshens habe ich damals hauptsächlich gegründet, um meine Produktionen quasi offiziell zu machen. Ich habe auch vorher schon meine Arbeit selbst bestimmt, auch wenn die Songs von jemand anderem produziert wurden. Durch die Gründung eines eigenen Labels habe ich die Rechte an den Songs und somit alles in der Hand. Auf der anderen Seite kenne ich viele junge aufstrebende Artists, die ich unterstützen möchte. Bisher mussten sie mir immer in die Studios folgen, um Aufnahmen zu machen. Sie waren von mir abhängig. Durch das neue Label können sie ihr eigenes Ding machen und ich kann ihre Karriere besser vorantreiben. Einer der Artists ist zum Beispiel mein älterer Bruder Delus, den ich schon erwähnte und mit dem ich auch schon einige Songs zusammen aufgenommen habe. Dann sind da noch Darrio, Marky Z, der auch selbst produziert, und noch viele weitere, die bis jetzt noch unbekannt sind, aber die sich sicherlich bald einen Namen machen werden.

Siehst du dich eher als Dancehall- oder als Reggae-Artist? Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ich habe mich ganz der Musik verschrieben, ob nun als Sänger, Produzent, Regisseur von Musik-Videos oder wenn es darum geht neue Talente zu entdecken und zu fördern – das bin ich.

Du bist als Künstler in Japan sehr erfolgreich, vor einiger Zeit hast du ein Album rausgebracht, dass exklusiv in Japan erschien. Wie hast du die Reggaeszene in Japan erlebt?
Meine erste Show war in Japan. Und damit meine ich wirklich meine erste! Stell dir vor, ich war nur ein normaler Typ mit einem normalen Job. Ich bin vorher noch nie auf Jamaika aufgetreten. Niemand kannte mich dort. Dann habe ich auf einmal die Möglichkeit bekommen einen Monat durch Japan zu touren. Ich stand in Japan auf der Bühne und stellte fest, dass ich dort ein Star bin. Das hat mich überwältigt und mir die Augen geöffnet. Es war eine unglaubliche Erfahrung zu sehen, wie sehr Menschen am anderen Ende der Welt Reggaemusik lieben, das kann man nicht mir Jamaika oder den USA vergleichen. In Jamaika, wo die Musik entsteht, verändert sich die Szene viel schneller. Lieder und Trends entstehen und werden schnell wieder vergessen. In Japan oder Europa ist das anderes. Die Menschen bewahren dort die Musik. Als ich zum ersten Mal dort auftrat, hatten die Leute wesentlich weniger Zugang zu Reggae und so haben sie mehr an den schon bekannten Songs festgehalten. Sie hatten eine Idee von dem, was in Jamaika passierte, aber sie konnten nicht direkt daran teilnehmen.

Sollte deiner Meinung nach Marihuana unter Einhaltung strenger Jugendschutzbestimmungen legalisiert werden?
Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden können, ob er Marihuana konsumiert oder nicht. Auf Jamaika ist Ganja fester Bestandteil der Rasta-Kultur und der Partyszene. Auch wenn man den Gebrauch verbietet, verhindern kann man ihn dadurch nicht. Durch das Verbot macht man den Bauern, die mit dem Anbau ihre Familien ernähren und vielen anderen Menschen nur das Leben schwer. Das ist meiner Meinung nach nicht richtig, denn Ganja schadet niemandem, so wie andere chemische Drogen. Im Gegenteil, es erweitert das Bewusstsein und fördert die Kreativität.



Im Moment befinden sich einige der bedeutendsten jamaikanischen Artists, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, im Gefängnis. Welche Auswirkungen hat dies für die Musikszene?
Es hat enorme Auswirkungen für die Szene im negativen Sinne. Es gibt nicht mehr so viele Headliners. Headliner sind wichtig für Promoter aus dem Ausland, denn sie stellen sicher, dass die Leute Tickets kaufen und zu den Konzerten gehen. Dadurch können die Veranstalter sicher sein, dass sie die Kosten wieder reinkriegen und Gewinn machen. Ein aufstrebender Künstler wie ich hat dadurch weniger Auftritte, das bedeutet weniger Promotion und weniger Geld. Ich kann daher nur alle verbleibenden Artists dazu auffordern und ermutigen, ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht in zwielichtige Angelegenheiten verwickeln zu lassen.

Aber kann die jetzige Situation nicht auch eine Chance für Künstler sein, die bis jetzt weniger bekannt sind?
In gewisser Weise schon. Aber es gibt auch viele negative Seiten. Derzeit wollen weniger Leute international mit jamaikanischen Künstlern Geschäfte machen, weil sie keine Lust auf Ärger haben. Jamaikanische Künstler haben Probleme an den Flughäfen. In Miami einzureisen ist für viele zum Problem geworden. Ein jamaikanischer Pass und dazu vielleicht noch Dread Locks sind oft mit verschärften Kontrollen verbunden. Für unbekanntere Artists hat sich ein Fenster geöffnet, sie erhalten auf Jamaika jetzt mehr Aufmerksamkeit, aber wenn man einen Schritt nach vorne macht, muss man auch irgendwann einen weiteren tun, seine Karriere international voranbringen und dies ist schwieriger geworden.

Braucht die Szene neue Vorbilder?
Die Szene und gerade die jungen Fans brauchen definitiv neue Vorbilder. Viele haben zu den Artists, die jetzt im Gefängnis sind, aufgesehen. Man muss aber auch sagen, dass die Jugendlichen von heute wesentlich cleverer sind als früher. Busy Signal zum Beispiel (der wegen Drogenschmuggel gesucht wurde und Jahre lang der Polizei entging, weil er einen Pass mit anderem Namen benutzte) hatte früher bei vielen den Status eines Gottes. Heute hat er mehr den Status eines großen Bruders und wenn dein großer Bruder im Knast landet, hat das eine andere Wirkung als wenn ein Gott gefallen ist. Die Youths können richtig und falsch heute besser unterscheiden und besser bewerten. Trotzdem ist es wichtig ihnen weiter den Weg zu weisen. Sie sollen verstehen, dass das Lebe hart ist, auch wenn sie uns ständig auf Partys sehen.

Welche Pläne hast du in der nächsten Zeit?
Ich habe einiges vor. Mein Album ist gerade erst erschienen und ich bin dabei es zu promoten. Meine Singleauskopplungen sind inzwischen weltweit bekannt und es stehen Shows auf der ganzen Welt an. Große Shows wie das Sumfest auf Jamaika. Ich will noch nichts über Touren sagen, weil viele Dates noch nicht bestätigt sind. Ich werde die Arbeit meines Labels fortsetzen und neue Artists herausbringen. Ich werde weiter Musik leben.

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