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Hanf auf der Straße

100 Tage Cannabiskultour - ein Resümee
Publiziert am: 01.08.12 - Medienformen: Medienform Text

100 Tage für die Legalisierung auf Achse: Steffen Geyers Cannabus


Am 11. August ging mit der Hanfparade auch die Cannabiskultour, das erste bundesweite, mobile Legalisierungsprojekt, zu Ende. Wir haben uns am Rande von Deutschlands größter Hanfdemonstration mit deren Mitorganisator Steffen Geyer getroffen, weil wir wissen wollten, wie es ihm in den vergangenen Monaten “On Cannabis Kult Tour” so ergangen ist.


Hallo Steffen

Hallo HaJo


Wie war Deine Tour?

Anstrengend, lang... und hoffentlich lehrreich.


Ist es schön, nach 100 Tagen CK wieder zuhause zu sein? Oder wärst Du gerne noch ein viertel Jahr on the road gewesen?

Natürlich ist es schön, nach 14 Wochen on Tour mal wieder ausschlafen zu können oder in einer Badewanne zu liegen, aber ein wenig Sehnsucht nach „der Straße“ und ihren Herausforderungen habe ich schon. Auch für mich war die Tour ja ein Experiment. Ich habe täglich neue Menschen kennengelernt, insbesondere mit den „Normalbürgern“ hat man ja im Legalisierungsalltag nur eingeschränkt Kontakt.


Wie hat „Otto-Normal“ auf Dich und unser Anliegen reagiert?

Da war ich doch sehr angenehm überrascht. Mit den Allermeisten konnte ich die Frage „Ist das Hanfverbot sinnvoll?“ ohne Scheuklappen diskutieren. Nur sehr selten traf ich auf Leute, die schon die Frage zu stellen für falsch oder gar „jugendgefährdend“ hielten. Zum Glück waren das aber nur geschätzte 2 Prozent der Besucher am Cannabus.
Auf besonders großes Interesse an meinen Flyern, Reden und Aktionen stieß ich bei Menschen jenseits der Fünfzig. Die „älteren“ stehen dank Cannabismedizin der Legalisierungsfrage weit offener gegenüber, als ich dies vorher gewettet hätte.
Die Beteiligung der Konsumierenden und ihrer Angehörigen steht dafür auf einem anderen Blatt...


War die Resonanz denn so groß wie erhofft?

Leider nein. Wobei ich mir das wohl in erster Linie selbst anrechnen muss. Eigentlich hatte ich ja im Tourkonzept eine Bürokraft vorgesehen, die sich um Papierkrieg, Presse- und Parteienkontakte kümmern sollte. Und als die nicht bezahlt werden konnte, sah ich mich gezwungen, diese Arbeiten auch noch selbst zu machen. Das war dann mit der Planung und Durchführung der eigentlichen Aktionen für eine Person einfach zu viel des Guten.
Und das hat man leider der Webseite und den Aktionen selbst dann doch hier und da angesehen. Wirklich gelungen waren sie nur, wenn ich vor Ort jemanden hatte, auf den ich mich stützen konnte.


Wo war es besonders gut/besonders mies?

Meinen schlimmsten Tag hatte ich in Flensburg. Zur dort geplanten Demonstration vor das Kraftfahrbundesamt kam nicht einmal die Person, die mich dazu eingeladen hatte. Den frustrierten Tweet, den ich daraufhin in die Welt schickte, hat die taz dummerweise zum Anlass genommen, um die schlimmsten Kifferklischees in einem Artikel zu bedienen. Da tat das Alleinsein am nächsten Morgen gleich nochmal weh.
Auch Hamburg war für mich ein emotionaler Tiefpunkt. Obwohl dort Aktive nach Kräften die Werbetrommel gerührt hatten, Poster in den Headshops hingen usw. kamen nur rund 30 Teilnehmer zur Cannabiskultourdemo. Das heißt, dass sich grob geschätzt nur jeder zehntausendste Kiffer der Hansestadt auf den Weg gemacht hatte. Als es losgehen sollte und ich sah, dass die komplette Demo in den toten Winkel des Cannabus passte, hätte ich am liebsten laut geheult.
Ich stand damals kurz davor, die Brocken hinzuwerfen und die Tour abzubrechen. Zum Glück kamen Tags darauf in Bremen erstmals mehr als 100 Leute zu einer Aktion.
Bereut habe ich die Entscheidung fürs Weitermachen danach nie. Auch dann nicht, wenn ich mal wieder nur sehr wenig aktive Unterstützung hatte. In Kassel z.B. hatte ich trotz gerade einmal zwei weiteren Teilnehmern viel Spaß und habe den Bahnhofsvorplatz per Kreide mit Legalisierungsforderungen geschmückt.
Und es gab ja durchaus auch teilnehmerstarke Aktionen. Wer hätte z.B. im Januar darauf gewettet, dass mehr als 550 Menschen laut, bunt und friedlich eine Legalisierung fordernd durch München ziehen würden.


Wie oft und wie wurdest du auf Drogen kontrolliert?

Kontakt mit der Polizei hatte ich außerhalb der Aktionen insgesamt nur vier Mal. Gleich beim Start in Berlin, bei der Abfahrt von Kiel, auf dem Weg nach Lüneburg und kurz nach der Aktion in Bielefeld.
Eine Blutentnahme wurde bei keinem dieser Fälle angeordnet. Und Bitten nach Urintests bin ich natürlich nicht nachgekommen. Vermutlich war den meisten Beamten klar, dass man ein solch auffälliges Fahrzeug nicht bewegt, wenn man was auf dem Kerbholz hat. Mit einem ungeschmückten Golf II hätte man auf der 18.000-Kilometer-Rundreise durch die Republik sicher mehr polizeiliche Aufmerksamkeit erfahren.


Hat das Geld gereicht?

Zumindest hat es gereicht mich wieder nach Berlin zu bringen und auf dem Weg 82 Städte mit Aktionen zu besuchen. Jetzt kommen zwar noch ein paar Ausgaben, aber auch mit den noch offenen geschätzt 250 Euro hoffe ich, das am Ende eine schwarze Null unter der Tour stehen wird.
Das ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht gut. Es heißt nämlich unter anderem, dass weder ich noch die Helfer auch nur einen Cent für unsere Arbeit bekommen haben. Und unbezahlt kann man auf Dauer nicht überleben.


Was passiert jetzt mit dem Cannabus? Geht der nochmal auf Tour?

Zunächst einmal soll der gute Ludwig die nachhanfparadlichen Legalize-Termine in Hannover und Köln besuchen. Und wenn alles klappt, wie geplant, will ich Ende September oder Oktober nochmal durchs befreundete Ausland touren. Aus Österreich, Liechtenstein und der Schweiz habe ich schon entsprechende Anfragen.
Ob und wenn ja wann und wie es eine Wiederholung der Cannabiskultour geben wird, kann ich (noch) nicht sagen. Im kommenden Juli braucht der Cannabus eine neue HU und damit kommen laut den KAGG-Jungs Kosten von rund 2.000 Euro auf mich zu. Damit die von Sponsoren oder Spendern geschultert werden, muss die weitere Verwendung des Fahrzeugs zumindest in groben Zügen geplant sein.
Die Zeit zum Nachdenken ist also begrenzt. Ich würde dies aber dennoch gern öffentlich und mit möglichst vielen Mitdenkern machen. Und das geht nicht über Nacht.


Hast Du erreicht, was du wolltest?

Jein. Mir war zwar klar, dass die Tour nicht so laufen würde, wie auf dem Papier vorgezeichnet, aber für meinen Geschmack war dann doch zu viel Improvisation, zu viel „keine Ahnung ich mach das auch das erste Mal“ usw. dabei. Darüber hinaus wurmt es mich, dass die Aktionen nur selten so gut besucht waren, dass die Medien darüber berichten. Dieses Ziel hat die Cannabiskultour deutlich verfehlt.
Auf der anderen Seite stehen all jene, die durch die Tour dazu motiviert wurden, selbst aktiv zu werden. Hannover, München, Bremen - die Liste der Städte, in denen jetzt mehr Legalisierungsengagement zu sehen ist als vor der Tour, ist zwar nicht ganz so lang, wie die der weiter schlafenden Orte, aber ein Anfang ist gemacht.
Insgesamt darf ich, so zumindest meine Meinung, auf das Erreichte stolz sein und mich über die Cannabiskultour freuen. Mag das Experiment auch wechselhaft verlaufen sein, so scheint mir, „es gewagt zu haben“ auch rückblickend die richtige Entscheidung gewesen zu sein.


Was hast du jetzt vor/ (wie) geht die CK weiter?

Ich habe im Rahmen der Tour an vielen Stellen gehört, dass es Deutschland an einer dezentralen Legalisierungsorganisation fehlt, bei der man sich, egal, ob man in Flensburg oder Passau lebt, aktiv einbringen kann. Darüber will ich in den kommenden Wochen mit einer Reihe Menschen diskutieren.
Außerdem gilt es, mit Blick auf die kommende Bundestagswahl Strategien zu entwickeln, Bündnisse zu schmieden und alte Netzwerke neu zu knüpfen. Meiner Meinung nach sollte gerade in Richtung SPD eine offensivere Form von Kampagnenarbeit gefunden werden.
Dazu kommen diverse Kongresse, Messen und andere Veranstaltungen, die besucht werden wollen. Und die Planungen für die Hanfparade 2013 haben auch schon begonnen.
Last but not least freue ich mich darauf, die seit Monaten ruhende Arbeit an meiner Webseite wieder aufzunehmen. Themen für Tagesräusche, Podcasts und Artikel habe ich nach der Tour zu Hauf, zunächst will ich mir aber die Zeit nehmen, das Layout der Seite zu überarbeiten.


Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, Steffen.


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