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Wer einmal an der Tüte zieht …

Alle zehn Minuten schlägt auf der Prohibitionsuhr des DHV die Schicksalsstunde für einen ertappten Hanfsünder, ...
Publiziert am: 18.09.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu van Hemp
Passende Bilder: Grow Canarias & Projects Seed (via Facebook)

... infolgedessen nicht wenige von den Mühlen der Justiz bis zur Unkenntlichkeit zermahlen werden. Das HaJo sprach mit so einem armen Teufel, den die Repressionskeule mehr als einmal traf und zu dem deformierte, was er heute ist: ein unverbesserlicher, aber glücklicher Haschbruder.


Ahoi, Knut! Du bist ein vielbeschäftigter Mann, hast fünf erwachsene Kinder und residierst im eigenen Penthouse mit Blick auf den Görlitzer Park, der früher ja mal Dein Arbeitsplatz war. So schön hattest Du es nicht immer, denn von Deinen 56 Lebensjahren hast Du vierzehn hinter schwedischen Gardinen verbracht – und das ausschließlich wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot. Plötzensee, Moabit und Tegel, das waren die Besserungsanstalten, die aus Dir einen schlechten Menschen gemacht haben, der der Solidargemeinschaft bis heute mehr Kosten als Nutzen bringt. Den ersten Joint hast Du 1969 geraucht, was zugleich der Beginn einer durchweg erfolglosen Karriere als Dealer, Schmuggler und Grower war. Und diese Laufbahn als Berufsverbrecher gipfelt nun darin, dass Du Dich auf Deine alten Tage als Hartzi durchschmarotzt – und das mit einer Schweizer Uhr am Handgelenk und einer Blondine aus der Ukraine auf dem Schoß, die Dich mit Kaviar füttert. Wie kann das sein, Knut? Bist du jetzt Zuhälter oder Koksdealer im Regierungsviertel geworden?

Iwo! Ich bin nur ein kleiner Ich-AG’ler. Doch die Aktien stehen gut, sehr gut sogar, wie ihr seht. Dank dafür geht an unsere Politiker und Anti-Cannabis-Lobbyisten, die das Verbot aufrechterhalten und damit Leuten wie mir Wohlstand und einen glücklichen Lebensabend garantieren. Also, nix mit Nutten und so ’nem Scheiß. Ich bleibe dem Hanf bis zum letzten Zug treu.


Wie jetzt? Dealst Du noch mit Hasch oder nicht? Immerhin droht Dir bei der nächsten Verurteilung Sicherungsverwahrung. Das heißt, Du wirst in einem überfüllten Gefängnis bei lebendigem Leibe verfaulen, wenn sich bei Dir noch einmal mehr als ein Rauchpiece anfindet.

Das macht mir keine Angst! Ich diene nach wie vor der Heiligen Pflanze und lasse sie überall und nirgends wachsen, aber eben ganz ohne strafbaren Vorsatz. Doch der Reihe nach: Dass ich hier wie Graf Koks das süße Leben genieße, habe ich mir redlich verdient. Als ich 2002 vom Knast direkt ins JobCenter verlegt wurde, habe ich mit meinen Söhnen aus Notwehr einen größeren Grow gestartet – zunächst ganz ohne staatliche Förderung und Zuschüsse. Diese lebensrettende Sofortmaßnahme war natürlich ein Tänzchen auf dem Hochseil ohne Netz und Boden. Dann kristallisierte sich aber eine völlig legale Geschäftsidee heraus, die sich wie von selbst umsetzte. Immer öfter kamen Anfragen aus dem Kundenkreis, ob ich nicht bereit wäre, gegen ein entsprechendes Honorar Homegrow-Anlagen zu installieren und zu betreuen. Ja, plötzlich war ich in der Berliner Yuppie- und Hipster-Szene ein gefragter Mann. Mein erster Kunde war dann auch ein aus Bonn deportierter Bundesbeamter, der sich auf seiner Dachterrasse ein Gewächshaus wünschte. Wie es sich für grün-alternative Bürgersleute gehört, sollte alles auf modernstem ökologischen Stand sein und mit Bio-Strom betrieben werden. Die Krönung aber war der Sonderwunsch der Ehefrau, die Kultur mit Mineralwasser aus einer andalusischen Heilquelle zu bewässern, da sie auch Spinat ziehen wollte.


Stopp mal, Knut! Willst Du uns jetzt einen Bären aufbinden? Was ist denn daran ökologisch, Trinkwasser aus der Wüste zu importieren, um damit in Berlin zu gärtnern?

Äh, ich lüge nicht! Das Wasser habe ich gegen gutes Geld einfliegen lassen. Das Öko-Bürgertum gärtnert doch aus ganz anderen Motiven. Die wollen keine zusammengeschusterte Growbox, die ständig defekt ist und die Bude abfackelt. Nein, unsere kiffenden Stützen der Gesellschaft lieben es edel und teuer. Statusbewusst und nachhaltig soll’s sein. Sagt bloß, ihr habt noch nie was von der „Transition-Town-Bewegung“ gehört? „Urban Gardening“ ist der letzte Schrei – ob Gras oder Spinat, völlig egal! Das ist für die Geld-Schnösel wie eine Runde übern Golfplatz, eben ein Ausgleich für all die Entbehrungen, die sie als angefeindete Fremde in Berlin ertragen müssen. Zugegeben, die Öko-Bilanz ist geschönt, aber wenn erst einmal Düsenjets mit E10 abheben, dann kann man sogar vorsintflutliches Gletscherwasser klimaneutral aus dem Himalaya einfliegen. Überlegt mal: So ein Yuppie-Luxus-Grow ist doch auch Grundlagenforschung. Wasser ist etwas Elementares, und niemand weiß genau nicht, wie sich so ein Edelwässerchen auf das Bouquet der Pflanze auswirkt.
Aber zurück zum Kern meines Business. Der erste Auftrag zeigte, dass dem Yuppie-Gesindel nichts gut genug ist – und ich bin derjenige, der die Wünsche erfüllt, auch wenn sie noch so bekloppt sind. Wie neulich, als ich mich ein Investmentbanker fragte, ob man mit der Anlage auch Koks anbauen kann.



Du kannst Dich also vor Aufträgen kaum retten und hast Zuwachsraten, dass einem schwindelig wird.

Deshalb schalte ich auch keine Werbung im Hanf Journal, sondern spende einen Teil des Profits den jeweiligen Regierungsparteien, damit alles so bleibt, wie es ist. Die Belegschaft und ich, wir wollen bundesweit expandieren. In Berlin ist unser Installationsservice längst konkurrenzlos. Wir sind die Nummer Eins, topzuverlässig, diskret und kreativ. Das wissen die Geldproleten zu schätzen, besonders die Promis aus Politik, Wirtschaft und Kirche. Da ist Sensibilität gefragt. Schließlich birgt die Kundenkartei ein hohes Erpressungspotential. Wenn ich wollte, könnte ich so einige Politiker- oder Juristenkarrieren vorzeitig beenden. Doch ich bin loyal, selbst denen gegenüber, die unanständige Berufe ausüben. Niemals würde ich die Daten meiner Kunden auf eine CD brennen und ans Zollamt verscheuern. Auch nicht für zehn Millionen Franken, ich schwöre! Gleiches gilt für meine Mitarbeiter, von denen jeder einen BtmG-Eintrag im Führungszeugnis vorweisen kann und ein Schweigegelübde abgelegt hat.


Der Rubel rollt also. Aber warum spielt heute noch das JobCenter eine zentrale Rolle in Deinem Leben? Du hast es doch gar nicht nötig, Leistungen zu Sicherung des Lebensunterhalts abzugreifen. Wieso dieser lächerliche Sozialbetrug?

Ich denke, das ist reine Boshaftigkeit von mir. Vielleicht auch Rache an der Gesellschaft für die verlorenen Jahre. Als Karteileiche im Amt lebt es sich zudem relativ unbehelligt und kostengünstig, insbesondere was die schweineteure Krankenversicherung für Selbstständige betrifft. Das JobCenter ist wie Abrahams Schoß für mich – und das nun schon seit zehn Jahren. (Knut lacht.)


Was feixt Du? Hartz-IV ist doch eher zum Heulen.

Ja, wenn man doof ist. Mir macht das jedenfalls einen Mordsspaß, meine Fallmanagerin zu Tode zu ängstigen, wenn ich mal wieder als „Hells Angel“ oder „Salafist“ verkleidet in die Amtsstube trete. Frechheit siegt, Leute! Und wer lesen kann und über etwas Phantasie verfügt, dem empfehle ich die Lektüre des Sozialgesetzbuches. In der „Anleitung zum Sozialbetrug“ steht nämlich haarklein drin, wie man z.B. aus einer illegalen Hanfplantage eine legale Ich-AG macht – und das umsatz- und einkommensteuerfrei. Selbständigkeit ist das Zauberwort in unserem kapitalistisch ausgerichteten System. „Fördern und Fordern“, das ist die Philosophie des JobCenters. Ich verstehe das als Aufruf, sein Hobby zum Beruf zu machen. Ob Klimakteriumberater, Trüffelsammler oder Champignonzüchter, gefördert wird alles – bis der Zwegert kommt. Man muss nur einen Businessplan einreichen, und schon fließen Einstiegsgelder und Kredite. Den Rest macht der Steuerberater. Auf dessen Rat bekommen meine Mitarbeiter ein Direktorengehalt plus Betriebsrente, um die Abgabenlast zu senken. Zudem fahren alle einen Maserati als Dienstwagen, und einen Betriebsrat haben wir auch.


Igitt! Das müffelt ja nach Sozialismus! Gibt’s denn dafür überhaupt passendes Personal? Welcher anständige Deutsche will denn schon in einem Kollektiv rabottern, und das für einen Stundenlohn von über fünf Euro?

Ja, die sittenwidrigen Höchstlöhne, die ich zahle, sind ein Problem. Besonders die MAE-Kräfte vom JobCenter und Lohnsklaven der Zeitarbeitsfirmen begreifen das nicht, wenn ich eine ordentliche Arbeitnehmersparzulage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld drauflege. Die wittern sofort Ehrlichkeit, und das ist heutzutage verdächtig. Ihr seht, Freunde, als Moneymaker hat man es auch legal sauschwer, die ehrlich verdienten Milliönchen wieder unter die Leute zu bringen.
Das ganze schöne Geld ordentlich zu versteuern, ist mir aber zu riskant. Nachher hängt man mir für diese außergewöhnliche Heldentat noch das Bundesverdienstkreuz um den Hals, was mich dann beim JobCenter in Erklärungsnot bringt.
Nun ja, gerne würde ich den Brüdern und Schwestern der Grünen Hilfe und des DHV eine Spende zukommen lassen, aber das wäre natürlich paradox und geradezu suizidal. Aber wenn ihr wollt, ich kenne einen tollen Saunaclub in Budapest. Ihr seid natürlich meine Gäste
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Ja, schönen Dank, Knut! Auch für das aufschlussreiche Gespräch.
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