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Cannabis und THC wirken nicht immer wie erwünscht

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 05.10.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr.Franjo Grotenhermen
Bild: Archiv


Im Jahr 1971 wurde bei Untersuchungen von Marihuanawirkungen auf das Auge zufällig und erstmals entdeckt, dass das Rauchen von Cannabis den Augeninnendruck senkt. Die Doktoren Robert Hepler und Ira Frank aus Los Angeles hatten bei 11 gesunden Personen nach dem Rauchen von Cannabis mit insgesamt 18 mg THC, festgestellt, dass der Druck im Auge eine Stunde nach der Inhalation um durchschnittlich 25 Prozent abgenommen hatte. Die Wirkung variierte allerdings sehr stark zwischen den verschiedenen Teilnehmern. Zwei Teilnehmer reagierten kaum, während bei den übrigen Probanden eine Abnahme des Augeninnendrucks um 16 bis 45 Prozent gegenüber dem Ausgangswert festgestellt wurde.

Cannabis bzw. THC wurde daher für die Behandlung des Glaukoms (grüner Star) vorgeschlagen. Beim Glaukom besteht häufig ein erhöhter Augeninnendruck, der langfristig zur Schädigung des Sehnervs und damit zur Erblindung führen kann. Gleichzeitig macht die Studie aber auch deutlich, dass offenbar nur ein Teil der Betroffenen von einer solchen Behandlung profitiert, denn THC verursacht nicht immer die gewünschte Senkung des Augendrucks. Einmal berichtete mir eine Psychologin, dass sie seit vielen Jahren THC in einer sehr niedrigen Dosis erfolgreich zur Senkung ihres erhöhten Augendrucks verwende. Meistens werden höhere Dosen benötigt, und häufig gehen die erforderlichen Dosen mit relevanten psychischen Nebenwirkungen einher.

Diese unterschiedliche Ansprechbarkeit trifft auch für die Behandlung anderer Erkrankungen mit Cannabinoiden zu. Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin weist daher auf der ersten Seite ihres ACM-Magazins daraufhin, dass Medikamente auf Cannabisbasis leider nicht immer wirken und häufig auch nicht vertragen werden. Bei den vielen positiven Berichten über den Nutzen von Cannabinoid-Medikamenten wird diese Tatsache gelegentlich übersehen.
In vielen Studien zur Untersuchung der Wirksamkeit bestimmter Medikamente bei chronischen Schmerzen wird nicht nur die durchschnittliche Schmerzreduzierung gemessen. Häufig wird auch der Anteil der Studienteilnehmer mit einer Schmerzreduzierung um mehr als 30 Prozent bestimmt.

Diese 30-Prozentgrenze wird als Kriterium für eine klinisch relevante Schmerzlinderung verwendet. Beispielsweise linderte inhalierter Cannabis in einer Studie an der Universität von Kalifornien, die von Professor Donald Abrams geleitet wurde, bei etwas mehr als 50 Prozent der Teilnehmer die Schmerzen um mehr als 30 Prozent. Damit ist die Erfolgsrate von Cannabis bei dieser Erkrankung etwa so hoch wie die anderer Medikamente, beispielsweise Gabapentin.
Wie groß der Anteil der Patienten mit einer bestimmten Erkrankung ist, die von Cannabisprodukten profitieren können, kann nur in großen klinischen Studien ermittelt werden. Wenn keine Studien vorliegen, kann man diesen Anteil nicht oder nur sehr grob abschätzen. Wir wissen beispielsweise, dass Cannabis vielen Migräne-Kranken helfen kann. Entsprechende Erfahrungsberichte von Ärzten gibt es bereits aus dem 19. Jahrhundert.

Wir wissen aber nicht, wie groß der Anteil der Migränepatienten ist, die Cannabisprodukte ausprobiert haben, aber keinen relevanten Nutzen, feststellen konnten. Aufgrund von einzelnen Fallberichten, beispielsweise zur Wirkung von Cannabis bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), kann man schließen, dass einige Patienten mit ADHS offenbar von einer entsprechenden Therapie profitieren. Das gleiche gilt für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schizophrenie, Neurodermitis, Juckreiz aufgrund von Lebererkrankungen, Singultus (Schluckauf) und andere Erkrankungen, bei denen nur Fallberichte über positive Cannabis-Wirkungen bekannt sind.

Skeptiker, die einer medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten zurückhaltend oder gar ablehnend gegenüberstehen, begehen allerdings einen anderen Fehler: Sie nehmen Fallberichte oft überhaupt nicht ernst. Es handle sich dabei schließlich nicht um klinische Studien, die eine Wirkung von Cannabinoiden nachweisen könnten. Wenn jemand jedoch feststellt, dass sein Juckreiz nach der Einnahme von Cannabis deutlich reduziert wurde, und dass dieser Juckreiz wieder auftrat, wenn er die Verwendung einstellte, und wenn er diese Erfahrung vielleicht sogar mehrfach wiederholt hat, dann kann man davon ausgehen, dass Cannabis bei dieser Person den Juckreiz lindert. Und es gibt zudem eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einige andere Personen mit Juckreiz aufgrund der gleichen Ursache ebenfalls von Cannabis profitieren werden.

Unbekannt ist aber der Anteil solcher Patienten mit diesem Juckreiz, der ebenfalls profitiert. Einschränkend muss gesagt werden, dass immer die Möglichkeit von Placebo-Effekten besteht, also von Wirkungen, die auf dem Glauben an die Wirkung einer unwirksamen Substanz basieren. Placebo-Wirkungen können starke Cannabis-Wirkungen allerdings in vielen Fallberichten nicht erklären.
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