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Feuer auf Mechthild Dyckmans

Dyckmans' verpasste Chance
Publiziert am: 05.10.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kommentar von Hans Cousto
Mechthild Dyckmans

Im Jahre 1969 kritisierte im Vorfeld der Umwandlung des Opiumgesetzes (Höchststrafe 3 Jahre) in das Betäubungsmittelgesetz (BtMG, Höchststrafe seinerzeit 10 Jahre, heute 15 Jahre) der nicht nur politisch der Studentenbewegung nahestehende „Spiegel“ das Cannabisverbot, auch die als liberal geltende Wochenzeitung „Die Zeit“ forderte Ende 1969 in einer Artikelserie die Legalisierung oder zumindest die Entkriminalisierung der zum Konsum notwendigen Vorbereitungshandlungen.

Am 4. Juni 1970 informierte Gesundheitsministerin Käte Strobel (SPD) den Bundestag über die Regierungspläne zur Schaffung eines neuen Betäubungsmittelgesetzes, am 13. Juli 1970 präsentierte sie dem Bundeskabinett einen Referentenentwurf, der zwischen den Ministerien abgestimmt und am 12. November vom Kabinett beschlossen wurde. Ziel des Entwurfs war bei den Regelungen betreff Cannabis eine zum Teil erhebliche Erweiterung der Strafrahmen, „um das Gesetz damit zu einem wirkungsvolleren Instrument bei der Bekämpfung der Rauschgiftsucht zu machen“ (Deutscher Bundestag 1971:1). Zugleich verabschiedete das Kabinett unter Federführung des Ministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit ein „Aktionsprogramm zur Bekämpfung des Drogen- und Rauschmittelgebrauchs“ mit ergänzenden Maßnahmen, die vor allem eine Verstärkung der Repression von Handel und Schmuggel zum Inhalt hatten.

An zweiter Stelle stand eine zentral organisierte Kampagne zur „Aufklärung der Bevölkerung“. Neben der offenen Aufklärung umfasste die Kampagne auch verdeckte Öffentlichkeitsarbeit, bei der die Bundesregierung gezielt nicht als Absender der Information in Erscheinung trat, um den Eindruck einer allgemeinen Trendwende gegen den Cannabiskonsum zu erwecken. So stellte sie etwa Schülerzeitungen und anderen Printmedien kostenlos anonyme Artikel und Rundfunkanstalten Funkspots und Abschreckungsfilme zur Verfügung, die für das Publikum wie redaktionelle Beiträge aussehen sollten.

Durch Täuschung sollte somit die Meinung der Bevölkerung manipuliert werden.

Da derzeit im Vorfeld der geplanten Änderungen des BtMG, in dem in Zukunft nicht nur einzelne Substanzen, sondern ganze Substanzgruppen, dem Verbot des allgemeinen Umgangs unterstellt werden sollen, zahlreiche Artikel in den Medien erscheinen, die sehr stark an die populistischen Artikel der frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern, steht die Bundesregierung im Verdacht, erneut zu versuchen, durch Täuschung die Meinung der Bevölkerung manipulieren zu wollen.

Die Cannabis-macht-dumm-Kampagne
In den letzten Wochen konnte man gut beobachten, wie tendenziös und manipulativ die Medien mit einer interessanten Studie umgehen. Sie neigen dazu, Nachrichten im Zusammenhang mit Cannabis möglichst dramatisch darzustellen. Unter Titeln wie „Kiffen macht dumm“ und „Cannabis Konsum mindert Intelligenz“ berichteten die Medien über eine Studie, die ergeben hatte, dass Cannabiskonsum den IQ senken kann, wenn Jugendliche unter 18 Jahren mit regelmäßigem Cannabiskonsum begonnen hatten, während keine solchen Effekte auftraten, wenn mit dem Konsum erst mit 18 Jahren oder später begonnen wurde.
Einige Zeitungen erwähnten immerhin, dass „Jugendliche besonders betroffen“ seien. Dass das Problem für Menschen, die als Erwachsene mit dem Konsum beginnen, gar nicht existiert, wird nirgends erwähnt, ja auch die Feststellung, dass „Jugendliche besonders betroffen“ seien, ist manipulativ, denn korrekt hätte es heißen müssen, dass „ausschließlich Jugendliche betroffen“ seien, da Erwachsene Kiffer gemäß dieser Studie eben nicht betroffen sind.

Die Crystal-Kampagne
In Deutschland war Methamphetamin (Crystal) bis 1988 unter dem Markennamen Pervitin® als Fertigarzneimittel in Apotheken erhältlich, wobei die Dosis pro Tablette bei 3 Milligramm lag. Bis zum 1. März 2008 war Methamphetamin in Deutschland ein verschreibungsfähiges Betäubungsmittel (Anlage III BtMG). Gemäß § 2 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) durfte ein Arzt für einen Patienten bis zu 100 Milligramm Methamphetamin pro Tag verschreiben. Aufgrund der 21. Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung (21. BtMÄndV) vom 18. Februar 2008 (in Kraft getreten am 1. März 2008) ist Methamphetamin durch Umstufung von Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Stoffe) in Anlage II (verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Stoffe) zu § 1 BtMG heute in Deutschland nicht mehr verschreibungsfähig.

Über Jahrzehnte hinweg war Methamphetamin ein Medikament und auf einmal heißt es in dem Medien unter reißerischen Titeln wie „Sucht: Neu, billig, tödlich“ oder „Partydroge auf dem Vormarsch – Crystal macht sofort süchtig“, dass „bei synthetischen Drogen wie Crystal schon der einmalige Konsum süchtig machen könne“ oder „bei Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben zu Drogen greifen, reichten schon ‚geringste Mengen‘ von einem Zehntel Gramm, um abhängig zu sein“ (Focus-Online 15.08.2012). Die „geringste Menge von einem Zehntel Gramm“ durfte ein Arzt bis 2008 einem Patienten pro Tag verschreiben, wobei hier anzumerken ist, dass die übliche Dosis bei zwei Pervitin-Tabletten respektive bis 6 Milligramm lag. Ein Zehntel Gramm ist somit keine „geringste Menge.“

Die Mitteldeutsche Zeitung zitierte beispielsweise unter dem Titel „Droge Crystal macht sofort abhängig“ Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP) mit den Worten: „Wir halten sie eigentlich für die gefährlichste Droge, die im Moment auf dem Markt ist.“ Und weiter heißt es in dem Artikel „Wir sehen bei den synthetischen Drogen wie Crystal sehr häufig einen Persönlichkeitszerfall.“ Bei Kokain oder Heroin bleibe die Persönlichkeit laut Roth-Sackenheim dagegen einigermaßen erhalten. Abhängige könnten noch ihrem Job nachgehen.

Aufmerksame Leser fragen sich hier zurecht, wie ein verschreibungsfähiges Medikament innerhalb weniger Jahre zur „ gefährlichste Droge“ mutieren kann und vor allem auch, wieso nirgends seriöse Hinweise zur Dosierung in den Medien zu finden sind, denn, wie Paracelsus schon feststellte, allein die Dosis macht‘s, dass ein Ding kein Gift sei.

Dyckmans verpasste Chance
Die Aufgabe der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist es, die Öffentlichkeit korrekt über Drogen und die Folgen ihres Konsums aufzuklären.

Wenn in den Medien massenweise reißerische und irreführende Artikel erscheinen, gehört es zu ihrer Pflicht, korrigierend einzugreifen und durch sachliche Aufklärung dem medialen Populismus entgegenzuwirken. Doch Mechthild Dyckmans verpasste in den letzten Wochen diese Chance, und so verstärkt sich erneut der Verdacht, dass die Bundesregierung wie in den 70er Jahre des letzten Jahrhunderts versucht, durch Einflussnahme auf die Medien und durch Täuschung die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren.
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