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Hanf hat viele Gesichter

Demeter - Ein Projekt für die Erhaltung der Sortenvielfalt
Publiziert am: 06.11.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kimo
Faserhanf-Samen zu importieren kann schwierig werden.... - Foto: Archiv


Die meisten Hanfsorten sind in Deutschland inklusive ihres Saatguts verboten oder nicht frei erhältlich. In Spanien gibt es solch restriktive Bestimmungen nicht, weshalb sich eine Gruppe von Geschäftsleuten sich entschlossen hat, ein schon lange geplantes Projekt zur Erhaltung der Sortenvielfalt der Cannabispflanze im von der Banken-Gier gebeutelten Land zu initiieren. Die erbitterte Strafverfolgung des Anbaus der Cannabis Sativa L. und ihrer Unterarten hat in den letzten 50 bis 100 Jahren aus verschiedensten Gründen zur unkontrollierten Kreuzung der Unterarten geführt, die eine schrittweise Homogenisierung der Cannabis Sativa L. zur Folge hatte.
Seit ein paar Jahren gibt es aufgrund des technologischen Fortschritts im Bereich der Faser-Verarbeitung aber wieder ein wachsendes Interesse der Industrie an Hanffasern, die durch die Erfindung der synthetischen Fasern schon fast gänzlich vom Markt verdrängt worden waren.
Wenn man allerdings die Unterarten betrachtet, die der Hanf-Industrie nicht als relevant erscheinen ist sicher, dass viele der Unterarten, die von der Menschheit schon seit Jahrtausenden kultiviert und verwendet werden, in Kürze für immer verloren sein werden.

Das Vorhaben von DEMETER ist die industrielle Produktion von Samen der Cannabis Sativa L. und deren Nebenprodukte zu fördern und zudem in einer kontrollierten Umgebung, die Zucht und Entwicklung genetisch stabilen Saatguts um dessen genetische Vielfalt zu erhalten.

Profitieren sollen Sammler, Großhändler, Samenbanken, Botanische Gärten und Universitäten, Industriehanf-Bauern, zugelassenen Plantagen für die Samenproduktion und/oder deren Nebenprodukte sowie anerkannte Cannabispatienten mit einer Anbauerlaubnis.
Außerdem soll eine einheitliche Datenbank zu Herkunft, Herstellern, Bezeichnungen, Eigenschaften wie Ungeziefer- oder Pilzresistenz, medizinischen Anwendungsmöglichkeiten, industrielle Anwendungsmöglichkeiten sowie dem Gencode angelegt werden. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, für künftige Generationen dauerhaft saatfähigen Samen für den spezifischen Einsatz in der medizinischen Therapie, die industrielle Anwendung und/oder den Anbau zu dekorativen Zwecken zu erhalten.
Der Verein beschäftigt sich ausschließlich mit der Erforschung der Cannabis Sativa L. und ihrer Unterarten sowie der Züchtung von Samen, um die genetische Reinheit zu gewährleisten. Die Samenproduktion und die Erhaltung des Art typischen Erbguts der Cannabis Sativa L sind die obersten Ziele des DEMETER-Zentrums.

DEMETER ist also kein Samenshop oder eine Samenbank, sondern wird von engagierten Privatpersonen betrieben, die an umfassender Information und einer Verbreitung der Cannabiskultour auf der ganzen Welt interessiert sind. Deshalb bietet Demeter auch keine Dienstleistungen für Einzelpersonen, die nicht mit dem Zentrum oder dem Projekt verknüpft sind an.


Ein Interview mit Michael Moldrickx, einem der Gründer von DEMETER

Wir konnten freundlicherweise Michael Moldrickx , dem Gründer von DEMETER, ein paar Fragen zu seinem ambitionierten Projekt stellen:


Hallo Micha,Wie bist du auf die Idee gekommen, ein solches Projekt zu starten?

Micha: Hmmmm, gute Frage, also ehrlich gesagt war das nicht eine Idee, sondern mehr das Endresultat diverser Umstände. Angefangen hat das durch ein Gespräch mit meinem Arzt hier in Spanien.
Ich hatte im November 2003 einen Auffahrunfall. Ich wollte zurücksetzen und befand mich dabei in einer seltsamen Sitzposition, mit dem Arm hinterm Beifahrersitz. Der Schlag war gar nicht so schlimm, aber dank der Stellung habe ich mir ein Faceten-Syndrom im Rückgrat eingehandelt, dank dem ich nun unter chronischen Schmerzen leide.
Da ich zudem auch massive Probleme mit den hiesigen Behörden in Bezug zu meiner Arbeitsunfähigkeitsrente bekam, meinte ich zu meinem Arzt: Die verdammte Medizin ist so teuer, dass es sich fast lohnen würde, sich ein paar Pflanzen zuhause zu ziehen. Daraufhin meinte er: „Das ist ganz genau was du machen solltest, aber ich hab dir das nicht gesagt.“
Ein paar Tage später, als mir mal wieder richtig das Kreuz schmerzte, fiel mir das Gespräch wieder ein.
Deshalb habe ich mir die entsprechenden Gesetzbücher raus gekramt um mich mal genau über dem Thema „Anpflanzen zum Eigenbedarf“ schlau zu machen. Zudem habe ich angefangen mir zu überlegen welche Sorte ich mir Pflanzen wollte. Je mehr ich mich in die Gesetze vertiefte, desto mehr wurde mir klar, dass Konsum und der Besitz zum Eigenbedarf nicht gegen das Gesetz verstoßen und zudem das Anpflanzen zum Eigenbedarf auch vollkommen straffrei ist.
Lediglich nicht genehmigte Anpflanzungen zum Handel, der Handel an sich und der Konsum in der Öffentlichkeit stehen hier unter Strafe. Da man aber als Privatmensch keinen juristischen Rückhalt hat, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ein Cannabis- Verein das Beste und Angebrachteste wäre.
Ich hatte mich entschlossen, Kongo-Gras anzubauen und nach fast einer Woche hatte ich immer noch kein Kongo Gras ausfindig machen können. In Anbetracht der Probleme habe ich die Suche auf einige andere seltene, mir aber sehr sympathische Sorten wie Tahi ausgeweitet. Das Resultat war sozusagen das gleiche: ‚‘Das ist doch nicht mehr normal, dass in all den Jahren kein Mensch eine öffentlich zugängliche Datenbank für Hanfsamen erstellt hat“.
Beim Zusammenstellen der Vereinsstatuten ist mit dieser Gedanke immer wieder durch den Kopf gegangen, weshalb ich mich in der Folgezeit auch mehr und mehr dem Thema Samenbank und Artenerhaltung gewidmet habe.
Ich kam zu dem Schluss, dass das Vorhaben nur durch das Anlegen eines Botanischen Gartens, der sich auf Cannabis spezialisiert hat, durchführbar ist. Deshalb umfassen die Vereinsziele jetzt auch die Arterhaltung.


Über wie viele Sorten hast du anfänglich verfügt?

Micha: Wir sammeln noch, um bald den Garten anlegen zu können. Zurzeit verfügen wir über verschiedenste EU-Faserhanfsorten, von denen wir einen Teil aus Deutschland importieren mussten, weil hier der Faserhanfanbau fast unbekannt ist. Dazu später mehr. Beim Medizinalhanf für den Club haben wir bislang zwei Phänotypen Acapulco Gold, drei Sorten Columbian, Panama Red, Congo, Jamaican sowie Cheese.


Sind die spanischen Behörden kooperativ oder gab es schon mal Ärger?

Micha: Ich habe mich bereits neun Jahre mit den hiesigen Behörden wegen meines Unfalls rumgestritten und prozessiert. Da die meisten Anwälte mich lediglich ausnehmen wollten, habe ich das meiste persönlich in die Wege geleitet, aufgesetzt und/oder eingereicht.
Was uns viele Probleme bereitet sind die Unkenntnisse der Behörde in den diversen Bereichen. Ein kleines Beispiel:
Es gibt in Spanien keine staatliche Botanische Datenbank. Daher habe ich mich mit der hiesigen Wirtschaftskammer in Verbindung gesetzt, damit man uns doch bitte die Grund- und Auflagen mitteilt, die wir erfüllen müssen, um uns als Manager eines auf Hanf spezialisierten Botanischen Gartens einzuschreiben. Als Antwort teile man uns mit, dass wir uns ans Gesundheitsministerium wenden sollten. Darauf musste ich den Herren erstmal aufklären, dass wir die Gesetze kennen und dass das Gesundheitsministerium damit nichts zu tun hat.
Was auf jeden Fall auf Widerstand stößt, ist das ausgerechnet ein paar Ausländer so ein ungewöhnliches Projekt in Angriff nehmen. Aber nach 42 Jahren auf den Kanaren kenne ich so etwas: In den Bestimmungen für die Bonus-Bustransportkarte für Rentner und Schwerbehinderte steht zum Beispiel, dass Bonus-Bustransportkarten nicht an Ausländer, die auf der Insel residieren ausgehändigt werden.
Von Seiten der Polizei halten sich die Probleme im Rahmen. Solang man die Sache nicht versteckt und man keine Gesetze überschreitet und man nicht angezeigt wird, lassen sie einen in Ruhe. Wie ich zuvor schon angedeutet habe, besitzt ein Verein auch einen juristischen Hintergrund, dem zufolge die Anpflanzung „berechtig“ ist. Wenn man anderseits beim privaten Grow Besuch bekommt, ist es gut möglich, dass die Herren in Uniform nicht so freundlich sind, vorzeitig ernten und dir zudem die Bude rückwärts aufräumen. Je nach Stimmung. Hauptsächlich kommt es auch auf die Laune des Einsatzleiters an, könnte auch gut sein das man die Pflanze stehen lässt.
Wenn man dich auf der Straße beim Rauchen erwischt, kostet dich das ein saftiges Knöllchen. Finden sie nur Eigenbedarf, können sie es dir abnehmen und versuchen, dir eine Anzeige wegen Verstoß gegen die „öffentliche Gesundheit“ aufzubrummen. Aber wenn man nicht gerade an Orten wie einer Schule mit etwas in der Tasche erwischt wird, passiert auch nix. Wenn dann mal einer wegen öffentlicher Kifferei oder einem kleinen Peace bestraft wird, kann man zwischen einer Geldstrafe (300-600 Euro) oder einem einwöchigen (Gehirnwäsche)-Kurs zu Cannabis wählen. Viele zahlen lieber.
Viele der Cannabis Vereine, die immer wieder Probleme mit der Polizei oder dem Gericht haben, halten sich nicht penibel an die Vorschriften oder handel gar halb-öffentlich. Kurzum: wer‘s übertreibt, muss sich nicht wundern...


Gibt es einen Fokus auf Nutz-, Rausch- bzw. Medizinalhanf oder existieren alle Verwendungszwecke gleichberechtigt nebeneinander?

Micha: Cannabis ist für uns Cannabis, wir machen da keinen Unterschied. Der einzige Unterschied liegt in der Anbauform. Freizeit- und/oder Medizinalcannabis müssen aus Sicherheitsgründen in einer abgesicherten Umgebung gezogen werden, also in Treibhäusern, Dachterrassen, Growschränken oder abgetrennten Räumen. Medizinalcannabis muss zudem in einer sauberen und aseptischen Umgebung gezüchtet werden, wofür Labore oder Spezialtreibhäuser notwendig wären. Faser- und Nutzhanf hingegen kann einfach wie Weizen angebaut werden.


Inwieweit beeinflusst das Verbot der Pflanze, die ja auch in Spanien nicht komplett legal ist, deine Arbeit?

Micha: Die Cannabis Pflanze ist nach dem Spanischen Gesetz nicht illegal. Das Spanische BtMG bezieht sich auf „nicht genehmigte Plantagen und Kulturen“. Ein paar Pflänzchen zum Eigenbedarf sind keine Plantage und keine Kultur. Es gibt in Spanien Freisprüche für den Anbau oder/und den Besitz beachtlicher Mengen, die für deutsche Verhältnisse unvorstellbar wären.
Es hört sich komisch an, aber die meisten Probleme haben wir mit dem Nutzhanf. Da es hier keinen Nutzhanfanbau gibt, wissen die Behörden nicht, wie das vor sich geht und wir müssen oft die zugehörigen Gesetze und Vorschriften aushändigen, um Zeit zu sparen. Dann kann man sich auch nicht als Hanfproduzent einschreiben oder die Plantagen registrieren lassen, weil es einfach kein entsprechendes Register gibt. Von vielen der Landwirten, die wir ansprechen, gibt es eine sonderbare Reaktion, entweder gucken die einen an, als ob man den Verstand verloren hätte und meinen, dass sei illegal. Oder sie sagen zu und halten dich in.
Nachdem wir erklärt hatten das wir die Maschinen, Samen und Erfahrungen stellen, das erste Jahr die Pflanzen an das Gelände, Wasser und Klima anpassen und das Gelände offiziell als Biofarm einschreiben lassen, haben wir nun doch eine Möglichkeit gefunden, 2013 Nutzhanf anzubauen. Im zweiten Jahr werden wir den Landwirt schulen und für die notwendigen Kurse sorgen und das Gelände mit ihm zusammen bestellen. Ab dem dritten bis zum fünften Jahr stellen wir die Samen und Beratung, wobei ihm dann 90% der Ernte zustehen.
Auch die Versicherung macht uns einiges Kopfzerbrechen. Da die Versicherungen für Bauern staatlich unterstützt werden, man kann sich nur von März bis Mai für ein ganzes Jahr versichern, quartalsweise ist nicht möglich, was unseren Start nicht gerade einfacher gemacht hat.
Anderes Beispiel: Wir haben vor ein paar Wochen Nutzhanfsamen aus Deutschland Importiert. Bis dahin war das ja in Ordnung, nur bei der Einfuhrinspektion hatte der Zoll uns die Samen als „nicht für die Aussaat“ klassifiziert.
Super, wir importieren Hanf Bio-Saatsamen, haben die Samen hier und können die Samen noch nicht mal aussähen oder verkaufen. Die regionalen Behörden wollten das einfach nicht umändern. Nach zwei Mails und einem zwei Stunden-Telefonat mit dem Landwirtschaftministerium in Madrid erhielten wir 15 Minuten nach dem Auflegen einen Anruf, in dem man uns mitteilte, dass alles nur ein Irrtum war und wir nur den Import neu beantragen müssten. Eine Stunde später hatten wir die berichtigte Einfuhr Bescheinigung. Spanien eben.


Hast du bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Wenn ja, wie sehen die aus?

Micha: Die meisten Erfolge sind zu Beginn administrativ. Man muss bedenken, dass die meisten Vereine nach zwei oder zweieinhalb Jahren noch immer auf ihre Register- und endgültige Steuernummer warten. Wir haben unsere Nummern - trotz zwei Statuten Verbesserungsauflagen von Seiten des Zentralregisters - nach neun Monaten erhalten.


Wie ist dein Fazit, jetzt nach einem viertel Jahr?

Micha: Wir können uns nicht beklagen, wir haben es ohne staatliche Unterstützungen oder finanzielle Hilfe geschafft, die erste Ladung Saatsamen zu importieren, was an sich schon schwierig und nicht billig war. Zudem haben wir schon eine Sämaschine, eine hydraulische 80-Tonnen Presse, eine Entkörnungsmaschine, und 80% der Teile für unsere Öl- Zentrifuge. Zurzeit verhandeln wir über den Kauf eines Häckslers. Wir haben mehr Land zur Verfügung, als wir mit den Samen bestellen können. Wir bräuchten auf jeden Fall noch einen Balkenmäher und einen Einachser mit Zubehör, aber im Moment müssen wir uns diesbezüglich gedulden, denn wir decken fast alle Kosten aus eigener Tasche. Die Winteraussaat ist vorrangig, der Balkenmäher kommt später.


Was sind eure nächsten Schritte?

Micha: Wir wollen dafür sorgen, dass Nutzhanf als Rotativ-Saat von den hiesigen Landwirten getestet wird. Wir sind dabei, uns als Verwalter eines Botanischen Gartens einzuschreiben und wollen alsbald dann mit der Planung und Durchführung beginnen. Das mögliche Gelände existiert bereits.
Wir möchten die Gemeinde dazu bewegen, uns die beantragten Räumlichkeiten für Lager und Lokal zur Verfügung zu stellen. Zudem werden wir die Insel- und Regionalregierung ununterbrochen bearbeiten und um Unterstützung bitten.
Denn wir machen das nicht, um daraus persönlichen Profit zu schlagen, sondern nur um mit viel Einsatz und Willen die hiesige Wirtschaft innovativ zu fördern.


Dann wünschen wir Dir alles Gute und viel Erfolg mit dem Projekt. Danke und Tschüss

Micha: Ich danke euch, bis bald.
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