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Arthurs Triathlon

Radfahren, Laufen, Kiffen
Publiziert am: 06.11.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Mirko Mische
Gute Fahrt, Arthur


Ich kenne Arthur jetzt schon über 30 Jahre und wundere mich heute nicht mehr, wenn der Mit-Vierziger mit seinem Mountain-Bike mal eben an einem Nachmittag 1000 Höhenmeter im steilen Gelände abreitet, kurz duschen geht und danach seine Bong wie ein Sauerstoffgerät, das ihn von drei Tagen Luftmangel befreit, bearbeitet. „Hfffffff“, ein kurzer Huster, tiefes Durchatmen und ein leichtes Grinsen, fertig.


Mein Schulfreund Arthur
Unsere Wege haben sich irgendwann in der sechsten oder siebten Klasse gekreuzt. Ich war damals ein guter Fußballer und Arthur war auf Landesebene einer der besten Handballer seiner Altersklasse. Arthur war damals einer meiner engsten Freunde und wir haben nach der Schule immer viel Zeit miteinander verbracht, eine Menge Unsinn und viel Sport getrieben, und so mit 14 oder 15 entdeckten wir gemeinsam den Reiz des weiblichen Geschlechts sowie des Rausches. Unsere bevorzugte Droge war selbstredend der Alkohol. Haschisch war in unserem dörflichen Umfeld der frühen 1980er Jahre komplett verpöhnt und wir wollten ja damals auch noch nix mit den drogensüchtigen Hippies gemein haben, die man im Jugendzentrum der nächstgrößeren Stadt rumlungern sehen konnte. Leider hatte Arthur, genau wie im Sport, ein leichtes Problem, sein rechtes Maß beim Stemmen von selbigem einzuschätzen und so kam es häufiger vor, dass er sich bis zur Besinnungslosigkeit betrank und auf dem Weg ins Delirium alles vollkotzte, was sich ihm in den Weg stellte; inklusive seiner ersten zarten Jugendliebe. Arthur hatte zu dieser Zeit nur so nebenbei fünf Mal die Woche Handball-Training, mit Leistungszentrum, Begabten-Sichtung und allem Pipapo. Seine Eltern, beide Rechtsanwälte, waren ziemlich mit sich selbst beschäftigt und selbst dem Suff nicht ganz abgeneigt und haben so, mit Ausnahme seiner sportlichen Erfolge vom Privatleben ihres Sohnemanns, fast nix mitbekommen. „Wir haben früher auch öfter mal einen über den Durst getrunken, geschadet hat‘s nicht“ höre ich Arthurs Vater heute noch sagen, als ich seinen Sohn einmal fast besinnungslos zu Hause abgeliefert habe. In der Schule waren wir weiterhin ganz gut, unter der Woche waren halt selten Partys angesagt und die wenigen Freiheiten, die wir hatten, waren nur durch halbwegs gute Leistungen in der Schule durchzusetzen, da waren wir uns einig. Ich habe damals auch gerne mal ein Bier mehr getrunken, als mein Durst verlangte, kannte jedoch immer meine Grenze und deshalb haben meine sportlichen Aktivitäten auch nicht mehr als bei anderen Jugendlichen gelitten: Ich habe nicht mehr ganz so viel trainiert wie früher, bin aber sprichwörtlich am Ball geblieben.

Nicht nur beim Sport maßlos
Arthur hingegen war so damit beschäftigt, Schule, Wochenend-Suff und die zunehmende Zahl der Kneipengänge unter der Woche unter einen Hut zu bringen, dass seine sportlichen Aktivitäten immer weniger wurden. Außerdem hatte Arthur nur selten eine Freundin, weil er die besten Gelegenheiten immer aufgrund seines Zustandes verpasst hatte, komplett besoffen baggert‘s sich eben schlecht. Kurz vor dem Abitur, also so mit 18, haben wir auch angefangen, ab und zu zu kiffen und hatten eine Menge Spaß dabei, allerdings spielte das in unserer Freizeitgestaltung damals noch eine sehr untergeordnete Rolle. Eine kurze Episode sollte jedoch wichtig für Arthurs Zukunft werden: Meine Eltern hatten mich gefragt, ob ich das Zeug schon mal gespritzt hätte, als ich mit ihnen über das Suchtpotential von Cannabis reden wollte.
Arthurs Eltern hingegen wollten ihn ganz kurz vor dem Abitur wegen eines im Aschenbecher vergessenen Joints sogar vor die Tür setzen. Er konnte das Desaster der Obdachlosigkeit vor dem Abitur nur mit dem Versprechen, nie wieder im Leben zu kiffen, abwenden. Daraufhin beschlossen wir zusammen, dem elenden Kaff nach der demnächst anstehenden Reifeprüfung umgehend den Rücken zu kehren. Als wir dann schließlich zusammen unser Abi gemacht hatten, hatte Arthur den Sport komplett aufgegeben und fast 10 Kilo zugenommen, kurzum: Er hatte zwar sein Abi in der Tasche, sah aber scheiße aus und hatte bereits mit 19 Lenzen ein mittelschweres Alkoholproblem. Eine Freundin hatte er selbstredend auch nicht. So trennten sich unsere Wege für ein paar Jahre, wir verließen unser Dorf, um jeder für sich die große Welt zu erkunden. In den folgenden Jahren trafen wir uns ab und an auf ein Bier in unserer alten Stammkneipe und ich kann nicht abstreiten, dass ich mir arge Sorgen um meinen alten Kumpel gemacht habe. Er wog jetzt fast 20 Kilo mehr als zu seinen besten Zeiten, soff wie ein Loch, rauchte Kette, hatte gerade seinen Führeschein verloren und war zwei Jahre nach dem Abitur im Begriff, sein Studium zu schmeißen, ohne eine andere Zukunftsperspektive zu haben.
Als ich dann über Umwege erfahren hatte, dass er tatsächlich der Uni den Rücken gekehrt und sich auf einen Indien-Trip begeben hatte, habe ich wirklich geglaubt, dass es Arthur jetzt völlig aus der Kurve trägt. Ich bin dann auch wegen des Studiums zwei Jahre ins Ausland und irgendwie hatte ich dann für eine Weile den Kontakt zu Arthur verloren. Vor dem Internet- und Handyzeitalter war sowas schon mal schnell passiert. Ein einfaches, kurzes Telefonat ins Ausland kostete damals noch ein kleines Vermögen.


Wie verwandelt
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich ziemlich schnell herausgefunden, dass Arthur jetzt in Hamburg wohnt und mich sofort mit ihm verabredet. Beim Wiedersehen hatte ich ernsthafte Probleme, meine Überraschung zu verbergen, denn mir stand ein durchtrainierter, braun gebrannter Typ gegenüber, der zwar ein wenig älter geworden war, aber endlich wieder aussah wie in seinen besten Zeiten.
Wir sind dann in so einem Szeneladen vegetarisch Essen gegangen, um den wir früher einen großen Bogen gemacht hätten. Arthur schien das Essen zu schmecken, mich hat die riesige Tüte, die er nach dem Essen einfach unverblümt (wir schreiben das Jahr 1996) angezündet hat, ehrlich gesagt tiefer beeindruckt als das weich gekochte Tofu mit salzloser Beilage, bei Arthur schien es eher anders herum. Aber seine neue Lebensweise schien ihm ganz gut zu tun. Er erzählte mir pausenlos von den physiologischen Vorzügen der Bio-Sojabohne, ich wollte aber viel lieber wissen, welch wundersame Wandlung mein Jugendfreund vollzogen hatte. Das sollte ich dann auch peu à peu im Laufe des Abends, der von zahlreichen Pur-Tüten umrahmt wurde, erfahren:
Nachdem er sein Studium geschmissen hatte, ist Arthur nach Indien gefahren und hat in Goa erstmal so weitergemacht wie in Deutschland, allerdings kamen dort noch LSD, Pilze und (fast) die ganze Palette illegalisierter Drogen dazu. „Nur von Opiaten habe ich die Finger gelassen, was bei meiner Anfälligkeit für Alkohol sicher eine weise Entscheidung war“, klingt es mir noch heute in den Ohren, wenn ich an den Oktoberabend im Jahr 1996 zurückdenke. Nach sechs Wochen Goa-Party war Arthur so fertig, dass er Erholung im Norden, also der Bergregion des Subkontinents, suchte. Er kam dort in einem Ashram unter, ohne sich von den spirituellen Faible vieler Reisender anstecken zu lassen, er wollte einfach nur seine Ruhe. Alkohol gab es nicht, dafür fleischfreie Kost und Ganja so viel man wollte. Arthur blieb viel länger als er es geplant hatte, half beim Wiederaufbau alter Gebäude mit und nahm ab. Nach drei Monaten waren es 10, nach fünf Monaten zwanzig Kilo. Nach über einem halben Jahr ist Arthur dann zurück nach Deutschland und hatte endlich einen Plan, wie er sein Leben zukünftig gestalten wollte:
-Eine handwerkliche Ausbildung als Basis für alles Weitere,
-Weed statt Alk und
-Sport wie in alten Zeiten.

Die handwerkliche Ausbildung war schnell gefunden und so kam es, dass sich mein alter Schulfreund für die kommenden zwei Jahre als Tischler auf dem Bau wiederfand, um am Ende einen Gesellenbrief in der Tasche zu haben. Das mit dem Weed war Mitte der 1990er Jahre in Hamburg gar kein Problem, aber Arthur wollte schon immer das volle Programm. so kaufte er sich im ersten Growshop Hamburgs bereits 1996 seine erste Lampe, deren Nachfolgerin heute noch diskret seine Speisekammer ziert, doch dazu später.
Nach der Rückkehr aus Indien hatte Arthur die Zeit bis zum Anfang seiner Ausbildung mit einem Job als Fahrradkurier überbrückt, was sich während und nach der Lehre bezahlt machen sollte. Seit 1996 nutzt er öffentliche Verkehrsmittel nur noch in äußersten Notfällen und legt jede Meter mit dem Drahtesel zurück. Irgendwann nach einem Bandscheibenvorfall hat er dann Mitte des neuen Jahrtausends den Langstreckenlauf für sich entdeckt und konsequent betrieben:“Wenn ich nicht so ein mieser Schwimmer wäre, hätte ich auf meine alten Tage noch einen Triathlon versucht“ hat mir Arthur neulich wieder mal gesteckt. Alter Spinner, denke ich, das mit dem rechten Maß hast Du immer noch nicht raus. Hauptsache es tut gut.....


„Im Rhythmus“
Seine erste Tat nach der Gesellenprüfung war eine Radtour nach Spanien und retour, um dort einem Freund mit seinen neu erworbenen Kenntnissen ein halbes Jahr lang beim Hausbau zu helfen. Seitdem ist das Fahrrad auch auf Reisen sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Seit unserem Wiedersehen 1996 habe ich den Kontakt zu Arthur immer aufrecht erhalten, obwohl wir fast 500 Kilometer voneinander entfernt wohnen, einmal hat er mich sogar mit seinem Rad besucht. Ich habe echt nicht schlecht gestaunt, wie der bei uns täglich Berge hoch- und runtergeradelt ist, um abends noch 10000 Meter in 45 Minuten zu laufen. Das Beste dabei: Arthur kifft fast unaufhörlich, soll heißen: Den ersten Joint oder Vaporizer gönnt er sich nach dem Frühstück und dann geht das so weiter bis spät abends. Arthur wird auch nicht mehr so breit, er sagt er brauche das, um im Rhythmus zu bleiben. Ich könnte das auf keinen Fall, ich wäre nach den ersten drei Zügen bewegungsunfähig, aber mein alter Kumpel legt dann erst so richtig los.
Arthur meint heute, er nutze Ganja seit nunmehr fast 20 Jahren als Nikotin-Alkoholsubstitut. „Was soll ich mir da vormachen? Ich habe fast acht Jahre lang exzessiv gesoffen und Zigaretten geraucht und habe nie eine Therapie gemacht oder Ähnliches. In Indien habe ich dann eher zufällig einen für mich gangbaren Weg gefunden, mit meiner Sucht zu leben, indem ich angefangen habe, regelmäßig Weed zu rauchen, was meinen Drang nach Suff vollends und den nach Kippen fast komplett beendet hat. Zwei Jahre später habe ich mir dann nach dem Alkohol die Zigaretten auch noch ganz abgewöhnt, nachdem es automatisch immer weniger geworden waren. Mein Arzt ist mit meinen Werten heute, wo ich 46 bin, hochzufrieden und mir geht es auch sonst blendend. Ich werde halt vom Kiffen nicht mehr richtig breit, so wie die meisten Gelegenheitskonsumten aus meinem Freundeskreis in meinem Alter oder gar Neueinsteiger. Aber das nehme gerne in Kauf. Ob ich bis zum Lebensende kiffen werde, weiß ich selbst noch nicht. Aber wenn nix dazwischen kommt, sieht es zur Zeit ganz danach aus.“


Epilog
Arthur hat dann nach seiner großen Radtour nach Spanien erstmal als Tischler gearbeitet, nebenbei eine kleine Familie gegründet und lebt heute mit seinen beiden Söhnen in der Hansestadt. Er arbeitet seit ein paar Jahren nur noch vom Büro aus und plant jetzt das, was er fast zehn Jahre gebaut hat: Den Innenausbau denkmalgeschützer Altbauten, denn nach seinem schon erwähnten Bandscheibenvorfall wollte er nicht mehr jeden Tag auf der Baustelle stehen. Morgens vor der Arbeit vaporisiert er ein oder zwei kleine Köpchen, danach geht er arbeiten, seine Kinder abholen, kochen- also das volle Programm. Arthur unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht groß von den vielen Vätern dieses Landes, mit einem kleinen Unterschied: er baut das Gras, was er täglich raucht, selbst an. Ich kenne mich nicht besonders gut mit den Anbau von Gras unter Licht aus, deshalb soll ich den Leser/innen vom Hanf Journal folgendes ausrichten: “Ich habe mir schon sehr früh eine kleine Box und eine kleine Mutterkammer gebastelt, die mich seit Langem unabhängig vom Schwarzmarkt macht. Für die Muttis und Stecklinge nutze ich 40x40 cm bei 75 Watt, meine Blühkammer hat eine 250 Watt Leuchte auf einer Fläche von 50x90 cm. Ich baue immer nur eine Sorte an, weil ich nur Platz für eine Mutter habe und nicht gerne mit Fremden Sorten tausche, wegen Krankheiten und so. Zur Zeit stehen neun Jack Flash in der Blüte, von denen ich mir wieder so um die 200 Gramm Ertrag erhoffe.“
Wie gesagt, mir wäre das als Hobby zu aufwendig, wenn ich sehe, dass Arthur jeden zweiten Abend, nachdem die Kinder versorgt und im Bett sind, stundenlang seine Pflanzen hegt. Aber ich kiffe ja auch nicht immer, dafür aber immer öfter, seit ich mich mit Arthur wieder regelmäßig treffe.
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