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Growing Easy?

HC4L auf Messebesuch
Publiziert am: 01.12.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: HC4L
Foto: HC4L

Auf einer der vielen Messen in diesem Herbst hatte ich Gelegenheit, mit Antje zu sprechen. Frauen im Grow-Business sind ja eher selten anzutreffen, umso mehr hat es mich gefreut, dass wir Zeit gefunden haben, beim Essen ausführlich über Ihre Indoor-Anlage zu sprechen.

Aber kurz zum Anfang. Alle paar Monate findet eine Hanfmesse statt; also Zeit Freunde zu treffen und sich bei diversen Händlern mit Kaffee und Knabberkram den Bauch vollzuschlagen. Ich chille gemütlich mit Kaffee am Stand von einem Händler, als ich ein Gespräch mitbekomme, bei dem es um die Reparatur von Grow Zubehör geht. Genauer gesagt dreht es sich um ein älteres Modell eines Relaiskastens, in dem die Zeitschaltuhr nicht mehr ordentlich arbeitet.
Eine junge Frau wollte wissen, welches das richtige Ersatzteil für den gewissen Relaiskasten ist. Der freundliche Mitarbeiter versuchte zu erklären, dass dieses Modell inzwischen mehrmals geändert und überarbeitet wurde und genau diese Version nirgends mehr zu bekommen ist. Es gibt keine Ersatzteile. Inzwischen stand ich direkt beim Gespräch und wollte sagen: „Er ist einfach zu alt, aber vielleicht lohnt es sich den Kasten aufzumachen und genau zu prüfen, welche Art Zeitschaltuhr verbaut ist und dann eine andere zu verwenden“. Was war mir tatsächlich über die Lippen gekommen? „Der Kasten ist zu alt, neu kaufen ist günstiger“. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie sich gerade sammelte, um mir darauf zu antworten, als ich sie dabei unterbrochen und einen Kaffee angeboten habe.

„Junge, nein! Wie meinst du das? Wer bist du?“ Ich habe mich dann erst mal vorgestellt und sofort klar gemacht, dass ich es toll finde, wenn Grower in der Lage sind, ihre Geräte zu pflegen und zu reparieren, aber gewisse Produkte irgendwann einfach zu alt sind und es sich schlicht nicht mehr lohnt. Es wurde still. Vielleicht eine halbe Minute. Dann sagte sie: „so ein Quatsch“, und lief irgendetwas murmelend langsam los. Nach ein paar Metern blieb Sie stehen, drehte sich um, kam mit einem Lächeln zurück und wollte nun doch den angebotenen Kaffee haben. Wir gingen ins Messerestaurant und quatschten über die Lebenszeit von Zuchtzubehör, verschiedene Cannabisprodukte, fragwürdige Marketingversuche und vieles mehr. Dabei bemerkte ich, wie gut sie informiert ist und wollte wissen, was sie mit der Zucht zu tun hat. Sie zeigte mir diverse Bilder und ich wollte näher wissen was sie für eine Indoor-Anlage betreibt. Die Kurzfassung: 6 x 600 Watt mit Bewässerungssystem auf Erde. Ich bat sie, mir noch einmal die Bilder von dem Raum zu zeigen. Mir ist zuerst gar nicht aufgefallen, dass dort sechs Leuchtmittel arbeiten, irgendwie habe ich nur auf die Pflanzen geschaut. In diesem Moment habe ich beschlossen, dass ich ein Bericht über einen interessanten Grow schreiben werde. Antje wollte mir alle meine Fragen beantworten und mir später bessere Bilder in die Redaktion schicken.


Foto: HC4L

HC4L: 3600 Watt, ich möchte alles wissen.
Antje: Was genau?

HC4L: Nun ja, offen gesagt glaube ich, dass die absolute Mehrheit der Grower mit einem oder zwei Leuchtmitteln arbeitet. Züchter, die mit mehr als vier Leuchtmitteln arbeiten, mögen es nicht zu reden, und Züchter mit mehr als 10 Leuchtmitteln reden quasi mit niemandem.
Antje: Bei uns in Holland gibt es immer noch viele Züchter. Züchter mit mehr als 10 Leuchtmitteln? Na klar. Die Anlage betreibe ich nicht alleine, wir sind zu zweit. Wir wechseln uns mit den Messebesuchen ab. Ich fahre ein- bis zweimal im Jahr auf eine Messe. Meistens verbinde ich die Messebesuche mit einem interessanten Ziel. In der Messewoche kümmere ich mich dann gar nicht um die Anlage.

HC4L: Wie viel Arbeit hast du mit der Anlage?
Antje: Wie gesagt, wir sind zu zweit. Jeder von uns beiden muss einmal in der Woche zu der Anlage fahren. Wir haben uns über die Zeit sehr gut eingespielt. Ich fahre in der Mitte der Woche gießen und kontrollieren und er fährt am Wochenende. Wenn der eine von uns mal nicht kann, sagen wir uns Bescheid und dann fahre ich auch hin und wieder zweimal die Woche. Ich schätze es sind 4 Stunden pro Woche Arbeitsaufwand.


Diese Frau Antje bringt keinen Gouda.

HC4L: Mehr nicht?
Antje: Warum mehr?

HC4L: Das hört sich überhaupt nicht nach Arbeit an, viel zu Easy.
Antje: Es ist Easy.

HC4L: ähm
Antje: Der Zuchtraum ist in einem Industriegebiet. Wir haben beide den gleichen Weg zu der Anlage und nach ein paar Durchgängen ist es einfach so gut eingespielt, dass wir uns damit nicht überarbeiten.

HC4L: Andere investieren täglich Kraft und Zeit für Ihre Pflanzen, und ihr überlasst alles der Technik?
Antje: Junge, nein. Wir haben mit drei 600 Watt Leuchtmitteln angefangen, sozusagen als Training. Das war eine anstrengende Zeit. Da war tägliche Kontrolle angesagt und alles wurde von Hand gegossen, sehr nervig. Irgendwann hatten wir den Dreh raus und beschlossen eine Bewässerungsanlage zu installieren. Wir probierten es einmal mit einem sehr günstigen Tropfer-System, wir waren zu diesem Zeitpunkt sehr geizig und es ging ziemlich schief.
Die Tropfer machten ständig Probleme und die Fummelei mit den Kapillar-Schläuchen war schrecklich. Bei bis zu 30 Pflanzen unter einem Leuchtmittel wollten wir vorbeugen und haben zwei Tropfer pro Topf verwendet.
Die ganzen Kapillar-Schläuche mit einem Messbecher auf richtige Leistung zu kontrollieren war bestimmt eine Wochenend-Aufgabe.

HC4L: Ihr hattet von Anfang an Erde? Nutzt ihr das Medium mehrmals? Wie viele Pflanzen habt ihr jetzt unter einem Leuchtmittel?
Antje: Ja, von Anfang an Erde. Steinwolle und ähnliche Medien hatten auf uns immer eine unsympathische Wirkung und die Zucht auf Erde hatten wir einfach gut im Griff.
Wir nutzen die Erde praktisch immer zweimal, danach wird alles intensiv gereinigt und neue Erde verwendet. Wir hatten zwischendurch Versuche mit 10 Pflanzen pro Leuchtmittel und längerer Wachstumsphase. Maximal waren es bis zu 30 Pflanzen. Seit ein paar Durchgängen sind wir mit 20 Pflanzen pro Leuchtmittel sehr zufrieden.


In der fünften Woche.

HCL4: Wie viel Ernte habt ihr?
Antje: Zwischen 2,4 Kg bis 3 Kg. Je nach Sorte. Wir wechseln regelmäßig.

HC4L: Welche Sorten nutzt ihr? 3 Kg ist ziemlich viel, habt ihr viele Abnehmer oder was passiert damit?
Antje: Wir nutzen praktisch nur indicalastige Sorten. Wenn die Ableger gepflanzt werden bekommen diese um die zehn Tage eine Beleuchtung von 18 Stunden pro Tag, zum bewurzeln der Töpfe und dann geht es in die Blüte. Indicalastige Sorten sind meistens zwischen 55 – 65 Tagen fertig. Wir haben zwei bis drei zuverlässige Käufer, die uns am liebsten immer alles abkaufen möchten. Aber wir wollen einfach nicht von einem einzigen abhängig sein. Es wird immer aufgeteilt. Nach Absprache mit den Käufern wechseln wir mindestens einmal im Jahr die Sorte. Im Moment arbeiten wir mit Ablegern der Sensi Star. Davor hatten wir eine Skunk Kreuzung.

HC4L: Was verdient ihr mit 3 Kg?
Antje: Nein, nein. Es sind bis zu 3 Kg. Sicher sind 2,5 Kg. Wenn es mehr wird, freuen wir uns natürlich darüber.
Bei den Käufern gibt es feste Preise. Das Kilo bekommst du für 4.500 € bis 5.000 €. Bei uns sind es 4.500 €, wenn wir es weiter weg bringen auch mal 5.000 € pro Kilo.
HC4L: Eine Menge Geld.
Antje: Ziehe pro Durchgang die Düngerkosten, Ablegerkosten und noch viele weitere Kleinigkeiten ab.

HC4L: Es bleibt trotzdem sehr viel übrig.
Antje: Klar.

HC4L: Ihr nutzt jetzt sechs 600 Watt Leuchtmittel. Gib mir mal ein paar Informationen zu der genutzten Hardware.
Antje: Wie gesagt, alles auf Erde. Die Erde nutzen wir zweimal, dann wird sie komplett gewechselt. Bei den Töpfen haben wir es mit 3,5 – 11 Liter Töpfen probiert. Wirklich glücklich sind wir mit den 6 Liter Töpfen. Bei einer Messe haben wir dann einen Großhändler entdeckt, der uns die Topspin-Bewässerung gezeigt hat. Clevere Sache diese Topspins, jeder Verteiler hat einen eigenen Filter und lässt sich problemlos reinigen. Mit ein paar Installationstipps läuft es inzwischen sehr angenehm. Bei der Beleuchtung haben wir mit sehr einfachen Billig-Reflektoren angefangen, inzwischen nutzen wir die Diamond-Reflektoren.
Die Leuchtmittel werden ein Jahr genutzt, dann müssen diese ersetzt werden. Beim Dünger nutzen wir Hesi und Canna. Mein Kollege hat sehr viel Wert darauf gelegt, eine sehr starke Belüftung einzubauen. Wenn ich mich jetzt richtig erinnere, nutzen wir eine Holzbox mit einem 3000m³/h Schneckenhausmotor oder sogar noch eine Stufe größer, ich kann mich in diesem Moment daran erinnern das der Abluftfilter für 3000m³/h passend ist. Das mit der Abluft war ein richtiges Drama.


Gleichmäßiger Wuchs ...

HC4L Okay, warum?
Antje: Ich muss dir mal ein Bild vom dem Aktivkohlefilter schicken, der ist glaube 120 cm oder noch länger. Gefühlt wiegt der 100 Kg, das Teil habe ich mit meinem Partner zusammen nicht bis an die Decke heben können.
Wir mussten eine Leiterkonstruktion bauen, damit wir den Aktivkohlefilter im oberen Bereich des Raums installieren konnten. Es musste ja auch unbedingt dieses Monster sein. Nun ist er ja dran.

HC4L: Wie sieht es mit dem Stromverbrauch der Anlage aus? Gibt’s da gar keine Bedenken?
Antje: Mein Kollege hat davon viel mehr Plan als ich. In dem Raum gab es zuerst nur Starkstrom, mit diversen Geräten und Installationen ist nun alles doppelt abgesichert und es läuft. Es ist alles sicher und bisher ist nichts passiert.

HC4L: Wie lange Züchtet ihr nun schon?
Antje: Ich habe bei mir in der Wohnung vor sieben oder acht Jahren mit einem Leuchtmittel angefangen. Ich schätze mein Kollege ist bereits seit zehn oder elf Jahren dabei, vielleicht noch länger. Zusammen arbeiten wir jetzt seit ungefähr fünf Jahren. Er hat immer irgendwelche Storys über dies und das aus der Cannabisszene zu erzählen. Meistens reden wir aber nicht mehr über das Züchten und inzwischen sehen wir uns auch weniger als zum Anfang.

HC4L: Warum?
Antje: Als wir uns kennen lernten, wussten wir bereits voneinander, dass wir beide Cannabis züchten. Wir verstanden uns ab der ersten Minute blendend und haben einfach gespürt, dass wir einander vertrauen können. Nach einem halben Jahr und der ersten abgeschlossenen Zucht haben wir auch einen Urlaub zusammen verbracht. Es war die Phase, in der wir uns besser kennen gelernt haben. Inzwischen haben wir gemerkt, dass wir einander nicht belügen und bis heute hatten wir nicht einmal Streit wegen Geld oder unangekündigtem „Urlaub“. Richtig lustig wird es, wenn wir uns zufällig in einem Club treffen, dann kleben wir praktisch zusammen.

HC4L: Irgendwie beeindruckend. Es hört sich viel zu einfach an.
Antje: Mir ist klar, dass wir mit mehr Aufwand noch mehr ernten könnten. Es ist okay wenn sich andere kaputt machen, um noch näher ans Optimum zu kommen, aber es ist für uns beide einfach nicht nötig. Er arbeitet viel im handwerklichen Bereich, und ich bin ganz gut am Computer.
Es wird manchmal eng wenn wir zur Ernte kommen, dann sind wir noch immer ziemlich aufgeregt und wissen das wir ein Wochenende lang nichts anderes machen, als in der Anlage zu arbeiten. Dummerweise sind das oft die Tage, die wir für die normale Arbeit brauchen würden.

HC4L: Okay, ihr macht euch also nicht kaputt. Warum besuchst du dann regelmäßig Cannabismessen?
Antje: Wir haben uns vorgenommen, dass jeder von uns einmal im Jahr auf einer Messe alle Neuheiten begutachtet. Inzwischen möchten wir nicht mehr alles ausprobieren und noch mehr rausholen, wir sind zufrieden. Aber am Ball bleiben ist für jede Branche wichtig.


... und schöne Buds.

HC4L: Hast du Angst vor den Konsequenzen wenn ihr erwischt werdet?
Antje:Für Sicherheit ist gesorgt. Nein, ich habe inzwischen wenig Angst erwischt zu werden.

HC4L: Noch einmal zurück zu der Anlage. Ich höre öfter, dass in den Niederlanden manchmal noch per Hand und sehr sorgsam geerntet wird. Wie stellt ihr das an?
Antje: Mit der Schere haben wir einmal geerntet, mit einem Elektronischen Trimmer ebenfalls nur einmal.
Beides war Mist. Per Hand mit der Schere, es war die erste Zucht unter 3 Leuchtmitteln, saßen wir ewig in der Anlage. Mit dem Elektronischen Trimmer haben wir uns dumm angestellt, durch das schnelle Arbeiten gab es einen kleinen Unfall. Seitdem nutzen wir einen Tumble Trimmer.

HC4L: Den Tumble Trimmer mag ich auch sehr. Aber bei der Menge, wie lange braucht ihr dafür?
Antje: Mit der Übung, die wir haben, geht alles flott. Ich schätze wir brauchen zwei Stunden, um alle Pflanzen abzuschneiden, von den großen Blättern zu befreien und in zwei großen Kübeln für die Trimmer bereit zu legen.
Jeder von uns nutzt dann einen Trimmer und in weiteren drei Stunden haben wir es dann geschafft, alles ordentlich auf den Trockennetzen zu verteilen. Abends ist früh schlafen gehen angesagt um am nächsten Tag die neuen Ableger zu pflanzen, dann ist ein Wochenende rum.

HC4L: Alles sehr schön. Anscheinend seid ihr gut eingespielt und habt eine tolle Stimmung bei eurem Projekt. Wie wäre es jetzt mit einer beeindruckenden Verköstigung?
Antje: Ich bin über zwei Landesgrenzen gefahren, ich habe nichts dabei.

HC4L: Das wäre nun der richtige Moment, um uns mal auf die Suche nach etwas highterer Ablenkung zu machen…

Antje hat mir wie versprochen die Bilder in die Redaktion geschickt. Inzwischen haben wir uns bereits geschrieben und ich habe ihr versprochen, sie mal zu besuchen.
Hoffentlich gibt’s dann mehr beeindrucke Gelassenheit aus dem fernen Holland zu bewundern.
Euer HC4L.
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