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Im Interview: Hawkeye

„Wenn man nicht für eine Legalisierung kämpft, dann passiert auch nichts.“
Publiziert am: 03.01.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Das Interview führte Janika Takats
Bilder: Hawkeye

Dancehall ist schnelllebig und nur einige wenige Artists schaffen es wirklich, sich über Jahrzehnte im Geschäft zu halten. Andere geraten in Vergessenheit, was aber nicht heißen muss, dass sie nicht gut waren. Eher zeigt es, dass sie nicht bereit waren, sich unter Wert zu verkaufen und jeden Trend mitzumachen, um im Gespräch zu bleiben. Zu diesen Künstlern zählt auch Hawkeye, der in den 1990ern seine größten Erfolge feierte, um den es dann aber eine ganze Weile ruhig war. Nun ist der Mann, der seinen Namen seinem Silberblick verdankt, wieder Studio und arbeitet an neuen Veröffentlichungen, mit denen er sich im Business zurückmelden will. Wir dürfen gespannt sein.



Ha Jo: Du bist schon eine ganze Weile dabei. Wie war das Musikbusiness, als du angefangen hast?

Hawkeye: Ich habe Anfang der 90er, so 1992/93 meine Karriere als Artist professionell gestartet. Damals was das Musikgeschäft im Prinzip ein Family Business. Es gab verschiedene Camps, in denen sich Musiker und Sänger bzw. DJs zusammengeschlossen haben. Ich war zu der Zeit bei Main Street. Das Studio war für mich wie ein zweites Zuhause. Ich habe mich dort mit Artists wie General Degree, Papa San, Lady G, Goofy, Rat oder Stitchie getroffen. Wir waren wie eine Familie. Wir bildeten damals die One Unit und haben zusammen improvisiert und Songs geschrieben, haben uns gegenseitig verbessert und neue Styles entwickelt. Es ging hauptsächlich um unsere Liebe zur Musik. Ich denke das ist heute anders. Der Hype ist entscheidender geworden. Es geht darum mit wem du unterwegs bist, mit wem du gesehen wirst und wen du zu deinen Freunden zählst. Mir scheint es, dass die Youths heute keinen Respekt mehr haben, vor niemandem. Es gibt keine Loyalität mehr und keine Liebe, sondern nur noch Heuchelei.
Wir, die Musiker, Sänger und DJs, müssen die Musik als Kunst begreifen und nicht als Sprungbrett für unsere persönlichen Ziele, denn Musik ist größer als wir alle zusammen. Musik ist ein weiter Begriff und man kann der Musik für nichts die Schuld geben, sondern nur den Leuten, die hinter ihr stehen. Sie sind dafür verantwortlich die Geschehnisse in der Szene zu beeinflussen. Ich will niemanden angreifen, doch ich finde momentan laufen einige Dinge grundlegend falsch.

Ha Jo: Heute geht es also mehr darum was außerhalb des Studios passiert?

Hawkeye: Es kommt mir so vor, als ob heute jeder mit irgendjemandem ein Problem hat, Fehden um nichts schaukeln sich hoch und es kommt zu Auseinandersetzungen. Früher hat man sich gegenseitig unterstützt und sich für den Erfolg seiner Freunde gefreut. Heute kümmert sich jeder nur noch um sich selbst und Neid und Missgunst machen sich breit. Deshalb gibt es unter den Artists kein Vertrauen mehr. Davon handeln ja auch diverse aktuelle Songs. „We nuh keep friend coz friend a kill friend...“, „don‘t trust nobody but yourself...“, es ist einfach traurig.

Ha Jo: Hast du als Soundsystem Artist oder im Studio angefangen?

Hawkeye: Ich habe meine Karriere in der Zeit der Soundsystems begonnen, doch ich konnte auf Grund meiner Eltern nicht auf Dances gehen. Sie waren sehr streng. Ich konnte also erst richtig loslegen, nachdem ich die High School verlassen hatte und angefangen habe zu arbeiten. Ich wurde ein Koch. Das war das einzige, was ich während meiner Schulzeit wirklich machen wollte. Ich habe ein Stipendium erhalten, dass mir eine Ausbildung zum Koch erlaubte. 1991 habe ich dann angefangen, in verschiedenen Hotels zu arbeiten.
Mit dem Musikmachen habe ich damals eigentlich nur angefangen, da ich mehr oder weniger zufällig die Gelegenheit bekam, mich auszuprobieren. Ich war damals schon mit General Degree befreundet und dieser wollte damals ein Video für seinen Song „Bodyguard“ drehen. Er hat jemanden gesucht, der den Bodyguard spielt und da ich das passende Outfit besaß, hab ich die Rolle übernommen. Nachdem das Video im Fernsehen lief, konnte ich nicht mehr in Frieden über die Straße gehen. Ständig haben mich Leute auf der Straße angesprochen oder auf mich gezeigt. So läuft das Geschäft. Sobald du im Fernsehen bist, bist du berühmt. Da ich all diese Aufmerksamkeit bekam, habe ich mich dazu entschlossen, meinen Job als Koch an den Nagel zu hängen und mein Glück als Artist zu versuchen. Und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Ha Jo: Und wie ging es dann weiter?

Hawkeye: Im Laufe der Jahre haben sich die Dinge für mich verändert. Ich bin nicht mehr Teil einer Crew, sondern mache mein eigenes Ding. Früher war ich Teil von „In The Streets“ zusammen mit Mr. Vegas, Alozade und Jack-A-Diamond. Dieses Camp habe ich 2002 verlassen. Ich hatte mich dazu entschlossen, weil ich mit einigen Mitgliedern Probleme hatte. Wenn Leute auf einmal erfolgreich werden, verändert sich oft ihr Verhalten und das fand ich nicht gut. Ich wollte nicht von oben herab behandelt werden.
Ich habe danach Twingy Twanga Production gegründet und mein erstes Dancehall Album produziert. Im Laufe der Zeit wurde es immer schwieriger, denn ich habe alles allein gemacht. Die Bookings, die Produktion, ich war der Chef meiner eigenen Firma. Ich musste bei allem den Überblick behalten und dann auch noch als Artists kreativ werden, um neue Songs zu schreiben. Ich habe dadurch nicht mehr genug Zeit im Studio verbracht, weil ich das Geschäft am Laufen halten musste.

Ha Jo: Du bist vor kurzem in Sofia aufgetreten, bist also immer noch als Artist unterwegs.

Hawkeye: Ab und zu spiele ich noch Shows und reise, aber nicht mehr so oft wie früher, als ich noch große Hitsongs hatte. Ich habe es damals geschafft, meinen Namen dauerhaft in der Szene zu etablieren. Darüber bin ich sehr froh, denn es gibt mir auch heute noch die Möglichkeit, an neuen Orten aufzutreten. Ich war vorher noch nie in Bulgarien und mir wurde gesagt, dass ich der erste Danchall Artists war, der jemals dorthin gekommen ist. Das war für mich kaum zu glauben. Es sind schon ein paar Reggae Künstler dort gewesen, aber ich war der erste der Dancehall in Bulgarien vertreten hat. Das Publikum war schlicht der Wahnsinn. Diese Menschen verstehen kaum ein Wort von dem, was ich singe und trotzdem waren sie mit ganzem Herzen dabei und kannten alle meine Lieder. Es war einfach toll.



Ha Jo: Sollte deiner Meinung nach Marihuana unter Einhaltung strenger Jugendschutzvorschriften legalisiert werden?

Hawkeye: Hmm... Das ist eine Frage, die ich schwer beantworten kann, da ich selber nicht rauche. Ich habe mich nicht wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt, doch ich habe auch nicht das Gefühl, dass die Menschen, die es betrifft, hier auf Jamaika wirklich für eine Legalisierung kämpfen. Wenn man nicht für eine Legalisierung kämpft, dann passiert auch nichts. Ich denke, viele erachten es nicht für nötig weil sie relativ unbehelligt rauchen können. Die einzigen für die das Verbot zum Problem wird, sind die Bauern, aber das sind eben nur einige wenige Menschen. Die Gesetzte bestehen und die Leute müssen sich dran halten. Mich betrifft es selbst nicht, aber für andere gilt einfach – wenn du erwischt wirst wirst du erwischt, dann muss man eine Strafe zahlen oder wird eingesperrt. Man bekommt einen Eintrag in die Polizeiakte und das kann später viele Probleme verursachen. Deswegen sollte man sich wohl besser nicht erwischen lassen.
Ich rauche selbst nicht und trinke auch keinen Alkohol, weil dies meine Philosophie ist. Ich möchte meinen Körper rein halten, weil ich es als gut für mich erachte. Doch jeder hat andere Dinge, die er oder sie für sich als gut ansieht.

Ha Jo: Vor einer Weile hast du einen Song mit Ephraim Juda auf Deutschland aufgenommen. Wie ist es dazu gekommen?

Hawkeye: Jemand der mit Ephraim Juda zusammenarbeitet kannte meinen Manager, so ist der Link entstanden. Wir habe über Skype kommuniziert und hatten die Idee zusammen einen Song aufzunehmen. Wir sind uns nie persönlich begegnet, aber ich habe mir seine Songs online angehört und sein Style hat mir gefallen. Sein Manager hat mir dann einen Riddim geschickt, zudem sie noch keinen Song hatten. Ich habe also den Text geschrieben und Ephraim Juda hat sich dann seinen Teil daraus ausgewählt. Der Song ist toll geworden und wird auch auf meinem neuen Album sein. Außerdem habe ich einen Song mit Cornador aus Deutschland aufgenommen, der ebenfalls auf dem Album sein wird.

Ha Jo: Was hast du für die nächste Zeit geplant?

Hawkeye: Ich mache weiterhin mein Ding. Seit ungefähr vier oder fünf Jahren bin ich in einem neuen Camp: „Swing Song Production“. Mit diesem Management fühle ich mich wohl und werde auch weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten. Seit letztem Jahr ist mein One Drop Album draußen. Es heißt „Hawk Extra“ und ist ein Reggae Album. Ich arbeite schon an einem weiteren Album, das vermutlich im Februar 2013 fertig werden wird. Ich will es in Europa vermarkten, damit ich dort im Sommer auf Tour gehen kann. Ich sehe, dass in Europa Reggae eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Die Menschen lieben die Musik und wissen Qualität zu schätzen. Außerdem hören die Leute immer noch die Songs von damals. Deswegen will ich mich mehr auf diesen Teil der Welt konzentrieren.

Vielen Dank für das Interview.

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