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Eine Flaschenpost aus den Katakomben von Paris

„Vive le cannabis libre!“
Publiziert am: 16.04.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Rafi
Ein typisches Flugblatt aus den Katakomben

Ich gehörte früher, so ungefähr vor 20 Jahren, zu den ‚Cataphilen‘, war also einer von denen, die Spaß daran hatten und es aufregend fanden, durch die Kanäle und Katakomben der Pariser Unterwelt zu streifen. Manchmal war ich auch zusammen mit einem Freund unterwegs. Wir haben uns ruhige Ecken gesucht, dort geraucht und uns die Birne zu gesoffen. Damals waren wir noch jung und verrückt.

Auf einem unserer zahlreichen Abstiege in die Kanalisation haben wir einen Typen namens Merlin kennen gelernt. Er hatte lange blonde Dreadlocks, hing wie wir regelmäßig da unten ab und kam echt von einem anderen Planeten.
Dann irgendwann an einem Abend zu Jahresanfang sind wir wie gewöhnlich durch die Öffnung, die wir in Pontault-Combault meist benutzten in die Katakomben herabgestiegen. Dabei mussten wir aufpassen, dass die Bullen der IGC (Inspection général des carrières – eine Sonderabteilung der Pariser Polizei, die damit beauftragt ist, das unbefugte Betreten der unterirdischen Kanäle zu verhindern) uns nicht erwischten. Unten angekommen, haben wir ein Flugblatt von Merlin zusammen mit dem Plastikkorken einer Champagnerflasche gefunden. Der Korken war hermetisch verschlossen und in seinem Inneren befand sich ein Schatz...

Ein Korken - eine Mission

Man muss dazu sagen, dass es damals Mode war Flugblätter in den Katakomben zu verteilen. Die Leute versteckten sie dort unten überall und wer pfiffig war, konnte die Ausdrucke und Kopien finden, bevor sie sich auflösten (denn in den Tunneln war es ja immer sehr feucht). Einige Leute legten richtige Sammlungen an und stellen die ‚Schätze‘, die sie im Laufe der Jahre gefunden haben im Internet aus. Darunter sind Gedichte, Zeichnungen, Parolen von Aktivisten, Fotos und viele andere Dinge, die leider meist einfach nur zu Müll werden.

Auf dem Flugblatt, das von Merlin verbreitet wurde, stand eine Nachricht, die sich an alle Katakomben-Fans und Cannabis-Liebhaber richtete. «Lieber Gärtner, pflanz einige dieser Samen ein und du wirst glücklich werden...» so oder so ähnlich lautete der Text - es ist immerhin schon so 16-20 Jahre her. Im Inneren des Korkens fanden wir also zehn Samen. Es war natürlich unmöglich deren Herkunft, Qualität oder ihre Sorte herauszubekommen. Es waren quasi ‚Überraschungssamen‘.
Zu Hause besaß ich damals schon eine kleine Indoor-Ecke und dann noch eine zweite Outdoor-Pflanzung, die ungefähr einen Umfang von zwei Quadratmetern hatte. Ich pflanzte diese mysteriösen Samen in die Erde und erhielt männliche Pollen, die ich mit einer weiblichen Pflanze meiner Indoor-Zucht gekreuzt habe. Das Ergebnis habe ich dann in meiner Box angepflanzt. und so nach einiger Zeit die ersten rein weiblichen Pflanzen meiner mysteriösen Sorte growen und ernten können. Anschließend habe ich zum ersten Mal das Resultat der unbekannten Sorte geraucht. Das Gras hatte einen nicht identifizierbaren Geschmack, angenehm ohne Frage, fast scharf und sehr markant. Es war mir anfangs nicht möglich ihn zu definierten. Irgendwann gelang es mir einen der vielen Geschmäcker zu isolieren und bin ich drauf gekommen: Pfeffer. Der Geschmack war mal stärker, mal schwächer, aber doch immer eindeutig bemerkbar.

Ich habe dann wieder einige Samen aus den Hybriden eingepflanzt. Also die von meinen eigenen Pflanzen, die schon eine Mischung aus Shiva Skunk und Super Skunk waren und mit den mysteriösen Samen gekreuzt wurden. Ich habe diese Pflanzen gut umsorgt, habe sie im Wachstum beschnitten, damit sie besser wachsen, habe die Stängel vorsichtig verbogen und so mit einem Netz fixiert, dass jeder Ast so viel Licht wie möglich bekommt. So wollte ich die Qualität meiner Ernte steigern.
Gleichzeitig habe ich kurz vor Blütebeginn Stecklinge geschnitten und sie einer Etage unter den blühenden Pflanzen mit Leuchtstoffröhren beleuchtet, wo sie sich prächtig entwickelten. Eine Etage drüber habe ich nach acht Wochen drei kleine Probebuds abgeschnitten und im Schnellverfahren innerhalb von zwei/drei Tagen getrocknet, um schon mal einen Vorgeschmack auf das Ergebnis meiner Hybride zu bekommen. Meine Zöglinge waren jetzt so gut wie reif.

Der Super-GAU

Genau eine Woche bevor ich sie ernten konnte, passierte dann die Katastrophe. Jemand aus meinem Haus hatte Mist gebaut und war irgendwo eingebrochen. Ich mache ihm daraus keinen Vorwurf, aber letztendlich war er es, weshalb eines Morgens um 6 Uhr die Bullen zu einer Hausdurchsuchung anrückten. Es ging noch nicht mal um die Pflanzen.
Ich bin dem Polizeigewahrsam gerade nochmal entkommen. Sie haben alles andere mitgenommen, aber weil sie ja eigentlich nicht wegen mir da waren, demnach keinen Haftbefehl gegen mich hatten und ich außerdem noch keine Vorstrafen wegen Cannabis hatte, konnte ich mit ihnen aushandeln, dass ich zu Hause bleiben darf, wenn ich mich am Nachmittag auf der Polizeiwache blicken lasse.

Dem bin ich dann auch nachgekommen. Wenn sie mich ins Gefängnis hätten stecken wollen, hätten sie mich schon am Morgen mitgenommen. Als ich dann auf der Wache ankam, tuschelten einige Bullen miteinander. „Ist er das?“, „Ja, das ist er.“ Ich habe mich allerdings nicht weiter darum gekümmert, das war mir zu doof. Die Polizistin, die mein Aussage aufnahm, hat sich über den Geruch in ihrem Büro beschwert. Die Pflanzen waren alle da und standen direkt hinter ihr, in einem der größten Büros des Hauptkommissariats des Pariser Randbezirks Pontault-Combault. Die arme Kleine. Sie erwartete hoffentlich nicht, dass ich ihr beipflichtete. Die Bullen haben nichts anderes getan, als mir meine Zöglinge zu stehlen. Mit einem Lächeln auf den Lippen habe ich ihr ein Märchen aufgetischt. Ich hätte die Samen aus dem Urlaub mitgebracht und würde noch nicht lange anbauen (es waren ungefähr drei Jahre Indoor und Outdoor).
Ich hab behauptet, ich wäre kein Profi, das Zeug würde einfach von allein wachsen. Meine gesamte Ausrüstung wäre furchtbar und es würde mich wundern, dass sie die überhaupt mitgenommen haben. Ich habe ihr richtig einem von Pferd erzählt und behauptet, ich würde das alles nur machen, damit ich nicht mehr den Mist von der Straße kaufen müsse. Doch wenn sie der Meinung wären, ich sei ein Verbrecher sollen, sie es ruhig tun.

Vor dem Prozess habe ich mir die Haare apfelgrün gefärbt. Ich wollte mir die Haare bleichen, doch das ging irgendwie daneben. Man sah deutlich die grünen Flecken in meinen Haaren, die eigentlich blond oder gelb werden sollten. Die Strafe lautete drei Monate auf Bewährung und ein Bußgeld von 3000 Francs, von denen die bis heute keinen Cent gesehen haben. Ich habe weiter geraucht und sogar meinen Konsum noch gesteigert, was daher kam, dass die Qualität meiner Rauchware gefallen ist, denn ich konnte ja nicht mehr selber growen.
Einige Samen hatten sie übersehen, weil sie zu gut versteckt waren. Ich habe sie aber nie eingepflanzt. Einmal, als ich gerade aus der Schweiz kam, habe ich es mit Samen versucht, die mir ein Freund gegeben hatte. Ich habe es aber sofort wieder aufgegeben, als der erste Versuch scheiterte. Ich dachte mir „Scheiß drauf“. Ich hatte keinen Bock mehr :-(.

Rafi
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