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Atem-Aussetzer im Schlaf

Dr. med. Franjo Grotenhermen
Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM)
Publiziert am: 01.06.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Foto: Dr. Franjo Grotenhermen

Wie THC helfen kann

Kürzlich hat eine Studie an der Universität von Illinois in Chicago mit 17 Patienten ergeben, dass THC die Häufigkeit von Atemaussetzern bei Menschen, die an einer so genannten Schlafapnoe leiden, deutlich reduzieren kann.
Schlafapnoe ist eine Atemstörung, die mit Unterbrechungen der Atmung in der Nacht einhergeht. Zwischen diesen Atemstillständen schnarchen die Betroffenen. Allerdings leiden nicht alle Schnarcher unter einer Schlafapnoe.

Diese Atemaussetzer dauern länger als zehn Sekunden und führen zu einem Abfall der Sauerstoffkonzentration im Blut. Es treten zudem eine Beschleunigung des Herzschlags und eine Erhöhung des Blutdrucks auf. Kurzzeitig wachen die Patienten immer wieder auf, ohne sich daran erinnern zu können. Die Folge ist ein wenig erholsamer Schlaf und eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Menschen, die über Jahre hinweg an einer Schlafapnoe leiden, entwickeln häufig einen Bluthochdruck, und sie weisen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls auf.

Es gibt bisher leider kaum Medikamente zur Behandlung dieser schweren Schlafstörung. Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist eine kontinuierliche Überdruckbeatmung in der Nacht. Dazu tragen die Betroffenen während des Schlafes eine Maske. Durch einen Überdruck werden die Atemwege offen gehalten. Allerdings ist diese Form der Behandlung für viele Patienten sehr störend und belastend und wird auf die Dauer oft nicht toleriert. Daher ist es wichtig, einfache therapeutische Alternativen zu finden. Die Behandlung mit THC bzw. Cannabis könnte für leichte bis mittelschwere Fälle eine solche Alternative darstellen. Dies zeigt die aktuelle Studie aus der Universitätsklinik in Chicago.

Die Studienteilnehmer waren zwischen 21 und 65 Jahre alt und wiesen eine leichte bis mittelschwere Schlafapnoe auf. Die Stärke der Apnoe wird mit dem so genannten Apnoe-Hypopnoe-Index gemessen. Er wies bei diesen Patienten einen durchschnittlichen Wert von 49 auf und wurde durch THC im Durchschnitt um 14 Punkte gesenkt. Die Teilnehmer erhielten zunächst täglich 2,5 mg THC, was innerhalb von 2 Wochen bis zur Maximaldosis von einmal täglich 10 mg gesteigert wurde. Eine Reduzierung um 14 Punkte entspricht einer Verbesserung des Apnoe-Index um etwa 25 Prozent.

Die Patienten gaben zudem eine Verringerung der Tagesmüdigkeit an. Einige profitierten kaum oder gar nicht von THC, während andere bereits durch nur 2,5 mg THC eine Verbesserung von 50 Prozent erzielten. Bei dem Patienten mit der größten Verbesserung reduzierte sich der Apnoe-Index durch einmal täglich 10 mg von 70 vor Beginn der Behandlung auf einen Wert von etwa 10. Die Patienten sprachen also sehr unterschiedlich auf eine Therapie mit THC an. Die Wissenschaftler konnten nicht herausfinden, warum einige Patienten auf die Therapie ansprachen und andere nicht.

Es gab keine starken Nebenwirkungen. Die Forscher folgerten, dass THC in Dosen zwischen 2,5 und 10 mg pro Tag von den Patienten gut vertragen wurde. Sie stellten fest, dass die Veränderungen, die mit THC erzielt wurden, von relevanter Bedeutung bei Patienten mit leichter bis mäßig starker Schlafapnoe sein könnten. Bereits im Jahr 2002 hatte die gleiche Forschergruppe aus Chicago die Wirksamkeit von THC und des Endocannabinoids Oleamid auf den Schlaf und die Schlafapnoe bei Ratten untersucht. Dabei fanden Professor David W. Carley, der auch die aktuelle Studie leitete, und seine Kollegen heraus, dass THC und Oleamid die Atmung während aller Schlafphasen stabilisierten und die Apnoe verminderten.

Die Wissenschaftler folgerten bereits damals, dass die Studie eine wichtige Rolle für Endocannabinoide, also der körpereigenen Cannabinoide, bei der Aufrechterhaltung der Stabilität während des Schlafes nahe lege.
Es ist bisher nicht ganz klar, worauf die Schlafapnoe beruht und wie sie durch Cannabinoide beeinflusst werden kann. Die Reduzierung der Schlafapnoe durch Cannabinoide könnte auf einer Wechselwirkung mit dem Botenstoff Serotonin beruhen. Dieser im Gehirn weit verbreitete Botenstoff kann die Schlafapnoe verstärken. Cannabinoide können offenbar die stimulierenden Wirkungen des Serotonins auf eine Gruppe von Nervenzellen hemmen, die dem Gehirn Informationen über den Blutdruck, den Kohlendioxid-Gehalt und andere Daten über den Zustand des Körpers liefert. Eine Überaktivität des Serotonins könnte zu Fehlinformationen führen, was durch THC abgeschwächt werden könnte.

Das körpereigene Endocannabinoidsystem scheint bereits selbst zu versuchen, etwas gegen die Folgen der Schlafapnoe zu unternehmen. Das legt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leipzig aus dem Jahr 2010 nahe. Sie hatten bei Patienten mit Schlafapnoe im Vergleich zu gesunden Personen doppelt so hohe Oleamid-Konzentrationen im Blut nachgewiesen. Sie vermuteten, dass dieses körpereigene Endocannabinoid vermehrt gebildet wird, um das Gehirn vor den Folgen des nächtlichen Schlafmangels und der verstärkten Schläfrigkeit während des Tages zu schützen.

Noch ist nicht bekannt, welche Patienten mit Schlafapnoe von einer Behandlung mit THC profitieren, aber diese erste kleine klinische Studie aus den USA ist sehr ermutigend, da einige Teilnehmer sehr gut profitierten.
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