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Ein Cannabisschen für alle

Ein Kommentar
Publiziert am: 01.07.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu Van Hemp
Patienten vor der Bundesopiumstelle Foto: IACM

Am 20. Juni 2013 fand vor der Bundesopiumstelle in Bonn eine Pro-Hanf-Demo der besonderen Art statt. Nicht der Schrei des Klischeekiffers ängstigte die weltfremden Bundesbeamten in der entseelten Brutstätte falscher Drogenpolitik, sondern das nackte Elend eben dieser unmenschlichen Gesetzgebung. Das Erwachen aus dem Büroschlaf war an diesem Nachmittag böse, als die Staatsbüttel auf das blickten, was auch ihnen blühen wird: Krankheit, Siechtum und Qualen.
Gewitter und sintflutartiger Regen kündigten den Tag an, doch der liebe Gott hatte Punkt 14 Uhr ein Einsehen: Strahlender Sonnenschein begleitete die rund 200 Teilnehmer, die dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) und dem Selbsthilfe Netzwerk Cannabis-Medizin (SCM) gefolgt waren, um unter dem Motto “Menschenrechte von Cannabis-Patienten achten” ihre Stimme gegen die Missachtung simpler demokratischer Spielregeln zu erheben.

Gestützt von Unterstützern wie dem Deutschen Hanf Verband (DHV) schleppten sich Kranke, Gehandicapte und Todgeweihte an jenen unwirklichen Ort, der einstmals das in Beton gefrorene Machtzentrum der Bonner Republik war und noch heute Ausgangspunkt des Staatsterrors gegen Cannabispatienten ist. Die Ärmsten der Ärmsten machten an diesem Nachmittag von ihrem Grundrecht der freien Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit Gebrauch, friedlich und ohne jede Belästigung seitens der Polizei.
Bonn hatte Glück, denn hätten die Demonstranten auf die weisen Worte unserer Bundeskanzlerin gehört, wäre es durchaus ihr gutes Recht gewesen, den Robert-Schumann-Platz zum deutschen Taksim Platz zu machen. Anlässlich des runden Jubiläums des DDR-Bürgeraufstands vom 17. Juni 1953 hatte unsere First Lady nämlich an der Gedenkstätte der getöteten Aufrührer folgende Bedienungsanleitung zur legitimen Gewaltanwendung gegen den Staat ins Stammbuch der Deutschen gemeißelt:
„Möge ihr Einsatz (der der Aufständischen von 1953) auch uns Ansporn sein, unsere Stimme überall und immer dort laut und vernehmbar zu erheben, wo Menschen diskriminiert, ausgegrenzt und verfolgt werden, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das sind wir ihnen und uns allen schuldig.“

Das heißt im Klartext, unsere Mutti der Nation spornt die Cannabispatienten an, eben genau diese Stimme gegen die ihnen verabreichte Diskriminierung, Stigmatisierung und Kriminalisierung laut vernehmbar zu erheben – und das notfalls auch mit Gewalt. Wie damals, als mit Füßen getretene Menschenrechte nicht wenige Ostdeutsche zum Anlass nahmen, den 1. Mai nachzufeiern. Doch dazu haben Cannabispatienten keine Kraft, und wenn doch, dann hindert der gesunde Menschenverstand diese um einiges mehr benachteiligten Bürger daran, dem Merkelschen Lügengebäude aus billiger Propaganda und dummdreisten Parolen ein Fundament zu geben. Die Anmaßung, Merkels historische Mahnung an das Gute gelte auch für die Opfer des Hanfverbots, ist natürlich einfältig. Hanf-Konsumenten sind die Bösen – und denen gehört aufs Maul, egal ob krank oder schon jenseits von Gut und Böse.
Entsprechend entspannt war der Ablauf der Kundgebung vor der trostlosen Kulisse des Ensembles kalter deutscher Büroarchitektur.

Im Kreise Gleichgesinnter und -betroffener verwiesen alle Redner auf das von der UNO verbriefte Recht, das jedem Menschen ärztliche Versorgung und soziale Leistungen garantiert – ohne Wenn und Aber. Dr. Franjo Grotenhermen vom ACM und IACM prangerte den unerträglichen Missstand an, dass vermögende Patienten wesentlich leichteren Zugang zu medizinischem Cannabisprodukten haben als weniger vermögende Menschen. Medikamente wie Dronabinol und Sativex, aber auch Cannabisblüten aus der Apotheke sind für viele schwerkranke Menschen, die eine solche Behandlung dringend benötigen, nicht in erforderlichem Umfang finanzierbar. Grotenhermen verlangt von der Bundesregierung, diese „Zweiklassenmedizin“ unverzüglich zu beenden und sich an Vorbildern wie Kanada, den Niederlanden, Tschechien, Spanien und Israel zu orientieren, die jedem kranken Bürger eine Grundversorgung mit THC-Präparaten zusichern.

Zu Wort meldeten sich Vertreter vom Deutschen Hanf Verband, der SCM, der Grünen Hilfe und von „Cannabis Colonia“. Auch die „Die Linke“ und „Piraten“ zeigten Flagge und Solidarität, während es Bündnis90/Die Grünen dabei beließen, eine Grußbotschaft verlesen zu lassen. Andere im Bundestag vertretene Parteien glänzten wie gewohnt durch Abwesenheit, was wieder einmal mehr der Beweis dafür ist, dass SPD, CDU/CSU und FDP Cannabispatienten als Menschen „Zweiter Klasse“ sehen. Letzten Zweifel an der Berechtigung des Aufschreies der Cannabispatienten räumten jedoch die Betroffenen mit bewegenden Worten selbst aus, darunter Günter Weiglein, der sich seit Jahren gegen die Mühlen der Justiz und Uneinsichtigkeit der Bundesopiumstelle stemmt.
Alles in allem war die Kundgebung ein gelungener erster Aufstand der Kranken, Siechen und Alten, der nur an solchen Menschen spurlos vorbeigeht, die ein Herz aus Stein haben und das Gebot der Nächstenliebe für eine Schwäche halten.


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