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Mykal Rose - Ein Gespräch

„Die Legalisierung in zwei US-Staaten ist ein erster Schritt, allerdings haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“
Publiziert am: 01.07.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: im Interview mit Janika Takats
Mykal Rose Foto: JT

Mykal Rose zählt zweifellos zu den Veteranen des Reggaes. Seine Band Black Uhuru war die erste Reggae-Band, die einen Grammy gewann. Er begann seine Musikkarriere Mitte der 70er Jahre und schafft es bis heute immer wieder Hits herauszubringen, die die ganze Szene mitreißen. Sein Style hat viele inspiriert und Reggae geprägt. Auch nach fast vierzig Jahren im Geschäft wird Rose nicht müde in der Szene mitzumischen. Grund genug ihm mal ein paar Fragen zu stellen.


Im letzten Jahr soll ein neues Album von dir erschienen sein, doch scheint es im Internet nicht auffindbar zu sein. Was hat es damit auf sich?
MR:Zurzeit ist das Album weder in den Staaten noch auf Jamaika zu bekommen. Das Album ist nie erschienen. Die Produzenten haben versucht die Scheibe herauszubringen, doch daraus wurde dann nichts.
Jetzt haben sie noch neue Songs aus 2013 dazu genommen, damit es dieses Jahr erscheinen kann, aber wann ist noch nicht sicher. Im Moment sind nur einige Singles draußen. Es kostet eine Menge Geld ein Album zu veröffentlichen und die Zeit ist momentan nicht gerade günstig, deswegen beschränken wir uns darauf einige Singles auf den Markt zu bringen und warten auf den richtigen Moment für das Album.

Was kannst du mir jetzt bereits über das Album sagen?
MR:Nun es ist zweifellos gute Musik. Ich habe eine Menge One Drop Songs aufgenommen. Es wird ein klassisches Reggae-Album der alten Schule. Im Moment spiele ich mit dem Gedanken einige Colaborations mit anderen Künstlern aufzunehmen, aber es steht noch nichts Konkretes fest.

Du kannst auf eine lange Karriere im Musikgeschäft zurückblicken. Was hat dich damals zur Musik gebracht?
MR:Als ich ein kleiner Junge war, hat mein Bruder viel bei uns zu Hause gesungen. Eigentlich war er Architekt und hat Entwürfe von Häusern gezeichnet. Es war also eher ein Hobby für ihn und die anderen Mitglieder meiner Familie, aber diese Erfahrung hat mich geprägt. Sie sangen damals Lieber von Ken Booth und anderer bekannter Sänger. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen und später habe ich angefangen an Talent-Shows teilzunehmen. Die waren damals sehr populär auf Jamaika und sind es bis heute. Durch meine Auftritte wurde der Produzent Niney the Observer auf mich aufmerksam und wir haben zusammen 'Guess who's comming to dinner', 'Freedom over me' und 'Love between us' aufgenommen. Das war im Jahr 1972. Niney war der Produzent von Dennis Brown, er wusste also was er tut. In der Anfangszeit habe ich auch mit Sly & Robbie Songs aufgenommen, darunter den Song 'No no no'.
Später, im Jahr 1977, bin ich dann zu Black Uhuru gekommen. Ich habe viele unserer alten Songs geschrieben und wir haben internationale Erfolge gefeiert.

Black Uhuru war die erste Reggae-Band, die einen Grammy gewonnen hat. Was war das damals für ein Gefühl?
MR:Es war großartig. Wir waren die ersten Reggae-Musiker, die so eine wichtige Auszeichnung erhalten haben und werden immer die ersten bleiben. Wir haben quasi das Eis gebrochen, für alle, die nach uns kamen und hoffentlich noch kommen werden. Am Anfang hat man es immer am schwersten. Im darauf folgenden Jahr hat Jimmy Cliff den Grammy gewonnen und 2013 hat er einen weiteren gewonnen. Man sieht also welche Bedeutung wir für den Reggae hatten.

Welche Rolle hat Reggae damals international gespielt?
MR:Die Welt war sich damals schon bewusst, dass Reggae existiert. Das haben wir vor allem Bob Marley zu verdanken. Er ist damals mit dem Wailers auf Tour gewesen und hat in Europa, Afrika und natürlich auf Jamaika gespielt.
Die Menschen hatten also schon mal etwas von Reggae gehört, aber als dann Black Uhuru den Grammy gewonnen hat, haben wir ein neues Level erreicht. Die Musik hat die Anerkennung bekommen, die sie verdient und wir haben bewiesen, dass Reggae mit anderen Musikrichtungen 'mithalten' kann.

Nachdem ihr den Grammy gewonnen habt, hast du dich in die Berge zurückgezogen und eine Kaffeefarm auf Jamaika aufgebaut. Existiert diese noch?
MR:Ja natürlich. Sie befindet sich in den Blue Mountains auf Jamaika. Die Farm umfasst 200 Hektar. Wir bauen dort Kaffee an, aber auch Tomaten, Zwiebeln und anderes Gemüse. Die Leute aus dem anliegenden Dorf kümmern sich um die Felder. Sie bestellen das Land, um sich selbst zu versorgen.
Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Ernte schicken sie ihre Kinder zur Schule und versorgen ihre Familien.
Wir haben auch Kokosnusspalmen. Weed bauen wir dort allerdings nicht an. Das überlassen ich den Weedfarmern (lacht). Diese gibt es ja schließlich überall. Nicht nur auf Jamaika sondern auch in Amerika, wo sie Gunjah jetzt zum Teil legalisiert haben.

Findest du, dass die Legalisierung ein Schritt in die richtige Richtung ist?
MR:Ja natürlich. Jetzt müssen wir nicht mehr vor der Polizei wegrennen und uns verstecken. Die Legalisierung in zwei US-Staaten ist ein erster Schritt, über den sich viele gefreut haben, allerdings haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Auf Jamaika werden die Farmer immer noch verfolgt und ihre Felder niedergebrannt. Babylon muss endlich aufhören die kleinen Leute zu unterdrücken und ihnen das Leben schwer zu machen.

Was hat dich dann dazu bewegt, wieder ins Musikgeschäft zurückzukehren?
MR:Damals haben viele Menschen an meinen Fanclub geschrieben. Sie haben mich vermisst und wollten mehr von meiner Musik hören. Sie wollten, dass ich zurückkomme und weiter Musik mache. Das hat mich sehr gerührt und mich dazu bewegt mich wieder mehr der Musik zu widmen und ich bin zusammen mit Sly ins Studio gegangen und habe neue Aufnahmen gemacht.

In den letzten Jahren hast du einige Song zusammen mit jüngeren Artists wie Alborosie oder Busy Signal aufgenommen. Ist es anderes mit dieser Generation von Künstlern zusammenzuarbeiten im Vergleich zu früher?
MR:Letztendlich geht es doch immer um Musik und um die Liebe zur Kunst. Sicher, Musikstile ändern sich über die Jahre, doch geht es immer um Kreativität und den Vibe den man zusammen entwickelt. Alter oder Herkunft spielen dabei keine Rolle. Ich habe auch mit anderen internationalen Künstlern, wie Maxi Priest oder Easy Star All-Stars aus New York, Songs aufgenommen. Letztes Jahr habe ich mit Easy Star ein Cover von Michale Jacksons Hit 'Beat it' aufgenommen, der auf ihrem Album 'Thrillah' ist, was diesem Sommer noch erscheinen soll.

2012 wird von vielen als Reggae Revival Jahr angesehen. Viele große Künstler haben hochwertige Reggae-Alben herausgebracht und der Szene neuen Wind gegeben, freut dich das?
MR:Ja natürlich. Wir brauchen neue Talente und Inspirationen, um die Szene am Leben zu halten. Welchen Weg die Musik auch immer einschlägt, ich bin dabei. Ich bin ein Surviver, egal ob Dancehall, One Drop, ich finde meinen Weg und kann mich dem Trend anpassen. Meine Dancehall Songs wie 'Stronger' oder 'Shoot out' waren Riesenhits. Wenn jetzt wieder Reggaebeats gefragt sind ist auch das für mich kein Problem, denn die Musik ist mir seit Jahren vertraut.

Was steht bei dir in nächster Zeit an?
MR:Im Moment bin ich ein richtiger Musikjunkie. Ich nehme wie verrückt Songs auf. Gerade habe ich einen Song mit einem deutschen Produzenten aufgenommen. Der Song heißt 'Still a move' und läuft zur Zeit auch auf Jamaika im Radio. Musik ist mein Leben und ich werde so schnell nicht aufhören ins Studio zu gehen und live von meinem Publikum auf der Bühne zu stehen.

Vielen Dank für das Interview.
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