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70 JAHRE LSD Eine Hommage

Eine Hommage
Publiziert am: 07.09.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Von Markus Berger
Radlfahn -EIn Trip

Vor 70 Jahren, im April 1943, begann für die Menschheit eine neue Ära. Dr. Albert Hofmann, Chemiker und Chef der Sandoz-Laboratorien in Basel, entdeckte mehr oder weniger durch Zufall die psychoaktive Potenz einer Substanz, die er für medizinische Zwecke schon fünf Jahre zuvor entwickelt hatte. Diese Verbindung war das d-Lysergsäurediäthylamid, kurz LSD-25, ein halbsynthetischer Mutterkornalkaloid-Abkömmling. Ziel der Forschungsarbeit, innerhalb welcher eine Reihe anderer Derivate der Lysergsäure synthetisiert und getestet wurden, war die Entwicklung eines Medikaments, welches als Analeptikum (Kreislauf- und Atmungsstimulans) eingesetzt werden konnte.

Albert Hofmann bekam versehentlich eine minimale Spur der neu entwickelten Substanz LSD-25 auf die Haut und erlebte auf dem Nachhauseweg, der wohl berüchtigtsten Fahrradtour überhaupt, den ersten Acid-Trip der Weltgeschichte. Angespornt durch diese nebenbei erfahrenen psychotropen Effekte des Pharmakons, unternahm Hofmann drei Tage später den ersten gezielten Versuch mit LSD, den ersten echten Acid-Trip — mit einer Dosis von 0, 25 Milligramm! Albert Hofmann zog 1993, anlässlich des 50. Jubiläums der Entdeckung der psychoaktiven Potenz des LSD, ein Resümee: „Ich habe nie gedacht, dass ein Stoff mit dieser Wirkung, dieser unheimlichen dämonischen Wirkung, jemals auf die Straße kommen könnte (...) — bis dahin galt LSD
in der Psychiatrie als Wunderdroge. (...) Ich finde es hoffnungsvoll, dass man darüber nachdenkt, LSD für die medizinische Forschung wieder freizugeben.“ ALBERT HOFMANN 1993 (Interview mit Arthur Godel, wiedergegeben auf „Albert Hofmann – Erinnerungen eines Psychonauten", Köln: Suppose, Stück 7)

Das war vor relativ genau zwanzig Jahren. Dr. Timothy Leary, einer der führenden Propagandisten der Lysergsäure, berichtete schon 1970 in seinem viel kritisierten und wunderbaren Buch „Politik der Ekstase“ von den unglaublichen Eigenschaften des Mutterkornderivats als Liebesmittel: „Zweifellos ist LSD das mächtigste Aphrodisiakum, das der Mensch je entdeckt hat. (...) Und eigentlich geht es ja bei dem LSD-Erlebnis nur darum. Sich verschmelzen, sich ausliefern, fließen, Einheit, Vereinigung. Das alles ist lieben.“ TIM LEARY 1970, Politik der Ekstase

In der Psychotherapie konnten in den folgenden Jahren mittels des noch legalen Lysergsäureabkömmlings gute Erfolge erzielt werden. Unter Einbeziehung des LSD und anderer psychedelischer Drogen, wurden gleich zwei Therapiezweige geschaffen: die Psychedelische Therapie nach Abraham Hoffer, die ursprünglich für die Behandlung von Alkoholikern gedacht war, und die auf der Freud’schen Psychoanalyse basierende Psycholytische Therapie. Doch ganz abgesehen von den vielen medizinischen, zur Wirkung des LSD publizierten und mehr als berechtigten Preisgesängen und Hymnen, fanden Artefakte der Subkultur, die sich um das machtvolle Entheogen entwickelten, bald Eingang in die offizielle, auch in die bürgerliche Kultur. Das geschah nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Popularität damaliger Rock-and-Roll- und Hippie-Bands, welche nicht sparten, ihre LSD-Erfahrungen musikalisch umzusetzen und lautstark zu propagieren.
Mit der Entdeckung der psychopharmakologischen Eigenschaften des LSD blieb also nichts mehr, wie es einmal war. Nach und nach wurde die Substanz bekannt und bekannter, in der Forschung, in der Kunst, in der Szene. Aus der neuerlichen Existenz dieser Wunderdroge entstanden gar gänzlich neue Kulturen. Die Bewegung der Hippies, Psychedelic-Freaks und Beatniks, und in der logischen Konsequenz auch die heutigen Technoheads, hätte es ohne die Entdeckung des Acid wohl nie gegeben. Und Jimi Hendrix fragte: „Are you experienced?”

Das wundersame Entheogen war zu Anfang auf der Straße jederzeit verfügbar, da vollkommen legal. Allerdings häuften sich somit auch die haarsträubenden Storys über LSD-beeinflusste "Hochhaus-Flieger" – Personen, die, so die Mär, unter LSD-Einfluss glaubten, fliegen zu können und aus dem Fenster oder vom Hausdach in den Tod sprangen. In der Folge wurde Lysergsäurediäthylamid 1966 in den USA auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt und somit auch für den psychotherapeutischen Gebrauch illegalisiert. Fünf Jahre später geschah Selbes dann in Deutschland. Wie jede repressive Prohibitionsmaßnahme, konnte aber das Verbot die Droge freilich nicht verdrängen - nur in eine andere Ecke schieben. Konnte damals LSD frei verkauft und damit auch erworben werden, so ist der heutige Psychonaut auf Undergroundlabors und den Schwarzmarkt, letztlich auf Dealer angewiesen und macht sich des Verbrechens des Erforschens des eigenen Bewusstseins schuldig.

Aber ob nun verboten oder nicht – beobachtend lässt sich festhalten: Auch wenn der Substanz von den meisten Mütterchen und braven Bürgern nur wenig Bedeutung zugemessen wurde, so hatte und hat dies Mutterkornalkaloid und die aus dessen Existenz hervorgegangene Kultur einen immensen Einfluss auf unser aller tägliches Leben. Als eines der frappierendsten Beispiele sei hier nur der bis heute allgegenwärtige Smilie genannt, eines der Hauptartefakte der Acid-, also der LSD-Bewegung. Wenn Mama ihrem Sprössling einen Smilie-Becher für den Kindergarten kauft, ist sie meist nicht in dem Wissen, dass sie hier ein typisches Symbol der LSD-Kultur in Händen hält – es ist doch schließlich so süß! Millionenfach gespielte, und von unseren Eltern und Großeltern auswendig mitgesungene, zeitlose Songs wie “Yellow Submarine”, “Turn, turn, turn”, “let the sunshine in”, “Eight Miles High”, “Mr. Tambourine Man“ und „Purple Haze“ sind letzten Endes nichts weiter als musikalisch umgesetzte LSD-Erfahrungen – ein Vermächtnis der Drogen-Subkultur. Auch terminologische, szeneinterne linguistische Artefakte wurden mittlerweile von der Gesellschaft adaptiert und ins gängige System der Alltagsvokabeln eingebettet. Die eindeutigsten Beispiele sind wohl die Begriffe Trip (Kurzurlaub, Ausflug), Freak (begeisterter Anhänger, Superlativ von Fan) und an- bzw. abtörnen (etwas übel bzw. gut finden).
Die Liste der Beispiel LSD-beeinflusster Kultur könnte fast beliebig fortgesetzt werden, so vieles ist der LSD-Erfahrung entsprungen: die Science-Fiction (z. B. Star Trek), die psychedelische Kurst (z. B. Klarwein, Giger und Warhol), eine riesige, schier unüberschaubare Anzahl an Filmen und Bühnenstücken (The Trip, Easy Rider, Barbarella, Flashback, Hair, die Rockoper Tommy u. s. w.), Musik, Literatur, Licht- und Lasereffekte und vieles andere mehr.
Christian Rätsch, dessen Jubiläumsschrift „50 Jahre LSD-Erfahrung" ein geradezu explosives, edukatives und zeitloses Dokument der LSD-Kultur darstellt und maßgebliche Inspiration zu dieser kleinen Hommage gewesen ist, vermerkt in eben diesem Werk: „Ohne LSD hätte es keine Rainbow Nation, keine Rainbow-Gatherings (sozusagen Stammestreffen und damit kein Greenpeace gegeben (...). Das New Age wäre vergessen oder verpasst worden. Man munkelt sogar, dass es ohne LSD keine Personal Computer, vor allem keinen Apple, den Computer vom Baum der Erkenntnis, gäbe (...).“ RÄTSCH 1993: 563

Und dennoch, trotz aller Einflüsse dieser Substanz –, vielleicht mithin sogar deshalb, fiel das LSD der Prohibition zum Opfer. Wird als Rauschgift – ja, als Betäubungsmittel bezeichnet, doch vermag nicht einmal zu betäuben. Und dennoch hat es sich gehalten. Wunder vergehen nun mal nicht. Eines steht aber schon lang fest:
Albert Hofmann muss mit Fug und Recht ein Weltveränderer genannt werden. Seine Entdeckung einer entheogenen Verbindung namens Lysergsäurediäthylamid hat wie keine zweite psychoaktive Substanz – ja nicht einmal der Alkohol – das menschliche Leben auf unserer Mutter Erde beeinflusst. Offensichtliche Spuren psychedelischer Kultur sind sichtbar oder verschlüsselt in allen Richtungen und Zeiten unserer Geschichte auffindbar: in weiter Vergangenheit, in der Gegenwart und garantiert auch in der Zukunft.

Mein Freund und Verleger Roger Liggenstorfer, formulierte für erwähnte Festschrift den wunderbarsten Schluss, den ich mir für diesen Text vorstellen kann und der gleichzeitig eine Art Quintessenz des Gesagten beinhaltet: „Die Entdeckung des LSD fällt menschheitsgeschichtlich gesehen praktisch zusammen mit der Entdeckung der Atombombe und deren erstem Abwurf. Dieses zeitliche Aufeinandertreffen der negativen physischen Zerstörungs- & Spaltungsbombe mit der positiven psychischen Bewusstseinsverschmelzungsbombe bedeutet für mich eine Absprache der Evolution. Eine Absprache der äußeren mit der inneren Welt. Oder anders ausgedrückt: LSD ist die Antwort des inneren Raumes auf die Fragen der äußeren Wirklichkeit. Das Aufzeigen der tiefgreifenden Veränderungen, die LSD (...) seit seiner Entdeckung in unserer Gesellschaft bewirkt hat, wäre eine interessante Aufgabe von zukünftigen Forschungen.“ ROGER LIGGENSTORFER 1993 (in: Rätsch 1993)

Postskriptum: Albert Hofmann wünschte mir vor zehn Jahren zum sechzigsten Geburtstag des LSD „Licht, Leben und Liebe" und unterstützte mich moralisch und geistig während der Organisation des ersten Entheovision-Kongresses in Berlin. Das möchte ich ihm posthum erneut zurückgeben. Ich widme ihm abermals diese Hommage und wünsche mir für die Zukunft des LSD, der Menschheit und des Planeten nur das, was Albert selber einst mir gewünscht hat: Licht - Leben - Liebe. Es lebe die Entheogene Reform!


Bibliografie (Auswahl):
BERGER, MARKUS (2003),
Editorial 60 Jahre LSD, Entheogene Blätter 4/03: 1
BERGER. MARKUS (2003),
60 Years of LSD.
Die Geburtstagsfeier und Hommage all Albert Hofmann in Basel, Entheogene Blätter 4/03: i 84
BERGER, MARKUS (2003),
60 Jahre LSD, grow! 3/03: 16-17
RÄTSCH, Christian (1993),
50 Jahre LSD-Erfahrung,
Löhrbach: Werner Pieper

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