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Neuronale Trüffel

Was sind eigentlich Zaubertrüffel?
Publiziert am: 14.11.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Von Markus Berger
Panaeolus cyanescens - Foto: Alan Rockefeller CCBYSA 3.0


Ich habe in den vergangenen Ausgaben des Hanf Journals über diverse Psychedelika geschrieben, und auch dieses Mal wollen wir uns über den hanfigen Tellerrand hinaus mit solchen entheogenen Transmittern befassen. Immer wieder herrscht nämlich große Unsicherheit, wenn es um die sogenannten Zaubertrüffel, auch Magic Truffles, geht. Was sind diese „Trüffel“, die auch „Philosopher’s Stones“ und Steine der Weisen genannt werden eigentlich? Was enthalten sie, wie wirken sie und sind sie eigentlich irgendwo legal? Dem geht der nachfolgende Artikel auf den Grund.

Zaubertrüffel sind in Wahrheit gar keine Trüffel, sondern Sklerotien von Psilocybe-Pilzen. Das sind unterirdisch wachsende Myzelverdickungen, die genauso Teil des Pilzes sind, wie die oberirdisch erscheinenden Fruchtkörper. Das Interessante: Auch das Sklerotium eines Pilzes enthält die Inhaltsstoffe, die auch im Fruchtkörper nachgewiesen werden können. So sind die so genannten Magic Truffles, die Zaubertrüffel, vollwertige Träger der entheogenen Moleküle Psilocybin, Psilocin und Baeocystin/ Norbaeocystin. Nicht alle Spezies der Gattung Psilocybe bilden jedoch Sklerotien aus.

Zuerst wurde diese Eigenart bei Psilocybe mexicana entdeckt. Auch Psilocybe tampanensis und Psilocybe atlantis haben die Angewohnheit, Sklerotien auszubilden, Zaubertrüffel werden dann jedoch in aller Regel nicht mit ihrem Gattungsnamen bezeichnet, sondern zum Beispiel Sclerotia tampanensis, Sklerotia mexicana usw. Im Übrigen bilden einige ebenfalls Psilocybin enthaltende Panaeolus-Arten (Düngerlinge), zum Beispiel Panaeolus cyanescens, ebenso Sklerotien aus, die jedoch nicht so üppige Formen annehmen, wie dies bei den Psilocybe-Arten der Fall ist.

Durch den engagierten Einsatz einiger Liebhaber hat sich im Lauf der Zeit eine kleine Vielzahl neuer Zuchtformen etabliert, von denen die meisten in Holland ihren Ursprung haben, so beispielsweise Psilocybe mokum (Mokum = Syn. Amsterdam), Psilocybe utopia und Psilocybe hollandia.



ZAUBERTRÜFFEL IN DER ÜBERSICHT (BEISPIELE)

STAMMPILZ, NATURFORM TRÜFFEL/SKLEROTIUM

Psilocybe atlantis Sclerotia atlantis
Psilocybe galindoi Sclerotia galindoi
Psilocybe mexicana Sclerotia mexicana
Psilocybe samuiensis Sclerotia samuiensis
Psilocybe semilanceata Sclerotia semilanceata (gewisse Stämme)
Psilocybe tampanensis Sclerotia tampanensis

ZUCHTFORMEN

Psilocybe ‘Pajaritos” Sclerotia Pajaritos (aus der P. mexicana)
Psilocybe hollandia Sclerotia hollandia
Psilocybe utopia Sclerotia utopia

WEITERE NATURFORMEN, DIE SKLEROTIEN BILDEN

Conocybe cyanopus (Samthäubchen)
Panaeolus cyanescens (und der Strain «Hawaiian»)
Panaeolus subbalteatus (= P. cinctulus)
Panaeolus tropicalis

Die oben genannte Zuchtform des Psilocybe mexicana, Psilocybe ‘Pajaritos’, kann leicht verwechselt werden mit dem eigentlichen Stammpilz, denn das spanische Wort Pajaritos bedeutet Vögel (span. pájaro = Vogel) und ist eine gängige spanische Bezeichnung für Psilocybe mexicana. Manchmal werden Trüffel der Namen „Columbia“ und „Hawaiianer“ im Handel angeboten. Die entsprechenden Stammpilze der Art Psilocybe (Stropharia) cubensis, derer es die Kolumbianischen und Hawaiianischen Strains gibt, produzieren allerdings keine Sklerotien. Daher ist die Bezeichnung verwirrend und unrichtig.

Zur Erklärung: Der eigentliche Pilz ist für das Auge gar nicht sichtbar. Das, was wir als Pilz bezeichnen, ist nur der Fruchtkörper des eigentlichen Pilzorganismus’, der sich als Myzelgeflecht unter der Erdoberfläche verbirgt. Myzelien sind fadenartige Gebilde, die sich durchs Erdreich ziehen und nach und nach ein mehr oder weniger großes Geflecht bilden. Von diesem Myzelgeflecht, das ist der eigentliche Pilz, gehen nun die für uns sichtbaren Fruchtkörper aus und wachsen durch die Bodendecke nach oben. Was sind also Sklerotien? Bei manchen Pilzen, z. B. Psilocybe-, Panaeolus-, Conocybe-, Mutterkorn- und Porling-Arten, bilden sich Ansammlungen, Verdickungen, sozusagen Verknäuelungen des Myzeliums zu dicken Knollen, die als Dauerformen unter der Erde wachsen und Nährstoffe und Wasser sammeln und speichern und je nach Bedarf abgeben. Und diese Sklerotien weisen eben dieselben pharmakologischen Eigenschaften auf wie die Fruchtkörper des entsprechenden Pilzes.

Abgesehen von der optischen Erscheinung gibt es keinerlei Unterschiede zwischen Zauberpilzen und Zaubertrüffeln. Die so genannten Trüffel sind in Wahrheit keine echten Trüffel (denn die gehören zur Gattung Tuber), sondern unter der Erde wachsende Sklerotien der Psilocybe-Pilze. Sie sind deshalb nichts weiter als ein unterirdischer Teil des Pilzes und mit dem oberirdischen Teil, dem so genannten Fruchtkörper, den wir als eigentlichen Pilz bezeichnen, völlig identisch. Beide enthalten die halluzinogenen Moleküle Psilocybin, Psilocin und Baeocystin, beide sind absolut wirksam. Die Erfahrung, die man mit Zaubertrüffeln zu erwarten hat, ist absolut identisch mit jener, die mit Zauberpilzen hervorgerufen werden kann. Schließlich wirkt bei beiden Pilzformen die Kombination der Inhaltsstoffe Psilocybin, Psilocin und Baeocystin/Norbaeocystin – Pilz und Sklerotium sind lediglich die Trägerstoffe der psychoaktiven Substanzen. Es existiert de facto kein Unterschied zwischen Zaubertrüffeln und Zauberpilzen. Sie sind Teile von ein- und demselben Organismus. Zuweilen wird behauptet, Sklerotien enthielten mehr Wirkstoffmenge als Fruchtkörper. Diese Aussage ist wissenschaftlich bis heute aber nicht gesichert.

Der bekannte Ethnomykologe R. Gordon Wasson hatte die psychedelischen Psilocybin-Pilze in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrtausends für uns wiederentdeckt. Unter anderem zusammen mit dem Schweizer Naturstoffchemiker und Entdecker des LSD-25, Dr. Albert Hofmann, unternahm Wasson einige Reisen zur mexikanischen Curandera und Schamanin Maria Sabina, wo die Wissenschaftler in das Geheimnis des Teonanácatl-Kults, also des Psilocybin-Kults, eingeführt worden waren. Bis dahin waren die in allen Weltteilen vorkommenden Zauberpilze der Wissenschaft gänzlich unbekannt. So beispielsweise der in gesamt Mitteleuropa häufig vorkommende Psilocybe semilanceata. Er wurde in den entsprechenden Führern lediglich als Giftpilz oder mit der Bezeichnung „wertlos“ geführt – wenn überhaupt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass diese Pilze in vorchristlichen Zeiten den Heilern und Schamanen Europas durchaus bekannt gewesen sind.

Heute sind durch wissenschaftliche Arbeiten die psilocybinischen Pilze in aller Welt bekannt. Es werden in unregelmäßigen Abständen sogar immer wieder neue Arten beschrieben, bleibt abzuwarten, was die Zeit da noch alles bringen wird. Nachdem die Pilze aber mittlerweile weltweit als Betäubungsmittel gelten, ist mit der Zeit ein gänzlich neuer Trend aufgekommen, und der kam aus Holland. Denn einige Pilzarten, zum Beispiel Psilocybe mexicana produzieren unterirdische Sklerotien (siehe oben). Und die gelten im Niederländischen Recht nicht als Pilze im eigentlichen Sinn und sind deshalb dort legal. Da Sklerotien, die „Trüffel“, ebenfalls die psychoaktiven Inhaltsstoffe enthalten, sind sie für psychonautische Zwecke hervorragend geeignet.

Die Trüffel-Erfahrung

Die Psilocybinerfahrung ist eine sehr individuelle und von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Zum einen vom Menschen selber und der Art und Weise, in der sein Organismus auf die Substanzen reagiert. Zum anderen von den äußeren Faktoren Dosis, Set und Setting. Die Wirkung der entheogenen Kombo Psilocybin/Psilocin/Baeocystin/Norbaeocystin tritt nach etwa 20 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein, manchmal zeigen sich sogar bereits nach 10 Minuten erste Wirkungen. Die psychedelische Reise dauert zwischen drei und vier, seltener bis fünf oder gar sechs Stunden, bevor sie allmählich wieder abklingt.

Am intensivsten werden häufig die ersten drei bis vier Stunden nach Erreichen des Peaks bezeichnet, viele Psychonauten berichten vom wellenförmigen Fortgang des Trips. Psilocybin-/Psilocin-Erfahrungen sind meist recht bunt und häufig von indianischen Visionen geprägt. Anders als zum Beispiel das verwandte Tryptaminentheogen LSD-25, das für manche Psychonauten mitunter ein wenig zu kantig, kraftvoll und unstet wirken kann, bewirkt Psilocybin einen eher stabilen Rausch, der von Wärme und mannigfaltigen Wohlgefühlen begleitet sein kann (was natürlich auch bei LSD häufig der Fall ist).

Hinter den geschlossenen Augenlidern entblättern sich farbenprächtige Mandalas, Visionen von Göttern und Elfen durchfluten das Bewusstsein. Die Welt wird noch lebendiger als sie ohnehin schon ist. Überall wabert und atmet der Boden, Pflanzen beginnen zu sprechen, und die Grenzen der Außenwelt, des Makrokosmos, verschwimmen mit denen des inneren Mikrokosmos. Freilich sind die entheogenen Wirkungen der Moleküle nicht zu verachten und besonders: nicht zu unterschätzen. Der Psychonaut wird auf Psilocybin/Psilocin, wir sprechen von visionären Dosierungen, tiefgreifende Erfahrungen im Weltraum seiner Seele machen, Verwandlungs-, Geburts- und Sterbenserlebnisse bewältigen müssen, möglicherweise auf fremde, seltsam reale Wesen treffen und gänzlich unbekannte Welten betreten. Genau hier liegt für manche Anwender die Gefahr. Möglicherweise werden es der unbekannten und ungewöhnlichen, schwer einzuordnenden Erlebnisse zu viel, daraus können Panik und die Angst, nie wieder normal zu werden, resultieren. In einem solchen Fall ist immer ein Tripsitter von Nöten, der dem Betroffenen gut zuredet und ihm erklärt, dass der Zustand bald vorüber ist.

Es gibt keinen Grund zur Angst: In den korrekten Dosierungen sind die Moleküle Psilocybin, Psilocin und Baeocystin/Norbaeocystin für den menschlichen Körper in keiner Weise schädlich oder giftig oder mit gefährlichen Nebenwirkungen behaftet. Solche können schlimmstenfalls sein: erhöhter Blutdruck und Herzschlag, Schwitzen, Unruhe, Übelkeit und Panik. Diese Nebenwirkungen sind von vorübergehender Natur rufen beim gesunden Anwender keinerlei Folgeschäden hervor. Die psychedelischen Tryptamine verlassen den Körper innerhalb kurzer Zeit vollständig. Möglicherweise hat der Anwender im Anschluss an die Erfahrung ein wenig Kopfweh, fühlt sich müde und schlapp, zuweilen gar depressiv. Das sind aber ebenfalls nur vorübergehende Erscheinungen, die nach einer guten Mütze Schlaf schnell überwunden sein sollten. In niedrigeren Dosierungen bewirken Zaubertrüffel keine starken visionären Erlebnisse, sondern Heiterkeit, leichte Optiken, ein Wohlgefühl und oft eine gesteigerte Kreativität. Manche Personen können mit niederschwelligen Dosen aber nur wenig anfangen und fühlen sich unwohl.



Und was ist mit der Dosis?

Es ist so eine Sache mit der Dosierung von Zaubertrüffeln. Es kommt erstens auf die Qualität der Trüffel an. Die Zaubertrüffel in unserem Angebot weisen unterschiedliche Potenzgrade auf. Es gibt schwächer wirksame und sehr potente. Dann sind immer die Faktoren Set und Setting von großer Relevanz. Außerdem spielt die Empfänglichkeit des Konsumenten eine Rolle. Im Allgemeinen sollte für den durchschnittlich potenten Zaubertrüffel für den geübten Psychonauten eine anfängliche Dosis von 5 Gramm Frischmaterial genügen.

In diesem Fall gilt: weniger ist mehr. Im Umgang mit psychedelisch wirksamen Substanzen sollte immer große Vorsicht geboten sein. Bei durchschnittlich potenten Zaubertrüffeln empfehlen sich folgende Richtwerte, die man als erfahrener Anwender zugrunde legen sollte: In einer Dosierung von 5 Gramm des frischen Materials dürfte jeder eine deutliche, aber sehr milde Wirkung verspüren, die gut zu steuern ist. Mit einer Menge von 10 Gramm des Materials wird die Erfahrung deutlich stärker werden, aber nicht so überwältigend, dass der Anwender das Wachbewusstsein einbüßen muss. Eine Dosierung von 15 Gramm der frischen Zaubertrüffel entspricht der Menge für äußerst erfahrene Psychonauten, insbesondere, wenn starke Strains ins Spiel kommen. Sämtliche Angaben gelten für frisches Material.

Im Allgemeinen lässt sich festhalten: Die Dosierung ist in hohem Grade abhängig von der Potenz des Ausgangsmaterials und von der eigenen Befindlichkeit und der individuellen Empfänglichkeit gegenüber Tryptaminentheogenen. In jedem Fall sollte man immer vorsichtig beginnen und sich allmählich an die korrekte Dosis heranarbeiten. Damit die Wirkstoffe rasch aufgenommen werden können und ihre Wirkung entfalten, ist es am besten, die Zaubertrüffel auf leeren Magen einzunehmen. Das verringert gleichzeitig das Risiko einer anfänglichen Übelkeit, über die manche Anwender immer wieder berichten.

Deshalb merke: Je leerer der Magen, desto angenehmer die Psilocybinerfahrung. Während des Trips, falls es einer vom Level-1- bis 2-Typus ist, kann dann durchaus etwas Leichtes gegessen werden, denn auch ein komplett leerer Magen führt auf die Dauer zu Unwohlsein.

Getrocknete Zaubertrüffel enthalten nicht mehr das Wasser, das der Masse in frischem Zustand ihr Volumen verliehen hat. Dabei enthalten getrocknete Zaubertrüffel einen prozentual höheren Anteil an den psychoaktiven Inhaltsstoffen, einfach weil sich die anwesenden Wirkstoffe in weniger Trägermasse befinden. Deshalb werden sie unbedingt halbiert dosiert: Anstatt 5 nur 2,5 Gramm, anstatt 10 nur 5 Gramm und anstatt 15 nur 7,5 Gramm. Anfänger und sehr unerfahrene Anwender beginnen jeweils mit deutlich weniger und tasten sich sehr vorsichtig an die Dosierung heran, niemals jedoch allein.

Die Rechtslage

Psilocybinpilze und ihre Produkte sind praktisch in allen Ländern verboten. Mit Sklerotien und Pilzzucht-Kits hingegen verhält es sich etwas anders, die Regelungen können von Land zu Land variieren. In Deutschland zum Beispiel sind psilocybinhaltige Sklerotien ebenso illegalisiert wie die Fruchtkörper der Pilze, Pilzucht-Kits hingegen dürfen erworben werden, psilocybinische Sporen nicht. Bis 2002 waren sämtliche Zauberpilze in Holland legal. Zu diesem Zeitpunkt waren sogar getrocknete Psilocybinpilze in den Smartshops erhältlich.

Ab 2002 änderte sich die Gesetzeslage dann aber. Von diesem Zeitpunkt an, waren getrocknete Pilze verboten, frische hingegen legal. Psilocybin als psychoaktive Substanz ist in Holland schon lange illegalisiert. Weil aber die Zauberpilze Naturprodukte sind, hat man sie lange Zeit nicht verboten. Von Rechts wegen ist in Holland ein Sklerotium kein Pilz, und damit sind die frischen und nicht zum Drogengenuss vorgesehenen Zaubertrüffel in Holland legal. Auch die Pilzzucht-Kits sind nach wie vor nicht verboten worden.
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