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Lasst euch nicht verkohlen

Ein kleines Filter Einmaleins mit dem Hanf Journal
Publiziert am: 11.12.13 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kimo
Links: Frische Aktivkohle - Rechts: Kalkreste nach dem Kontakt mit vernebeltem Wasser



Aktivkohlefilter sind die Lebensversicherung für illegalisierte Hanfgärtnereien, wenn hier die Technik versagt, sind die Konsequenzen oft sehr weitreichend und unangenehm. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder das intensive Hanf-Aroma, das Nachbarn und Gesetzeshüter auf den Plan ruft, weil die Filteranlage nicht ordentlich funktioniert hat. Die Redaktion hat sogar schon von wagemutigen Zeitgenossen Wind bekommen, die ihr Hobby Kamikaze-ähnlich ganz ohne Aktivkohlefilter betreiben und so nicht nur sich selbst, sondern die gesamte kriminalisierte Untergrund Gärtner Community schädigen. Eigentlich sind solche Unannehmlichkeiten aufgrund zu stark duftender Pflanzen mit einem funktionstüchtigen und vor allen Dingen fachgerecht betriebenem Aktivkohlefilter zu 100% vermeidbar.

Denn selbst das stärkste Critical+ gibt seinen narkotischen Duft nur innerhalb des dafür vorgesehenen Raums wie zum Beispiel einem Growzelt ab, wenn man beim Kauf und der Installation der Abluftanlage die wichtigen Kleinigkeiten berücksichtigt. Zu diesem Zweck sollten wir uns noch einmal das Funktionsprinzip eines Aktivkohlefilters genau vor Augen führen.

"Querschnitt eines Filters mit fünf Zentimeter Aktivkohlebett und konischem Innenfuß"

Wie der Geruch im Filter bleibt

Bei Aktivkohle handelt es sich um Kohlenstoff, der vor der Verarbeitung einen chemischen oder physikalischen Aktivierungsprozess durchlaufen hat. Durch diesen Prozess entstehen sehr viele Poren und Kanäle in den Kohlepartikeln, die die Oberfläche der Kohle um ein Vielfaches vergrößern.

Ein Gramm Aktivkohle hat ungefähr die Oberfläche eines Fußballfelds. Zudem wird die Kohle beim Aktivierungsprozess mit positiven Ionen aufgeladen, was ihre Aufnahmefähigkeit zusätzlich erhöht. Aktivkohle gibt es in unterschiedlichsten Varianten und Qualitäten, die für die unterschiedlichsten Anwendungen geeignet sind. Zur Reinigung von stark riechender, aufgewärmter Innenraumluft sollte man nur Filter verwenden, deren Kohle speziell für diesen Einsatzbereich produziert wurde. Dazu sollte man wissen, dass in Lüftungsanlagen in Bürogebäuden oder Badezimmern lediglich mit einer Geschwindigkeit 2m/s laufen, die Kohle also relativ lange Kontakt mit dem Luftstrom hat.

Beim Anbau von Pflanzen unter Kunstlicht hat der Luftstrom eine Geschwindigkeit von bis zu 7m/s, weil die Lüftungsanlage zusätzlich dazu dient, die hohe Wärmeentwicklung des Leuchtmittels zu kompensieren. Die kurze Kontaktzeit mindert den Absorbationseffekt (absorbieren-aufsaugen) der Kohle, was wiederum sehr hochwertige Kohle erfordert. Die zeichnet sich durch möglichst viele Lufteinschlüsse aus, ist also trotz großem Volumens relativ leicht. Doch auch die beste Kohle hat einen geringen Staubanteil, weshalb gute Aktivkohlefilter neben einem Vorvlies auch ein Innenvließ haben, damit es beim Absaugevorgang nicht staubt.

Welche Kohle eignet sich am besten zum Growen?

Bei der Adsorption von gasförmigen Luftverunreinigungen und Gerüchen aus der Luft kommt es bei der Aktivkohle vor allem auf eine möglichst große innere Oberfläche und möglichst große Poren an. Die Porengröße teilt man in drei Größenordnungen ein: Mikroporen (< 2 nm), Mesoporen ( 2 bis 50 nm) und Makroporen (> 50 nm). Gefiltert wird einfach ausgedrückt in den kleinen Mikroporen, die Mesoporen sind die Übergangsporen, während die Makroporen als Transportstraßen für den Luftstrom genutzt werden.

Organische Geruchsmoleküle wie die ätherischer Öle sind verhältnismäßig groß und somit nicht mit anderen zu filternden Stoffen vergleichbar, wie sie zum Beispiel zur Bestimmung des CTC-Wertes (Filterfähigkeit des Stoffes Cyclohexen (CCl4)) verwendet werden. Cyclohexen ist verhältnismäßig klein, weshalb der CTC Wert nur bedingt Auskunft über das Filterverhalten von Hanfgeruch gibt. Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass CTC70er Aktivkohle unempfindlicher gegen Feuchtigkeit ist als die CTC55 Variante.

Um eine optimale Filtereigenschaft zu erzielen, muss man aber nicht nur die zu filternden Stoffe und deren Eigenschaften genau kennen, sondern sollte sich auch ein wenig mit deren Inhalt auskennen. Zurzeit findet man in den Aktivkohlefiltern heimischer Growshops zwei Arten von Kohle:

1. Granulierte Aktivkohle
Niedriges spezifisches Gewicht, geringer Ascheanteil, aufgrund der unregelmäßigen Granulat-Struktur etwas erhöhter Luftwiderstand, die Luft hat mehr Kontakt mit den Poren in der Kohle. Wird aus anorganischen Material wie Steinkohle oder organischen Materialien wie zum Beispiel Kokosnussschalen gewonnen, sehr gute Haltbarkeit.

2. Extrudierte Aktivkohle (Stäbchenform)
Hohes spezifisches Gewicht, relativ hoher Ascheanteil, aufgrund der runden Form geringerer Luftwiderstand, die Luft hat weniger Kontakt mit den Poren in der Kohle, gute Haltbarkeit. Wird aus anorganischem Material wie Stein- oder Braunkohle gewonnen.

Beide Kohlen haben also viele Vorteile und jeweils einen kleinen Nachteil, unsere guerilla-Redakteure tendieren eher zur leichteren Granulat Variante, weil sie praktischer zu handhaben und zudem sehr langlebig ist. Fragt im Zweifelsfalle einfach im Growshop Eures Vertrauens,welche Art Aktivkohle der Filter Euer Wahl enthält, gute Hersteller benutzen nur Aktivkohle mit Herkunftsangabe und Zertifikat.

Patrone oder Matte?

Auch die Bauart eines Aktivkohlefilters beeinflusst dessen Effizienz und Lebensdauer, im Indoor-Bereich unterscheiden wir hier prinzipiell zwischen zwei unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien:

"Links:Filterpatrone von Rhino - Rechts: Carbonactive Filter mit auf Matte aufgebrachter Aktivkohle"

Filterpatrone

Bei der Verwendung einer Filterpatrone wird eine Schicht Aktivkohle zwischen zwei runde Lochbleche eingebracht, die auf einer Seite verschlossen und auf der anderen Seite mit einem Flansch an das Abluftsystem angeschlossen wird. Bei Filterpatronen ist wichtig, dass die verwendeten Lochbleche große Öffnungen haben, damit der Luftstrom nicht schwächer wird. Einige Hersteller verwenden zusätzlich einen konischen Innenfuß (Beispiel: Rhino Filter, Phat Filter), damit sich der Luftstrom am Ende des Filters nicht verwirbelt. Die meisten Filterpatronen haben eine flache Bodenplatte. Da diese Patronen ursprünglich meist hinter dem Lüfter angebracht waren, die Luft also von innen nach außen durch den Filter gepresst wurde, war das auch kein wirkliches Problem.

Denn da der Filter meist wie heutzutage im Indoorbereich vor dem Lüfter montiert wird, die Luft also von außen nach innen durch den Filter strömt, kommt es bei einer flachen Bodenplatte im hinteren Bereich des Filters zu Verwirbelungen.
Diese könne dazu führen, dass nur der vordere Teil des Filters effektiv von der Luft durchströmt wird.

Filtermatte

Bei der Verwendung einer Filtermatte wird Aktivkohle auf einer Matte aufgebracht. Diese Matte wird Ziehharmonika-artig zu einem Rohr gefaltet, auf einer Seite verschlossen und mit einem Flansch an das Abluftsystem angeschlossen.

"Ein Innenvließ sorgt auch bei großen Lochblechöffungen für sauberes arbeiten"

Zu hohe Luftfeuchtigkeit vermeiden

Die meisten Grower verwenden Filterpatronen, doch in den vergangenen Jahren hat sich die leichte Mattenbauweise auch immer weiter verbreitet. Das Prinzip der Geruchsfilterung durch eine möglichst große Oberfläche ist bei beiden gleich, allerdings wird bei der Mattenbauweise viel weniger Aktivkohle verwendet, dafür die Oberfläche durch das Falten der Matte zusätzlich erhöht. Beide Filtertypen sind zudem sehr anfällig für zu hohe Luftfeuchtigkeit. Ab einer Luftfeuchtigkeit von 70-75% kondensiert das Wasser in den Kanälen der Aktivkohle und verstopft so deren Poren.

Zwar trocknet ein feucht gewordener Filter nach ein paar Stunden im trockenen Luftstrom wieder vollkommen aus und arbeitet normal weiter, die Lebensdauer der Kohle wird jedoch negativ beeinträchtigt. Aus diesem Grund sollte man bei der Verwendung von Luftbefeuchtern auch darauf achten, dass der Nebel nicht direkt in den Filter gesogen wird oder der nützliche Helfer so lange Wasser verdunstet, bis eine Luftfeuchtigkeit von 80% herrscht. Ein zweites Problem, auf das uns unsere beiden niederländischen Freunde Henk und Manne bereits vor ein paar Jahren aufmerksam gemacht haben, das sich aber immer noch nicht so richtig rumgesprochen zu haben scheint, ist der komplette Ausfall eines Aktivkohlefilters durch den Kalk, der im verdunsteten Wasser enthalten ist. Bei Henk und Manne hatte sich der Filter innerhalb weniger Tage so mit kleinen Kalkpartikeln zugesetzt, dass der Luftstrom fast völlig abgerissen war und in der Homebox eine Temperatur von 35 Grad herrschte. So geschädigte Filter erkennt man an der weißen Schicht auf dem Aktivkohle-Granulat (siehe Foto).

"Verkalktes Innenvließ nach dem Kontakt mit vernebeltem Wasser"

Ganz wichtig beim Kauf eines Filters ist ein gutes Vorfilter-Vlies, das grobe Schmutz- und Staubpartikel gar nicht erst an die wertvolle Kohle lässt. Deshalb sollte man auch hier nicht sparen und die etwas hochwertigere Variante wählen, die man dann auch ohne viel Fusseln in der Maschine waschen und somit die Lebensdauer des Geruchsfressers verlängern kann.

Kein Rascheln

Als ich noch im Growshop tätig war, musste ich jeden Filter einer gelieferten Palette schütteln, hat er geraschelt, wollte ihn der Chef nicht haben. Denn die Kohle in einer Filterpatrone muss, ähnlich wie Beton beim Gießen, gut verdichtet sein. Lufteinschlüsse, die sich zwischen und nicht in nicht in den Aktivkohle-Teilchen befinden, mindern die Leistungsfähigkeit. Spezielle Maschinen zum Befüllen von Aktivkohlefiltern rütteln den Korpus deshalb beim Produktionsvorgang immer wieder, bis kein Gramm Kohle mehr zwischen die Bleche passt. Deshalb sollte man einen Filter vor dem Kauf schütteln und sich für ein Modell entscheiden, das dabei nicht raschelt. Technisch versierte Gartenfreunde können zumindest kleinere Filter nach Ende des Lebenszyklus der Kohle mit ein wenig Geschick selbst nachfüllen, sollten den Inhalt dann aber über ein paar Tage hinweg verdichten und immer wieder Kohle nachfüllen. Hierzu eignet sich eine Waschmaschine im Schleudergang oder auch der Kofferraum des Autos während einer Fahrt über Kopfsteinpflaster.

Wie lange hält ein Filter?

Im Growshop heißt es oft „ein Jahr“, die Hersteller hingegen halten sich bei diesen Angaben bedeckt. Ich habe Filter schon nach zwei Monaten in die Knie gehen sehen, auch sechs oder acht Monate Lebensdauer sind bei einigen Modellen leider keine Seltenheit. Es gibt aber auch Set-Ups, bei denen der Aktivkohlefilter fast zwei Jahre hält. Hier gibt es keine Faustregel, die Grower gerne hätten, am besten mit angeheftetem Zertifikat. Die Lebensdauer wird stark von Faktoren wie Luftreinheit, Feuchtigkeit, Zustand des Vorfiltervlieses, Größe des Lüfters, Volumen des Raums, angebaute Sorte uvm. beeinflusst und kann gar nicht punktgenau angegeben werden. Ein Growshopper, der Euch dazu keine Auskunft geben kann oder will, ist demnach nicht ahnungslos sondern seriös.

Die vielen Feldversuche unserer befreundeten guerilla-Grower haben allerdings schon ein paar ihrer unbestritten subjektiven Vorlieben ans Tageslicht befördert, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:

-Viel hilft viel. Je dicker das Aktivkohlebett, desto länger hält der Filter (Empfehlung der guerilla-Redakteure: Nix hält länger als ein fünf Zentimeter dickes Filterbett eines Qualitätsfilters, eine drei Zentimeter dicke Aktivkohleschicht ist fast doppelt so schnell gesättigt).

-Die Mattenbauweise filtert prima, arbeitet wirklich staubfrei, ist jedoch sehr empfindlich gegen hohe Luftfeuchtigkeit oder staubige Raumluft- also Achtung in vegetativen Kammern (siehe auch oben zum Thema Luftbefeuchter).
Sparen ist nicht unbedingt gefährlich, auch preisgünstige Filter filtern, sterben dafür früher.

Kurzum

Den besten Filter gibt es nicht, dafür aber sicher ein optimales Modell für Euer persönliches Set-Up und Euer Sicherheitsbedürfnis. Doch das ist, wie so oft, nie der billigste. Also, Augen auf beim Filterkauf, denn schon die Kriminalpolizei riet in den 1970er Jahren: Vorbeugen ist besser.
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