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„Cannabis ist nicht nur ein Genussmittel sondern auch eine Heilpflanze ...“

Im Interview: Pubkulies & Rebecca feat. Tibau
Publiziert am: 08.01.14 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Janika Takats
Pubkulies, Rebecca und Tibau



Traditionelle kapverdische Musik mit modernem Elektro zu mischen ist keine Alltäglichkeit. Pubkulies & Rebecca haben das Experiment zusammen mit ihrem langjährigen Freund, dem kapverdischen Musiker Tibau, gewagt. Entstanden ist ein Album, welches sowohl auf den Kapverden als auch in Europa Anklang gefunden hat und dass den Hörnern, genau wie der im Zuge der Albumproduktion entstandene Dokumentarfilm, die Musik des Inselstaats auf beschwingte aber auch gefühlvolle Art näher bringt. Vor ihrem Konzert in Hamburg haben Janosch von Pubkulies & Rebecca und Tibau sich die Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

Ihr kommt musikalisch aus ziemlich verschiedenen Richtungen. Wie habt ihr zusammen gefunden?

Janosch: Ich komme ursprünglich aus dem Hip Hop-Bereich und habe dort angefangen zu produzieren und Erfahrungen zu sammeln. Über Berlin bin ich zu elektronischen Musik gekommen. Rebecca hat an sich kaum Bezug zu Elektro, sie hört eher Chansons und Singer Song Writer während Seb aus der Indie-Szene kommt und erst durch mich anfangen hat Spaß an Elektro zu finden. Als Kind habe ich drei Jahre auf Kap Verde gelebt und durch mein Elternhaus auch einen starken Bezug zu kapverdischer Musik entwickelt. Rebecca und ich kennen Tibau seit gut 10 Jahren und er hat uns schon damals als Künstler unheimlich beeindruckt. Da wir als Band schon immer für viele verschiedene Musikstile offen waren, ist es uns nicht schwer gefallen Elemente der kapverdischen Musik mit unserem Sound zu verbinden.

Wie kann man sich das neue Album vorstellen?

Janosch: Dieses Album ist ganz klar kapverdische Musik. Natürlich auf unsere Art und Weise interpretiert, doch die Songs sind alle von Tibau, abgesehen von zwei Liedern, die zu den kapverdischen Volksliedern zählen. Dadurch ist das Album anders als alles, was wir bisher gemacht haben. Normalerweise schreiben Rebecca, Seb und ich die Songs gemeinsam. Dieses Mal haben wir mit einem Komponisten zusammen gearbeitet und dessen Ideen umgesetzt. Das ist eine völlig andere Herangehensweise wodurch auch andere Instrumente zum Einsatz kamen. Wir haben zum Beispiel schon früher mit Gitarren gearbeitet, doch hatten sie bisher nie einen vergleichbaren Stellenwert. Der Sound ist anders, doch auf der anderen Seite sind wir uns auch in vielen Sachen treu geblieben. So haben wir die Synties verwendet, mit denen wir auch sonst arbeiten. Die Percussions haben wir aus Freiluftaufnahmen generiert, die wir auf der Insel gemacht haben, das war vor Ort etwas Besonderes. Das Album ist auch in einer unglaublich kurzen Zeit fertig geworden. Alle Songs sind in den vier Wochen, wo wir auf den Kapverden waren entstanden, das hat es vorher auch noch nicht bei uns gegeben. Bisher haben wir uns immer Zeit gelassen und vieles ausprobiert. Dieses Mal war der zeitliche Rahmen klar vorgegeben.

Tibau, wie war es für dich Teil dieses Projekts zu sein?

Tibau: Es war eine neue Erfahrung für mich. Wir haben traditionelle kapverdische Lieder mit elektronischer Musik gemischt. Alle Songs sind in meiner Sprache gesungen, doch die Instrumentale sind eine Mischung aus verschiedenen Stilen. Auf den kapverdischen Inseln ist das Album sehr gut angekommen, weil es eine neue Art ist unsere Musik zu interpretieren. Einige traditionelle Stücke sind eher melancholisch. Wir haben sie auf eine freudige und energiegeladene Weise wiedergegeben, dass hat allen gefallen. Als wir auf den Kapverden waren haben wir zwei Konzerte zusammen gegeben. Nächstes Jahr wird es eine komplette Tour durch die Kapverden geben.

Was habt ihr von eurem Aufenthalt auf Kap Verde mitgenommen?

Janosch: Ich kenne Kap Verde, doch es war für mich eine neue Erfahrung mit so vielen Menschen aus 'meiner Welt' dort zu sein. Wir waren eine riesige Crew und dadurch bin ich nicht wie sonst bei Freunden untergekommen. Der Aufenthalt war auch für die anderen eine lehrreiche Erfahrung. Seb ist unser Multi-Instrumentalist, der von der Pike auf verschiedene Instrumente gelernt hat. Es war beeindruckend zu sehen wie jemand wie er in der kapverdischen Musik aufgegangen ist. Bei dem Song 'Djarmai Azul' hat Seb Piano gespielt und klingt dabei wie ein Kapverdianer. Es war einfach unglaublich zu sehen wie er in der Musik aufgegangen ist. Die kapverdische Kultur hat uns beeinflusst, aber ich denke nicht, dass unser nächstes Album in die gleiche Richtung gehen wird. Das Album war ein einmaliges Projekt. Wir werden sicherlich auch weiterhin auf die Kapverden reisen und vor Ort mit Musikern zusammen arbeiten, wir wollen auch mit Tibau ein Soloalbum aufnehmen, das Seb und ich produzieren werden, doch Pubkulies und Rebecca werden weiterhin elektronische Musik machen. So langsam habe ich da auch wieder richtig Lust drauf.

Im Zuge der Aufnahmen ist auch ein Dokumentarfilm entstanden. Wie seid ihr darauf gekommen?

Janosch: Ein guter Freund von mir hat mitbekommen, dass wir auf den Kapverden ein Album aufnehmen wollen und hatte große Lust uns zu begleiten. Der Film ist eine audiovisuelle Reise. Man sieht viel von den Kapverden und deren Kultur. Der Film handelt von der Musikkultur der Inseln und der Art wie wir uns dieser Kultur annähern. Dazu kommt eine Visualisierung unserer Lieder, die an Musikvideos erinnern. Die Doku sollte kein reines Making-of werden und ich denke das ist uns gelungen. Der Film ist unabhängig von uns als Band und daher auch für Leute interessant, die ist Pubkulies & Rebecca gar nichts am Hut haben. Der Film ist eine Hommage an die kapverdischen Inseln und an ihre Lieder. Neben den Kapverden haben wir noch auf der Fusion gedreht, dieser Teil bildet den Abschluss der Doku. Es hat noch eine Weile gedauert bis der Film fertig geworden ist, doch wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Seid ihr de Meinung, dass Cannabis unter scharfen Jugendschutzmaßnahmen legalisiert werden sollte?

Janosch: Ich bin ein liberaler Mensch und ich denke, dass die Situation wie sie momentan ist alles andere als sinnvoll ist. Cannabis ist nicht nur ein Genussmittel sondern auch eine Heilpflanze und hat viele andere nützliche Eigenschaften, die von Menschen aus verschiedenen Kulturen lange Zeit genutzt wurde. Es muss etwas gemacht werden, die Frage ist nur wie. Wenn man sich das niederländische Modell anschaut, ist dort meiner Meinung nach einiges schief gegangen, weil Cannabis nicht gleichzeitig auch in den umliegenden Ländern legalisiert wurde. Dadurch ist eine Art von Drogentourismus entstanden, die durchaus unangenehme Formen angenommen hat. Als ich jünger war, war ich da auch nicht anders, doch man wird älter und heute würde ich mir nicht wünschen, dass meine Tochter mit 17 auf irgendwelchen Campingplätzen dort abhängt. Insofern ist dort nicht alles gut gelaufen. Eine alternative wäre vielleicht das Schweizer Modell, wo Marihuana toleriert wird, doch es wurde keine offensive Legalisierung durchgeführt. Damit haben die Schweizer die extremen Auswüchse wie in Holland umgangen. Es ist ein kompliziertes fast schon politisches Thema.

Wie ist die Situation auf den Kapverden?

Janosch: Auf den Kapverden ist Cannabis ebenfalls verboten, doch die Umsetzung wird lockerer gehandhabt. Die zwei Polizisten, die in Maio leben, wissen genau wer raucht, aber machen nichts. Die Struktur des Landes ist eine ganz andere, weswegen solche Sachen eher toleriert werden als hier. Die Gesetzte werden weniger Konsequent umgesetzt. Auf den Kapverden gehört es zum Alltag dazu, wobei man sagen muss, dass es nicht fest in der Kultur verankert ist und daher auch nicht überall verbreitet. Bei jungen Leuten lässt man es noch durchgehen, aber unter Erwachsenen hat Marihuana auch keinen hohen Stellenwert. Legalisierung würde auch eine Entkriminalisierung bedeuten. Wenn Marihuana legal wäre, wäre es wohl für viele Jugendliche weniger interessant. Dass Marihuana überhaupt konsumiert wird, ist eine Entwicklung der letzten zwei oder drei Jahrzehnte und es wird auch nirgendswo auf den Kapverden angebaut. Es kommt alles vom Festland.

Vielen Dank für das Interview.
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