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Sodom und Gomorrha an der Spree

Was die ultraorthodoxen Katholiken im SO36 wirklich im Schilde führen, ist noch nicht geklärt.
Publiziert am: 08.01.14 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu Van Hemp
Sodom und Gomorrha an der Spree - Grafik: Hanf Journal




Im heutigen Reich der Germanen gibt es einen Flecken Erde, der an jenes gallische Dorf im römischen Reich erinnert, dessen Bewohner alle Gesetze ignorierten und sich einfach nicht dressieren ließen. Nein, nicht der rechtsfreie Raum des Frankfurter Bankenviertels ist gemeint, sondern die Brutstätte linker Bazillen im Herzen der Republik: Kreuzberg Südost 36.

Niemand weiß Genaues nicht, wann die ersten Wanderratten aus den Wüstenrotsiedlungen Wessilands und Lehmdörfern Anatoliens in die ostasiatische Steppe einfielen und das Feuchtbiotop im Schatten des antifaschistischen Schutzwalls besiedelten. Mitte der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren sie plötzlich da, krochen in den Ruinen des vergessenen Stadtteil Westberlins unter und machten einen auf multikulturelle Autonomie. Die proletarischen Ureinwohner des für die Abrissbirne freigegebenen Sanierungsgebietes juckte die Invasion der Aliens wenig.

Schließlich ließ der Senat seinerzeit an den Stadträndern fleißig Sozialbuchten bauen, die den bedrängten und leidgeprüften Südost-Kreuzbergern ein Dasein ohne Etagenklo und Ofenheizung versprachen. Wer die Nase voll von orientalischen, schwäbischen und ostzonalen Gerüchen hatte und reine Berliner Luft atmen wollte, der migrierte ins Marzahn Westberlins nach Britz, Buckow, Rudow oder gleich ins „Merkwürdige Viertel“.

Zurück blieb ein von Armut und Verwahrlosung gentrifizierter Postzustellbezirk, der alles beherbergt, nur keine gebürtigen X-Berger. Dem Senat war das nur recht, schien doch alles unter Kontrolle im Ghetto der Neu-Westberliner. Leider hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht, und der schenkt seitdem tüchtig ein, wenn es darum geht, der Staatsgewalt zu erläutern, wer in SO 36 das Sagen hat. Bis heute wird zwischen Kotti und Wrangelkiez der Kategorische Imperativ noch im Neuss’schen Sinne gelebt: Das Denkbare lassen, das Undenkbare tun – auf dass dieses allgemeines Gesetz werde.

Undenkbar bislang, dass mitten in unserem Vaterland dunkelhäutige Asylanten unbehelligt auf öffentlichen Plätzen in Wellblechhütten residieren und Filetgrundstücke besetzen dürfen. Völlig absurd auch, dass Haschgiftfixer den Görlitzer Park mir nix dir nix in den größten Outdoor-Coffeeshop der Welt verwandeln. Ebenso undenkbar bis dato, dass Vater Staat überhaupt einen Ort duldet, der nicht von der Polizei, sondern von den Bürgern selbst kontrolliert wird. Schier unfassbar auch Volkes geisteskranker Wille, eine satte Mehrheit aus Grünen, LINKEN und Piraten in die Bezirksverordnetenversammlung zu wählen. Vorläufiger Höhepunkt ist der kommunalpolitische Offenbarungseid der grünen Bürgermeisterin, die aus Angst vor den eigenen Wählern alles richtig macht und den separatistischen Strömungen zwischen Landwehrkanal und Spree nicht das Wasser abzugraben getraut.

Und so ist alles, wie es ist. Noch immer bestimmt der uruguayische Geist der Tupamaros das Handeln der Bürger – das Verdienst einer Stadtguerilla, deren Gründungsväter Deutschlands bedeutendste Kiffer waren – Dieter Kunzelmann und Fritz Teufel. In enger Kooperation mit dem „Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen“ stellten die „Tupamaros West-Berlin“ in der Hippiezeit die Weichen für das, was das Sündenbabel am Spreeufer zum Mythos macht – ein Mythos, der mehr denn je eine magische Anziehungskraft auf Menschen aus aller Welt ausübt. Die Subkultur gedeiht und blüht wie nie zuvor – gepflegt und gehegt auch von der türkischen Gemeinde, die der Garant dafür ist, dass der Kiez für deutschtümelnde Dumpfbacken eine No-Go-Area bleibt.

SO 36 verheißt Freiheit, wie man sie sonst nur aus Belfast, Kabul oder Medellin kennt. Jeder macht, was er will: Wer jedoch negativ auffällt, kriegt von seinen Nachbarn ganz schnell auf die Fresse, und seltsamerweise trifft’s immer die Richtigen. Hier zählt noch das gute alte Naturrecht des Stärkeren, das sich nicht in Geld, sondern kollektiver Muskelkraft misst. In Charlottenburg gibt es versteckte Armut, in Kreuzberg versteckten Reichtum. Diese lokale Eigenart ist es dann auch, die SO 36 jung hält. Der Spagat, als karriere- und geldgeiler Neuberliner unter Junkies und Punkern, Salafisten und Buddhisten, Gottlosen und Bolschewisten alt zu werden, erfordert nämlich preußische Disziplin – und die haben nun mal nur hartgesottene Westberliner, wie sie in der Einflugschneise der Flatterwiese Tegel zu finden sind.

Zeit seines Lebens auf dem Weg zur Arbeit in Hundekacke zu treten, auf ausgekotzten halbverdauten Dönerresten auszurutschen und haschischgeschwängerte Luft einzuatmen, ist nicht jedermanns Sache. Gleich und Gleich gesellt sich gern, und spätestens nach der Geburt des ersten Einzelkindes trifft sich die vom multikulturellen Leben kurierte Wessigemeinde 30+ auf dem monokulturellen Prenzlauer Berg wieder, also jenem von Schwaben überbevölkerten Ost-Bezirk, der ein Weltstadtleben wie in Tübingen garantiert.

Keine Frage, SO 36 ist der Hotspot im Herzen Deutschlands, ein Ort, der sich aus dem Quell jugendlichen Widerspruchsgeistes speist und denen Fernweh bereitet, die an ihrem Unvermögen scheitern, körperlich zu altern und dabei geistig jung zu bleiben. Zwar mühen sich noch etliche, längst überlebte Alternativlinge in Bürgerinitiativen und Kiezbüros ab, um für sich und ihre blondgelockten Stammhalter eine gemütliche Idylle deutscher Öko-Spießigkeit zu installieren, doch letztlich obsiegt eben jener kategorische Imperativ, der die leicht rassistisch motivierte „Ich-zuerst-Mentalität“ des grün-alternativen Bildungs- und Wohlstandbürgertums konsequent negiert.

Der Rechtsruck der Grünen wie in Süddeutschland will in Friedrichshain-Kreuzberg nicht gelingen, schließlich wird nichts mehr gefürchtet als der Zorn der autonomen Szene. Und das aus gutem Grunde: Wissen diese Putzkolonnen doch, wo ihre Pappenheimer wohnen. Entsprechend lautlos ist das Gejammer der Anwohner rund um den Görlitzer Park, die Polizei möge doch endlich die Haschgiftdealer entfernen, gerade so als handle es sich bei diesen Mitbürgern um Hundehaufen.

Und doch gilt diesen Fiepskötern großer Dank, denn dieses Ignoranten-Pack ist es, das mit jedem Widerwort gegen die unhaltbaren Zustände des offenen Hanfhandels die Diskussion über den Sinn und Unsinn der Hetzjagd auf Dealer und Kunden befeuern und ungewollt in die falsche Richtung lenken. Statt mit dem eisernen Besen die schwarzen Männer in den Abschiebknast zu kehren, beschließt die Bezirksverordnetenversammlung, eine Ausnahmegenehmigung bei der Bundesopiumstelle für einen staatlich kontrollierte Hanfausgabestelle zu beantragen. So etwas nennt man einen Blattschuss, mitten hinein in die schwarzen Seelen der alleinerziehenden Öko-Muttis und eierlosen Sitzpinkler, die den Untergang des Kiezes im Drogensumpf fürchten.

Und das zu Recht, denn dank der schwitzenden Eilfertigkeit der deutschen Copy-&-Paste-Medien, die lauthals verkünden, dass im „Görli“ schon morgen ein Coffeeshop eröffnet, erwartet Berlin einen neuen Schwung frischer und unverbrauchter Drogentouristen und Migranten, die mal schnuppern wollen, ob das preußische Amsterdam auch hält, was es verspricht.

Des einen Leid ist des anderen Freud, und angesichts der heutigen multitoxischen Drogenkultur droht SO 36 durchaus die Gefahr, zum Ballermann an der Spree zu verkommen. Wer heute am Schlesischen Tor aus der U-Bahn steigt, dem sitzen nicht wie früher den Gammlern die Sackläuse bereits in den Augenbrauen. Geratzt wird auch nicht mehr auf zerschlissenen Matratzen in besetzten Häusern, und statt selbstgestrickter Pullis trägt frau Klamotten eines Start-Up-Modeschöpfers, der auch nach Schwabing und Worpswede liefert. Wer anno 2014 aus der deutschen Provinz in die sogenannten Szenebezirke Berlins umzieht, ist friedfertiger Natur und wird somit nichts Nachhaltiges oder gar Revolutionäres schaffen. Nicht die Not ist der Antrieb, sondern die Lust auf Selbstverwirklichung und Party – fernab jeglicher sozialen Kontrolle. Und wo kann man seine Sturm- und Drangzeit besser ausleben als im anonymen Dschungel einer Betonwüste, in dem das Verschwinden des Nachbarn erst auffällt, wenn es im Hausflur nicht nach Urin, sondern Verwesung duftet?

Was dem PISA-geschädigten Partyvolk aus deutschen Landen nicht gelingen wird, ist jedoch einer völlig neuen, noch nie dagewesenen Plage zuzutrauen – und das ist die heimatvertriebene Jung-Elite Südeuropas. Auf Schritt und Tritt laufen sie einem über den Weg, unrasierte Spanier und Italienerinnen, die Jesus und Maria heißen und wie die Jünger Che Guevaras aussehen. Dieses Klientel schleppt etwas anderes, viel Bedrohlicheres ein: Bildung und Gottesfurcht. Was die ultraorthodoxen Katholiken im gottlosen SO 36 wirklich im Schilde führen, ist noch nicht geklärt. Die Gefahr einer vom Papst gesteuerten Stadtguerilla, die den sündigen Südost-Kreuzbergern das Wort der Bibel flüstern will, besteht zwar, doch so lange die Katholenbrut vor dem sonntäglichen Kirchgang erst einmal eine kräftige Dosis Haschgiftpulver in die Nase spritzt, passt das schon.
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