Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*

  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

- cool-tour
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion
Klüger werden mit dem Hanf Journal
Dr. med. Franjo Grotenhermen klärt auf.
Ist Kiffen gesünder als Tabak zu rauchen?

Publiziert am: 25.08.04 - Medienformen: Medienform Text

Dr. med. Franjo Grotenhermen
ist Mitarbeiter des
Nova-Instituts in Hürth
und Vorsitzender der Arbeits-
gemeinschaft Cannabis als Medizin

Beim Rauchen von getrockneten Pflanzen entsteht eine Vielzahl von Verbrennungsprodukten. Viele sind schädlich für die Schleimhäute, wie beispielsweise polyzyklische Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine. Diese Substanzen entstehen bei der Verbrennung von Tabak, Cannabis und anderen Pflanzen. Legt man die gleiche Menge zugrunde, dann werden beim Rauchen von Cannabis mehr schädliche Verbrennungsprodukte aufgenommen als beim Tabak-Rauchen. Allerdings raucht ein Cannabis-Konsument im Durchschnitt weniger als ein durchschnittlicher Tabak-Konsument, sodass Cannabis-Raucher im Allgemeinen weniger schädliche Verbrennungsprodukte inhalieren als Tabak-Raucher.

Die qualitative Zusammensetzung des Cannabis-Rauches ähnelt der von Tabak, mit dem wichtigsten Unterschied, dass Cannabis-Rauch Cannabinoide enthält, während Tabak-Rauch Nikotin enthält. Cannabis-Raucher inhalieren aber aus verschiedenen Gründen mehr schädliche Stoffe als Tabak-Raucher. Die beiden bedeutenden Krebs erregenden Substanzen Benzanthrazen und Benzpyren (wichtige Bestandteile des „Teers“) liegen im Cannabis-Rauch in einer höheren Konzentration vor. Während Tabak-Zigaretten meistens gefiltert werden, sodass ein großer Anteil des schädlichen Teers im Filter hängen bleibt, macht die Filterung von Cannabis keinen Sinn, da nicht nur der Teer, sondern auch ein großer Teil des THC im Filter bleiben würde. Auch das längere Einbehalten der Luft beim Cannabis-Rauchen vergrößert die Teer-Ablagerung auf den Schleimhäuten. Aus diesen Gründen werden beim Rauchen einer Cannabis-Zigarette etwa zwei- bis viermal soviel an Krebs erregenden Substanzen in die Lunge aufgenommen wie beim Rauchen einer Tabak-Zigarette. Leider kann man daraus nicht schließen, dass eine Cannabis-Zigarette so schädlich wie zwei bis vier Tabak-Zigaretten ist.

Es ist allgemein bekannt, dass das Rauchen von Tabak eine chronische Bronchitis (Raucherhusten) verursachen kann und das Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs, Mundkrebs und anderen Krebserkrankungen erhöht. Auch das Rauchen von Cannabis geht vermehrt mit einer chronischen Bronchitis einher. Allerdings ist eine Zunahme des Krebsrisikos bisher nicht nachgewiesen. Es gibt zu diesem Thema zu wenige Studien, und die wenigen, die es gibt, haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt.

So hatte beispielsweise eine Studie mit 173 Menschen, die an Mundkrebs litten, aus dem Jahre 1999 ergeben, dass Cannabis-Konsum das Krebsrisiko verdoppelt hatte. Unter den Mundkrebs-Patienten waren nämlich doppelt so viele Cannabis-Konsumenten wie in einer gesunden Kontrollgruppe. Nach einer anderen Studie aus dem Jahre 2004 mit 407 Mundkrebs-Patienten war das Rauchen von Cannabis jedoch nicht mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Mundkrebs verbunden. Dr. Stephen Schwartz, einer der Autoren der Studie, erklärte zu ihrem Ergebnis, sie mache eine sehr zuverlässige Aussage darüber, dass es keinen Zusammenhang zwischen Cannabis-Rauchen und Mundkrebs gebe. Da sich unter den Studienteilnehmern jedoch nur wenige starke und langzeitige Cannabis-Konsumenten befanden, sei es allerdings unklar, ob sehr starker Konsum über viele Jahre mit einem erhöhten Risiko für Mundkrebs verbunden sei.

Insgesamt gibt es wenige Beweise dafür, dass das Rauchen mäßig großer Cannabis-Mengen das Krebsrisiko erhöht, bei starkem Rauch-Konsum erscheint dies jedoch möglich.

Um den möglichen Schaden durch das Rauchen zu verringern oder zu vermeiden, können mehrere Strategien verwendet werden. So kann durch die Verwendung besonders THC-reichen Cannabis die gerauchte Gesamtmenge verringert werden. Viele Konsumenten filtern den Rauch in Wasserpfeifen, was jedoch keine wirksame Strategie darstellt. Zwar werden gasphasige Gifte wie Kohlenmonoxid und Nitrosamine reduziert, die polyzyklischen Kohlenwasserstoffe und andere festphasige Gifte werden aber nicht entfernt. Untersuchungen haben sogar ergeben, dass mehr THC als Teer entfernt wird. Gut geeignet sind dagegen Geräte zur Verdampfung von Cannabis-Kraut, so genannte Vaporizer. Dabei wird das Kraut auf 180 bis 190 Grad Celsius erhitzt. Bei dieser Temperatur verdampfen die Cannabinoide, sodass sie inhaliert werden können, ohne dass Verbrennungsprodukte entstehen. In einer Untersuchung bestand der Dampf zu mehr als 95 Prozent aus Cannabinoiden, während Cannabis-Rauch nur zu 12 Prozent aus Cannabinoiden bestand. Den weitaus größten Teil des Rauches machten giftige Verbrennungsprodukte aus. Die einfachste Strategie zur Vermeidung möglicher Schäden durch das Rauchen ist das Essen oder Trinken von Cannabis-Produkten.

Dr. med. Franjo Grotenhermen
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

Weitere Artikel von Dr. med. Franjo Grotenhermen gibt es in den Dossiers

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-