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Klüger werden mit dem Hanf Journal
Werden Mücken, Zecken und Blutegel high, wenn sie das Blut von Cannabis-Konsumenten trinken?
Publiziert am: 19.10.04 - Medienformen: Medienform Text

Bisher wurden Cannabinoid-Rezeptoren und körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide) bei den meisten Wirbeltieren und wirbellosen Tieren nachgewiesen, bei Säugetieren, Vögeln, Amphibien (wie zum Beispiel Salamander), Fischen, Seeigeln, Egeln, Muscheln und Polypen.

Insekten besitzen dagegen kein Cannabinoid-Rezeptoren, sodass Cannabinoide bei Mücken keine Wirkung hervorrufen können. Zecken zählen zu den Spinnentieren. Gemeinsam mit den Insekten zählen sie zu den Gliedertieren (Anthropoda).

Es wird vermutet, dass Insekten keine Cannabinoid-Rezeptoren besitzen, weil Insekten nur wenig Arachidonsäure besitzen. Diese Fettsäure ist eine Vorstufe der Endocannabinoide. Ob Spinnentiere Cannabinoid-Rezeptoren besitzen, ist bisher nicht untersucht, daher kann über die Zecken zu diesem Thema nichts Abschließendes gesagt werden.

Wie oben bereits erwähnt, besitzt jedoch eine andere Blut saugende Tiergruppe Cannabinoid-Rezeptoren: die Blutegel. Wie Mücken und Zecken nehmen Egel gemessen an ihrem Körpergewicht erhebliche Mengen an Blut auf, sodass sie auch vergleichsweise große THC-Mengen aufnehmen könnten.

Ob Blutegel jedoch durch THC psychisch beeinflusst werden, hängt von mehreren Faktoren ab. So müsste die Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren beim Blutegel Effekte auslösen können, die mit den psychischen Wirkungen beim Menschen überhaupt vergleichbar wären, und zudem müsste die zugeführte Dosis ausreichend hoch sein. Der Cannabinoid-Rezeptor, der beim Blutegel nachgewiesen wurde, ähnelt stark dem Cannabinoid-Rezeptor im menschlichen Gehirn. Die Aktivierung des Gehirn-Cannabinoid-Rezeptors ist beim Menschen und anderen Säugetieren für die psychischen Effekte nach Cannabis-Konsum verantwortlich. Das Cannabinoid-System hat beim Blutegel jedoch vermutlich andere Funktionen als beim Menschen, sodass seine Aktivierung wahrscheinlich keinen Zustand hervorruft, der mit einem „High“ beim Menschen vergleichbar wäre. Denkbar wäre jedoch, dass der Blutegel unter THC-Einfluss seine Umwelt verändert wahrnimmt.

Die Frage der ausreichenden THC-Dosis soll anhand eines Rechenbeispiels näher betrachtet werden. Nimmt ein Mensch THC oral auf (essen, trinken), dann reichen im Allgemeinen etwa 10 bis 20 Milligramm aus, um leichte psychische Effekte bei einer 70 Kilogramm schweren Person zu verursachen. Das entspricht etwa 0,15 bis 0,3 Mikrogramm pro Gramm Körpergewicht.

Geht man davon aus, dass der Blutegel fünf Gramm wiegt, dass er auf sein Gewicht bezogen die gleichen Mengen an THC benötigt, damit ein Effekt verursacht wird, und dass die Bioverfügbarkeit des THC  die Menge, die real zur Wirkung kommt  beim Blutegel so groß ist wie beim Menschen, dann müsste der Blutegel 0,75 bis 1,5 Mikrogramm beziehungsweise 750 bis 1500 Nanogramm THC aufnehmen. Ein Nanogramm ist ein Millionstel Milligramm.

Nach dem Rauchen von Cannabis steigt die THC-Konzentration im menschlichen Blut für einige Minuten auf etwa 100 bis 400 Nanogramm pro Milliliter Blut an. Sie fällt dann innerhalb von zwei bis drei Stunden auf unter 10 Nanogramm pro Milliliter Blut ab.

In unserem Beispiel soll der Blutegel 10 ml Blut innerhalb einer Stunde von einem Cannabis-Konsumenten saugen, der gerade eine große THC-Dosis zu sich genommen hat. Unter optimalen Voraussetzungen wäre es dann denkbar, dass unser Blutegel 500 bis 1000 Nanogramm THC aus dem Blut aufnimmt, sodass er in den Bereich der oben berechneten Äquivalenzdosis für 10 bis 20 Milligramm beim Menschen käme.

Dieses Beispiel ist allerdings nicht mehr als eine Spielerei, da es einige Unbekannte gibt. Häufig ist es so, dass kleinere Tiere bezogen auf das Gewicht vergleichsweise größere Mengen an Drogen beziehungsweise Medikamenten benötigen, um gleich starke Wirkungen wie bei größeren Tieren zu verursachen. Dies liegt vor allem an der größeren Stoffwechselaktivität kleiner Tiere, die daher auch vergleichsweise größere Mengen an Nahrung aufnehmen müssen. Ein Blutegel würde unter diesem Aspekt wesentlich größere Dosen benötigen als die hier vorgestellte gewichtsbezogene Äquivalenzdosis von 750 bis 1500 Nanogramm THC. Andererseits wäre es denkbar, dass die Bioverfügbarkeit von THC beim Blutegel bei oraler Aufnahme deutlich größer ist als beim Menschen. Beim Menschen beträgt die systemische Bioverfügbarkeit nach dem Essen oder Trinken von Cannabis nur etwa 5 bis 10 Prozent. Der Rest wird im Magen verändert und vor allem in der Leber verstoffwechselt, bevor er das Gehirn und andere Organe erreichen kann.

Abschließend lässt sich festhalten, dass THC bei Mücken und vermutlich auch bei Zecken keinerlei Wirkung verursacht. Beim Blutegel ist dies anders. Allerdings sind die beim Blutegel verursachten Wirkungen vermutlich nicht mit einem menschlichen „High“ vergleichbar.

Dr. med. Franjo Grotenhermen
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