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Silberscheibe des Monats >>
Musik empfohlen vom Hanf-Journal
Publiziert am: 19.10.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal oktober04 artikel Silberscheibe des Monats

Silberscheibe des Monats >> DJ Mix

Daddy G  DJ-Kicks (!k7 records)


Als 1991 Massive Attack den „Blue Lines“-Meilenstein releasten, drang ein Album in meine Ohren, das bis heute Spuren hinterlassen hat. Ohne diesen „Bristol Sound“ würde ich vor allem im Drum&Bass viel vermissen. Daddy G, der uns am Mikro bisher massiv attackierte, war schon immer auch DJ und hat nun endlich einen dubbigen Mix zur großartigen DJ-Kicks-Serie beigesteuert. Neben unveröffentlichtem Massive Attack-Material erweist er der Sound System-Kultur Jamaikas seine Referenz und spielt auch meine Lieblinge Melaaz, Tricky, Barrington Levy und Leftfield. Meters bringen den Funk, Johnny Osbourne den Reggae und Badmarsh & Shri die Downbeats. Überrascht und erregt werde ich durch Foxy Brown, und selbst die Soul-Diva Aretha Franklin ist mit dabei. Zum großen Finale gibt’s mit dem Perfecto Mix von „Unfinished Sympathy“ den wahren Klassiker, der diesem Mix dann wirklich die Krone aufsetzt. Eine Killer-Selection!

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Silberscheibe des Monats >> Techno / House

Swayzak  Loops From The Bergerie (!k7 records)


Eigentlich wollte ich nur wissen, was sich hinter dem Wortspiel mit Serge Gainsbourgs 60er-Soundtrack zum Film „Les Loups dans la Bergerie“ auf sich hat. Doch da dem Duo nach dem eher technisch klingenden Vorgänger „Dirty Dancing“ diesmal der Sinn nach Live-Sound mit analogem Equipment, handgespielten Percussions und mehreren Vokalisten stand, war ich positiv überrascht. Glücklicherweise geht es hier nicht um Neuinterpretationen alter Chansons, sondern um ein Landhaus nahe Montpellier, das vor einem Jahr in ein Studio umfunktioniert wurde. Hier entstand das Rohmaterial zu diesem Album. Swayzak’s David Brown hat gesungen und lässt bei „Keep It Coming“ an glorreiche Joy-Division-Zeiten erinnern. „Snowblind“ klingt wie eine Kreuzung aus Doors und Chris Isaacs, auch Clair Dietrich glänzt wieder mit ihrer anmutigen Sprechstimme, doch insgesamt klingt alles immer noch elektronisch, minimal und dubbig  und das ist sehr sehr schön.



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Silberscheibe des Monats >> Brasil

Bossacucanova  Uma Batida Differente (crammed)


Willkommen bei der Kulmination von jahrelanger Suche und Liebe zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft brasilianischer Musik. Mit ihrem neuesten musikalischen Abenteuer verfolgen Bossacucanova weiterhin ihre Mission, den klassischen Samba- und Bossa Nova-Sound zu modernisieren. Gesang, Grooves, Celli, akustische Gitarren und Samples werden in perfekter Harmonie vereint. Roberto Menescal, Marcos Valle, Celso Fonseca und Adriana Calcanhoto brillieren mit gefühlvollen Songs. Den neuen Sound von Sao Paulo repräsentiert Wilson Simoninha mit seiner funkigen Stimme. Zuco 103 aus Amsterdam steuert ultramoderne Beats bei. Und ganz spezielle Gäste sind Orlan Divo & Cris Delanno. Sound und Feeling dieser elf Tracks voller Charme und Sexyness sind auf dem klassisch brasilianischen Album organischer und relaxter als je zuvor. Immer wieder schön zu hören, was der Zuckerhut für Beats und Melodien hervorbringt.




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Silberscheibe des Monats >> Reggae

Various Artists  The Lovers Rock Story (kickin records)


Ich bin wirklich überrascht, was da in den 70ern auf der britischen Insel so vor sich ging. Der Herbst kann jedenfalls kommen, denn 15 Offbeat-Tracks laden hier zum Kuscheln ein. „The Lovers Rock Story“ ist ein Tribute von Kickin Music’s Chef Peter Harris und seinem Vater Dennis, der in den 70ern mit seinen Labels DIP, Eve, Lucky, Serious Business, Rama und Lover’s Rock als Ikone des britischen Reggae galt. Diese zeitgemäße und historisch wichtige Kollektion ist die erste Compilation mit den Produktionen von Dennis Harris. Viele dieser Tracks waren bisher nur als „Collector’s Item 7“ auf Lover’s Rock erhältlich. Brown Sugar, Cassandra, Roland & Carolyn, Dennis Bovell, T. T. Ross und John Kpiaye schrieben damals Geschichte und setzten neue Maßstäbe in Sachen UK-Reggae. Und auch 30 Jahre später sind alle Songs durchweg mehr als hörenswert. Eine echte Schatzkiste voll mit bittersüßen Reggae-Perlen!




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Silberscheibe des Monats >> HipHop

Hecklah & Coch  Über Alles In Der Welt (rawzone records)


Es ist kein Zufall, dass Berlin den Horizont für die härtere Gangart bildet. Soziale Realitäten werden durch Bezirke getrennt. Hecklah & Coch kommen vom rauen Kiez von Schöneberg-Nord und rappen über Nachbarschaft, Geld, Frauen und ihren täglichen Hustle auf den Straßen. Da es hierzulande keine Musik gibt, die mit Street-Credibility aufgeladen ist, bedienen sich die beiden durch ihre schnelle, saubere Reimtechnik bezeichneten „Machine Gun Rapper“ oft bei dem eindrucksvollen US-Film „Menace II Society“. Besonders zwei Tracks haben es in sich: „Boom“ groovt mit einem hochgepitchten Soul-Sample und spielt mit der Spannung zwischen zarter Gesangsstimme und harten Raps. Das deepste LP-Stück ist „Ich liebe Den Scheiß“, bei dem der Vietnam-Film „Platoon“ durch ein dramatisches Sample zitiert wird. Insgesamt ein HipHop-Album voller Hymnen, guten Battlelines und Bangern für die bouncende Crowd.



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Silberscheibe des Monats >> Soul

Joy Denalane  Mamani Live (four music)


Dass Joy Denalane die (!) deutsche Soul-Diva ist, zeigt ihre Live-Performance der DVD-/Live-Album-Aufzeichnung von „Mamani“. In jeder Note hört man Wahrheit und Wärme. Und was sich im „Mamani Intro“ ankündigt, im Soul-Groove von „Was auch immer“ oder bei „Sag’s mir“ bestätigt, dem revolutionären „Höchste Zeit“ manifestiert, einen bei den melancholischen „Fragen (Ein Brief aus Lesotho)“ oder der mitreißenden Re-Interpretation von Prince’s „Sign O The Times“ bewegt, sind die Präsenz und Persönlichkeit einer Frau, die ihr Menschsein nicht der Kunst geopfert hat. Die Queen aus Berlin betört mit „Vier Frauen“, erzählt vom „Loverman“ und fragt „Wem gehört die Welt“. Konzertmitschnitt, Interview und Backstage-Report bilden eine eindrucksvolle Dokumentation. All denjenigen, die am 11. März diesen Jahres nicht im Berliner Tränenpalast waren, wünsche ich viel Freude an ihrem persönlichen Konzert zuhause.

Rezensionen: Roland Grieshammer
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