Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*

  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

- cool-tour
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion
Ayahuasca-Visionen
Die Beschreibungen anderer Wirklichkeiten sind so vielfältig wie die Hilfsmittel, die den Übergang in eine veränderte Wahrnehmung eröffnen. Der aus psychoaktiven Pflanzen zusammengesetzte Ayahuasca-Trank wird bei einigen Stämmen im Amazonas-Gebiet genutzt, um in eine andere Welt einzutauchen, die im Gegensatz zur Realität des Alltags als die eigentliche verstanden wird.
Publiziert am: 09.09.04 - Medienformen: Medienform Text

Die nach der Einnahme wahrgenommenencharakteristischen Muster, Linien und Energiefelder dienen dabei einemtieferen Verständnis des Lebens und werden von Schamanen zur rituellenHeilung von Krankheiten genutzt. „Von den schönen Tätowierungen undKörperbemalungen, die durch die Schamanen aufgebracht werden, wirdvermutet, dass sie die ,gesunden’ Abarten der Muster sind, die er aufder Haut des Patienten sehen kann. Erkrankungen führen zu spezifischenStörungen der Muster und Ayahuasca ist eine potente Hilfe für denSchamanen, der den Patienten ,aufs Neue richtig bemalt’ und so seineGesundheit wiederherstellt.“ (Jonathan Ott).


In derRealität des Alltags lassen sich die Muster als künstlerisches Abbild inzahlreichen Gegenständen wiederfinden. So sind Textilien und zum Teil Hüttenund Häuser mit den Mustern gestaltet, die in kodierter Form Botschaften aus deranderen Wirklichkeit beinhalten. Die künstlerische Umsetzung der entsprechendenVisionendient nicht zuletzt auch einer Nachbereitung und Einordnung derErfahrungen. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass das westlicheKunstverständnis nur begrenzt auf derartige Werke zu übertragen ist. Einenisolierten Kunstbegriff kennen viele traditionelle Kulturen nicht, vielmehrsind oftmals die Übergänge zwischen Alltagsgegenständen, künstlerischenArtefakten und rituellen Kultobjekten fließend.

 

Seit derEroberung und Christianisierung Südamerikas wird versucht Ayahuasca zudämonisieren und zu unterdrücken. Im Zuge des „War on Drugs“ drängt dieUS-amerikanische Regierung Brasilien dazu, den Gebrauch von Ayahuasca, der zurZeit noch für verschiedene religiöse Gruppen in einem sakramentalenZusammenhang erlaubt ist, vollständig zu verbieten. Bezeichnenderweiseversuchen gleichzeitig pharmazeutische Unternehmen aus den USA, diePatentrechte für die entsprechenden Substanzen zu erhalten, um deren Potenzialkommerziell zu nutzen. Das von Ayahuasca geprägte Weltbild basiert dagegen aufeinem Verständnis, welches von der Eingebundenheit des Menschen in seinenatürliche Umwelt ausgeht und schon dadurch den Gedanken an eineprofitorientierte Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausschließt. Derperuanische Künstler Yando Rios beschreibt entsprechend in seinen Gemälden diewechselseitigen Abhängigkeiten, indem er Figuren zeichnet, deren Körper sichbei genauerer Betrachtung aus einer Vielzahl von Tieren und Pflanzenzusammensetzen. Symbolisch wird hier ausgedrückt, dass jeder einzelneOrganismus wiederum einen Teil eines übergreifenden Organismus bildet. Wenn einElement in Mitleidenschaft gezogen wird oder ganz verschwindet, dann hat dieszwangsläufig auch einen Einfluss auf den gesamten Organismus. Die inzwischengerade in der Ökologie-Bewegung weit verbreitete ganzheitliche Gaia-Theorie,welche den Planeten Erde als eine riesige lebendige Einheit beschreibt, findethier eine Entsprechung.

 

Auch der Schamane Pablo Cesar Amaringo, der seine Ayahuasca-Visionen inzahlreichen Gemälden dargestellt hat, verurteilt scharf die vorherrschendeDominanz des Profites über die Natur und beschreibt aus der Perspektive derAyahuasca-Wirklichkeit die Zerstörung der natürlichen Umwelt. „Ich empfindeeine tiefe Traurigkeit, wenn ich sehe, wie der Regenwald vernichtet wird. Wennjemand Ayahuasca zu sich nimmt, dann ist es manchmal möglich die Bäume weinenzu hören, wenn sie gefällt werden. Die Geister müssen sich dann neue Plätzesuchen, weil ihr physischer Teil, in dem sie wie in einem Haus leben zerstörtwird.“ Zusammen mit dem Anthropologen Luis Eduardo Luna baute Amaringo 1988 mitder „Usko-Ayar Amazonian School of Painting“ ein Projekt auf, das insbesondereKindern und Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen kostenlos die Möglichkeitgibt, unter Anleitung und Bereitstellung der nötigen Materialien sich selbstkünstlerisch zu entfalten. „Ein Bild zu malen, ist ein Weg zu sehen undindemdu lernst zu sehen, wirst du auch mehr verstehen.“ Bezeichnenderweise wirdAyahuasca symbolhaft im Logo der Schule als ein die verschiedenen Weltenverbindendes Element dargestellt.
Wolfgang Sterneck
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-