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Urbane Grow-Legenden
Thema 01: Vom Hanf-Anbau und urbanen Grow-Legenden.

Home Growen knallt nicht!

Publiziert am: 19.10.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal oktober04 artikel Jorges Grow Corner Dry or Die

Als Dirk Rehahn mich fragte, ob ich Lust hätte für euch im Hanf Journal eine Kolumne im Bereich Growing zu schreiben, habe ich überlegt, was euch, und gerade den Einsteigern unter euch, im Grow-Sektor des Hanf Journals fehlt. Denn Informationen zum Anbau von Hanf gibt es reichlich. Über kaum eine Pflanze gibt es mehr Bücher, Internetportale, Zeitschriften, Meinungen, Erzählungen und Legenden wie über Hanf.

Das Problem, auf das ich bei Einsteigern ins Indoor-Growing immer wieder stoße, ist kein Informationsdefizit, sondern eine Informations- und Reizüberflutung. Die Fülle von Informationsmaterial/-quellen, verschiedenem Growing-Equipment, Hanf-Sorten, mineralischen und organischen Düngern, Pflanzsystemen und Angeboten macht es dem Laien nicht leicht, Nötiges von Unnötigem zu unterscheiden. Gutes wird mit Falschem kombiniert und im Ergebnis gilt dann leider das Gesetz des Minimums.

Pflanzen haben einfache, aber elementare Ansprüche. Im Wesentlichem wünschen sie sich nur fünf Dinge: Licht, Luft (CO2), Wasser, Nährstoffe und diese vier Dinge möglichst wohl dosiert und konstant. Wenn der Gärtner dafür sorgt, sorgt die Pflanze für einen guten Ertrag.

Möglichst gute Umweltbedingungen zu jeder Pflanzenphase sind besser als jeder „Trick“ oder „Geheimtipp“!

Wer anfängt, braucht eine solide Basis. Indoor-Growing bedeutet im ersten und elementarsten Schritt nichts anderes, als sich darauf einzulassen eine Wettermaschine in seiner Wohnung zu errichten, die es dem Gärtner ermöglicht, all jene Umweltbedingungen möglichst konstant zu erzeugen, welche die Pflanze in ihren jeweiligen Entwicklungsstadien durchläuft. Wer hier spart, spart Ertrag, erntet Schädlinge und mehr Probleme als Knospen!

Eine 400 oder 600 W-Natrium-Hochdruck-Lampe (NDL) für 1 bzw. 1,5 m² Anbaufläche in einem kleinen Grow-Raum oder einer Grow-Box, ein Rohrlüfter mit ca. 400 bzw. 600 m³/h mit einem passenden Aktivkohlefilter, einem Thermo-(Hygro-)staten, Schalldämpfer und Drehzahlregler sind ideal, um den Eigenbedarfsgärtner, der nur im Winterhalbjahr aktiv ist und aus Samen aufgezogene Pflanzen anbaut, absolut ausreichend selbst zu versorgen.

Vier bis acht, maximal zwölf aus Samen aufgezogene Pflanzen auf 1 bzw. 1,5 m² Anbaufläche, in je elf bzw. 6,5 l Vierkanttöpfen auf guter Erde mit organischer Flüssigdüngung schaffen Tatsachen, die eindeutig für den rein organischen Anbau auf Erde sprechen!


Der Anbau auf Hydrosystemen ist im kleinen Stil nicht billiger und auf gar keinen Fall einfacher als auf Erde. Das gilt insbesondere für Anfänger.

Auf guter Erde mit rein organischer Düngung gezogenes Weed schmeckt besser als auf Hydro- und Aerosystemen, mit chemisch- mineralischen Düngern gewachsenes Grass. Hydroweed ist oft kommerziell, schlecht gespült, simpler geknippt (geerntet), schneller getrocknet, nicht lang genug abgelagert, zu feucht und schwer, mit noch zuviel Chlorophyll, Blättern, sowie Wasser und daher schlecht im Geschmack. Hydroliebhaber, die ihre Pflanzen ausreichend lange blühen lassen, gewissenhaft spülen bevor geerntet wird und sich mit der Maniküre (Feinschnitt bei der Ernte), Trocknung und Lagerung Zeit nehmen, erzielen jedoch ebenfalls sehr leckere Ergebnisse. Anfangende Eigenversorger sind mit simplen Anbaumethoden aber deutlich besser beraten. Denn organischer Anbau auf Erde ist preiswerter, kommt ohne weitere, kostenintensive Technik und anorganische Düngemittelkomponenten aus, erzeugt keinen eigenen Wartungsaufwand, ist weniger zeitintensiv und fehlerresistenter als die ertragreicheren Hydro- und Aeropflanzen-Mastanlagen.


Ein immer wieder gern gemachter wie beliebter Fehler von Einsteigern, der heute noch dafür verantwortlich ist, dass Home-Growen vom einen oder anderen Freizeitgärtner tatsächlich mal von außerordentlich übler Qualität sein kann, ist eine möglichst exotische Sorte mit geringen Mitteln und viel Enthusiasmus durchbringen zu wollen.

Die Frage der Sorte ist eine Frage der technischen Ausrüstung, der Raumhöhe, des Pflanzsystems und der Erfahrung. Hochwachsende Sativas werden unter einer 600 W-NDL besser abwachsen als unter einer mit 400 W, weil die 600-W-Lampe eine größere Ausleuchtungstiefe hat und somit mehr Licht in das unterste Pflanzendrittel vordringen kann. Pflanzen aus Klonen/Stecklingen können kleiner in die Blüte geschickt werden als Samenpflanzen und der Abstand zwischen der Lampe und den Pflanzenspitzen von min. 30/40 cm beschränken das im System mögliche Längenwachstum zusätzlich. Wachsen die Sativas dann nah an die Lampe, zerstört die Strahlung und die Hitze das obere Pflanzendrittel und das untere Drittel wird wegen dem wenigen, nach unten gedrungenem Licht einer zu schwachen Lampe kümmerlich sein.

Oft tendieren Grower mit den kleinsten Systemen dazu, die dicksten Knospen aufzuziehen. Sehr ertragreiche Sorten haben extrem dichte Blütenstände in den oberen Pflanzendritteln. Das trifft besonders auf Pflanzen zu, die aus Samen aufgezogen und ausgeblüht werden. Wer zu viel will, riskiert viel an den Blütenschimmel zu verlieren. Hochertrag-Sorten sind etwas für Grower, die in der Lage sind, die Luftfeuchtigkeit in der Blütephase konstant bei 40 bis unter 50 Prozent zu halten, auch und gerade nachts.


Kein kommerzieller Grower kann so auf die qualitätsbestimmenden Faktoren eingehen wie ein gut informierter Eigenbedarfsgärtner in einem Land, in dem der Heimanbau von Hanf legal ist.


Wenn Dir jemand erzählt, Homegrowen schmeckt und knallt nicht, dann überzeuge ihn vom Gegenteil, wenn es Dir möglich ist!



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