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Magische Zeiten, magische Pilze

Das Pilz-Verbot und das europäische Recht
Publiziert am: 25.08.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sokratis Zacharopoulos und Werner Graf
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Schon im vorletzten Hanf Journal berichteten wir, warum dass das Verbot von psychoaktiven Pilzen wohl wegen europäischem Recht nicht haltbar ist. Nicht nur Hans Cousto als Autor sah dies so, sondern auch viele andere Menschen in Deutschland, von denen einige es wagten auch wirklich wieder frische Pilze zu verkaufen. Nun nahm sich auch die Polizei dieser Frage an und marschierte zu den Verkäufern.

 

In Berlin, in Weimar, in Rosenheim und auf Festivals, überall werden derzeit Verkäufer von frischen Pilzen von der Polizei aufgesucht. Zwar geht eine große Mehrheit davon aus, dass das Pilz-Verbot nicht mit europäischem Recht vereinbar ist, der Staatsanwaltschaft und der Polizei scheint dies jedoch noch nicht bekannt zu sein. Bei allen Betroffenen wurden die Pilze beschlagnahmt, gegen einige erging sogar ein Haftbefehl und zwei saßen zeitweise auch deswegen in U-Haft. Nun werden wohl diese Beschlagnahmungen und Anzeigen zu weiteren Verfahren führen, die bisher aber noch nicht eröffnet wurden. Wie nun diese Verfahren ablaufen, kann derzeit nicht abgesehen werden. Bestenfalls teilen die Richter die Auffassung, dass das Pilz-Verbot nicht haltbar ist und folgen der Auffassung des europäischen Gerichtshofes. Wahrscheinlich wird sich der Kampf aber über mehrere Instanzen abspielen. Wenn es dumm läuft, nehmen alle Angeklagten einen Freispruch wegen unvermeidbaren Verbotsirrtum an. Dann sind sie zwar erfreulicherweise aus dem Schneider, das Gericht hätte aber gleichzeitig auch die Existenz eines Pilz-Verbotes gesehen. Unwahrscheinlich ist so ein Vorgehen nicht, denn schon bei den Duftkissen oder bei Ephedra wurde auf ähnliche Weise verfahren. Kaum ein Angeklagter geht eben gegen einen Freispruch wegen unvermeidbaren Verbotsirrtum beziehungsweise Einstellung gegen Geldbuße in Berufung. Es bleibt also spannend, was noch alles passiert.

 

Der Kampf um die Pilze geht mittlerweile schon lange. Früher wurden sie eine Zeit lang in so genannten „Duftsäckchen“ als Raumluftverbesserer verkauft. Dann kam das Aus. Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) wurde mal wieder den politischen Bedürfnissen angepasst und nachdem sich Deutschlands Richter nicht einig darüber waren, ob denn nun Pilze überhaupt im BtMG stehen, denn dort war nur die Rede von Pflanzen und Pflanzenteilen, nicht von Pilzen, es Frei- sowie Schuldsprüche wegen Pilzen gab, wurden diese schleunigst hineingeschrieben. Ein Hin und Her . . . schon seit ewigen Zeiten also.

Vor etwa vier Jahren wurde nun in den Niederlanden die CAM-Studie durchgeführt und die potenzielle Gefährlichkeit von wirksamen Pilzen wurde untersucht. Die Risikoabschätzungskommission bestand aus Vertretern des Gesundheitsministeriums, des Gesundheitsamtes, des Justizministeriums, des Ministeriums für öffentliche Ordnung, und vieler weiterer.

Das Ergebnis: Pilze machen weder wahnsinnig, wie immer wieder in der Boulevardpresse zu lesen ist, noch geistig oder körperlich abhängig! Im Gegenteil: Sie sind derart ungefährlich, dass sie sogar als Lebensmittel eingestuft und zum Konsum ab zwölf Jahren freigegeben wurden. Insbesondere da so gefährliche Drogen wie Alkohol oder Tabak bereits mit 16 Jahren konsumiert werden dürfen. Ein Lebensmittel, das in den Niederlanden legal ist, sollte nach EU-Recht auch in Deutschland legal und vor allem handelbar sein.

 

Wie am Ende alles ausgeht ist, wie schon geschrieben noch offen. Doch die Pilz-Pioniere, allen voran David von NGEurotrade, werden wohl weiter machen. Trotz der massiven Repression gegen die Existenzgründer schießen Pilzshops und Pilztaxis aus dem Boden. In Mannheim, Frankfurt, Berlin, Erfurt und vielen weiteren Städten sind die frischen Pilze als Lebensmittel genauso erhältlich wie Tomaten oder Äpfel. Einen Überblick über die Verkaufsstellen könnt ihr euch im Internet auf www.ngeurotrade.com verschaffen.

Die Pilze werden unter Schutzatmosphäre verpackt um deren Haltbarkeit zu garantieren, denn Pilze, die verderben sind äußerst giftig. Ebenso wie bei allen anderen Lebensmitteln steht natürlich ein Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung und sehr löblich, im Gegensatz zu Bierflaschen wird vor einer Verkehrsteilnahme nach dem Essen von hawaiianischen oder mexikanischen Zauberpilzen oder den Zaubertrüffeln, bekannt unter dem Namen Philosopher Stones, gewarnt.
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