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Claudias kleine Welt

Herbertingen am Nil
Publiziert am: 25.08.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Claudia Grehslehner
hanfjournal 04august artikel Claudias kleine Welt Herbertingen am Nil

Hans Söllner trifft es am besten: Wäre die Geschichte der Menschheit nur ein bisserl anders verlaufen, dann . . . “wäre die Isar jetzt der Nil – und i hätt sakrisch Hunger und koa Mensch tat ma was gebn“. Es gäbe weiße Austausch-Medizinfrauen in Afrika anstatt schwarzer Austauschpriester in Bayern, wir würden in einer Demokratie leben und Hanf wäre Nahrung, Kleidung und Medizin so wie schon die letzten 8.000 Jahre bis zum Amtsantritt eines ehemaligen amerikanischen Austausch-Senators in Deutschland bei den Vereinten Nationen. Doch die Vergangenheit ist nun mal das Produkt des Verdauungsorgans, das die Gegenwart zu dem macht was sie ist – was bisher wenig für uns spricht sondern im Gegenteil unsere Ähnlichkeit mit dem Virus nur noch unterstreicht – deshalb wird die Messe in Herbertingen auch von einem Vertreter des schwarzen Kontinents gelesen, wir leben in einer Ökonokratie und Hanf muss sich, wie andere jahrtausende alte Traditionen (Ayurveda, Akupunktur, Kräuterkunde) den voller Überheblichkeit geschwungenen Stempel „alternativ“ aufdrücken lassen. So wundert es etwa niemanden, dass bezüglich der medizinischen Verwendung von Hanf nicht auf die durch seine lange Tradition bestehenden umfangreichen schriftlichen Quellen zurückgegriffen wird, als ob die Erfahrung unserer Vorfahren einfach nichts Wert wäre. Die Schulmedizin will uns glauben machen, eine Substanz könne erst dann seine volle Wirkung entfalten, hätte sie die komplette allopathische Maschinerie von Reagenzgläsern durchlaufen und wäre in alle Einzelatome analysiert plus als Formel notiert worden, um dann schlussendlich „neu und verbessert“, soll heißen zerpflückt und isoliert, in Form von Tablette oder Mundspray erst mal unzähligen Versuchstieren völlig sinnloserweise das Leben zur Hölle zu machen und anschließend um teures Geld das in die Körper der Menschen zu bringen, was die mit einfacheren Mitteln, gesünder und umweltfreundlicher, ohne Blisterverpackung, Beipackzettel und Überkarton und obendrein noch verträglicher haben könnten.

Aber nicht nur die Doktoren, nein auch die Professoren sind derart abgebrüht, wenn es darum geht, einen äußeren Sündenbock zu finden um das System von innen her zu stabilisieren. Wenn, wie in Österreich beim Squash geschehen, den SportlerInnen Titel aufgrund von THC-positiven Testergebnissen aberkannt werden oder, wie in England, laut darüber nachgedacht wird, Drogentests an den Schulen einzuführen (Frage: Wie lange wird Bush eigentlich noch in den Arsch gekrochen?), so folgt der daraus erwachsende Zustand wie alles auf diesem Planeten den Gesetzen der Physik: Die Freiheit des Einzelnen wird geringer, der Körper kühlt ab, die einzelnen Teilchen bewegen sich weniger, es wird enger, ungemütlicher und steifer. Die „Gemeinschaft freier Bürger“, ein Widerspruch nicht nur für Sprachwissenschaftler. Die Message ist klar: Wer die Spielregeln des Systems im Privatleben nicht befolgt, darf es in seinem/ihrem Beruf ebenso wenig beziehungsweise schon gar keinen erlernen.

Das Spiel mit den Zukunftsängsten von Eltern und Jugendlichen („Wennst nix Gscheites lernst, wird nix aus dir“) ist wohl eine der perfidesten Arten des Systems, sich selber sein Fortbestehen zu sichern. „Der Spiegel“ quält uns seitenweise mit den Fallbeispielen Jugendlicher, die morgens auf dem Weg zur Schule eine Bong-Pause einlegen, um den Tag zu überstehen. Immer und immer wieder wird das Mantra der schlimmen Droge Hanf wiederholt, und es verwundert doch sehr, dass man wirklich an so einem Artikel arbeiten kann, ohne sich jemals zu fragen, warum die Schüler es denn überhaupt nötig haben sich so wegzustellen. Motto: Wären die Städte lebenswert, müsste man nicht am Wochenende raus ins Grüne, sondern könnte einfach zu Hause bleiben. Wäre der Unterricht interessant und aktiv anstatt lehrplanerfüllend und frontal, würden Menschen gerne lernen und möglicherweise vielleicht auch noch kreativ und produktiv – Hilfe!

Mit dem selben Trick wie die Schulen arbeiten die Verkehrskontrollen: Führerschein weg, Prestige dahin, Status futsch und oft genug auch wirklich existenzielle Probleme, falls das Gefährt obligatorisch für den Verdienst des Lebensunterhaltes. Entweder du bist drin oder du bist draußen. Dieses „draußen sein“ flößt den meisten eine Heidenangst ein, wird es doch mit Hunger, Elend und Abschaum in Verbindung gebracht. Und das in einem System, welches sich seinen eigenen Regeln folgend laufend Lügen straft. Koksende und/oder saufende Politiker, welche natürlich die Prohibition befürworten, sonst wäre ihr Verhalten ja nicht mehr Privileg. Menschen, die „nix Gscheites glernt haben“, in Wort, Bild oder Ton das System kritisieren, deshalb von denen als Stars verehrt werden, die schon wollen täten, aber sich nicht dürfen trauen, wodurch erstere irre Kohle scheffeln und so quasi schon wieder vom System zwangsinkorporiert werden. Einige, aktuelles Beispiel Marlon Brando mit seinem Einsatz für die Native Americans in ihrem Kampf um Menschenwürde, suchen und finden ein Zivilcourageventil, um die heiße Luft der Popularität zu kanalisieren, andere nicht und werden aufgeblasen wie ein Heißluftballon – und das System macht’s ihnen leicht. Denn was sind das für Prioritäten, wenn Schauspieler dafür, dass sie Illusion bieten, Millionen kassieren, und Bauern, die mit ihrer Ernte unser Überleben garantieren, um das eigene kämpfen müssen? Was ist das für eine Zeit, in der „Der Spiegel“ schon so zerkratzt und verbeult ist, dass er nur mehr eine kauzige und schlechtestrecherchierte Fratze der Wirklichkeit zurückwirft? Wie können Menschen glauben, dass Pflanzen böse, Schiffe unsinkbar und Bücher heilig sein können? Warum immer alle fernsehen, obwohl es doch dick macht (danke, Inga)? Es sei nochmals Hans Söllner zitiert: „Wenn mehr von unsere Alten was rauchen würden, gäb´s weniger verhaltensgestörte Kinder.“ Vielleicht sollte der Spiegel beim nächsten Artikel über Hanf doch Experten ranlassen . . .
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