Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

- news
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion

Spaghettischleudern und Mehlfontänen

Die Geschichte der Gemüseschlacht auf der Berliner Oberbaumbrücke
Publiziert am: 19.10.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: kerstin koch
Faules Gemüse, gammeliges Obst, schlaffe Salatköpfe fliegen auf der Oberbaumbrücke hin und her. Dazwischen ein paar Wasserbomben auf mit Gemüsematsch verschmierte Körper. Irgendwo mühen sich einige Kämpfer mit selbstgebauten Katapulten ab. Mehlfontänen nehmen die Sicht. Es stinkt auf der Oberbaumbrücke.


Es stehen sich gegenüber die Schärgen aus Friedrichshain und Recken aus Kreuzberg. Warum, erklären uns die Kreuzberger Patriotischen Demokraten/Realistisches Zentrum (KPD/RZ): “Die Ostkreuzberger (kreuzbergerisch für Friedrichshain) Untergrundorganisation WAF (Wasserarmee Friedrichshain), versucht einen terroristischen Biowaffenangriff auf das Herz unseres geliebten Kreuzberg, der sich die heldenhafte Kreuzberger Bevölkerung entgegenstellt. Angeführt von den bewährten Befehlshabern der Kreuzberger Landwehr in Gründung (KLiG) und mit Unterstützung aus Spandau und Celle-Wietzenbronx. Selbst die Schneemassen können den KreuzbergerInnen nichts anhaben. Ein strategischer Schachzug macht es allerdings notwendig, dass die Invasoren aus dem Osten bis in die Schlesiche Straße vordringen, nach einigen kleinen Scharmützeln jedoch schleunigst den Rückzug nach Ostkreuzberg antreten. So die Kreuzberger Interpretation der Schlacht vom 29.08.2004.


Anders sehen es die Anhänger der Friedrichshainer WAF. Sie meinen “den Unterfriedrichshainer (friedrichshainerisch für Kreuzberg) Pöbel zurück in die Westberliner Kanalisation gespült zu haben.” Wer auch immer den Sieg davon getragen haben mag, eines ist sicher: Der Friedrichshainer Don ist und bleibt tot! Ein Selbstmordattentat eines KPD/RZ-Parteimitgliedes hat ihn drei Tage vor der Schlacht ins Jenseits befördert. Seine Überreste mögen den Fischen in der Spree gemundet haben.


Angefangen hat alles 1995. Die KPD/RZ stellt sich zur Wahl des 13. Abgeordnetenhauses und der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Das machen die “ostdeutschen Sozialdemokraten” (PDS) auch. So kam es zur ersten Gemüseschlacht auf dem Heinrichplatz mitten in SO 36. Den Sieg der Kreuzberger und Kreuzberinnen konnte auch das Spagettiwurfgeschoss-auf-LKW nicht verhindern. “Der Aggressor erleidet die schwerste Niederlage des laufenden Wahlkampfes und kann sich bis zum Wahltag nicht mehr davon erholen. Die Sozialdemokratie gilt als besiegt”, so die KPD/RZ, die am 22.10.1995 in Kreuzberg 4,7 Prozent der Stimmen erringt. Aber wer kann Wahlversprechen wie “Nachtflugverbot für Pollen” oder “Rauchverbot in Einbahnstraßen” schon widerstehen. (1999 errang die KPD/RZ einen Abgeordnetenplatz in der BVV).


So lebten die beiden Bezirke friedlich nebeneinander her durch die Spree getrennt und durch die Oberbaumbrücke verbunden. Bis 1998. Die Niederlage nie verwunden, unternahmen die PDS-Extremisten einen erneuten Invasionsversuch über die Oberbaumbrücke. Doch wieder unterlagen sie den KreuzbergerInnen, die sich mit wurffähigen Ekligkeiten ausgerüstet, den biologischen Kampfmitteln der undemokratischen Krawallmacher entgegen stellten. Und das trotz WM-Fußballspiel Deutschland gegen Serbien/Montenegro. Andersdenkende meinten, Friedrichshain hätte gewonnen. Und seit der Zwangsvereinigung beider Bezirke 2001 zu Friedrichshain-Kreuzberg heißt es nun endgültig: Friedrichshain oder Kreuzberg. Seitdem erschallen aus dem Osten Schlachtrufe wie: “Nie wieder Kreuzberg”. Das kann kein demokratisch gesinnter Kreuzberger hinnehmen. Geschweige denn eine Kreuzbergerin. Für sie gibt es nur eins: “Kreuzberg zuerst” mit oder ohne Ostkreuzberg.


2003: Was bisher unter CDU-Innensenatoren möglich war, wurde unter Rot-Rot unmöglich: “Das Werfen von Dingen und das Verspritzen von Flüssigkeiten” wurde untersagt. So sah man rund um die Oberbaumbrücke das Team Grün (Polizei), Wasserbomben zertreten und Gemüse einsammeln. Die Folgen: 1. Freke Over (PDS-Abgeordneter) zieht die Anmeldung zurück. 2. Gemeinsam ging es gegen das Team Grün. Dabei wollten die doch nur die Brücke sauber halten, da die Berliner Stadtreinigung (BSR) keine Lust mehr hatte, den Gemüsematsch von der Brücke zu fegen und der Bezirk die Kosten nicht mehr übernehmen wollte. Auch in diesem Jahr will die BSR fürs Saubermachen 650 Euro haben. Da muss nächstes Jahr ein Sponsor her. In diesem Sinne “Glück und Geld”!



Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
  Sonderausgaben
-