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Kiffen mit Kind

Freunde und Bekannte, welche schon vor mir in den Familienorbit eingetreten sind, hatten es mir bereits vorhergesagt und in jedem zweiten Elternratgeber stand es dann noch mal drin: ein Kind verändert den Freundeskreis. Nun ja, auch Kiffen verändert den Freundeskreis . . . verändert nun ein Kind den kiffenden Freundeskreis? Nach knapp einem halben Jahr plus eins hier eine Zwischenbilanz für diejenigen unter euch, die diesen Schritt noch vor sich haben und für die, die sich in diesen Zeilen wieder finden.
Publiziert am: 19.10.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Claudia Greslehner
hanfjournal oktober04 artikel Kiffen mit Kind

Verändert hat sich auf jeden Fall die Geographie des Kiffens. Mit unvorhersehbarem Selbstverständnis und bisher ohne auch nur ein Wort sagen zu müssen, verzupfen sich alle Glimmstengelbesitzer vor Inbetriebnahme desselbigen auf den Balkon oder ins Nachbarzimmer. Wobei die harten Fälle oft gleich den ganzen Abend oder zumindest einen großen Teil davon dort bleiben  somit sinkt natürlich die verbale Austauschrate. Andererseits bringen mich andere, vormals als schwerst dem Nikotin bzw. Hanf zugetane Individuen zum Staunen, indem sie ihre Smoke-Rate drastisch runterschrauben und wie ganz selbstverständlich die Hälfte der Zeit mit Baby im Arm verbringen, weil sie darüber sowieso alles andere vergessen.


Eine Variation haben auch die Gesprächsthemen erfahren. Wo zuvor mit Growern ein Großteil der Gesprächszeit für gärtnerische Belange reserviert war, hat sich dieser Anteil mit individuellen Unterschieden zugunsten Reden mit, von und über Kind minimiert. Dieser Vorgang verläuft allerdings so von selber, dass er statt als Einschränkung als natürliche Erweiterung des Dialogspektrums erfahren wird.


Auf jeden Fall verändert hat sich der Umgang mit Hardcore-Kiffern. Da dies meist die Sorte Mensch ist, die selten aus dem Haus geht (zumindest diejenigen, die ich kenne, sind so), liegt es ausschließlich an mir, ob und wann ich sie treffe, was nicht unwesentlich davon abhängt, ob ein Balkon vorhanden ist oder nicht. Hardcore-Kiffer sind auch nicht immer gewillt, ihren Rauchplatz zugunsten einer Säuglingslunge aufzugeben, da wird’s natürlich problematisch. Im Sommer kann man diesem Konfliktpunkt noch einigermaßen entgehen indem man sich draußen trifft (wobei dies lange vorher angekündigt werden muss, damit sie sich seelisch darauf einstellen können das Haus zu verlassen). Auch mit dem Mitrauchen ist das so eine Sache, wenn man die Verantwortung für so ein kleines Bündel Mensch übernommen hat. Andererseits ist es durchaus nicht immer einfach, dieser Gattung Freund bei seinen geistigen Höhenflügen im nüchternen Zustand zu folgen. Hier trennt sich klar die Spreu vom Weizen. Bei manchen lohnt es sich, ihnen in ihrer selbst gewählten Lebensform soweit entgegenzukommen, wie sie es in ihrer eingeschränkten Flexibilität selber nicht mehr im Stande sind. Dafür müssen dann allerdings alle Grundvoraussetzungen gegeben sein, was nur gelegentlich der Fall ist. Einige bemerken den Frequenzverlust selber und werden soweit es ihnen möglich ist aktiv, andere wandern eben in die Kategorie „selten bis gar nicht“.


Bei den übrigen hat die Zeit, die ich bei ihnen zuhause verbringe, eine Steigerung dahingehend erfahren, dass einfach öfter spontan mal gleich vor Ort übernachtet wird, wenn’s später wurde und das Kinderl schon eingeschlafen ist. So geht sich dann auch noch etwas Brainfood für die Eltern aus (der Begriff „Feierabend-Joe“ bekommt in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung) und das Gemeinschaftserlebnis wird um ein ausgedehntes Frühstück am nächsten Tag erweitert.


Im Großen und Ganzen teilt sich der Freundeskreis in zwei Gruppen: die, die  aus eigener Erfahrung oder auch einfach von selber  nachvollziehen können, dass das Baby momentan das Wichtigste ist und alles andere, auch der Hanf, danach kommt . . .und diejenigen, die das nicht können. Gruppe eins gewinnt mit Abstand in punkto Mengenlehre, mit Gruppe zwei hat der Kontakt abgenommen, aber wirklich vertschüsst hat sich auch hier niemand.


Handelt es sich bisher nur um administrative Modifikationen im zwischenmenschlichen Umgang mit Hanf und Kind, so wird es wohl dann von neuem interessant, wenn ich unweigerlich vor die Frage gestellt werde, die grüne Tätigkeit meiner Mitmenschen zu erläutern. Ob ein Joint dann vorläufig als normale Zigarette deklariert wird und die Leute zum Bauen aufs Klo ausquartiert werden wie bei einer Bekannten? Wie beugt man vor, dass der Piepmatz bei Dritten über das Hobby der Erzeuger plaudert, ohne ihn bzw. sie als Mitwissende zu überfordern? Vielleicht arbeitet die Geschichte ja für uns und bevor es soweit ist, wird Hanf relegalisiert. Dann gäb’s mit Hanf ebenso wenig Erklärungsnotstand wie mit Bier und Co., und das wär doch eine Selbstverständlichkeit.

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