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Cannabis den Führer s(ch)ein?

Der Kommtentar von Werner Graf
Publiziert am: 09.09.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Werner Graf
Wenn es um die Verfolgung Schwerstkrimineller geht, fallen den guten Menschen von der Staatsmacht immer wieder die blödsinnigsten Ideen ein. Es geht ja auch nicht darum, wirklich etwas zu erreichen, sondern schon viel eher um Wählerstimmen. Denn ein Baden-württembergischer Innenminister magja vielleicht durchgeknallt sein, aber er ist nicht lebensmüde. Und so käme er sicher nicht auf die Idee, nur da Alkoholkonsum noch monatelang in den Leberwerten nachweisbar ist, allen Säufern (wir meinen hier jeden der schon mal Alkohol getrunken hat) gleich den Führerschein entziehen zu wollen. Nein, auf so eine blödsinnige Idee würde er niemals kommen. Gut, dass man nicht unter Alkoholeinfluss sein Auto steuern sollte, das konnte er seinem Stammtisch schon noch erklären. Zwar konnte von ihnen abends auch keiner mehr heimlaufen, aber fahren wäre auch keine gute Idee – beteuerten sie zumindest zuvor im nüchternen Zustand.

 

Dass diese Logik, wenn es auf einmal nicht mehr um die Lieblingsdroge der CDU geht, nicht mehr gilt, verwundert schon lange keinen mehr. Wenn jemand Cannabis geraucht hat, ist er per se eine Gefährdung der Gesellschaft. Gut, ich meine die Politiker müssen dann wie immer halt ihre Argumente selbst erfinden, denn Studien als Beweise haben sie leider nicht – auch keine irgendwie ernstzunehmende Experten – aber was soll das schon. Wenn man einmal in die Tiefen der Wissenschaft guckt, findet man nur Aussagen, dass Menschen, die wenig gekifft hätten, sogar weniger Unfälle gebaut hätten oder dass man keinen Zusammenhang zwischen den Wirkungen des THC und dem Unfallrisiko bei einer THC-Konzentration von unter 5 ng/ml THC im Blut finden konnte. In Wahrheit geht es den alkoholsaufenden Politikern gar nicht darum den Straßenverkehr sicherer zu machen. Jemand, der hin und wieder kifft, muss heutzutage auch schon davon ausgehen, bei einem THC-Test positiv abzuschneiden, egal ob er bekifft oder unbekifft am Straßenverkehr teilnimmt. Die Motivationist somit dieselbe, denn egal ob er bekifft oder unbekifft Auto fährt, die Strafe ist gleich.

Das einzig wirklich Logische ist die Einführung von Grenzwerten – und zwar für alle Drogen. Denn wer an einem Joint gezogen, eine Pille geschluckt oder eine Line gesnifft hat, kann – wenn er nicht mehr unterdem Einfluss dieser Droge steht – auf jeden Fall wieder Auto fahren. Grenzwerte werden benötigt, da die Länge der Nachweisbarkeitsdauer im Körper nicht in einem Zusammenhang mit der Länge der Wirkung steht. Forscher um Dr. Franjo Grothenhermen schlagen einen Wert von 510 ng/ml im Blut-Serum oder 5 ng/ml im Blut vor – manch andere Institute sind da ein bisschen vorsichtiger . . . aber an der Höhe sollte so etwas nicht scheitern. Mit einem Grenzwert wäre man übrigens auch gut gegen Probleme wie dem Passivkiffen gefeit. Hat er zu viel Passivgekifft, ist der Führerschein weg, zu wenig, darf er ihn behalten. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, hat erst vor kurzem einem Entzug des Führerscheins wegen Passivbekifftheit zugestimmt! Es gibt alles!!

 

Egal, ob es eine Legalisierung von den derzeit illegalisierten Drogengibt oder nicht, sollte man – gerade wenn es um den Straßenverkehr geht – nicht einfach veralteten Dogmen hinterherlaufen. Im Straßenverkehr geht es um hohe Geschwindigkeiten, um eine schnelle Reaktion und darum, dass möglichst viele,die den Verkehr gefährden, nicht teilnehmen. Gut gemeinte Vorschläge sollten dabei halt trotzdem noch einmal durchdacht werden, bevor man sie in die Wildnisposaunt. Grenzwerte bei Drogen schaffen Sicherheit im Straßenverkehr – die Nulltoleranz-Taktik schafft nur ein „Scheiß-drauf“-Feeling.
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