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Claudias kleine Welt

Where have all the women gone?
Publiziert am: 09.09.04 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Claudia Grehslehner

Kann ja sein dass ich mich täusche – das würde michfreuen! –, rückblickend auf meine nun doch schon einige Jährchen umfassendeErfahrung in der Welt des Hanfes mit all ihren Facetten und Schattierungengewinne ich allerdings immer mehr den Eindruck, als seien Frauen im Lande desPsychedelischen eher Durchreisende, Randfiguren und Mitläuferinnen, so wie esauch im großen und ganzen halt meistens der Fall ist. Das beginnt schon imprivaten Kreis. Ich zum Beispiel habe in meinem Bekanntenkreis nur ganze zweiFrauen, die aktiv kiffen. Damit meine ich eigenverantwortlichen Gebrauch, mitSelberherstellen oder -besorgen und eigenständiges daran Interessiertsein. Undmeinen grünen Bekanntenkreis kann man wirklich nicht als klein bezeichnen. Dieübrigen weiblichen Wesen, die ich ab und an oder auch öfter mit einem Teil inder Hand zu sehen bekomme, fallen allesamt in die Kategorie „angeheiratet“.Soll heißen, meist kifft der Freund oder der Ehemann, welcher sich erfahrungsgemäßauch im Alleingang um Nachschub beziehungsweise (grünen) Nachwuchs kümmert –wobei dies witzigerweise fast immer die einzigen Pflanzen im Haus sind, die vonden Männern betreut werden. In gemütlicher Runde wird dann gesmokt undgefachsimpelt, und Frau smokt halt ein bisserl mit und fachsimpelt mit denanderen Frauen über, äh, andere Dinge. Oft können die Mädels nicht mal selberbauen und zeigen häufig auch kein Interesse, es zu lernen. Ich kenne bis jetztkein einziges grünes Paar, bei dem es umgekehrt wäre. Wenn es so etwas gibt,bitte melden!

Auch im öffentlichen Leben ist eine heftigmaskuline Gewichtung zu erkennen. Seien es nun Messen, Workshops, Redaktionen,Treffen, Wettbewerbe, Vereine, Kongresse und all die anderen Namen, unter denenLeute zusammenkommen um sich mit anderen Leuten über ihre Lieblingsgenussmittelauszutauschen – allesamt sind sie fest in männlicher Hand. Klar trifft manimmer wieder mal Geschlechtsgenossinnen, die Betonung liegt hier aber aufMITarbeiten – initiieren, organisieren, produzieren tut der virile Part. Undkaufen offensichtlich auch: sieht man sich die Werbeeinschaltungen derHandeltreibenden in den Hanf-Magazinen so durch, könnte man schon fast meinen,man hält eine Autozeitschrift in der Hand, so viel nacktes Weib schreit einemda entgegen.

Auf der Entheovision in Berlin vergangenes Jahr –organisiert von zwei Männern - war unter all den Vortragenden ClaudiaMüller-Ebling die einzige weibliche Vertreterin, ihrer eigenen Meinung nach„weil Frauen diese Erfahrungen lieber für sich selber machen und sich die ganzeÖffentlichkeitsarbeit lieber nicht antun“. Das klingt doch sehr nach Behauptenin Männerbünden. Wer hier durchkommen will, muss sich dem männlichenLebensschema anpassen. So wie auch Müller-Ebling ihren Kinderwunsch derKarriere untergeordnet hat: „Bei so einem Beruf ist für Kinder einfach keinPlatz.“ Klar, der müsste erst einmal geschaffen werden. Doch allem Anscheinnach wirkt auch hier das Gesetz des Patriarchats: für die Männer stellt sichdie obige Prioritätenfrage einfach rein biologisch schon nicht, und weiblicheNetzwerke sind nicht vorhanden. Trauriges Detail am Rande, dass dieseAnbiederung an männliche Leistungsschemata auch soweit gehen kann wie beiMüller-Ebling, die bei ihrem Vortrag freimütig erzählte, wie sie unter Einflusseiner psychoaktiven Pflanze zwar den Stadtplan nicht mehr lesen konnte, abertrotzdem weiter Auto fuhr – und das Auditorium fand das auch noch lustig.

Liegt es vielleicht daran, dass, ebenfalls wie beivielen Materien, die weiblichen Identifikationsfiguren großteils fehlen? In derGeschichte des Hanfes kommen Frauen praktisch nur entweder als Opfer vor, wiebei Anslingers Hetzpropaganda, oder als Patientinnen, StichwortMenstruationsbeschwerden. Auch im 2002 erschienenen Buch „Women and Cannabis“des AutorInnenteams Melanie Dreher, Mary Lynn Mathre und dem ehemaligenHerausgeber des „Journal of Hemp as Medicine“ Ethan Russo geht es um klinischreine Themen wie medizinische Verwendung und Hanf und Schwangerschaft. Man fühltsich ein bisschen wie damals im Sexualkundeunterricht, wo vom Koitus diedirekte Überleitung zum Kinderkriegen stattfand. Ähem, wurde da nicht etwaswichtiges vergessen? Hanf-Genuss zum Selbstzweck? Frauen und Rauscherfahrung?Ja, woher denn?

Die öffentlichen Figuren im Zusammenhang mit Hanfin jeder Beziehung jedenfalls gebendem Wort „Mitglied“ allesamt eine tiefere Bedeutung: TheophileGaultier, Raphael Mechoulam, Bob Marley, Hans Söllner, Mr. Nice . . .beimSchlagwort Hanf fallen einem spontan jede Menge Männer ein, aberFrauen? Klargibt es da Mun-Ju Kim in Berlin (www.kimwillkiffen.de),aber die ist vom Bekanntheitsgrad der Vorgenannten doch noch Lichtjahreentfernt. Ebenso wie Renee Boje, Gründerin des „Women’s CannabisCollective“,die in Kanada gegen ihre Auslieferung an die USA kämpft, wo sie wegen(therapeutischem) Hanf-Gebrauchs lebenslang Haft erwartet. Und wo wirschondabeisind: Kennt jemand ein Grow-Handbuch, das von einer Frau verfasstwurde?Oft ist man dieses männliche Übergewicht schon so gewöhnt, dass man garnichtmehr wahrnimmt, wie bizarr es ist, obwohl die Hälfte der Menschheitdochweiblich ist.

Auch für die feministische Szene scheinenGenussmittel kein Thema zu sein. Die Zeitschrift „Emma“, sonst Vorreiterin inDingen, die eher Männern vorbehalten sind, etwa zeigt hier überhaupt keinInteresse. Dabei wäre eine gendermäßige Behandlung des Themas doch wirklich malinteressant. Schon in anderen Bereichen, wie den Naturwissenschaften, derArchäologie und der Philosophie, hat sich mittlerweile gezeigt, wie einseitigunser heutiges, quasi ausschließlich durch Interpretationen männlicher Forschergeprägtes Weltbild doch ist. Beispiel: ein Speer in einem Männergrab ist einGebrauchsgegenstand, in einem Frauengrab ein Kultgegenstand. Oder die Mär vomaktiven Spermium und der passiven Eizelle. Bezüglich Wirkung, Rauscherfahrung,Selbsterkenntnis, Einsatzgebiete würde sich höchstwahrscheinlich auch auf demGebiet der Genussmittel plötzlich die zweite, bisher unbeachtet gebliebeneHälfte der Welt auftun. Von einer Komplettierung der Sicht können alle nurprofitieren. Es gibt viel zu tun Mädels – we’re theones to create. Also: Wo seid ihr?
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