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Woran hängt es, Carsten Labudda?
In dieser Interviewreihe wollen wir von den drogenpolitischen Kämpfern im „Seedwesten“ Deutschlands erfahren, woran es hängt, dass Hanf noch nicht legalisiert wurde und wie sie dafür kämpfen. Für diese Ausgabe stellten wir unsere Fragen Carsten Labudda, 28, aus Weinheim bei Heidelberg, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Drogenpolitik in der PDS
Publiziert am: 27.08.04 - Medienformen: Medienform Text


Er war von 2001 bis 2003 Bundessprecher des PDS-Jugendverbandes [’solid] und ist aktiv im Verein für Drogenpolitik (VfD) und dem Heidelberger Doors of Perception Ethic Committee (DOPEC).

 

Hanf Journal: Woran hängt es, dass Hanf noch nicht legalisiert wurde?

 

Carsten Labudda: Die meisten Menschen nehmen Cannabis nur am Rande durch die Massenmedien wahr. Dort – wie auch in der Politik – wird Cannabis allerdings fast ausschließlich als Problem behandelt, das „bekämpft“ werden müsse. Für Kampfmaßnahmen aber ist der Staat mit seiner Polizei zuständig. Es ist leider bis heute nicht gelungen, den Menschen zu vermitteln, dass die „Bekämpfung“ nicht nur sinnlos ist, sondern einen großen Teil der Drogenprobleme erst schafft. Ein großes Manko der Legalisierungs-Bewegung ist dabei, dass zumeist die staatlich geschaffenen Probleme der Konsumenten gegeißelt werden. Den Menschen muss aber vermittelt werden, dass ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden. Sonst wird die Kommunikation zwischen der Legalisierungs-Bewegung und der Mehrheit der Bevölkerung einseitig bleiben.

 

Hanf Journal: Was steht zwischen uns und einer vernünftigen Drogenpolitik?

 

Carsten Labudda: Neben den vielfältigen Basisaktivitäten wie Demonstrationen und Infoständen muss künftig auch eine professionelle Lobby-Arbeit stattfinden. Gezielt müssen Meinungsbildner in den Medien und Entscheidungsträger in der Politik informiert, aufgeklärt und für vernünftige Ideen gewonnen werden. Auch, wenn 100.000 Menschen für eine bessere Politik auf die Straße gehen – die Politik sitzt das gerne aus. Wenn die Politiker und andere Promis allerdings zusätzlich auf ihren Empfängen und bei ihren Konferenzen persönlich angesprochen werden, werden sie gezwungen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

 

Hanf Journal. Was tust du konkret, damit Hanf endlich legalisiert wird?

 

Carsten Labudda: Ich habe mich an der Erarbeitung der drogenpolitischen Positionen der PDS-Jugend beteiligt und möchte das nun als Sprecher der BAG Drogenpolitik in der Mutterpartei tun. Es sind vereinzelte Ansätze in der PDS vorhanden, die gebündelt und ausgebaut werden müssen. Weiterhin bin ich Mitglied des VfD und unterstütze deren Anliegen, eine partei-unabhängige Lobby-Arbeit auf- und auszubauen. Auf einer lokalen kulturellen Ebene unterstütze ich DOPEC, welches sich für ein offeneres Klima in Heidelberg einsetzt: „Free your mind!“ Ich habe letzten Dezember die Konferenz „Hanf in Europa“ in Mannheim organisiert, bin als Redner und Teilnehmer auf diversen Demonstrationen und Podien zugegen und gebe regelmäßig Weiterbildungsseminare zum Thema Drogenpolitik. Außerdem betreue ich mit www.drogenpolitik.de eine informierende Website.

 

Hanf Journal. Was ist die BAG Drogenpolitik? Und sind eure Ziele?

 

Carsten Labudda: Die BAG Drogenpolitik wurde in diesem Jahr gegründet und soll zunächst die bislang vereinzelten Kompetenzen in der PDS bündeln. Ziel dessen ist es, mittelfristig zu einem allgemein in der PDS getragenen Gesamtkonzept für eine vernünftige und humane Drogenpolitik zu kommen. Ein solches Gesamtkonzept fehlt der PDS bislang, weil zu viel lokal und inhaltlich nebeneinander her läuft. Die BAG Drogenpolitik soll das Kompetenz-Zentrum der PDS, auf diesem Gebiet werden und so mittelfristig auch die Außenwirkung der Partei verbessern.

 

Hanf Journal. Seid ihr für die Legalisierung aller Drogen?

 

Carsten Labudda: Diese Debatte ist in der BAG noch nicht ausdiskutiert. Ein Teil der BAG spricht sich für eine Relegalisierung aller Drogen aus, ein anderer will dies nur für so genannte „weiche Drogen“ wie Cannabis. Von daher möchte ich dem Ergebnis der Debatte nicht vorgreifen.

 

Hanf Journal: Kann man bei euch mitmachen und wie?

 

Carsten Labudda: Mitmachen kann natürlich jede und jeder. Dazu kann man sich einfach anmelden, z. B. über die Homepage www.pds-drogenpolitik.de. Wir sind immer an inhaltlichen Anregungen interessiert, genauso wie an Leuten, die Aktionen machen wollen. Was überdies praktisch ist: Um bei der BAG Drogenpolitik der PDS mitzumachen, muss man nicht Mitglied der Partei sein.

 

Hanf Journal: Hat der Spiegel mit seinem reißerischen Aufmacher „Die Seuche Cannabis“ der Legalize-Bewegung geschadet?

 

Carsten Labudda: Ja und nein. Ja, weil die Dämonisierung des Hanfes in der Gesellschaft befördert wurde. Nein, weil es der Legalize-Bewegung wieder einmal deutlich gemacht hat, dass sie ihre Anstrengungen verstärken muss. Ich hoffe, dass genau dadurch neue Energien freigesetzt wurden und werden . . .

 

Hanf Journal. Wie kommt es eigentlich zu solchen Hetzkampagnen?

 

Carsten Labudda: Es ist in der heutigen Zeit für Medien genau das interessant, was spektakulär ist und sich dadurch „gut verkauft“. Ein Großteil der Journalisten ist im Bereich der Drogenpolitik nicht sonderlich kompetent und daher natürlich auf Informationen von Dritten angewiesen. Sind die Informationen spektakulär, werden sie umso lieber verwendet. So ist z. B. das Märchen vom angeblichen Gen-Gras entstanden, genauso wie die Behauptung von der gestiegenen Gefährlichkeit des Cannabis. Ich sehe deshalb eher keine gesteuerten „Kampagnen“, sondern ein Problem der Eigendynamik eines auf Quote und Absatz verpflichteten Medienwesens.

 

Hanf Journal. Wie beurteilst du den unlängst gestarteten Handel mit frischen Psylocibin-haltigen Lebensmittelpilzen in Deutschland?

 

Carsten Labudda: Da frische Psilocybin-Pilze in den Niederlanden legal verkauft werden, müssen sie in allen Staaten des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes verkauft werden können. Auf der einen Seite freut mich das, zumal diese Pilze auch in Deutschland vielerorts wild wachsen. Auf der anderen Seite unterstehen diese Pilze weiter dem Betäubungsmittelgesetz. Diese Rechtsunsicherheit wird für viele Pilz-Liebhaber zu Problemen führen, weil der Staat sehr unterschiedlich reagieren wird. Hauptnutznießer werden wohl die Anwälte sein, Ausgang offen. Entweder wird am Ende der Entwicklung eine Streichung von Psilocybin-Pilzen aus dem Betäubungsmittelgesetz stehen oder der Druck der vereinigten europäischen Prohibitionisten wird zu einem Pilz-Verbot in Holland führen. Wichtig ist, dass diese Debatte überhaupt kommt, und ich hoffe, dass deren Ergebnisse positiv sein werden.

 

Hanf Journal: Was sagst du zu der Forderung des neuen Innenministers in Baden-Württemberg Rech, Kiffern grundsätzlich die Fahrerlaubnis zu entziehen?

 

Carsten Labudda: Ich halte das für den üblichen Populismus zum Sommerloch, mit dem sich ein bislang wenig bekannter Politiker Profil verschaffen will. Nach den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zur Führerscheinproblematik sollte er wissen, dass ein solcher Unsinn vor keinem Gericht standhalten kann, weil ein solches Gesetz schlicht verfassungswidrig wäre.

 

Hanf Journal: Was liegt dir besonders am Herzen, was möchtest du unseren Lesern sagen?

 

Carsten Labudda: Liebe Hanf-Journal-Leser, die ihr selbst Drogen nehmt: Wenn ihr das tut, achtet bitte darauf, Risiken zu minimieren. Im Internet kann sich jeder über Safer Use-Regeln informieren und diese in seinem Bekanntenkreis weiterverbreiten.

Das Interview führte Sokratis Zacharopou
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