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Wer nichts schluckt, darf nicht fliegen

Amphetamine im Cockpit
(Pub. August 2003
Publiziert am: 03.08.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03august artikel Wer nichts schluckt, darf nicht fliegen Amphetamine im Cockpit

Erstaunlicherweise werden US-amerikanische Kampfpiloten gezwungen, regelmäßig vor und während eines Einsatzes Amphetamine oder Abkömmlinge einzunehmen. Verweigert ein Pilot die vorher standardmäßig unterzeichnete Vereinbarung und ist nicht bereit seine Pille vor dem Flug zu nehmen, wird er zum Führen eines Kampffliegers nicht zugelassen. Und das ausgerechnet in den prohibitionistischen United States of America, unsereinem am besten durch den weltweiten „War on Drugs“ ein Begriff, dessen Juristiktive und Exekutive bekanntlich keinerlei Gnade mit noch so geringfügigen Drogensündern kennt. Eine Fernseh-Dokumentation des schottischen Autors Jamie Doran und einige gut recherchierte Zeitungsartikel holten gänzlich unverholen alle unschönen Tatsachen an Tageslicht, sicher nicht zur Freude der betroffenen Militärs und Staatsmächte der USA. Die Fakten sprechen für sich und beweisen einmal mehr, dass es im Krieg gegen die Drogen im Grunde nicht um die Bekämpfung irgendwelcher Substanzen geht, sondern darum, die Entwicklung freier Menschen mit freien Köpfen zu behindern.

Nicht erst im Golfkrieg oder in Afghanistan schluckten Kampfpiloten die Go- oder Action-Pills genannten Dexedrintabletten, um längstmöglich wach zu bleiben. „Schon seit Jahrzehnten setzt das Militär auf Koffein und andere herkömmliche Medikamente, um ihre Soldaten wach zu halten. Während des Zweiten Weltkriegs schluckten amerikanische, britische, deutsche und japanische Soldaten Amphetamine, um die Ermüdung zu bekämpfen und die Ausdauer zu erhöhen.“ (4) Wie zu sehen ist, sind bzw. waren nicht nur US-Amerikaner betroffen, sondern auch Soldaten aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Japan. Inwieweit die Piloten der anderen Nationen momentan noch mit Amphetaminen versorgt werden, ist derzeit unklar. Klar hingegen ist, dass Piloten der U. S. Air Force bis zum heutigen Tag die Go-Pills vor einem Einsatz nehmen müssen. Obgleich derzeit keine aktuellen Zahlen aus Afghanistan vorliegen, kann auf den Golfkrieg zurückblickend mit Erschrecken festgehalten werden, dass während dieses sinnlosen Gemetzels ca. 60 Prozent, in manchen Einheiten bis zu 96 Prozent aller US-Piloten auf Speed waren. (1, 2, 5) Die Verantwortlichen machen noch nicht mal einen Hehl aus dieser Tatsache. Die Air-Force-Sprecherin Betty Anne Mauger gab vor der „Süddeutschen Zeitung“ freimütig zu, dass Kampfpiloten „Dexedrin in Zehn-Milligramm-Dosen gegen Müdigkeit“ bekommen. Übermüdete Soldaten stellten schließlich ein größeres Risiko dar als aufgeputschte. (5, 13) Auch in der Dosierungsfrage geben sich die Oberen der U. S. Air Force nicht penibel. Wurde während des Golfkrieges noch eine Einzeldosis von 5 mg Dexedrin verabreicht, waren es während des Afghanistankrieges schon 10 mg. Mittlerweile setzt man offenbar auf die Formel „Viel hilft viel“ und hat die Standarddosierung bei 15 mg, bei einer empfohlenen Tageshöchstmenge von 30 mg eingependelt. (1)
Begleiterscheinungen des Konsums von Amphetamin sind oftmals Selbstüberschätzung und mangelndes Urteilsvermögen, aber auch Aggression, Verwirrtheit, Schreckhaftigkeit und Paranoia, die z. B. eine allgemeine Orientierungslosigkeit oder das so genannte „Friendly Fire“, also das Schießen auf Zivilisten und/oder eigene Truppen zur Folge haben können. Weitere Nebenwirkungen können Übelkeit, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Depressionen, Krampfanfälle und Psychosen sein. Um diese Gefahren wissend, ist es tatsächlich mehr als verwunderlich, dass gerade Piloten solche Pharmaka erhalten und einnehmen müssen. Gerade wenn man die Strenge der Justiz in Bezug auf Drogen und den Straßenverkehr bedenkt . . . (1, 3)
Weil die gebeutelten Piloten natürlich nach ihren Einsätzen nicht schlafen können, bekommen sie auch in diesem Fall kleine chemische Helferlein, die entsprechend „Non-Go-Pills“ genannt werden. Die aufgeputschten, völlig überreizten Soldaten erhalten Sedativa, wie Benzodiazepinderivate, z. B. Diazepam (Valium®) und Temazepam (Restoril®), aber auch nicht-benzodiazepin-haltige Beruhigungs- und Schlafmittel, wie das Hypnotikum Zolpidem (in USA als Ambien®, bei uns u.a. als Stilnox® im Handel) (1, 2, 13). Bleibt eine ganz andere Frage zu klären: Die Frage nach der Abhängigkeit. In der Regel verursachen Amphetamine, Benzodiazepine und auch Substanzen wie Zolpidem, über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen, ein Suchtproblem. Sollten US-amerikanische chronisch Dexedrin und Restoril konsumierende Soldaten gegen Abhängigkeitsrisiken mit Immunität gefeit sein? Natürlich nicht. Deshalb wurde 1992 der militärische Einsatz solcher Pharmaka verboten. 1996 jedoch wurde die Praxis der Zwangs-Drogeneinnahme wieder eingeführt. Wie bereits erwähnt: Ein müder Pilot ist gefährlicher als ein gedopter. Die U. S. Air Force wird derweil nicht müde, neue Schandtaten auszuhecken. Momentan laufen interne Tests, die einen medikamentenunterstützten, das heißt einen 40-Stunden-Einsatz der Piloten rechtfertigen, sprich: Die Kampfflieger sollen künftig fast zwei ganze Tage lang auf Speed in der Luft bleiben, mit Macht über Tausende Menschenleben. (4, 9, 14)..

Die Möglichkeit, vermittels psychopharmazeutischer Hilfe entweder Aggression zu fördern oder Müdigkeit zu unterdrücken, wird vom Militär schon lange ausgereizt. Schon im Zweiten Weltkrieg erhielten deutsche Truppen Pervitin und auch die japanischen und britischen Soldaten bekämpften ihre Müdigkeit mit Amphetaminen. (5, 15) Auch die damit verbundenen Gefahren, Fehlentscheidungen und Katastrophen beschäftigen nicht erst seit gestern die verdutzte Allgemeinheit. Allein im Golfkrieg 1991 fielen mindestens 35 Soldaten dem drogeninduzierten „Friendly Fire“ zum Opfer. (9, 14) Am 17. April 2002, während des Afghanistankrieges, machte die Tragödie um Harry Schmidt und William Umbach traurige Geschichte. Die US-Majors und F-16-Piloten warfen unter Dexedrin-Einfluss eine 500 Pfund-Bombe auf kanadische Kameraden, in der Überzeugung, eine feindliche Truppe am Boden zu erkennen. Resultat der folgeschweren Fehlentscheidung sind vier Tote und acht verletzte Soldaten. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich die Offiziere Schmidt und Umbach seit 20 Stunden im Dienst und über sechs Stunden in der Luft. (1, 5, 7, 9, 11, 12, 13, 14)
Ein weiteres unschönes Beispiel kennt Joe Wein von www.cannabislegal.de: „Als 1999 die USA von der Whiteman Air Force Base im Bundesstaat Missouri den B-2-Bomber im Kosovo-Krieg einsetzte, war die Besatzung jeweils volle 30 Stunden im Dauereinsatz. Im Jahre 2001 setzte eine B-2-Besatzung mit einem 44-stündigen Langstreckeneinsatz einen Rekord, als sie von Missouri über den Atlantik nach Afghanistan flogen, um nach erfolgter Bombardierung des zentralasiatischen Landes auf dem britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean zu landen. Möglich sind solche Marathon-Einsätze nur durch die kleinen orangen Dexedrin-Pillen, die etwa alle vier Stunden geschluckt werden.“ (14)

Der Schotte Jamie Doran drehte die sensationelle Reportage „Das ist ein schmutziges Geheimnis . . . - US-Kampfpiloten unter Drogen“ und deckte damit erschütternde Wahrheiten auf. Der Golfkriegpilot Steve Tate beispielsweise gab vor laufender Kamera zu, während des Einsatzes im Golf vom US-Militär regelmäßig Amphetamine bekommen zu haben. Doran schaffte es außerdem, am Golf- bzw. Irak-Krieg beteiligte U. S. Air Force-Piloten und Special Forces-Soldaten zu interviewen und ihnen eine Bestätigung der diversen Schreckensmeldungen zu entlocken. So sagte beispielsweise der Pilot „Ray“ aus: „Ich konnte einfach nicht wach bleiben, trotz aller Versuche. Also nahm ich eine Pille, und als das nicht sofort half, nahm ich noch eine. Und dann war ich die nächsten 15 Stunden voll abgefahren, tanzte und sang im Cockpit.“ (10) Ein anonymisierter Kollege gab sogar wörtlich zu, auf Amphetamin mehrfach Menschen getötet zu haben. (6, 8, 10, 13)
Die Tageszeitung „Trierischer Volksfreund“ vom 17. August 2002 veröffentlichte unter dem Titel „US-Piloten: Kampf-Einsatz unter Drogen - Aufputschmittel an Bord gängige Praxis“ einen interessanten Artikel , den ich zum Abschluss auszugsweise zitieren möchte. Hier ist als besonders interessant hervorzuheben, dass auch auf deutschen Stützpunkten der US-Army Dexedrintabletten jederzeit zur Verfügung stehen. Das Zitat unterstreicht außerdem aufs Ausdrücklichste die Konformität zwischen Dienstvorschrift und Mitarbeitern.
„Im Straßenverkehr verboten, in der Luft erlaubt: Um im Kampf-Einsatz nicht plötzlich einzunicken, schlucken viele Piloten der U. S. Air Force Amphetamine. Auch auf der Spangdahlemer Air Base liegen die „Go pills“ für den Notfall bereit. Im Golf- und Afghanistan-Krieg gehörten Dexedrin-Tabletten zur Standardausrüstung in jedem amerikanischen Cockpit. US-Militär-Ärzte schwören auf die Wirksamkeit der Aufputschpille, die die gleiche Wirkung erzielen soll wie 20 Tassen Kaffee. In einem dem TV vorliegenden internen Gutachten des flugmedizinischen Laboratoriums der Navy in Florida werden die „Wachmacher“ für Kampf-Einsätze und „außergewöhnliche Umstände“ ausdrücklich empfohlen. „Sicher und effektiv“, meint ein Navy-General. Die Militärs berufen sich dabei auf Untersuchungen während des Golf-Kriegs vor elf Jahren. . . . Die deutsche Luftwaffe lehnt den Gebrauch von Amphetaminen und Sedativa ab. „Die haben im Cockpit nichts verloren“, sagt Sprecher Philipp Braun.“ (16) Ob wir das allerdings wirklich glauben können, wird die Zukunft zeigen. Denn Lügen haben kurze Beine.



Quellen

(1) Rötzer, Florian (2002), US Kampfpiloten auf Speed, Heise Verlag: Telepolis; http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/13046/1.html

(2) Buncombe, Andrew (2002), US: Friendly Fire Deaths Linked To US Pilots On Speed, Media Awareness Project; www.mapinc.org/drugnews/v02/n1449/a01.html

(3) Berkowitz, Bill (2002), Bombs and Speed Kill in Afghanistan, AlterNet.org; http://www.alternet.org/story.html?StoryID=13791

(4) Grote, Andreas (2003), Stets zu Diensten, Heise Verlag: Telepolis; http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/13913/1.html

(5) Hürter, Tobias (2002), Der Kick im Cockpit; US-Kampfpiloten halten sich während ihrer Einsätze mit Amphetaminen wach, „Süddeutsche Zeitung“ vom 13. August; http://www.globalsecurity.org/org/news/2002/020813-cockpit-speed01.htm

(6) Doran, Jamie (2003), „Das ist ein schmutziges Geheimnis . . .“- US-Kampfpiloten unter Drogen, NDR- und ARD-Reportage vom 25. Juni 2003 (Erstausstrahlung NDR) und 01. Juli 2003 (23:00 Uhr, ARD); http://www.ndrtv.de/doku/20030625_2.html

(7) O.A. (2003), US-Kampfpiloten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, Netzeitung.de vom 17. Januar 2003; http://www.netzeitung.de/ausland/223084.html

(8) Siebert, Wolfgang (2003), Zwangsverpflichtet zur Drogeneinnahme: US-Kampfpiloten töten regelmäßig im Rausch, http://www.leine-blick.de/leineblick/rubriken/Aus_Deutschland_und_aller_Welt/

(9) Günther, Markus (2003), US-Kampfpiloten fliegen unter Drogen, Stimme.de; http://newswelt.stimme.de/interview/0,-563285141,0,0,0,0.html/

(10) O.A. (2003), US-Piloten fliegen auf Speed, Jumpfirst.de-News vom 26. Juni; http://www.jumpfirst.de/modules.php?name=News&file=article&sid=691

(11) O.A. (2002), Need for Speed. Did Amphetamines Play a Role in Afghanistan Friendly Fire Incident?, ABC-News vom 20. Dezember; http://abcnews.go.com/sections/2020/DailyNews/2020_pilotpills021220.html

(12) Borin, Elliot (2003), The U. S. Military Needs Its Speed, WiredNews vom 10. Februar; http://www.wired.com/news/medtech/0,1286,57434,00.html

(13) Wein, Joe (2003), USA: Kampfpiloten unter Drogen, Cannabislegal-News 115 vom 20. Juni; http://www.cannabislegal.de/cln/cln115.htm#3

(14) McGregor, Glen (2002), US Pilots Urged To Use Speed Days Before Canadian Troops Killed, Vancouver Sun/Rense.com; http://www.rense.com/general25/sof.htm

(15) Pieper, Werner (2003), Nazis on Speed. 2 Bände, Löhrbach: Werner Pieper and The Grüne Kraft

(16) O.A. (2002), US-Piloten: Kampf-Einsatz unter Drogen - Aufputschmittel an Bord gängige Praxis, „Trierscher Volksfreund“ vom 17. August; Abdruck unter http://www.dopeamsonntag.de/archiv/pdf/dasnr104.pdf


Autor: Markus Berger

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