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Nachts, wenn es draußen kalt ist

Oder: Barbara Salesch rettet mich - und den Angeklagten
Publiziert am: 19.12.02 - Medienformen: Medienform Text


Das Leben in Trance: nach der Kneipe nach Hause gehen, das schummrige Licht im Flur ertragen, auf in die Küche, ran an den Kühlschrank – gähnende Leere! Egal, Nutella schimmelt nicht und ein letzter Toast findet sich immer. Vielleicht reißt die Glotze einen noch aus der Alltagstristesse.
N24 beglückt mit High-Society-Wohnen auf den Kanaren, die ARD bietet einen unglaubwürdigen Mafiakrimi aus den 60ern, RTL glänzt mit dem schmierigen „Mister Schlafzimmerblick“ Oliver Geissen, Hintergrundlacher verderben auf PRO7 die amerikanischen Sitcoms, Dokumentationen im ZDF mit säuselnden Einschlafstimmen sind auch nicht mehr zu ertragen und Space-Night ist mit der x-ten Wiederholung von „Earth Views III“ ausgelutscht.
Die ultimative Lösung: SAT1, Barbara Salesch, die strenge Richterin Gnadenvoll. Mal sehen, wer heute heulend zusammenbricht, wie der Staatsanwalt den Angeklagten wie eine Zitrone auspresst, beschimpft, zynisch auflaufen lässt. Zugegeben: kein Licht in der nassen depressiven Nacht, aber eine kleine Kerze.
Ein kleines süßes 9-jähriges Mädchen wird von der feuerroten Salesch befragt. Sie erzählt, es ging ihr damals ganz schlecht, sie hat nur von den Keksen probiert, aber jetzt ist alles wieder gut und eigentlich ist der Papi ein guter Papi. Der Angeklagte starrt betroffen vor sich hin.
Hmm. Doof, wenn man mitten in die Verhandlung platzt und gar nicht weiß, worum es eigentlich geht. Nächste Zeugin: Die Rollstuhlfahrerin wird vom Gerichtshelfer in den Saal begleitet, jaja, nichts als die Wahrheit sagen. Salesch setzt ihren inquisitorischen Blick auf und will wissen, wie das mit den Keksen gewesen sei, ob sie eine Ahnung habe, wozu der Angeklagte sie denn brauchte. Leise nimmt sie die Schuld auf sich, erzählt, dass sie die „Haschkekse“ wegen ihren Schmerzen brauche und die Ärzte ihr da nicht helfen wollen. Es ist doch so in Deutschland, dass nur Cannabis gegen ihr Leiden hilft und da ist es ihr auch egal, ob das jetzt legal ist oder illegal – einfach scheißegal!
Hab ich da richtig gehört? Die ehrenvolle Richterin Barbara Salesch nimmt sich des Themas „Cannabis als Medizin“ an? Was hat das kleine Mädchen damit zu tun? Wieso sitzt der nette 30jährige auf der Anklagebank und nicht die Rollstuhlfahrerin?
Kombiniere, kombiniere: Der Angeklagte hat für seine Freundin Kekse gebacken, damit die ihre Schmerzen lindert, hat aber in der Küche Kekse stehen gelassen, der kleinen Tochter gesagt, dass das „Erwachsenenkekse“ seien, die sie nicht anrühren darf, was die noch mehr gereizt hat, die zu probieren, ihr ist schlecht geworden und die Erste-Hilfe-Aktion endete im Nachtprogramm von SAT1. Der Angeklagte gesteht seine Taten, aber es tut ihm ja leid und er hat nur helfen wollen. Zu den Mengen und der Herkunft macht er keine Angaben – sein Verteidiger rettet ihn vor mehr Ungemach.
„Das muss Konsequenzen haben!“, sagt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Fahrlässige Körperverletzung ist das, einem kleinen Mädchen das Hasch quasi auf dem Präsentierteller zu bieten und dann noch die Sache mit dem Cannabis – klarer Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der soll mit seinem Helfersyndrom auf dem Boden bleiben. Es ist illegal und Recht muss Recht bleiben. Wir sind hier schließlich auf keinem Wohltätigkeitsbasar!
Dem Angeklagten tut es noch mal leid. Er hat nur helfen wollen.
Urteil im Namen des Volkes: 90 Tagessätze Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Vom Vorwurf des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen.
Richterin Barbara Salesch hat Verständnis! Es sei – bedauerlicherweise – illegal, da kann sie auch nichts machen, da ist der Gesetzgeber gefordert. Das mit dem Cannabis kann sie nicht nachweisen, und wenn, dann war es sowieso eine geringe Menge. Das mit dem Mädchen findet sie aber scheiße. Deshalb 90 Tagessätze.
Die Verhandlung ist geschlossen. Zeit ins Bett zu gehen. Gute Nacht!
Autor: Marco Valentino

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