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Das Lächeln des Weisen

(Pub. Februar 2004)
Publiziert am: 10.02.04 - Medienformen: Medienform Text


Wer ihn in der Jugend nicht liebt, hat kein Herz; wer ihn im Alter noch schätzt, keinen Verstand, könnte man, ein Wort Arno Schmidts variierend, über Hermann Hesse sagen.
1877 als Kind frommer Pietisten geboren, wächst er zwischen schwäbischen Kleinbürgern auf, lernt früh ihre Bigotterie kennen und entflieht schließlich dem klösterlichen Schulalltag des evangelischen Stifts Maulbronn. In „Unterm Rad“, seinem ersten Roman, wird er mit seinen dogmatischen Lehrern abrechnen.
Damit ist das Motiv der späteren Romane vorgegeben. Jugendliche Rebellion, die Suche nach dem eigenen Ich, seinem Platz in unserer Gesellschaft und eine gewisse romantische Verklärung der Kindheits- und Jugendzeit.
Überhaupt die Romantik. Hesse sieht in ihr nicht den Spiegel einer nach den napoleonischen Kriegswirren zerrütteten deutschen Gesellschaft, sondern mystisches Naturverhältnis und zauberhafte Verklärung des „natürlichen“ Lebens. Er wird dieser Auffassung von Romantik ein Leben lang treu bleiben, kein Wunder also, dass er auch sprachlich Vorbildern wie Raabe und Keller verhaftet bleiben wird. In der Pose des Rebellen bleibt er ein ewiger Konservativer.
Aber er ist auch ein Suchender. 1911 bricht er zu einer langen Indienreise auf. Über Ägypten und durch den Suezkanal führt die lange Schiffspassage, die damals groß in Mode ist. Er besichtigt Malaysia, dann Sumatra, um schließlich in Indien die Weisheit der Schamanen zu suchen. Er will der eigenen Seele Herr werden, wie er in seinen Reiseaufzeichnungen vermerkt.
Doch vorerst gilt es dem eigenen Verdauungsapparat Herr zu werden, auch für heutige Indienfahrer noch ein bekanntes Problem. So kommt er zwangsläufig dazu, ständig Opium zu konsumieren, denn damals wird das Rauschmittel noch in allen Apotheken als probates Mittel gegen Diarrhoe angeboten. Kein Wunder, dass er den Subkontinent wie im Rausch durchlebt; in seinem Reisebericht „Aus Indien“ erzählt er ausführlich davon.
Noch unter dem Eindruck der Indienreise entsteht „Siddhartha“, die Geschichte eines jungen Inders auf seinem Weg zur Weisheit, eine Mischung aus Laotse und Buddha. „Dass Weisheit nicht lehrbar sei, ist eine Erfahrung, die ich einmal im Leben versuchen musste, dichterisch darzustellen,“ schreibt er über seine „indische Dichtung“.
Kurz danach, 1927, erscheint „Der Steppenwolf“, der Hesse endgültig berühmt machen wird. Man kann die Geschichte von der inneren Zerrissenheit Harry Hallers vielleicht auch als Hesses Versuch einer Aussöhnung des Denkens des 19. Jahrhunderts mit der Moderne lesen. In den späten Sechzigern entdecken Kaliforniens Blumenkinder das Buch von der instinktiven Rebellion des Steppenwolfs gegen die (klein-)bürgerliche Welt und lassen es so noch einmal zu einem späten Bestseller werden.
Da hatte der Autor längst den Nobelpreis für Literatur bekommen.
Autor: Pol Sax

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