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growing
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Indoor Growing #2
Optimale Versorgung von Grund auf – Der Boden
(Pub. Februar 2004)
Publiziert am: 11.02.04 - Medienformen: Medienform Text


Das letzte Mal habt ihr die Möglichkeit im Haus anzubauen kennen gelernt. So ist der Hobbygärtner zwar unabhängig von Mutter Natur, muss dafür aber sämtliche Umweltfaktoren selbst kontrollieren. Jetzt fangen wir an die einzelne Bereiche zu vertiefen. Dabei beginnen wir mit der Basis eines guten Grows: dem Pflanzmedium, auch Substrat oder Erde genannt.

Um uns einen detaillierten Einblick in die Kunst des Indoor-Growings zu verschaffen hat uns Nils seine Freundin Julia vorgestellt, die in ihrer Stadtwohnung weder über Balkon noch Garten verfügt. Als ich bei ihr eintreffe, erwartet mich neben einer herzlichen Begrüßung eine ebenso fette Tüte. Julia hatte nach meinem Besuch die prächtigen Big-Buds abgeerntet und begleitend zu unserer Guerilla Growing-Reihe eine neue Saison begonnen. Natürlich in ihrem mit weißer Folie ausgekleidetem Grow-Schrank Marke Eigenbau.
„Bevor er jedoch wieder in Betrieb genommen werden konnte, musste ich ihn gründlich reinigen und desinfizieren, damit es keine bösen Überraschungen gibt“, seufzt Julia. „Es ist zwar aufwendig, aber so kann ich verhindern, dass sich Schädlinge, die sich möglicherweise eingenistet haben, sofort über die neue Zucht hermachen.“
„Zum Keimen hab ich die Samen ca. 0,5 bis ein cm tief in kleine Torftöpfe mit einem Anzuchterde-Gemisch gesteckt und leicht gewässert. Für die ersten zwei Wochen wurden sie unter Lumilux-Leuchtstoffröhren gestellt. Diese sind anfangs völlig ausreichend und sparen dabei eine Menge Strom gegenüber den Natrium-Dampf-Lampen ein. Um das richtige Spektrum zu erreichen wurden je zwei blaue (Kaltton-) und rote (Warmton-) Röhren verwendet. Erst nach zwei Tagen zeigten sich die ersten Keimlinge, was eigentlich schon nach zwölf Stunden möglich ist, aber auch bis zu 14 Tage dauern kann. Nach einigen Tagen wurden die kleinen Pflänzchen in zwölf-cm-Plastiktöpfe mit einer Substratmischung für das Wachstum gesetzt, wo sie für weitere zwei Wochen unter den Leuchtstoffröhren wuchsen. So lange, bis deren Leuchtkraft nicht mehr ausreichte und die Leuchtstarke Natrium-Dampf-Lampe für die Wachstumsphase zum Einsatz kam. Nach zwei bis drei Tagen erhielten sie ihren Wachstumsschub und entwickeln sich seither prächtig“, berichtet Julia.
„Damit sie später auch schön verzweigt und kompakt wachsen, habe ich seit der zweiten Woche einen Schwenkventilator auf niedrigster Stufe auf sie gerichtet“, erklärt Julia. Dabei entstehen winzig kleine Verletzungen in den Fasern, die wie bei einem Knochenbruch zusammenwachsen und hinterher wesentlich stabiler sind. So werden die Sprossabschnitte dicker und bleiben kürzer. Zudem verzweigt sich die Pflanze mehr, kleine und buschige können dem Wind besser standhalten als lange und dürre.
Wer verhindern will, dass die junge Pflanzen zu sehr in die Höhe schießen und sich dabei zu sehr strecken, sollte weiterhin auf den Lampenabstand achten. Ist er zu groß, leiden die Kleinen an Lichtmangel und strecken sich nach dem Licht. „Das ist nicht gut, schließlich wollen wir später reichlich Blüten ernten, die an den Verzweigungen wachsen“, weiß Julia. Bei Neonröhren zwei bis fünf cm und bei Natrium-Dampf-Lampen 30–90 cm, je jünger, desto größer der Abstand.

„Wenden wir uns nun dem Pflanzmedium zu“, sagt Julia, während sie ein Stück Nepalesen in ihre hölzerne, mit orientalischen Mustern verzierte Schale bröselt. „Hier gibt es zwei grundsätzliche Methoden: organisch oder hydroponisch. Organisch bedeutet Anbau auf lebenden Medien, in denen die organischen Stoffe durch Mikroorganismen zersetzt und so in eine für die Pflanze aufnehmbare Form umgewandelt werden.
Der Anbau auf toten Medien wie Hydroton, Perlit, Vermiculit oder Steinwolle wird als hydroponisch oder auch hydrologisch bezeichnet. Hier müssen die Nährstoffe in Salzform vorliegen und zusammen mit dem Sauerstoff immer wieder zugeführt werden. pH- und EC-Wert des Wassers müssen ständig kontrolliert und exakt auf ihrem Niveau gehalten werden.
Während organische Medien eine gewisse Pufferfunktion hinsichtlich des pH-Wertes und der Nährstoffversorgung haben, reagieren unsere Schützlinge in Hydromedien schnell und empfindlich auf Fehler“ rät Julia, während sie gerade einen Kopf auf ihrer kleinen gläsernen Bong stopft. „Deswegen ist der organische Anbau eher für den Anfänger geeignet, da sich fehlerhafte Behandlung nur langsam auswirkt und so oft noch korrigiert werden können, wenn es nicht zu schlimm ist. Dafür können die Nährstoffe beim hydrologischen Anbau besser auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt werden.“
Moderne Entwicklungen auf dem Grow-Sektor lassen jedoch eine Synthese beider Methoden zum hydroorganischen Growing zu. Cocosfasern verhalten sich laut Julia ähnlich wie hydrologische Medien. Aber auch Blumenerde kann mit Tongranulat, Perlit oder Vermiculit vermischt werden. Sand z. B. macht das Medium kompakter und erhöht die Wasserleitfähigkeit, dafür enthält er weder Nährstoffe noch vermag er sie zu halten. Tongranulat hingegen verbessert durch seine grobe Struktur die Durchlüftung und speichert relativ viel Wasser. Perlit ist ein durch Erhitzung aufgeschäumtes vulkanisches Glas, welches aufgrund seiner unregelmäßigen Oberfläche gut Wasser und Nährstoffe speichert, aber auch schnell entwässert und so einer Versalzung vorbeugt. Vermiculit wiederum wird durch Erhitzen aus Glimmer hergestellt und speichert noch mehr Wasser als Perlit. Beide werden gerne beim Hydrogrowing eingesetzt, finden aber auch als beliebte Zuschlagstoffe ihre Verwendung. Es gibt sie in verschiedenen Kornstärken. Für Stecklinge sollte immer die kleinste verwendet werden.
„Am besten ist meist eine Mischung verschiedener Medien, um so ihre Vorteile zu kombinieren bzw. Nachteile auszugleichen. Wichtig ist, dass das Substrat eine hohe Wasserhaltekraft und Durchlüftung besitzt. Zudem sollte es leicht sauer sein und einen guten Wasserablauf haben, denn Staunässe lässt die Wurzeln innerhalb von 48 Stunden absterben“, warnt Julia.
Eine gute Substratmischung ergibt sich aus 70 Prozent Cocos-Substrat, 20 Prozent Tongranulat und 10 Prozent Sand. Sie ist von lockerer Struktur, speichert viel Wasser und Nährstoffe, entwässert aber trotzdem gut und fördert ein rasches, stark verzweigtes Wurzelwachstum. Um die Durchlüftung zu erhöhen kann auch mehr Tongranulat und dafür weniger Cocos und Sand verwendet werden. Der Nachteil dieser hydroorganischen Erdmischung ist ihr etwas geringer Nährstoffgehalt, vor allem an Spurenelementen mangelt es. Mit einigen Zuschlagstoffen (siehe unten) ist das Problem aber schnell behoben. „Das Mischen – vor allem mit Perlit und Vermiculit – kann ein staubige Sache werden, deshalb am besten eine Schutzmaske tragen“ rät Julia.
Für den Anfänger ist eigentlich das Beste, wenn er sich gute, vorgemischte Kompletterde aus dem Grow Shop holt. Die gibt’s von verschiedenen Produzenten. Da organische Medien die Nährstoffe nur langsam abgeben, können Langzeitdünger eingesetzt werden um den Nährstoffgehalt des Bodens auf lange Sicht zu verbessern. Zum einen gibt es mineralische Dünger wie Urgesteinmehl, das aus klein gemahlenem Gestein besteht und vor allem Kalium und Phosphor liefert. Bittersalz hingegen ist Magnesium in Salzform. Dann gibt es noch Kalkstickstoff und Dolomitkalk, die vor allem Calcium und Stickstoff liefern sowie den pH-Wert des Bodens stabilisieren. Zum anderen sind da die Organischen wie Humus und Guano. Aber auch Kompost, Stallmist oder Dung können verwendet werden solange der Geruch nicht stört. Sie alle decken das breite Spektrum der Nährstoffe weitestgehend ab. Als Stickstofflieferant dienen Hornspäne – klein gemahlene Hörner und Hufe. Im Prinzip können auch alle möglichen organischen Abfälle wie Fischreste und Eierschalen mit eingearbeitet werden. Dabei aber unbedingt darauf achten, das sie aus pestizidfreier Produktion stammen. Sie sollten beim Untermischen gut verteilt bzw. zerkleinert werden. In der Wachstumsphase sind stickstoff- und magnesiumhaltige Zuschläge sinnvoll, während es in der Blütephase die phosphor- und kaliumhaltigen sind. „Ach, jetzt hab ich mich wieder verquatscht. Ich wollte doch einen rauchen“ freut sich Julia nach langen philosophieren über growing und zieht genüsslich an ihrer Pfeife.
Während sie noch den Qualm auspustet, fährt sie fort: „Wie bereits erwähnt ist Staunässe tödlich für die Wurzeln, denn sie mögen es gerne luftig und sauerstoffreich.“ Eine ungefähr drei cm hohe Drainageschicht aus grobem Tongranulat oder Kies am Boden des Topfes verhindert sie zuverlässig. Um in großen Töpfen oder Beeten die Belüftung der Wurzeln zu verbessern, können durchlöcherte Schläuche oder Röhren gelegt werden, in die regelmäßig hineingepustet wird. Eine luftige Bodenstruktur macht dies laut Julia jedoch weitestgehend überflüssig.
Um in Erde Nährstoffe optimal aufnehmen zu können wird ein pH-Wert zwischen 6,2 und 6,8 benötigt. Nur in diesem Bereich liegen die Salze in leicht abbaubarer Form vor. Steigt er über 7,2 werden die Nährstoff nicht nur schlecht aufgenommen, sondern können sich sogar in toxische Salze verwandeln. Der EC-Wert gibt den Nährstoffgehalt des Mediums an und spielt vor allem im Hydro-Bereich eine wichtige Rolle.
„Für die Keimung gibt es verschiedene Methoden“, weiß Julia. „Einige legen die Samen zwischen zwei feuchte Taschentücher und pflanzen die Samen ein, sobald sie gekeimt haben.“ Dabei müssen die Tücher immer gut feucht gehalten werden. Es ist ebenfalls möglich die Samen mit einem viertel bis halben Liter Erde zu mischen und flach in einer Schale auszustreuen. Sie werden dann vorsichtig in Töpfe gesetzt, sobald sie gekeimt haben. Etwas aufwendiger ist es die Samen in kleinen Torfquelltöpfe keimen zu lassen und dann einzupflanzen. Die geringste Gefahr für die Wurzeln besteht, wenn die Samen direkt in die zur Vorzucht bestimmten Töpfe gesteckt werden. Diese Methode ist für Julia die beste. Man kann zwar nicht genau sehen, welcher Samen wirklich keimt und hat vielleicht dadurch länger Zweifel ob alle kommen oder ob man noch mal ein paar Samen nachsetzen muss, aber man kann auch wirklich fast nichts falsch machen oder die Wurzeln schädigen. „Die in den ersten Töpfen enthaltene Erde sollte Steck- und Keimlingserde sein. Diese enthält weniger Nährstoffe als die Kompletterde. Das ist wichtig, weil die ersten Wurzeln noch recht empfindlich gegen Überdüngung sind. Diese Erde reicht gewöhnlich für ein bis zwei Wochen, je nach Größe des Topfes und Bedarf der Sorte. Danach muss mit Zugabe von Flüssigdünger oder Umtopfen ausgeglichen werden“, seufzt Julia schon wieder. Am Anfang natürlich schnell umtopfen, damit die Babies immer genug Platz zum Entfalten haben. „Hanf ist eine sehr anspruchsvolle Pflanze, vor allem wenn sie unter Optimalbedingungen gezogen wird“, gibt sie zu bedenken, „also achtet vor allem auf die ersten gelben Blätter, die ganz unten entstehen. Ein sicheres Zeichen für Stickstoffmangel, der am Anfang besonders häufig Auftritt, denn sie benötigen ihn zum Blattwachstum.

Ich hoffe es war für euch genauso interessant wie für mich. Beim nächsten Mal lernt ihr die Umweltfaktoren richtig zu steuern.

Mit hanfigen Grüßen
Das Guerilla Growing Team
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