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Die Geschichte der Hanfparade

(Sonderausgabe Hanfparade 2003)
Publiziert am: 16.07.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal hanfparade Sa 03 artikel Die Geschichte der Hanfparade

Nachdem Hanf 60 Jahre lang verboten und kriminalisiert wurde, beschlossen die Initiatoren der Hanfparade: „Uns reicht’s!“ und gründeten im Februar 1997 den eingetragenen Verein „Bündnis Hanfparade“. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt die Öffentlichkeit für den gemeinsamen Kampf um die Legalisierung der Hanfpflanze zu mobilisieren und die Freigabe von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel voranzutreiben.

Um diesem Ziel näherzukommen, veranstaltete der Verein am 23. August 1997 die allererste Hanfparade! Mit diesem Großereignis der internationalen Hanfszene wollten die Veranstalter neben der politischen Forderung „Legalisierung jetzt!“ und dem ökologischen Anspruch „Mit Hanf in die Zukunft“ auch die kulturelle Vielfältigkeit der Hanfbewegung zum Ausdruck bringen.
Dies geschah dann direkt vor dem Brandenburger Tor auf eine Art und Weise, die nicht abwechslungsreicher und phantasievoller hätte sein können. Auf zwei Bühnen gaben sich Künstler, Politiker und Vertreter der Hanflobby die Klinke in die Hand. Musikalischer Höhepunkt waren die Auftritte der bekannten deutschen Bands J.B.O. und Blind Passengers sowie der englischen Formation SAXON.
Für Eltern mit Kindern gab es in unmittelbarer Nähe eine beaufsichtigte „Kinderecke“ mit Spielgeräten und Springburgen, Clowns, Schminkkünstlern, Kasperletheater und vielen weiteren Attraktionen.
Um das leibliche Wohl der Anwesenden sorgten sich zahlreiche Händler, die auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ihre Hanfprodukte anboten. Das Angebot reichte von Hanf-Bäckern, Hanf-Bierbrauern und Hanf-Müsliherstellern bis hin zur Hanf-Tofu-Wurst und Hanf-Cola. Ebenso nutzten Hanfläden, Head- & Growshops aus dem gesamten Bundesgebiet die Gelegenheit, ihre Waren auf dem „Markt der Möglichkeiten“ anzubieten.
Für die interessierte Öffentlichkeit bestand die Möglichkeit sich in einem eigens aufgebauten Informationszelt über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Hanfpflanze aufklären zu lassen. Auch Cannabis-Selbsthilfe- und -Legalisierungsgruppen nutzten die Chance sich und ihre Arbeit ins rechte Licht zu rücken.

Der unglaubliche Zuspruch, den die Parade bei den Teilnehmern fand, wurde von der damaligen Berliner Regierung allerdings nicht geteilt. Daher kam es im Jahr darauf so, wie es unter einer CDU-Regierung kommen musste: Der damalige Bürgermeister Eberhard Diepgen verbot „kommerzielle Veranstaltungen“ vor dem Brandenburger Tor und der Polizeipräsident erklärte die Abschlusskundgebung der Hanfparade 1998 als eine solche, da hier auch Waren zum Verkauf angeboten wurden. Da der „Markt der Möglichkeiten“ als wichtiger Bestandteil der Abschlusskundgebung zu den wenigen Einnahmequellen des nicht kommerziellen Vereins gehört, war die Absicht offensichtlich. Man wollte den Veranstaltern mit dieser Aktion die Deckung ihrer Kosten und somit die darauffolgende Hanfparade unmöglich machen. Das konnte jedoch in allerletzter Sekunde durch einen höchstrichterlichen Eilbeschluss verhindert werden.
Und so trafen am 29. August 1998 wieder Menschen aller Bevölkerungsschichten aufeinander. Die Teilnehmer reisten aus ganz Europa an, um ihrer Forderung  der Legalisierung von Cannabis  Ausdruck zu verleihen. Angeführt von etlichen Wagen und Treckern bewegten sich Tausende Hanf-Sympathisanten vom Alexanderplatz in Richtung Brandenburger Tor, um dort die Abschlusskundgebung zu erleben.
Auch dieses Jahr bestand wieder ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen, Selbsthilfegruppen und Legalize-it-Vereinen, Produzenten und Händlern der Hanfbranche.
Die Grünen und die PDS beteiligten sich sogar mit eigenem Wagen und entsandten – wie bereits im Vorjahr  ihre besten Redner zum Thema Hanf: Christian Ströbele (Die Grünen) und Freke Over (PDS).
Wenn man bedenkt, dass zu diesen Zeitpunkt noch viele Menschen glaubten, Marihuana und Haschisch seien süchtig machende Stoffe und sie wären demzufolge in einen Topf mit Crack, Koks und Heroin zu werfen, ist es nicht verwunderlich, dass sowohl die Polizei als auch die bürgerlichen Pressestellen diese große und überaus politische Demonstration herunterspielten.
Dabei sprachen selbst Polizeibeamte von 10.000 bis 20.000 Anwesenden. In den Medien tauchten jedoch stets geringere Teilnehmerzahlen auf, so wurde z. B. im „Berliner Tagesspiegel“ von nur 2.000 Hanfparade-Demonstranten berichtet.
Man braucht kein Wahrsager sein um zu wissen, dass  wenn Bands wie „Zion Train“, „Fünf Sterne Deluxe“, „Mutabor“ u. v. a. kostenlos auftreten – sich schon allein dafür mehr als 2.000 Leute mobilisieren lassen. Dabei war das Kulturprogramm längst nicht der einzige Grund, zur Hanfparade zu erscheinen. Schließlich ging es hier auch um eine politische Aussage, die jeder Demonstrant durch bloße Anwesenheit traf.

Trotz des numerischen Erfolges und der vielen Hilfe von der Basis kam der Verein jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, da es nicht gelungen war, die Schulden aus dem ersten Veranstaltungsjahr mit dem Gewinn des zweiten Jahres zu bezahlen. Die Veranstaltung hatte sich aber immerhin knapp selbst finanziert. Doch die Schulden blieben. Damit sah es eine Zeitlang so aus, als ob der Verein Konkurs anmelden und die Hanfparade „sterben“ müsste. Den Veranstaltern gelang es nur durch einen ungeheuren Kraftaufwand, noch mehr Arbeit und unzählige Telefonate, Faxe und Briefe die Hanfparade 1999 zu retten.
Wie jeder weiß, hilft in schwierigen Zeiten nur Zusammenhalt und Solidarität und so zog die Demo in jenem Jahr mehr Besucher denn je zuvor in ihren Bann. Mit Zehntausenden Hanfbegeisterten, die aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin strömten, wurde erneut ein deutliches Zeichen für die Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel gesetzt. Denn es sollte schließlich „Mit Hanf in die Zukunft“ gehen – so die 99er-Losung. Dem schlossen sich übrigens bis auf die „Junge Union“ alle Jugendorganisationen der deutschen Parteien an.
Denn Dank der kreativen und phantasievollen Mithilfe der Hanflobby gelang es trotz des geringen Budgets wieder mit einem bunten und abwechslungsreichem Programm zu überzeugen, auch wenn – aus Kostengründen – in diesem Jahr auf eine riesige Hauptbühne verzichtet werden musste, was aber letztendlich dazu führte, dass es dem Verein gelang seine alten Schulden zu begleichen.

Im Jahr der großen Zwei begannen die Veranstalter verstärkt damit, die Hanfparade in die internationale Hanfszene einzubinden. So entstand auch der Slogan „Legalize it globaly! Hanfparade 2000  Zeig Dich!“. Der zweite Teil des Mottos wurde von einer  vom Cannabis-Magazin „grow!“ gestarteten  Aktion namens „Zeig Dich!“ übernommen, in der alle Freunde des grünen Krauts zur Selbstanzeige aufgerufen wurden. Erklärtes Ziel war es, insgesamt 100.000 derartiger Selbstanzeigen zu sammeln, sie dann auf einen Schlag zu übergeben, damit die Justiz lahmzulegen und somit den Staat zu einer Reform des BTMGs zu zwingen.
Am 19. August 2000 war es dann wieder soweit: Zehntausende (wer weiß schon genau, wie viel Zehntausende) zogen mit der Hanfparade 2000 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor, wo ab 16 Uhr die Abschlusskundgebung begann, die bis 22 Uhr andauern sollte.
Doch dann kam alles ganz anders. Als die hessische Reggae-Band „Cashma Hoody“ ihren eigens für die Hanfparade 2000 geschriebenen Song „Legalize it globaly!“ aufführten, zogen dichte Wolken über das Kundgebungsgelände und Minuten später  gegen 19 Uhr – begann es zu stürmen und zu regnen. Die Band hatte das Stück gerade beendet, als z. T. golfballgroße Hagelkörner auf die verdutzten Teilnehmer herniederprasselten. Das tat der guten Stimmung allerdings keinen Abbruch, denn die Teilnehmer sammelten sich in kleinen Gruppen unter allen erdenklichen Dächern und Vorsprüngen, hatten viel Körperkontakt, was zu sehen, zu erzählen, nasse Klamotten und jede Menge Spaß. Nach dem etwa 30-minütigen Ausnahmezustand ließ der Sturm nach und der Hagel ging in Regen über. So konnten viele Bühnen ihr Programm nicht fortsetzen. Auch die Hauptbühne war überflutet und die Auftritte von DJ Tanith und der tschechischen Band „Hypnotix“ entfielen.

Ein Jahr später traf man sich in Kreuzberg. Die Hanfparade 2001 begann unter der Losung „Kein Krieg gegen Pflanzen“ am Halleschen Tor und führte durch die Ostberliner Innenstadt zum „Platz vor dem Roten Rathaus“. Unterwegs gab es Zwischenkundgebungen vor der SPD-Zentrale und dem Außenministerium, um an diesem 1. September auch während der Demonstration den politischen Charakter stärker zu betonen.

Auf der Abschlusskundgebung wurde es dann international. Nicht nur Sprecher aus Holland, der Schweiz, England, Polen und Österreich ergriffen das Wort, es sprachen auch Hanf-Aktivisten aus Australien und den USA. So sprach z. B. der extra aus New York angereiste Dana Beal von der Organisation „Cures Not Wars“ über die internationalen (Hanf-)Verbindungen. Thema war der internationale Million Marijuana March, der jährlich Anfang Mai weltweit vernetzt und koordiniert abgehalten wird. Aber auch die Freunde guter, hanf-relevanter Musik kamen wieder voll auf ihre Kosten: Auftritte der „Sofa Surfers“, der „Spezializtz feat. Curse“, von Götz Widmann (Ex-Joint Venture) und „Rockers HiFi“ ließen Tausende Tanzbeine schwingen. Die Hanfparade 2001 war die erste Hanfparade, mit der auch die Veranstalter selbst und viele ihrer größten Kritiker zufrieden waren – offensichtlich können auch Kiffer dazulernen . . .

Die Hanfparade 2002 sollte allen Teilnehmern wieder etwas Neues bieten und so traf man sich in diesem Jahr am prunkvollen „Potsdamer Platz“, um von da aus zum Breitscheidplatz zu ziehen, wo rund um die Gedächtniskirche herum die Abschlusskundgebung stattfand. Unterwegs gab es eine Zwischenkundgebung vor der CDU-Zentrale, auf der Christian Ströbele die Freigabe des von der Polizei beschlagnahmten Deko-Nutzhanfs forderte: „Gebt das Hanf frei!“  Dieser Satz sorgte dann im vergangenen Jahr weithin für Aufmerksamkeit und Medieninteresse. Denn Stefan Raab sampelte diesen Satz und in Zusammenarbeit mit Shaggy machte er daraus einen Top 10-Hit. Davon konnte aber an diesem 31. August noch keiner was ahnen, als die Hanfparade vor der Gedächtniskirche ankam und Bands wie „Ganjaman“, „Dubtari“ und „Letzte Instanz“ ebenso auf sich aufmerksam machten wie die zahlreichen politischen Redner der verschiedensten Organisationen und Parteien. Die Losung des Jahres lautete „Für Hanfgebrauch! Gegen Hanfmi§§brauch!“ Auflärung statt Verbote!“ und war damit kontrovers und lang wie nie.

Jetzt  sieben Jahre nach der ersten Hanfparade  soll die multikulturelle Demonstration erneut Zehntausende Hanfbegeisterte anziehen. Am 23. August 2003 ist es wieder soweit. Und ihr seid gefragt! Lasst nicht zu, dass die Hanflobby weiterhin in die Kriminalität gedrängt wird! Wir dürfen nicht zusehen wie die kostbaren Ressourcen der Hanfpflanze weiterhin übergangen werden. Also kommt mit all euren Freunden zur Hanfparade, bringt möglichst viele, kreativ gestaltete Spruchbänder bzw. Schilder mit und habt auch ruhig etwas Spaß  so führen wir alle zusammen den friedlichsten Krieg aller Zeiten:
Gegen die Hanfpolitik in dieser Welt, die auf grausame Weise versucht, die Hanfpflanze zu unterdrücken.
Darum fordern wir – grammatikalisch nicht ganz korrekt - in diesem Jahr:
„GEBT DAS HANF FREI!!!“

Autor: Martin Müncheberg

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