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Grosse´s Glück

Mit Einzelfällen Schritt für Schritt Richtung Legalisierung?
Publiziert am: 08.01.04 - Medienformen: Medienform Text


Der 27. November 2003 war ein denkwürdiger Tag der deutschen Geschichte. An diesem Datum fiel das Urteil, das dem Berliner Michael Grosse den Eigenanbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubte. Richter Zimmermann vom Amtsgericht Berlin Tiergarten sah bei Herrn Grosse einen rechtfertigenden Notstand.

Also schon wieder ein Einzelfall, der durch die ganz spezielle Situation des Angeklagten seine Rechtfertigung erhält. Michael Grosse benötigt das Weed nämlich aus medizinischen Gründen. Er leidet an Morbus Crohn, einer unheilbaren Darmkrankheit. Zahlreiche Behandlungsversuche schlugen fehl, bis ihm die Ärzte zur Therapie mit Cannabis rieten. Um die Schwierigkeiten des Schwarzmarktes zu umgehen, begann er 1997 selbst zu züchten. Drei Jahre ging das gut, bis ein geruchsempfindlicher Nachbar die Polizei rief. Der hielt den süßlichen Cannabisrauch für den Gestank von Verwesung, befürchtete Herr Grosse sei tot und rief die Polizei. Die fand dann 59 Pflanzen und erstattete Anzeige. Zuerst wurde er zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Berufungsgericht akzeptierte das so allerdings nicht und verwies den Fall zurück an das Amtsgericht. Erst in der zweiten Runde erkannte die Justiz den rechtfertigenden Notstand. Dass die Therapie mit Cannabis tatsächlich anschlägt, wurde Herrn Grosse von drei Ärzten bestätigt. Da konnte das Gericht nicht mehr wegsehen.

Herr Grosse raucht täglich mehrere Joints um seine Beschwerden zu lindern, außerdem badet er in einem Aufguss aus Cannabis-Blüten. Was für uns dekadent klingt, war bei ihm hilfreich. Die Beschwerden können dadurch tatsächlich eingedämmt werden. Ein Effekt, den in dieser Ausprägung vorher noch kein Medikament hatte.

Das Urteil erlaubt Grosse nun den Anbau in eigenbedarfsgerechten Mengen. Eigenbedarfsgerecht beschreibt in diesem Zusammenhang eine Jahresration. Wie viel das genau ist, erfahren wir erst in der Urteilsbegründung. Da keine Berufung eingelegt wurde, ist das Urteil definitiv rechtskräftig. So etwas gab es seit über 40 Jahren nicht mehr! Einen kleinen Haken hat die Geschichte allerdings: Sollte er mehr anbauen, muss er dennoch 4050 Euro Strafe zahlen.

Das macht auch Hoffnungen in Bezug auf Grosses Antrag bei der Bundesopiumstelle (Erlaubnis zum Eigenanbau). Da die Rechtslage in diesem Fall inzwischen endgültig geklärt wurde, dürfte auch die Bundesopiumstelle Schwierigkeiten damit haben, den Antrag nicht zu genehmigen.

Jetzt gibt es in Berlin einen Ort, an dem legal echtes Cannabis gegrowt wird. Der Besitzer diese Pflanzen würde sie übrigens auch gern der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Er hat vor, das von ihm gegrowte Gras in die Apotheke zu bringen, um es sich von dort wieder zuteilen zu lassen. Den Apotheker, der die dafür notwendige Erlaubnis bei der Bundesopiumstelle beantragt, hat er schon gefunden. Würde das funktionieren wäre es ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn dann könnten auch andere Patienten ihr Recht auf eine Versorgung mit Cannabis aus der Apotheke einfordern.

Im Moment drängt uns die deutsche Judikative in eine schwierige Position. Sollen wir jetzt glücklich sein über all die medizinischen Einzelfälle, die derzeit von den Gerichten Freiheiten zugeteilt bekommen, von denen wir nie zu träumen gewagt hätten?

Natürlich freuen wir uns für diese Menschen, aber dennoch scheint dies auch ein Weg zu sein, die generelle Legalisierung in noch weitere Ferne zu rücken. Denn der Druck, den die enorme Dringlichkeit der medizinischen Fälle hinter die Legalisierungsbewegung stellt, versickert so nach und nach im Boden.

Doch wir wollen mal nicht schwarz malen. Denn vielleicht sind all diese Einzelfälle auch nur die Vorboten eines gedanklichen Umschwungs in der Gesellschaft. Und selbst wenn nicht, so verbessert doch jeder medizinische Fall das Ansehen von Cannabis rapide. Was für die einen gesund ist, kann so schlecht für die anderen doch gar nicht sein!

Wer die Cannabis-Freigabe für medizinische Fälle pushen möchte, kann übrigens die Verfassungsklage der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin unterstützen. Spenden an folgendes Konto sind herzlich willkommen: Sonderkonto "Verfassungsklage" der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin; Kontonummer 422 329 005 bei der Kölner Bank (BLZ 371 600 87)
Autor: Martin Schwarzbeck

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