Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

news
Druckversion

We want you!

FreD versucht erstauffällige Drogenkonsumenten zu schnappen
(pub. Juli 2003)
Publiziert am: 26.06.03 - Medienformen: Medienform Text


Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS) hat im Jahr 2000 in Kooperation mit acht Bundesländern das Modellprojekt „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“, kurz FreD, initiiert. Das Projekt war vor allem auf jungendliche Konsumenten zwischen 14 und 25 Jahren ausgerichtet, die zum ersten Mal wegen illegaler Drogen auffällig geworden waren. Ziel des Projektes war es, frühzeitig ein kurzes und gezieltes Hilfs- sowie Beratungsprogramm für diese Jugendlichen zu bieten. Das Hanf Journal beleuchtet die Ergebnisse dieses Projekts für euch.

An 15 Modellstandorten (in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen sowie Rheinland Pfalz) wurde jugendlichen Drogenkonsumenten, die zum ersten Mal polizeilich auffällig wurden, das Informations- und Hilfsprogramm FreD angeboten. Das Programm bestand aus einem persönlichen Gespräch (InTake-Gespräch) sowie einem achtstündigen Kursangebot. Zunächst hatten Polizei und Justiz Jugendliche über den Modellversuch „informiert“, die Jugendlichen sollten dann telefonischen Kontakt zu den örtlichen Stellen aufnehmen. Von den 676 Anrufern wurde 514 danach eine Kursteilnahme bzw. 57 Personen suchtspezifische oder psychologische Beratung empfohlen. 446 nahmen an den Kursen auch teil, 83 Prozent davon haben den Kurs abgeschlossen. Die Kursteilnehmer waren durchschnittlich zwischen 17 und 18 Jahre alt, die meisten davon Schüler oder Auszubildende.

Vor ihrer ersten polizeilichen Auffälligkeit konsumierten über 95 Prozent Cannabis, nur 11,5 Prozent hatten vorher Ecstasy, 7,7 Prozent Pilze und 6,7 Prozent Amphetamine konsumiert. Fast ein Drittel der Teilnehmer hatten ihre Hauptdroge innerhalb eines Monats siebenmal eingenommen. Dem gegenüber stand über 28 Prozent der Jugendlichen, die fast täglich konsumierten. Die Teilnehmer unterschieden sich gar nicht bzw. kaum bezogen auf Konsummotivation oder Selbstwertgefühl von anderen Jugendlichen. Es wurden vor allem hedonistische Gründe für den Konsum genannt, wie beispielsweise Genießen und Entspannung. Die meisten hatten ein positives Selbstbild und zeigten eine altersgemäße Haltung zu (begrenzten) Regelverletzungen.

Auffällig bei der Evaluation des Modellprojektes ist, dass leider keine Angaben bestehen, inwieweit und wie viele Jugendliche zur Teilnahme gezwungen wurden und wie viele wirklich aus eigener Motivation mitgemacht haben. Bei den meisten jugendlichen Drogenkonsumenten war mit einer Einstellung ihres Verfahrens zu rechnen, die Frage ist nur unter welcher Auflage. Wenn auch in dem schriftlichen Bericht viel von freiwilliger Teilnahme gesprochen wird, so finden sich auch Textabschnitte, die alles andere als freiwillig klingen: „Die Interventionen des Modellvorhabens waren . . . zu Beginn u. a. als frühzeitiges, kurzes, gezieltes und freiwilliges Angebot konzipiert. Die Modellumsetzung hat dann jedoch zu Veränderungen geführt und verschiedene Zugangswege hervorgebracht , zu denen auch Weisungen nach den §§ 45, Abs. 2, 3 und 47 JGG zählen.“ Georg Wurth, Geschäftsführer vom Deutschen Hanf Verband sieht das ebenfalls kritisch: „(. . .) Auch den teilweise ausgeübten Zwang zur Teilnahme an den Kursen halten wir für problematisch. Statt dessen wäre eine flächendeckende Diskussion über den bewussten Umgang mit legalen und illegalen Drogen im Schulunterricht sinnvoll. Ein offener und ehrlicher Austausch über Drogenerfahrungen ist aber erst dann möglich, wenn die Jugendlichen keine Angst vor
Strafverfolgung haben müssen.“

Von Frühintervention kann auch kaum die Rede sein; die jungen Leute wurden durchschnittlich drei Jahre nach ihrem ersten Drogenkonsum erreicht. Außerdem ist in dem Bericht kaum etwas zum genauen Inhalt der Kursangebote zu finden. Zwar finden sich Angaben wieder, dass Gespräche, Videovorstellungen und Vorträge von teilweise externen Referenten stattfanden, jedoch nicht was für Informationen vermittelt wurden. Schließlich gibt es in der Drogenaufklärung die verschiedensten Inhalte, die vermittelt werden sollen. Von einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Drogen bis zu einer Verteufelung aller Berauschender Mittel sind alle Lerninhalte möglich.

Es ist zwar besser, jungen Menschen gezielte Hilfen und Beratung anzubieten, als erst dann Unterstützung bereitzustellen, wenn bereits eine langjährige Abhängigkeit vorliegt. Was nicht heißen soll, dass alle Drogenkonsumenten früher oder später abhängig werden. Der entscheidende Punkt ist, dass Menschen aus freien Stücken und von sich selbst aus Hilfe in Anspruch nehmen müssen, ansonsten kann ihnen sowieso nicht richtig geholfen werden.



Autor: Katrin Schmidberger

Mehr zum Thema:

Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
  Sonderausgaben
-