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Hohlspiegel
oder wie eine Zeitung das Recherchieren vergaß
(Pub. Juli 2004)
Publiziert am: 02.07.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04juli artikel Hohlspiegel oder wie ein Nachrichtenmagazin das Recherchieren vergaß

„Der Spiegel“ brachte in einer seiner letzten Ausgaben die Titelstory „Die Seuche Cannabis“ und vergaß bei den dazugehörigen Artikeln das Recherchieren. Anders sind die vielen Fehler, die wenig logischen Rückschlüsse und die populistischen Auswüchse nicht zu erklären.

 

Mit Populismus auf Leserfang

 

Den ganzen Artikel beherrscht nur ein Tenor: Finger weg von Cannabis, du wirst damit dein Leben zerstören, du kommst in die Klapse, du wirst zu anderen Drogen greifen und du wirst elendig verrecken. Um dies zu untermauern, reitet „Der Spiegel“ auf Einzelschicksalen herum und hält es nicht einmal für nötig zu erwähnen, wie häufig diese Einzelschicksale sind. Sie suggerieren durchgehend, dass all die Probleme dieser Einzelfälle mit Cannabis zu tun hätten und erwähnen nur im Nebensatz, dass alle anderen Drogen auch konsumiert wurden. „Irgendwann schnupfte er Kokain“, aber das ist laut „Der Spiegel“ weniger verantwortlich für den Absturz als Cannabis.

 

Personen, die sich für eine Legalisierung einsetzen, werden nur hämisch erwähnt. Was sie wirklich fordern, wird nicht einmal erzählt. Das Problem des Jugendschutzes und der vielen jungen Konsumenten erwähnen sie in fast jedem Absatz. Dass aber, solange ein Verbot herrscht, auch kein Jugendschutz gewährleistet werden kann, kommt nicht vor. Dass gerade im Schwarzmarkt am wenigsten nach den Ausweisen der Käufer gefragt wird, verschweigen sie ebenso. Und das die ganze Situation gerade während eines Cannabis-Verbotes eskaliert, schien die Autoren nicht daran zweifeln zu lassen, dass die Legalisierungs-Befürworter spinnen. Dass man, wenn eine Politik gegen die Wand gefahren ist und gerade ihre gefährlichen Potenziale zeigt, Leute, die einen alternativen Weg wollen, als Spinner und andere, die ein „Weiter wie bisher“ wollen, als Experten darstellt, ist schon sonderlich.

 

Wissenschaftlich falsche Behauptungen

 

Wenn es in dem „Spiegel“-Artikel um wissenschaftliche Untermauerung der besagten Behauptungen geht, zeigen sich die größten Lücken. So muss das Blatt immer wieder auf den umstrittenen Professor Thomasius zurückgreifen. Das dieser jedoch nie zum Thema Cannabis geforscht, geschweige denn etwas dazu publiziert hat, verschweigen die Redakteure. Auch die wissenschaftliche Qualifikation dieses Mannes im Bereich der Extasy-Forschung ist mehr als nur umstritten. So musste bei einer wissenschaftlichen Runde, die von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung einberufen wurde, zugegeben werden, dass Schädigungen durch Extasy, wenn dann nur bei langem und dauerhaftem Konsum eintreten können und nicht generell, wie es Thomasius davor behauptete. Der einzige Wissenschaftler, der in dem ganzen Artikel auftaucht und tatsächlich schon fundiert und grundlegend zu Cannabis geforscht hat, Herr Prof. Dr. Kleiber, wurde vom Spiegel eher als Schwätzer und Verharmloser dargestellt.

 

Auch die meisten aufgeführten Studien wurden von den Redakteuren falsch dargestellt. So behauptete „Der Spiegel“ beispielsweise: „Bremer Forscher spritzten jugendlichen und erwachsenen Ratten täglich den Wirkstoff THC, etwa so viel, wie ein Joint enthält.“ Tatsächlich distanzierte sich sogar die Autorin der Bremer Studie, Frau Miriam Schneider, schon vergangenen Oktober in einer E-Mail an www.cannabislegal.de davon. „Die Interpretation, unsere Dosis entspräche einem Joint pro Tag, kommt so definitiv nicht von mir und auch nicht von Prof. Koch.“, schrieb sie darin. Der gespritzte Stoff war auch nicht wie geschrieben THC, sondern nur eine dem THC womöglich ähnliche Substanz (Win 55,212-2). Würde man diese Substanz umrechnen, müsste ein Joint aus 3,6 Gramm Cannabis bestehen – und der müsste dann auf einmal und schnell geraucht werden – denn es wurde ja gespritzt.

 

Die altbekannte Hetze, dass das Gras viel stärker und damit gefährlicher würde, taucht natürlich auch im „Spiegel“-Artikel auf. Das aber die meisten davon ausgehen, dass damit die gesundheitliche Gefährdung durch Cannabis geringer wird, da man weniger konsumieren muss um die selbe Wirkung zu erreichen, verschwiegen die Autoren gekonnt. Des Weiteren stimmt es zwar, dass immer wieder höhere THC-Werte gemessen werden, doch alle Studien dazu, wie die der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA), fanden „keine Hinweise auf einen bedeutenden Anstieg des Wirkstoffgehalts“ in den meisten europäischen Cannabismärkten.

 

 

Fragwürdige internationale Vergleiche

 

Auch durch internationale Vergleiche versucht „Der Spiegel“, die Gefährlichkeit einer Cannabis-Liberalisierung zu untermauern. So beschreiben sie, dass in dem Hardlinerland Schweden prozentual weniger Menschen Cannabis konsumieren als in den liberalen Niederlanden. Im Vergleich DeutschlandHolland wären es gleich viele Konsumenten. Dass aber in Schweden mehr Menschen an Drogen sterben als in den Niederlanden oder es sogar in München (eine Million Einwohner) genauso viele Drogentote wie in besagtem Holland (16 Millionen Menschen) gibt, vergaß das Blatt einfach zu erwähnen.

 

 

Prohibitionisten sind Mörder

 

Was „Der Spiegel“ mit diesem Artikel macht, ist meiner Ansicht nach gefährlich. Wenn junge Cannabis-Konsumenten Absätze lesen wie: „Wenn solche Kiffer dann auch noch Alkohol oder Extasy einwerfen, stürzen sie schneller ab als mit Heroin“, muss man sich schon fragen, was sie wirklich wollen. Ist Kiffen gefährlicher als Heroin? Sollen sich nun alle Konsumenten lieber die Spritze setzen?

Der „Spiegel“-Artikel hat Recht, wenn er aufzeigt, wie unsere Drogenpolitik gescheitert ist. Aber mit der Feststellung „kann krank machen und im schlimmsten Fall Karriere und Leben zerstören“ ist nichts geholfen. Denn nicht die liberale Politik hat uns in dieses Verderben gestürzt, sondern die Prohibition. Seit Jahrzehnten ist es keinem Kiffer möglich zu erfahren, wie stark und sauber sein Gras ist. Seit Jahrzehnten kann kein Kiffer einfach um Hilfe bitten, da er Angst vor der Polizei hat. Seit Jahrzehnten steigt in Deutschland die Menge der konsumierten Drogen. Und das alles dank der Prohibition. Die einzigen Studien, die bisher die Auswirkungen der Verbote untersucht haben (stammen aus Holland und Kanada) verschweigt „Der Spiegel“. Aber es wäre ja der Panikmacherei nicht gerade zuträglich gewesen, wenn man feststellen müsste, dass nach der größten Heroin-Beschlagnahmung in Kanada der Preis für Heroin rapide sank und die verfügbare Menge an Heroin in Kanada auf den höchsten Stand der besagten Zehn-Jahres-Studie stieg.

 

Wer diesen Artikel liest und sich ein wenig mit der Materie befasst hat, weiß, dass alle Argumente, die in dem „Spiegel“-Artikel aufgeführt wurden schon längst widerlegt sind – nur dass die Autoren alle Gegenargumente ausblendeten. Sowas nennt man dann Populismus – Journalismus ist das schon lange nicht mehr.

Werner Graf


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