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Wenn der Genuss auf Reisen geht . . .

(pub. Juli 2003)
Publiziert am: 26.06.03 - Medienformen: Medienform Text


Drogentourismus – ein Wort wie ein Faustschlag. „Was sind das nur für Menschen, die ihre Urlaubsplanung nach einer Droge ausrichten? höre ich schon die konservativen Stimmen fassungslos fragen. „Tja, was sind das für Menschen, die Jahr für Jahr teilweise von weit her anreisen um einem der größten (und überteuertsten) Drogen-Verherrlichungs-Spektakel, dem Oktoberfest, beizuwohnen?“ halte ich dagegen. Dass der „Drogentourismus“ einen gewichtigen Wirtschaftsfaktor stellt, ist jedoch bei weitem nicht nur auf das herbstliche Saufgelage im Freistaat beschränkt. Regionen wie das Burgenland und die Steiermark mit ihrer berühmten Weinstraße in Österreich oder französische und spanische Weinbaugebiete sind darauf angewiesen, dass sich alljährlich unzählige Touris kistenweise mit der Volksdroge Alkohol eindecken, und es ist noch gar nicht lange her, da auch Mitglieder meiner Familie regelmäßig nach Tschechien pilgerten um sich dort mit Tabakerzeugnissen einzudecken (bis die Einfuhr auf eine Stange pro Person begrenzt wurde und sich die Anreise nicht mehr rechnete).
Liquide Mitbringsel, ob vergoren oder destilliert (russischer Wodka!) wirken immer, wenn es darum geht, Gäste zu beeindrucken. Und selbst eingefleischte Nichtraucher erliegen dem Charme kubanischer Zigarrenfabriken. Wer legaler Genussmittel wegen sein Ränzlein schnürt, gilt gemeinhin als „Kenner“ oder „Gourmet“. Wer dies für illegale Genussmittel tut, erntet meist wenig Beifall. Hanfkonsumenten, die in Amsterdam Urlaub von der Illegalisierung machen wollen oder sich der Qualität wegen nach Marokko aufmachen, werden bestenfalls belächelt, schlimmstenfalls verteufelt. Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf. Und doch stehen sich der Weinkenner und der Hanfliebhaber näher, als dies Exekutive, Politik und die Vereinten Nationen wahrhaben wollen.
„Eine Umgebung, die toleranter im Zusammenhang mit dem nichtmedizinischen Gebrauch von Cannabis ist, bringt die Einspannungen für die Prävention und die Maßnahmen gegen den internationalen Drogenhandel ernstlich in Gefahr“, hieß es in einem Brief des United Nations International Narcotics Control Board an die belgische Regierung anlässlich der dortigen Entkriminalisierung des Hanfes zu privaten Zwecken. Die belgische Regierung tat das einzig Richtige: Sie beschloss, nicht auf das Schreiben zu reagieren. Denn betrachtet man diese Aussage genauer, bleibt (erwartungsgemäß?) nicht viel mehr als heiße Luft. Wäre die UNO in ihren Handlungen wenigstens konsequent, so müssten Alkohol und Tabak sofort verboten werden, da ja sonst auch hier die „tolerante Umgebung die Prävention ernstlich in Gefahr brächte“. Und dass die effektivste Maßnahme gegen den „internationalen Drogenhandel“ (welch präzise Definition!) die Legalisierung mit der damit einhergehenden wieder gewonnenen Kontrolle über den Markt wäre, ist doch beinahe schon obsolet anzuführen, weil so logisch wie sonst kaum etwas. Angesichts solcher Aussagen stellt sich immer wieder die Frage, ob UNO-Mitarbeiter in derselben Welt leben wie „Normalsterbliche“.
Anfang Juni überraschte nun die niederländische Regierung mit der Ankündigung, man wolle dem „Drogentourismus“ den Kampf ansagen. Dass Windows immer noch das meist verwendete Computer-Betriebssystem der Welt darstellt, ist offensichtlich nicht das einzige Beispiel, dass nicht unbedingt nur Qualitäts- und andere logische Kriterien zum Erfolg führen. Entscheidend ist nicht, wer die richtigen Argumente auf seiner Seite hat, sondern wer mehr Macht hat um seine Argumente durchzusetzen, und das sind nun mal die europäischen Schwergewichte Frankreich und Deutschland. Oder eben die UNO mit ihren Knebelkonventionen. Thomas Zeltner, Schweizer BAG-Direktor, formulierte dies anlässlich der bevorstehenden Abstimmung zur Gesetzesänderung so: „Ein sozial verträglicher Umgang mit Suchtmitteln ist ja durchaus möglich. Die Akzeptanz bei Experten und Bevölkerung wäre jetzt schon groß. Aber die internationale Drogenkonvention lässt eine Legalisierung von Cannabis nicht zu, und der Bundesrat will diese Konvention nicht kündigen.“ Allein in der Schweiz werden so bislang 600.000 regelmäßige Hanfkonsumenten illegalisiert, jährlich über 30.000 Anzeigen wegen Konsums sind die Folge. Laut Eurobarometer 57.2 von 2002 hat jeder vierte Europäer zwischen 15 und 24 schon mal Hanf konsumiert, jeder zehnte im letzten Monat. Dennoch apportiert die Europäische Union weiterhin brav Drogenberichte und kämpft gegen den gemeinsamen Gegner, der, wie Christie & Brun es in ihrem Buch „Der nützliche Feind“ so schön formuliert haben, „klar genug ist um bekämpft zu werden, zugleich aber unklar genug, damit er hinter der nächsten Ecke vermutet werden kann.“ Derzeit scheint „der Terrorismus“ den Genussmitteln in dieser Hinsicht zwar den Rang abzulaufen, aber wie sagte General Schwarzkopf noch so schön: „Der Drogenhandel ist nach dem Zusammenbruch des Kommunismus der wichtigste Feind der Vereinigten Staaten.“ Na, wenn das nicht Grund genug ist!
Xenophobie beherrscht das Denken. Anderssein wird immer noch und immer wieder nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung der eigenen Wertesysteme verstanden. Verständlich: wenn diese auf tönernen Füssen stehen, braucht es die Bestätigung von außen. Die Niederlande leben nun schon seit über 30 Jahren vor, wie es gehen kann - das alleine hilft nichts. Als die Grenzgemeinde Venlo den Bau zweier Drive-in-Hanfläden an der Autobahn plante, um die Massen der deutschen Kunden in die Peripherie zu verlegen und damit die Innenstadt zu entlasten, reagierte man auf der anderen Seite mit Entsetzen. Auch einmal an die Lebensqualität der Holländer zu denken, wäre ja wirklich zuviel verlangt.
Der nun veröffentlichte Vorschlag des niederländischen Justizministeriums, die ausländische Nachfrage nach „Nederwiet“ durch eine Absenkung seines THC-Gehaltes zu minimieren, regt zum Schmunzeln an. Das Zeug ist einfach zu gut, Qualität wird bestraft. Wer seine Sache schlecht macht, darf bleiben. Als wenn die europäischen Hanfkonsumenten nicht schon genug Adulteration zu ertragen hätten, sollen sie sich nun auch noch offiziell mit minderer Ware begnügen. Rein mit dem Frostschutzmittel in die Weinflaschen!
Die Schweiz will sich diese lästigen Diskussionen ersparen, indem nur Schweizer oder in der Schweiz ansässige Ausländer Hanf erwerben dürfen. Ein geschickter Schachzug um die Entkriminalisierung als „innere Angelegenheit“ darlegen zu können. Wer dann an wen weiterverkauft wird in der Praxis wohl kaum zu kontrollieren sein. Schon in den letzten drei Jahren ist die Zahl der Suchtgiftanzeigen im Grenzbundesland Vorarlberg laut Sicherheitsdirektor Dr. Elmar Marent stark gestiegen. Und auch den Italienern scheint der Weg ins Ländle nicht zu weit. Als Reaktion auf die bevorstehende Liberalisierung im Nachbarstaat plant man nun in Zukunft verstärkt gemischte Streifen entlang des Rheins, in der Ostschweiz, in Vorarlberg und in Liechtenstein. Marent betont, dass „durch den enormen bürokratischen Aufwand wegen der vielen Kleindealer die Exekutive stark belastet sein und die Bekämpfung der großen Händlerringe darunter leiden wird“. Es wäre so einfach, die armen Beamten zu entlasten! Einmal unvoreingenommen über den Tellerrand zu blicken, zum Beispiel nach Lambeth, würde schon viel helfen. In diesem Stadtteil von London Hanfbesitz nicht mehr zu kriminalisieren, sondern nur mehr mit einer Verwarnung und der Aufnahme der Personalien zu ahnden, ersparte jedem Beamten monatlich zehn Arbeitsstunden. Und gegen glückliche Polizisten ist doch nun wirklich nichts einzuwenden.
Auch Thomas Zeltner versteht diesen Aufwand nicht: „Selbstschädigung ist nicht strafbar. Das Strafrecht soll nur dann angewendet werden, wenn die Gesellschaft einen Schaden erleidet. Das ist beim Cannabiskonsum nicht der Fall.“ Und in punkto Selbstschädigung ist Hanf bewiesenermaßen Tabak und Alkohol keineswegs voraus.
Es gibt auch positive Beispiele. „The Smokers Guide to Amsterdam“ etwa hilft, aus dem für Neulinge unübersichtlichen Angebot an Coffee-Shops die besten zu wählen und nicht von Straßenverkäufern über den Tisch gezogen zu werden. Für die dazugehörige Website werden jede Woche vier bis fünf verschiedene Hanfsorten getestet und bewertet. Es bleibt hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis Wein- und Hanflexika friedlich nebeneinander im Buchregal stehen werden und man auch mit grünen Mitbringseln seine Gäste beeindrucken darf.




Autor: Claudia Greslehner

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