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Feuer auf Caspers-Merk

Caspers-Merk lobt nutzlose ideologisch überfrachtete Kampagnen
Publiziert am: 21.04.05 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Die Aktion "Keine Macht den Drogen!" wurde in Deutschland zu Beginn der 90er-Jahre konzipiert und durch die Bundesregierung unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Helmut Kohl in Zusammenarbeit mit Spitzensportlern wie Karlheinz Rummenigge etabliert. Die Werbeagentur "abold GmbH" in München gestaltete die Plakate und Werbespots mit dem Anti-Drogen-Slogan. Die Aktion "Keine Macht den Drogen!" war eine reine Prestigekampagne der Bundesregierung, bei der die Basisarbeit nie in Betracht gezogen wurde. Das Institut für Therapieforschung (IFT) in München ermittelte, dass die Kampagne bei 68 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 69 bekannt war, dass sie aber für den Einzelnen und seinen Umgang mit Drogen kaum Bedeutung hatte. In der Szene der Drogen-Konsumenten machte man sich vor allem über die Kampagne lustig, was durch diverse Modulationen des Namens der Kampagne deutlich wurde: "Keine Nacht ohne Drogen!"  "Keine Macht den Doofen!". Mehr als die Hälfte der vom IFT befragten Personen glaubten, die Kampagne richte sich an Drogen-Abhängige, obwohl die Kampagne für eine ganz andere Zielgruppe konzipiert worden war: Jugendliche ab zwölf Jahren, die noch keine Drogen konsumierten. Die Kampagne verfehlte also die anvisierte Zielgruppe und erfüllte nicht den erwünschten präventiven Effekt.

Als Vorbild dieser Aktion diente die US-amerikanische D.A.R.E.-Kampagne, die im Jahre 1983 unter der Federführung des damaligen Polizeipräsidenten von Los Angeles, Daryl Gates, ins Leben gerufen wurde. D.A.R.E. steht für Drug Abuse Resistance Education (Erziehung zur Verhinderung von Drogenmissbrauch). Mit dem Logo "D.A.R.E. To Keep Kids Off Drugs" (D.A.R.E. um Kinder von Drogen fern zu halten) wurde auf T-Shirts, in Zeitungsanzeigen und in Fernsehspots für eine abstinente Lebensweise geworben. Die jährlich investierten 700 Millionen Dollar verhalfen zwar der Kampagne zu einem hohen Bekanntheitsgrad, doch das Konsumverhalten der Jugendlichen wurde nicht beeinflusst. In diversen Untersuchungen wurde bereits 1993 festgestellt, dass D.A.R.E. keinen signifikanten Einfluss auf den Drogenkonsum bei Schülern und Studenten bewirkte. Daraufhin beauftragte das US-amerikanische Justizministerium das Research Triangle Institute (RTI) in Durham (New York) die Studien zu evaluieren. Nach Auswertung der ersten acht Studien stellte das RTI in einem Zwischenbericht fest, dass D.A.R.E nachweislich keinen positiven Einfluss auf das Wissen über Drogen und auf die Einstellung zu Drogen bei Schülern und Studenten hatte. Der leitende Direktor von D.A.R.E., Glenn Levant, setzte nun alles daran, weitere Studien zur Effizienz von D.A.R.E. und deren Auswertung zu verhindern. In Komplizenschaft mit konservativen Politikern und unter dem Vorwand, die Evaluation der Studien seitens des RTI sei mit den zu erwartenden Kosten von etwa drei Millionen Dollar zu teuer, konnte Glenn Levant die weitere wissenschaftliche Untersuchung der Effekte der D.A.R.E. Kampagne auf das Verhalten der Jugendlichen verhindern. Und so wurden weiterhin Jahr für Jahr Hunderte von Millionen Dollar in eine nutzlose Kampagne gepumpt.

Auch die 1988 vom Office of National Drug Control Policy (ONDCP) gestartete �National Youth Anti-Drug Media Campaign�, für die der US-amerikanische Kongress inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar bewilligte, vermochte gemäß einer Einschätzung des National Institute on Drug Abuse (NIDA) das Konsumverhalten der Jugendlichen nicht positiv zu beeinflussen. Im Gegenteil, NIDA stellte im Jahr 2003 fest, dass die Medienkampagne Jugendliche eher neugierig auf Drogen mache und junge Erwachsene durch die Kampagne eher zum Cannabis-Konsum animiert werden als zum Verzicht auf den Konsum. Selbst der Drogenbeauftragte der US-Bundesregierung, John Walters, gab zu, dass die Kampagne ein Flop sei und den Drogenkonsum nicht mindere. Dennoch stimmte das Repräsentantenhaus der USA für die Freigabe von 150 Millionen Dollar zur Fortführung der Kampagne im laufenden Jahr, der Senat bewilligte jedoch "nur" 100 Millionen Dollar. Der Kongress schloss sich dem Votum des Senates an, sodass dieses Jahr tatsächlich nur noch 100 Millionen Dollar in die Kampagne fließen, die Jugendliche eher zum Cannabis-Konsum animiert als zur Abstinenz! In den USA wird offensichtlich immer noch nach ideologischen und nicht nach pragmatischen Kriterien Politik gemacht.

In einem Gespräch mit dem Redakteur Rainer Woratschka des "Tagesspiegels", das am 21. März 2004 abgedruckt wurde, lobte die Drogen-Beauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, die Kampagnen in den USA. Wörtlich sagte sie: �Die USA haben sehr gute nationale Kampagnen, die sich speziell an Jugendliche richten.� Dies war der erste Satz, den die Drogen-Beauftragte auf die Frage, was Deutschland von anderen Ländern übernehmen könne, antwortete und betonte in der Folge, dass man voneinander lernen könne. Also darf man ja wirklich gespannt sein, was künftige Kampagnen der Bundesregierung bringen werden: Abstinenz oder ein Umsatzplus für Haschisch-Händler?

[In den USA konsumierten im Jahr 2003 gemäß NIDA 17,3 Prozent aller Schüler ab der 8. Klasse innerhalb der letzten 30 Tage vor der Befragung mindestens eine illegalisierte Droge, in Deutschland konsumierten im Jahr 2003 gemäß IFT weit weniger, nämlich nur 14,8 Prozent der Schüler (9. und 10. Klasse) illegalisierte Drogen innerhalb der letzten 30 Tage vor der Befragung.]

 
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