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Wenn Dealen zur Berufung wird

Abgabemodelle und ihre Chancen in der Prävention
(Pub. November 2003)
Publiziert am: 01.11.03 - Medienformen: Medienform Text


„Angesichts der Debatte in Berlin über ein Modellprojekt zur Cannabis-Abgabe rückt der legale Vertrieb von Cannabis-Genussmitteln seit Jahren erstmals wieder in greifbare Nähe. Dennoch gibt es bisher kaum konkrete Vorstellungen, wie die Cannabis-Abgabe konkret ausgestaltet werden soll, damit die Ziele des Verbraucher- und Jugendschutzes gewährleistet werden können.“
(Aus einer Schrift des Deutschen Hanfverbandes zur regulierten Cannabis-Abgabe in Hanf-Fachgeschäften.)

Treffender als Georg Wurth in seinem Anfangsstatement des DHV-Papiers hätte man es nicht ausdrücken können. Klar ist, dass das derzeitige Konzept, Menschen einen sinnvollen Umgang mit Drogen beizubringen, die Prohibition, fehlgeschlagen ist. Doch wo ist die Alternative? Wie sollten Abgabemodelle der Zukunft aussehen? Nachdem wir uns in den letzten beiden Ausgaben schon mit Suchtprävention und maßvollem Konsum beschäftigt haben, wollen wir diesen Monat einen Beitrag in der Diskussion um Abgabemodelle leisten.
Zuallererst muss eines klar sein: Die derzeitige Regelung zum Verkauf von Drogen ist mit ein Grund des derzeitigen Drogendilemmas, in dem wir stecken. Auf der einen Seite gibt es Alkohol und Nikotin im Supermarkt und Nikotin sogar noch im Automaten. Dort werden sie völlig ohne Informationen zum Gebrauch und ohne Beratung an jeden abgegeben. Theoretisch existieren auch noch Altersgrenzen, die jedoch in der Realität kaum Beachtung finden. Auf der anderen Seite werden illegale Stoffe ohne wirkliches Wissen über die Inhaltstoffe, ohne Aufklärung und ohne weitere Hilfen verkauft und erworben. Zwar versucht der Staat immer wieder diese illegalen Drogen auszurotten, dennoch kann nur ein steigender Konsum festgestellt werden. Dass es immer noch Menschen gibt, die diesen Weg als sinnvoll ansehen ist nicht wirklich nachvollziehbar.

Wer Drogen konsumiert, und hier ist es egal welche, sollte zuvor an möglichst viele detaillierte und oft lebensschützende Informationen gelangen. Die Art und Weise wie man Drogen an den Endkonsumenten verkauft, ist mitentscheidend für die zukünftige Drogenkarriere. Sowohl die Grüne Jugend als auch der Deutsche Hanfverband sehen hier das Drogenfachgeschäft als Lösung. Die Grüne Jugend für alle Drogen, der DHV nur für Cannabis. Prinzipiell kann man aber sagen, dass Präventionsangebote nicht nur für die Droge Cannabis, sondern auch für härtere oder andere Drogen gelten sollten. In einem Drogenfachgeschäft sollen ausschließlich Drogen verkauft werden. Und das mit Genehmigung und ausgebildetem Personal, dem Drogenfachverkäufer. „Diese Ausbildung beinhaltet Geschichte, Kultur, Wirkungsweise, Konsumformen, Anwendungen, Nutzergruppen, Abhängigkeitsrisiken der einzelnen Drogen . . .“ beschreibt die Grüne Jugend in ihrem drogenpolitischen Grundsatzprogramm ihre Forderung. Wie lange eine solche Ausbildung dauern sollte, war noch nicht klar. Was dagegen glasklar ist, sind die neuen Anforderungen an Drogenfachverkäufer. Nicht mehr nur dummes Nachschenken, sondern Wissen über Risiken, Nebenwirkungen und Erfahrungen sind nun angesagt. Neben dem geschulten Personal muss auch zu jeder verkauften Drogen eine Fülle an Infomaterial zur Verfügung stehen, damit sich jeder Drogenuser auch weitergehende Informationen beschaffen kann. Einen kurzen Überblick über die erworbene Droge sollte ein Beipackzettel geben, der ähnlich wie bei Medikamenten jeder Substanz beiliegt. Mit diesen drei Komponenten kann schon sehr weit vorgesorgt werden. Eine objektive Information über Drogen ist möglich, safer-use-Richtlinien können erlernt und saubere Stoffe können erworben werden. Geschulte Drogenfachverkäufer sollten bei ihrem Stammpublikum auch auf längerfristige Konsumentwicklungen Rücksicht nehmen und vor gefährlichen Konsummustern warnen.

Zwei weitere Möglichkeiten für eine bessere Drogenaufklärung sind derzeit im Gespräch. Einmal seien hier die Drogenführerscheine genannt. Früher sehr von den Jusos gefordert, sind diese allmählich wieder in Vergessenheit geraten. Im Klartext bedeutet die Forderung nach einem Drogenführerschein eine verpflichtende Beratung vor dem ersten Konsumereignis. Nach einer Beratung, die je nach Droge in Länge und Intensität variiert, bekommt man ein Zertifikat, das zum Kauf der jeweiligen Droge berechtigt. Sehr umstritten ist hierbei der Zwang, mit dem diese Beratungen durchgeführt werden. Manche forderten sogar die Möglichkeit des „Durchfallens“ bei den Beratungsstunden. Dem ist jedoch eher abzuraten, da dadurch wieder ein Schwarzmarkt aufgebaut werden wird. Die zweite Forderung ist die nach mehr Einbeziehung der Drogenpolitik in den Unterricht. Dies klingt zwar zuerst ganz logisch und muss auch geschehen, doch kann klar gesagt werden, dass sich eine Suchtprävention nicht auf Lehrer stützen darf. Diese können weder objektiv noch subjektiv den verschiedensten Drogenusern beistehen, verstehen oder helfen. Des weiteren sind Schulen nicht die Location, in der junge Erwachsene ihre Fragen zu Drogen und Partys loswerden wollen und deren Beantwortung sie wirklich glauben. Die Schule kann nur mithelfen, jedoch nicht wirklich eine Stütze in der Aufklärung sein.

Oft wird auch gefordert, dass Drogen in Zukunft in den Apotheken verkauft werden sollen. Dies ist aber ebenfalls eher ein ergänzendes Projekt. Pharmazeuten eignen sich zwar schon wegen ihrer Ausbildung her zum Verkauf von Drogen, jedoch ist klar, dass in einer Apotheke Genussmittel wenig zu suchen haben. Ein Drogenfachgeschäft mit angeschlossener Kneipe bietet ein völlig anderes Ambiente. Jedoch wollen auch viele Kranke, Menschen, die Cannabis zur Schmerzlinderung benötigen, ihr Gras auch lieber in Apotheken als in Kneipen kaufen.

Eine der interessantesten Fragen bei einem Abgabemodell ist wohl die Altersgrenze. Trotz aller Argumente wird wohl hierzu niemals eine wirklich sachliche Diskussion stattfinden können. Die Emotionen sind zu schnell zu weit oben. Man will die Kinder und Jugendlichen schützen. Sollte es jemals Drogenfachgeschäfte geben, wird sicherlich eine Altersgrenze existieren, doch was wird sie bringen? Nicht sehr viel. Denn sobald man die Minderjährigen aus der freien Vergabe ausschließt, hat man wieder die selben Probleme wie jetzt. Die Erstkonsumenten werden mithilfe des dadurch am Leben erhaltenen Schwarzmarktes wieder glatt durch das Beratungsangebot flutschen. Und es hat wenig Sinn, jemandem, der schon mehrere Jahre kifft, zu erklären wie problematischer Konsum aussieht. Je früher man mit dem Konsum von Drogen beginnt, desto wahrscheinlicher wird auch eine Sucht. Und es ist total absurd, wenn wir gerade die meistgefährdetsten Menschen auf den Schwarzmarkt schicken und ihnen nicht helfen wollen.

Das Suchtproblem wird man auch mit einem solchen Abgabemodell nicht abschalten können. Jedoch kann man garantieren, dass es den Usern möglich wird, das beste Wissen über ihren Stoff, den Konsum und die Gefahren zu erhalten. Egal ob legal oder illegal, Drogen werden konsumiert werden. Aber wer will, dass diese User nicht gefährdet werden, muss sie informieren und nicht jagen.

Autor: Martin Schwarzbeck, Werner Graf

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