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Brettspiele
(Pub. Oktober 2003)
Publiziert am: 28.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03oktober artikel Breitspiele Junta

Die große Weltverschwörung gibt es auch als Spiel: „Illuminati“ hat 1982 Steve Jackson als Brettspiel auf den Markt gebracht, inzwischen ist daraus ein gar nicht mal so schlechtes (wie Veit munkelt) Trading-Card-Game geworden, das mit 41 Euro allerdings recht teuer ist, dafür in Englisch. Langer Rede kurzer Sinn - wir haben uns von der Weltverschwörung und Weltherrschaft abgewandt und backen kleine aber feine Brötchen: Juntamäßig versuchen alle über 18-Jährigen das meiste Geld auf ihr Schweizer Konto zu bringen und im Kreml, der für Leute über 50 sein soll, reicht es dreimal die Oktoberparade abgenommen zu haben, um (eventuell) zu gewinnen.


„Kreml“: Das Politbüro

Wir schreiben das Jahr 1951, noch ist der achtzigjährige Nestor Aparatschik Partei- und Regierungschef. Aber der alte Knacker ist krank, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er dahingerafft an der Kremlmauer landet oder nach Sibirien verbannt wird. Also geht es darum, schon bevor Aparatschik das Zeitliche segnet, das Politbüro so zu besetzen, dass der eigene Einfluss groß genug ist, um seinen Wunschkandidaten auf den Regierungssessel zu hieven. Der wird dann seinerseits versuchen, dreimal die Oktoberparade abzunehmen. Das ist das Spiel.

Einen Haken hat das Ganze, denn vor Beginn des Spiels müssen die Mitspieler aus 24 Kandidaten mit solch illustren Namen wie Pissin oder Aljesvurkadse ihre zehn Favoriten geheim auf einem Zettel aufschreiben. Nur auf die Auserwählten hat man Einfluss, der von 1 bis 10 zunimmt. Folglich ist das Spielziel, den Kandidaten mit der 10 auf den obersten Parteisessel zu hieven. So kann es schon mal passieren, dass man die erste Zeit keinerlei Einfluss auf das Spiel nehmen kann, weil schlichtweg die Namen nicht auf dem eigenen Zettel stehen oder die anderen sie weiter oben auf der Liste haben, macht aber nichts. Jetzt werden noch wahllos die Ämter wie KGB-Chef, Außen- oder Sportminister und der Kandidaten besetzt, die anderen bleiben im Volk.

Das Spiel beginnt und hat Jahr für Jahr den gleichen Ablauf: Kranke Politbürolisten können auf Kur gehen, verlieren aber solange ihren Einfluss. Dann säubert das KGB, gefolgt vom imperialistischen Spion, der Untersuchungen einleitet und einen Kandidaten nach Sibirien verbannen kann. Es folgt eine Würfelrunde, die meist zu Krankheiten und Todesfällen führt. Jetzt werden die frei gewordenen Stellen neu besetzt, eventuell Verbannte rehabilitiert und die Oktoberparade per Würfel abgenommen oder auch nicht.

Ein neues Jahr beginnt, und zwar so lange bis die Oktoberparade dreimal abgenommen wird. Schafft das kein Partei- und Regierungschef, endet das Spiel 1960, allerspätestens 1961 oder wenn das Politbüro nicht mehr vollständig besetzt werden kann. Jetzt kommt der Augenblick der Wahrheit: Sieger ist der, auf dessen Zettel der amtierende Partei- und Regierungschef am weitesten oben steht.


„Junta“ oder Republica de las Bananas

„Junta“ ist eine bissig schöne Satire für zwei bis sieben Spieler, die das politische Geschehen in einer Bananenrepublik thematisiert. Ziel ist es, die Entwicklungshilfe-Gelder aufs Schweizer Konto zu schaffen, um sie nicht dem armen, ungebildeten und unterdrückten Volk in die Hände fallen zu lassen. Dabei repräsentiert jeder Spieler eine der mächtigen Familien des Landes.

Alles beginnt mit der Präsidentenwahl. El Presidente verteilt die Ämter. Als da wären der Innenminister (sehr wichtig!) und die Armeejobs: Generäle 1 bis 3, der Admiral und der Kommandeur der Luftwaffe, die erst während der Putschphase zum Einsatz kommen. Nun beginnt ein Wettstreit um das dickste Schweizer Konto, bei dem Intrigen und Putsch beliebte Hilfsmittel sind. Viva la Revolucion!

In der politischen Phase des Spiels kommt es auf geschicktes Lügen und Paktieren an, auch ein bisschen Drohen oder Schleimen kann nicht schaden. Zuerst werden politische Karten (Ereignis-/Einflusskarten) gezogen und ausgespielt. Jetzt ist El Presidente dran: Er vergibt die Ämter, er zieht geheim die Entwicklungshilfegelder (nur acht Scheine) und schlägt den Staatshaushalt vor. Die Abgeordneten-Kammer stimmt über den Haushalt ab. Ist die Kammer mit der Geldverteilung unzufrieden und lehnt wie auch der Innenminister den Haushalt ab, kann später geputscht werden. Aber vorher wählt jeder Spieler geheim seinen Aufenthaltsort, denn nur wer in der Bank ist, kann sein Geld in die Schweiz verschieben. Jetzt werden Attentate verübt, wobei der Attentäter den Aufenthaltsort des Opfers erraten muss. Sind alle Bankgeschäfte getätigt und die eventuellen Leichen weggeräumt, kommt es entweder zum Putsch oder El Presidente verteilt die Jobs neu.

Geputscht wird nur, wenn es einen Vorwand gibt (fast immer) und jemand den Rebellenführer macht. So ein Putsch zur rechten Zeit ist oft die einzige Chance ins Spiel zu kommen, da nach dem Putsch die Siegerseite einen der Verlierer an die Wand stellen darf (meistens El Presidente oder der Rebellenführer) und sich so die Machverhältnisse ändern. Der Putsch wird auf dem Spielplan ausgetragen. Nun kommen je nach Amt die im Spiel enthaltenen Marker der Armeen, Polizei und Aufrührer wie Studenten oder Arbeiter zum Einsatz. Der Rebellenführer und seine Anhänger müssen drei der fünf Schlüsselpositionen (Zentralbank, Abgeordnetenkammer, Präsidenten-Palast, Hauptbahnhof, Rundfunksender) einnehmen, um erfolgreich zu putschen. Und ein dicker Blunt soll noch jedem El Presidente gestanden haben.



„Junta“ und „Kreml“ sollte man auf jeden Fall besitzen, beide Spiele dauern bis zu vier Stunden. Aber da auch die, die gerade nicht am Ball sind, immer was zu tun haben, lohnt sich jede Minute. Und wer gewinnt, entscheidet sich in beiden Spielen erst ganz am Schluss.


Grüsse im Rauch,
Veit und Kerstin

Kreml
Autor: Urs Hostettler
Verlag: Fata Morgana
Alter: ab 50 Jahre, ausnahmsweise auch ab 12
Spieler: 3-6
Dauer: mindestens 2 Stunden
Preis: Euro 15,95 bei www.spielenet.de

Junta
Autor: Vincent Tsao, Ben Grossman, Eric Goldberg
Verlag: ASS
Alter: freigegeben ab 18
Spieler: 2-7
Dauer: mindestens 2 Stunden
Preis: Verhandlungssache, da es nicht mehr aufgelegt wird, aber über e-bay
ohne Probleme zu kriegen ist.
Grüsse im Rauch, Veit und Kerstin
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