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Lust am Kiffen - nach Maß

(Pub. Oktober 2003)
Publiziert am: 30.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03oktober artikel Lust am Kiffen – nach Maß Sinnvolle Wege der Suchtprävention

Wir leben hier und heute in einer Gesellschaft, in der wir vor allem eins wollen: lustvolle Erlebnisse! (Jedenfalls meint das zum Beispiel der Soziologe Gerhard Schulze.)
Unsere Grundbedürfnisse sind schließlich gedeckt: genügend Nahrung und Wohnraum sowie Schutz vor Katastrophen und völliger Armut sind gewährleistet. Da sehnen sich Jugendliche und Erwachsene in Deutschland verständlicherweise nach mehr.

Der Genuss von Haschisch bildet hier nur eine von hunderttausend Möglichkeiten seinen Hunger nach lustvollen Erlebnissen zu stillen. Kiffen ist aber – so meine jedenfalls ich – wie alles andere auch mit Vorsicht zu genießen.

Um meinen Standpunkt genauer zu begründen, knüpfe ich an einem früheren Artikel des „Hanf Journal“ vom April 2003 auf Seite 14 an, in dem Katrin und Werner miteinander rund um’s Kiffen diskutiert haben. Nachdem Werner klar und deutlich allen Leserinnen und Lesern davon abgeraten hat, unter Drogeneinfluss Auto zu fahren, fährt Katrin fort:
Katrin: „Hört auf Werner! Ich mag übrigens keine Kiffer, die nach der Schule gleich einen Topf rauchen und dann den ganzen Tag in ihrer Bude vollgedröhnt abhängen. Ich meine, so ab und zu ist das schon okay, aber manche Jugendliche machen das ihre gesamte Schullaufbahn. Viele flüchten sich da vielleicht in irgendwas rein.“
Werner: „Wenn die Leute wirklich psychisch abhängig sind, dann brauchen sie Hilfe. Wenn man sein Schul- und Privatleben noch gut auf die Reihe bekommt, ist das voll in Ordnung.“

An diesem Punkt möchte ich einige provokante Gedanken in den Raum stellen: „Warum sollte ich mich als Leserin oder Leser des „Hanf Journal“, wenn ich tatsächlich täglich ausgiebig meinen Neigungen fröne, von dieser subjektiven Kritik beeindrucken lassen? Denn niemand kann mir das verbieten, was ja ohnehin die gesamte Gesellschaft tut: lustvoll zu leben. Und wieso soll es überhaupt ein Problem darstellen, mich so intensiv zu berauschen, wie es mir eben Spaß macht? Schädliche körperliche Folgen hat der Cannabis-Konsum ja gerade nicht. Und psychische Abhängigkeit existiert vielleicht bei anderen, aber doch nicht bei mir – solange mir mein Alltagsleben nicht total entgleitet. Und ich kann ja spüren, dass ich alles gut unter Kontrolle habe.“

Wenn man sich so vor sich selbst zu rechtfertigen versucht, kann es unter Umständen schon so weit sein, dass man seinem „inneren Schweinehund bereits auf den Leim gegangen“ ist. Man würde sich dann einbilden, immer noch frei und zufrieden zu sein, indem man die unangenehme Wahrheit verdrängt. Selbstkritik fällt bekanntlich niemandem leicht. Der eigene blinde Fleck würde einen daran hindern, sich offen und ehrlich einzugestehen über ein vernünftiges „Gras-Maß“ hinausgeschossen zu sein. Wenn andere merken, dass man sein Leben irgendwie nicht mehr im Griff hat, dann kommt Hilfe von außen vielleicht schon zu spät. Und die festgefahrenen Genießergewohnheiten lassen sich kaum mehr verändern. Dann wäre aus der überspielten eine offensichtliche psychische Abhängigkeit geworden.

Damit es nicht so weit kommt, ist jeder zunächst einmal für sich selbst verantwortlich. Die Frage ist also: Wie kann ich als Genussmensch sensibel für mein Leben bleiben ohne permanent auf die Täuschungsmanöver meines Unterbewusstseins hereinzufallen?

Dahinter steht das Bedürfnis nach einem gelingenden Leben, das so alt ist wie die Menschheit selbst. Menschen wollten schon immer glücklich und lustvoll leben, mit möglichst wenig Leid und Frustration. Man sollte eigentlich meinen, dass in einer Luxusgesellschaft wie der unsrigen dieser Menschheitstraum leicht zu erfüllen wäre. Bestünde da nicht eine gewisse Abstumpfung und Gewöhnung. Sie scheint den „homo sapiens“ dazu zu zwingen immer mehr zu wollen, also ständig die Dosis erhöhen zu müssen. Somit sind wir trotz der unendlich erscheinenden Machbarkeit der Lust auch nicht weiter als die Sklaven in der griechischen Antike, die keine Joints drehten und keine Fußbodenheizung besaßen, sondern ihre körperliche Gesundheit aufs Spiel setzen mussten.

Wie kommt der Mensch also zu einem lustvollen und glücklichen Leben, wenn die Steigerung des Rausches wegen dieses Abnutzungseffekts nicht zum Ziel führt?
Aristoteles hat darauf eine bedenkenswerte Antwort gefunden, die heute noch gilt:
Auf dem Weg zum Glück gilt es immer wieder die Mitte zwischen den Extremen totaler Lust und kompletter Unlust anzupeilen.

Frei übersetzt hieße das für den Cannabis-User: Weder zu oft und zu viel kiffen noch ganz darauf verzichten müssen.
Aristoteles bleibt aber nicht bei dieser Regel stehen, sondern nennt zwei Voraussetzungen um zufrieden mit seinem Leben sein zu können: 1. Den Willen zum Maßhalten, 2. die kontinuierliche Übung.

So wie ein erfolgreicher Sportler große Willensstärke braucht und sich im Training zielstrebig bemühen muss, so gilt es für Hanf-Freunde ihren Neigungen nach höherer Dosis und größerer Konsumhäufigkeit Paroli zu bieten. Zum Beispiel: konsequent nur einmal statt viermal pro Woche die volle Dröhnung.
Wenn der Philosoph recht behält, dann brächte diese Verhaltensweise zwei dicke Pluspunkte mit sich: Nachhaltige Genussfreude und gesicherte Kontrolle über die eigene Existenz.

Zurück in die Gegenwart: Die Bestsellerautorin Andrea Schwarz formuliert die Ethik des antiken Griechen in ihrem Buch „Ich bin Lust am Leben“ mit modernen Worte so:
„In der Regel ist es erst das Maß, die Menge, die Intensität einer Sache, die darüber entscheidet, ob sich etwas als heilsam auswirkt oder lebensbedrohend wird. Freiheit ist ein wichtiger Lebenswert für Menschen – solange sie nicht zur Überempfindlichkeit wird. Sparsamkeit kann zum Geiz werden, Treue zur Abhängigkeit, Wut kann zur sinnlosen Zerstörung führen.
In Maßen ist alles sinnvoll – es kommt auf die „Dosis“ an. Erst das „Zuviel“ ist schädlich, das das andere nicht mehr zum Zug kommen lässt. (...)
Ich denke, dass die Balance zwischen den beiden Polen wichtig ist. Es mag Zeiten geben, in denen es notwendig ist, das „Äußerste“ zu leben. Dann aber muss ich auch wieder den Gegenpol in meinem Leben wahrnehmen und ihn stärken. Für meine eigene Entwicklung finde ich es sehr hilfreich darauf hinzuschauen, was lebe ich in welchem Maß – und was ist mir im Moment gerade aus dem Blick geraten? Um das Gleichgewicht wiederzufinden, kann es wichtig sein, den Pol zu leben, der bisher bei mir zu wenig vorkommt.“


Autor: Christian H.

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