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Ladenschluss im Hanfland?

(Pub. September 2003)
Publiziert am: 02.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal september03 artikel Ladenschluss im Hanfland?

Etwas geschockt war ich doch schon, als ich mal wieder über die Internetseite meiner Nachbargemeinde, des holländischen Kerkrade, stolperte: Mehrere „Verkoopspunte“ der beliebten weichen Droge sollten für drei bis sechs Monate geschlossen werden? Und das bei unseren toleranten Nachbarn?

Also schnell recherchiert und nachgefragt.

Liebe Freunde: Ich kann euch beruhigen. Alles bleibt beim Alten; wer nach Kerkrade fährt, wird auch weiterhin „Kräuter“ kaufen können. Zumindest in den drei offiziellen Coffeeshops.
Denn was da geschlossen werden soll, sind illegale Verkaufsstellen. Einige Voraussetzungen muss ein Coffeeshop dann doch erfüllen, um anbieten zu dürfen, was so sehr begehrt wird.

- Es darf keine Werbung gemacht werden,
- ein Alkoholausschank ist nicht zulässig,
- mehr als 500 Gramm dürfen nicht gelagert werden,
- es darf keinen Ärger mit den Nachbarn geben,
- es muss ein gewisser Abstand von Schulen und Jugendtreffs eingehalten werden.

Tatsache ist: Illegaler Verkauf wird auch in den Niederlanden nicht toleriert. Aber warum auch, wenn schließlich alles auch legal zu erwerben ist?
Also werden die illegalen Händler gemahnt und erst dann, wenn sie trotzdem weiter verkaufen, werden drastischere Maßnahmen ergriffen, bis hin zur Schließung der „locatie“ für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten. Vorausgesetzt, es handelt sich um eine Kneipe oder ähnliches. Aber auch private Verkäufer kommen nicht ungeschoren davon; mit drei bis sechs Monaten „Wohnverbot“ in der eigenen Wohnung müssen sie schon rechnen.
Und die Maßnahmen zeigen zumindest teilweise Erfolg. Viele Käufer besuchen dann doch lieber die offiziellen Shops. Aber eben nicht alle.
Jos Vreuls, in Kerkrade verantwortlich für die Coffeeshops, vergleicht die Schließungen mit einem Wasserbett: „Drückst du auf eine Stelle, kommt an einem anderen Punkt eine neue Beule.“ So kommt es, dass immer noch vier „Illegale“ mit der Schließung rechnen müssen.

„Deze negentiende sluiting is het bewijs dat het ingevoerde coffeeshopbeleid zijn vruchten afwerpt.“
Dieser Satz hat mich etwa zehn Minuten gekostet, aber dann hab ich es verstanden: Die Aktivitäten der Stadt Kerkrade sind erfolgreich, immer weniger Illegale stören den Steuerfluss ins niederländische Staatssäckel. Natürlich ist das eine Steuereinnahme. Wenn unsere Regierung jetzt endlich schalten würde, Kundschaft für Coffeeshops gäbe es bestimmt genug. So würde auch der in den Niederlanden nicht beliebte, aber tolerierte Konsumtourismus nachlassen. Zwar gab es mal Versuche, Besucher aus den Nachbarländern möglichst auszuschließen, aber wie sähe das in einem vereinten Europa denn aus? Immerhin reist ein Viertel der Kunden nicht aus den Niederlanden an.

All das wollte ich mir dann doch mal (aus rein journalistischen Gründen natürlich) vor Ort ansehen. In Kerkrade angekommen, gleich das erste Problem: Wie erkennt man einen Coffeeshop, wenn keine Außenwerbung erlaubt ist? Aber die Coffeeshops sind legal, also kann ich auch fragen. Mein erstes „Opfer“, ein Herr Mitte 50, war nicht sehr auskunftsbereit. Zwar erzählte er mir lautstark eine Menge auf niederländisch, aber nach einer Wegbeschreibung hörte es sich nicht an. Eher ließ er sich über die Jugend im Allgemeinen und über Kiffer im Besonderen aus. Ich suchte weiter.
Zwei Jugendliche erklärten mir gerne den Weg zu einem Shop, bezweifelten aber, dass der Besitzer jemanden von der Presse Auskunft erteilen würde. Na, so ganz legal war der Laden dann wohl nicht.

Schließlich und endlich, nach etwa einer Stunde Fahrt durch das abendliche Kerkrade, bekam ich dann eine Wegbeschreibung zum Hammolenweg, einer Straße etwas außerhalb. Das dort ansässige „Down Under“ sei ein offiziell genehmigter Shop.

Ein voller Parkplatz, die Autos mit Kennzeichen aus drei Ländern, an der Tür eine in deutsch und niederländisch gehaltene Hausordnung – Ziel erreicht. Drinnen etwa 25 Leute an der Theke, Rauchschwaden in der Luft, Reggae aus den Boxen und eine ruhige, freundschaftliche Stimmung.
Und diese Stimmung zeigt sich auch in der (eher nicht vorhandenen) Präsenz der Polizei. Die tauchen vielleicht einmal in der Woche beim „Down Under“ auf, drehen eine Runde über den Parkplatz, winken freundlich und fahren wieder. Das ist auch auf dem verantwortungsvollen Umgang der Betreiber mit den Auflagen der Stadt zu verdanken: Sie halten sich in ihrem eigenen Interesse daran, warum sollte ihnen dann die Exekutive misstrauen?

Eins zumindest fiel mir bei meinem Besuch im Coffeeshop deutlich auf: Deutschland könnte etwas von seinen Nachbarn und den europäischen Kiffern lernen: Den toleranten Umgang miteinander!

Aber jetzt brauch´ ich erst mal ein bis zwei Tafeln Schokolade . . .

Autor: grs

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