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MegaKultur in Münster
Das Exbad öffnet seine Türen
(Pub. Dezember 2003)
Publiziert am: 30.11.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03dezember artikel MegaKultur in Münster Das Exbad öffnet seine Türen

Wer hinter der roten denkmalgeschützten Backsteinfassade eine weitere Großraum-Diskothek für Pauschal-Clubber vermutet, der sucht vergebens. Das EXbAd lädt zu einer spacigen Nightlife-Adventure-Expedition, bei der es einiges zu entdecken gibt. Doch nicht nur das: auch Hochzeiten und andere „ungewöhnliche“ Veranstaltungen finden hier ihren angetrauten Platz.
„DAMALS“, zu den Zeiten des 19 Jahrhunderts; Industrialisierung und „Das Kapital“ (das Buch von Marx) sind wesentliche Schlagworte, die noch bis heute nachhallen. Damals schuf die „Germania-Brauerei“ ein riesiges und komplex konstruiertes Fabrikgebäude, welches heutzutage unter Denkmalschutz steht. Einerseits gut, da das bedeutet, dass es nicht so schnell abgerissen werden kann. Andererseits weiß auch niemand so recht, was man mit den dort vorhandenen Örtlichkeiten anfangen sollte. Zwischenzeitlich ist die Location mit immensen Aufwand zu einem Erlebnisbad, den „Germania-Thermen“, umgebaut worden.
Heute ist das EXbAd ein einmaliger, weil außergewöhnlicher Veranstaltungsort mit circa 8000 qm Fläche. Die Rutsche haben die Betreiber mittlerweile leider auch abgebaut. Veranstaltungen mit 50–1000 Personen sind theoretisch realisierbar, allerdings praktisch ausgeblieben. Es gab zwar hier und da mal ein paar Techno-Parties. Allerdings sind jene nur auf geringe Resonanz gestoßen. Beim Umbau wurde nicht etwa versucht die Spuren der Therme zu verwischen. Nein, vielmehr entstand eine charmant inszenierte Symbiose aus den Erlebniswelten, Kunst, Kitsch und Kultur, die nicht nur durch ihre Architektur, sondern auch durch ihre vielfältigen Ausdrucksarten den Besucher zum Fläschen animieren. Lounges und Clubs, Installationen und Illuminationen lauern mit all ihren Verlockungen auf den fünf Ebenen dieses bizarren Labyrinths. Allein die Struktur der Räumlichkeiten lässt ein nicht zu unterschätzendes Potenzial vermuten: Die Verbindungen zwischen den verschiedenen Ebenen sind auf kurioseste Art und Weise miteinander verbunden.
So lässt sich auch das Engagement eines Veranstalters aus dem Ruhrpott erklären, der sofort das Potenzial dieses Mikro- im Makrokosmos erkannt hat und sich entschied dort die erste fette Trance-Party zu machen. Nicht, das es das noch nicht gegeben hätte, nur halt immer in einem etwas kleinerem Rahmen.

Kaum hat man den verschütteten Party-Tempel betreten, wird man auch schon von einem riesigen goldenen Buddha auf die gleichnamige Lounge eingestimmt. Mit ihrem ostasiatischen Flair bietet jene Sphäre Raum für Muße und Erholung und die entsprechende Stimmung wird geschaffen, um den Alltag vergessen zu lassen. Von der Buddha-Lounge wiederum gelangt man in das sich über vier Stockwerke erstreckende Atrium, eine Art riesengroße Säulenhalle, nur ohne Säulen. Es gibt sogar einen Fahrstuhl, allerdings nicht mehr so wirklich funktionstüchtig. Unter anderem befindet sich in dieser Säulenhalle ohne Säulen die „Atrium Bar“ – quasi das, was man den „Mainfloor“ nennt. Und direkt am Floor angrenzend existiert ein großer verkachelter Tanzpool. Selbstverständlich hat man die Möglichkeit seinen Füßen auf kühlem Sand Erholung zu bieten, während der Rest des erhitzten Körpers sich wohlig in einem der aufgestellten Liegestühle räkelt. Fehlt nur noch der geschüttelte Martini, ach, und die Kirsche nicht vergessen, bitte!

Wer es lieber etwas „hotter“ hat, will heißen „heißer“, der sollte auf jeden Fall im „Azucar“ vorbei schauen. Nein, das ist kein Feuervogel aus der Hölle. Und Feiervögel gibt es da erst recht nicht. Es sind Rhythmen aus dem lateinamerikanischen Genre, welche sich hier die kulturelle Hand geben und mit souligen Klängen, Tönen und mit atmosphärischer Dekoration, inklusive der passenden Drinks das bunt-fröhliche Lebensgefühl Lateinamerikas widerspiegeln.

Die „Kunst der Nacht“, eine zeitlose, weil teils ins Gemäuer integrierte Ausstellung, ist im EXbAd durchgängig zu bestaunen. Die Entdeckungsreise führt auch an den Frank Zeder-Skulpturen vorbei, wirklich sehr verspult auf den Rezipienten dieser Kunst wechselwirkend. Dann durch den „Floor 4“, einem weiterem Club innerhalb des EXbAds hin zur nächsten Bar, entführt beispielsweise in „Roxies Welt“; jenem geheimnisvollen Mikrokosmos, der sich über die Ebene der ehemaligen Solariengrotten erstreckt. Ja, sie haben richtig gelesen, Herr Leser: So-lar-grot-ten! Die Arbeiten von Roxie Heart sind eine Mischung aus oberflächlichem Ulk und sehr tiefsinnigem Witz. Kästen mit ganz absonderlichem Inhalt, skurrile Arrangements von Spielzeugfiguren, Dekorationsartikeln und Alltagsgegenständen, die in dieser Umgebung ihre volle Wirkung erlangen. In diesem Zusammenhang noch ein Filmtipp: „Chicago“ ist ein absolut sehenswürdiger Film mit Tiefsinn. Er ist nicht nur eine Art Biographie über das Leben der Roxy Heart, sondern veranschaulicht zudem auf interessante Art und Weise, wie stark doch die Wirkung von einer bestimmten Darstellung von Inhalten via Massenmedien, speziell gemeint sind Nachrichten in Funk und Fernsehen, Einfluss auf das alltägliche Handeln in einer modernen Gesellschaft nehmen.

Unterwegs zur nächsten Lounge, führt der Night-Trip vorbei an Lichtinstallationen von Günter Jäckle, Gemälden von Mark Kostabi und Videokunst im ehemaligen Kino hinauf bis unter das Glasdach, in die „Sternenwarte“. Von dort aus kann der moderne Partygänger von heute einen Blick auf die faktisch nicht vorhandene Skyline von Münster werfen und darüber sinnieren, wie klein wir in unseren globalen Welt doch sind. Denn in dieser Welt, genauso wie im EXbAd, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.



Adam Zawadski
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