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Köln und seine erste HanfDemo
– Review aus der Perspektive eines Reisenden
(Pub. November 2003)
Publiziert am: 02.11.03 - Medienformen: Medienform Text


Es war eines Freitag abends, als sich das kleine Alien in den Hallen des Hauptbahnhofes Köln einfand. „Erstmal was essen!“ dachte es bei sich selbst. Hin zur Fritten-Frau zu Füßen der Domplatte . . . tappel, tappel, tappel . . . „Hey Moment mal: Kennen wir uns nicht? Klar, Du bist doch der Luca, der Cousin von Luke Skywalker!! Was machst du denn hier? Echt! Ja, ich bin auch wegen der Hanfdemo hier . . . bla, bla, bla . . . Ou man; lass` uns mal schnell was zwischen die Kiemen schieben! Ich muss gleich einheizen zu `nem Prä-HanfDemo-Mini-Meeting mit einigen Orga-Beteiligten und diversen Verantwortlichen . . . mampf, schmatz, schling . . . Oukey, biz späda!!“

Danach begab sich das kleine Alien schleunigst in die Katakomben von Köln, um mit der U-Bahn zum vereinbarten Landepunkt zu grooven. Natürlich empfand es diese Art des Reisens totaaal fläschig, da es so etwas aus Münster nicht gewohnt war.

„Jou, das sind die richtigen Koordinaten . . . dingdong-bzzzz-taps,taps,taps . . . Der intergalaktische Hafen, an welchem das Ufo des kleinen Aliens nun endlich angedockt war, bot ihm eine Möglichkeit seinen Motor mit kosmischem Treibstoffkraut zu verköstigen. Doch war der Hafen auch ein Ort, an dem Reisende verschiedenster Couleur untereinander ihr Wissen und verschiedene Ansichten austauschen konnten und (teilweise schwer nachvollziehbare) Meinungen diskutierten. So erfuhr das kleine Alien unter anderem von einem Delegierten der Rasse der „oldest Member“, dass die Anti-Drogen-Propaganda heutzutage immer noch nach dem selben Schema gestrickt sei. Die selben Klischees von früher seien in den Massenmedien heutzutage ebenso dominierend. Es hätte sich nichts geändert, da die Gegenpropaganda seit 1967 die Gleiche geblieben sei. Seit mittlerweile fast 40 Jahren habe es immer wieder Politiker gegeben, die immer neue Reformen erließen und Gesetze hin –und her gebrauch(t)en, um mal jetzt richtig aufzuräumen!
Ein zyklischer Teufelskreis: Angst machen und mit Hilfe von Medien vorgestanzte Meinungen eintrichtern, damit der „War on Drugs“ gerechtfertigt bleibt und das System kontinuierlich weiterfunktioniert. (Gegenvorschlag: Wie wäre es denn mal statt dessen mit einem „Drug on Wars“ ?)

Eine andere Begründung für die schwer zu analysierende Position des Gesetzgebers kam von einem Mental-Cybernetiker. Jener vertrat die Auffassung, dass das BtmG nur scheinbar zum „Schutze der Volksgesundheit“ erlassen wurde. In Wirklichkeit handele es sich dabei um eine Disziplinarmaßnahme, die der Maximierung der (Arbeits-)Leistungsfähigkeit des „Volkskörpers“, also dem Wirtschaftszyklus des deutschen Staates diene. Es bestünde aber auch aus reinem Selbstzweck zur Sicherung des eigenen Status. (Klingt irgendwie nach veraltetem Nachkriegs-Denken, oder?)
Jemand, der einen beschissenen Job habe, sich am Wochenende „nur“ besäuft und am Montag verkatert wieder den selben Scheiß von vorne macht, sei für Erhaltung dieser ominösen Leistungsfähigkeit definitiv erwünscht. Der Typ hingegen, der dann irgendwann anfängt zu Kiffen, würde das vielleicht mal zwei Wochen mit sich machen lassen, dann aber keinen Bock mehr haben und von dannen schreiten. Psychologisch betrachtet wolle ein Kiffer sich eher mit seinen eigenen Gedanken und seinem primären Umfeld bzw. auch seiner Umwelt und evtl. sogar mit seinen Mitmenschen beschäftigen, anstatt sich von der Leistungsfähigkeit (fern)steuern zu lassen. Ist ja auch gesünder sich auf die eigenen inneren Sensoren als sich auf ein unausgereiftes Navigationssystem zu verlassen. Davon mal abgesehen könne eine Verselbstständigung der Gedanken von vielen „unbereisten Erdpflöcken“ als Schande, ja sogar als etwas Furchteinflößendes empfunden werden.

Ein technischer Koordinator der galaktischen Kommission verkündete zusätzlich, dass an diesem Abend die Domaine www.hanfdemo.de 241-mal aufgerufen wurde. Insgesamt war die Page bis zu diesem Zeitpunkt von 1.111 verschiedenen Interessenten aufgerufen worden. Zudem sei eine Sennheiser-Sendeanlage EW-500 geordert, damit die zwei angekündigten Trucks auch parallel und synchron die selbe Musik spielen. Auf diese Weise könnte man die „Dazwischen-Laufenden“ optimal beschallen. Die Leistung der Soundsysteme betrage, je nachdem, zwischen zwölf und 14 kW. Der Sound: Grooy-Tribal-Trance. „Hmm, eigentlich sagt man Cannabis doch Vielfältigkeit in vielerlei Hinsicht nach . . .“ dachte sich das kleine Alien. „Schade! Kein Reggae, kein Ska . . .“ Und dennoch: Die Mundwinkel und Backen formten sich zu einem breiten Grinsen..

Als das MiniMeeting im Raumhafen für beendet erklärt wurde, ging es per Wurmloch weiter zum Weekend-Warm-Up Richtung „Disco Days“. Die „Disco Days“ waren eine temporäre Anomalie in der „Suite“. Ehemals trug die „Suite“ den Namen „Club 42“. Damals, als Musiksoftware noch als unterentwickelt galt, kamen sogar Reisende aus 400 km Umgebung ins „42“, um dort die sonntägliche Morgenandacht zu zelebrieren. Diesmal waren die DJs D-Nox, Tobias Sun, Pushava und der Phillip Dransfeld mit seinem „Trancefeld“-live-act geladen. Die erhofften Schwarzlicht-Nebel und Flouro-Galaxien blieben aus. Von wegen UV-Deko! Kronleuchter und rote Porno-Sofas standen auf der Tagesordnung! Und sogar der Tequilla wurde mit Kaviar aufgefüllt!! „Seltsame Sitten sind das hier in Köln.“ In diesem Moment konnte sich das kleine Alien noch an die vom Mental-Cybernetiker erwähnte Methode zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit erinnern. Danach allerdings an nichts weiteres mehr, da der Sound anfangs nur schwer erträglich gewesen sein und sich in (einen alkoholischen) Rausch(en) gewandelt haben muss.


Am nächsten Morgen (Sternenzeit: Samstag 270903; mittlerweile isses schon einen ganzen Monat her) stellte das kleine Alien leicht verdattert fest, dass der Himmel zwar nicht bewölkt, aber dennoch etwas verraucht aussah. Vielleicht hatte sich dort oben jemand in einen Sessel geflackt, um erstmal zu chillen, zu gucken was passiert und so.

13:20 dann der erste Soundcheck in unmittelbarer nähe der Kolbhalle (siehe Artikel diese Ausgabe). Erste Hüften werden geschwungen. Erste Demonstranten hatten sich bereits am „Startpoint Rudolfplatz“ versammelt, um zusammen mit ihren Artgenossen gegen die Prohibition des Hanfs zu protestieren. Die Trucks bekleidete man währenddessen mit aussagekräftigen Bannern wie „Hanf macht sanft“ oder „Lieber am Joint drehen als am Rad“. Allgemeines aufgescheuchtes hin-und-her-Gewusel.

14:05. Etwas verspätet kamen die Trucks dann am Startpoint an. Es handelte sich schließlich auch um eine Kifferparade. Was würde man denn für einen Eindruck erhalten, wenn die Wagen pünktlich erschienen wären?! Allmählich heiterte das Wetter auf und erhellte ebenfalls den Rudolfplatz in Köln. Der Rudolfplatz liegt im absoluten Zentrum Kölns. Die „Grow!“ sponsorte ihren Wagen, die „Grüne Jugend“ hatte einen Infostand aufgebaut, die Jungs von der „Zeig-Dich!“-Kampagne rollten ihr großes Banner aus und die freundlichen Leute vom „Verein für Drogenpolitik“ verteilen Hanfbier und den neuerschienen Hanfführerschein. Circa 120 Gleichartige der verschiedensten Milieus waren zu diesem Zeitpunkt versammelt: Junge, Alte, Menschen in Anzügen, Träger von Regenbogenfahnen, Punks, Skater, HipHopper und natürlich kleine Aliens.

Um 14:30 kommt endlich die SONNE raus und der Himmel lichtet sich. Wir befinden uns immer noch auf dem Rudolfplatz. Es folgt eine kleine Musikpause, zugunsten einer Rede von Dr. med. Franjo Grothenhermen. Jener hält einen interessanten und lehrreichen Vortrag über die Vorteile von Cannabis. Auf einer Trage liegend wird er zuvor zur Mitte des Platzes verfrachtet. Er erzählt, wofür Cannabis medizinisch eingesetzt werden kann, wie Cannabinoide wirken und was man tun kann, wenn man Cannabis medizinisch verwenden möchte. Es sind circa 200 Demonstranten am Start.

15.05: Der Umzug beginnt und zieht Richtung Stadtring auf die Ehrenstraße, um eine erste Stadtverkehrsstörung qua System-Inteferrenz zu verursachen. Die dort shoppenden Passanten reagieren mit einer Mischung aus Freude, Amüsement, Staunen und Ungläubigkeit. Einige Demonstranten rufen Sprüche wie „Wir wollen Steuern zahlen!“, andere hüpfen und hopsen ausgelassen den fetten Beats hinterher. Extremer geht’s nimmer: Trippelnde Tänzer treffen auf shoppende Schnösel. Einige der Passanten beschließen sich spontan mit den Demonstranten zu solidarisieren und der Umzug schwillt auf 300 Demonstranten an.

Einige „Trippelnde“ winken mit überdimensionalen Joints und zünden jene sogar an, was von einigen seltsamen grünen Männchen sogar verfilmt wird. Jene kommen vom Planeten „Exekutive“ und sind im staatlichen Auftrage unterwegs, einige Aufnahmen für die Daheim(-Hängen)gebliebenen zu machen. Für das kleine Alien roch das nach akuter Geldverschwendung.

Zwischendurch erscheinen mal hier und da die Hüte der Stadt, die „High-Hats von Köln“: Die zwei Türme des Kölner Doms.

An der Passage an der Domplatte stehen hunderte Touristen mit offen Mündern, die das Spektakel nicht und sich selber deshalb an den Kopf fassen. Die nachfolgende Unterführung potenziert den gesamten Sound nochmal um einige Dezibel und erschüttert die Grundfeste der Kölner Domplatte mit „positive Vibrations“. Die dort vorherrschende Akustik erzeugt kurzzeitig eine fetteste „Doubble-Bass“. Eine weitere temporäre Anomalie.

17:00. Nachdem der Dom von nunmehr 500 Personen umkreist ist (im Durchlauf befinden sich auch ansässige Erdlinge), zieht der Zug weiter auf den Roncalliplatz, wo der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, eine Rede hält und die Beteiligten auffordert, diese Demonstration auf jeden Fall zu wiederholen. Die „Zeig-Dich!“-Initiative sammelte eine beachtliche Menge an Unterschriften.

Bei milden spätsommerlichen Sonnenstrahlen konnte man sich im Schatten des Domes noch für ca. 1,2 Stunden verlustieren. Einziger Wermutstropfen war das aus Offenbach angereiste Musikprojekt „Rasselbande“. Jenes konnte leider nicht auftreten, weil keine Bühne vorhanden war. Allerdings war auch nie eine Bühne geplant. Das war sehr schade, weil die machen ganz tollen „Crossover-Kiff-Hop“ und hatten extra vorher intensivst geprobt. Wäre sicherlich eine Bereicherung für die Hanfdemo gewesen.

Außerdem sollte die Hanfdemo noch mit einer „Freiheit für Ocalan“-Demo gekoppelt werden. Aber „Free Ganja for Ocalan“?? Klingt das plausibel?!

Zahlreich erschienen, aber grundsätzlich entspannt (vielleicht lag`s an der Atmosphäre) waren auch die anwesenden Ordnungshüter. Einen Augenblick lang hätte das kleine Alien diese beinahe mit einer anderen Alienrasse verwechselt. Angemessen der Jahreszeit bekleidet trugen sie die Farben der Kölner Herbstkollektion: dunkelgrün-braun. Angereist waren sie mit sechs Einsatzwagen und acht Motorrädern. Wieviele dieser Hüter tatsächlich anwesend waren, konnte keiner der Dunkelgrünen mitteilen. Sie informierten einige Teilnehmer, dass das „Rauchen von zu konisch gefertigten Zigaretten“ als Vortäuschung einer Straftat gewertet werden könne. Viele Demonstranten blieben jedoch davon unbeeindruckt, denn Konsumieren ist ja eigentlich straffrei. Allerdings hatte man für naiv-verpeilte Kifferfragen wie „Darf ich denn jetzt während der Demo, obwohl Rot ist, trotzdem über die Ampel gehen?“ kein Verständnis der Dunkelgrünen zu erwarten, obwohl doch so schönes Wetter war. Lediglich ein bisschen „Kläff“ hier und ein bisschen „Kläff“ da.

„The police is here to defence us before people, who are like us.“
Sucht nicht nach der Logik dieses Satzes. Da gibt’s keine.


Alles in allem muss die 1. Kölner Hanfdemo trotz geringer Teilnehmerzahl als echter Stimmungserfolg gewertet werden: Verschiedenste Wesen treffen und vereinen sich mithilfe von Technik, Musik, Symbolen und gemeinsamen Träumen um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, damit es bei anderen Wesen auch anfängt da oben zu klackern und möglicherweise Fragen entstehen wie „Warum ducken sich diese Leute nicht weg? Warum machen die das??“
Eine Ansammlung eines solchen „CyberTribes“ ist mehr, als nur die Summe seiner einzelnen Teile. Alle, jeder Einzelne und der gesamte Tribe, sind sich darüber einig, dass man diese Aktion nächstes Jahr wieder und noch größer, fetter machen muss, zur Forcierung inter-kultureller Kommunikation verschiedener Gleichartiger und zur Desensibilisierung der „Hauptkultur“ zumindest gegenüber einer Entkriminalisierung von Kleinkonsumenten (Kiffern).


Hiermit noch einmal allerherzlichsten Dank an alle Unterstützer, Helfer, Sponsoren und Teilnehmer, die auf idealistische Weise die Realität re-dimensionieren wollen. Solch öffentliche Ereignisse sind wichtige und richtige Impulse, um einer Legalisierung von Cannabis näher zu kommen.

„Alleine sind wir leise, zusammen sind wir laut!“ (Zitat von Freundeskreis)


Wer noch Fotos oder Filme haben sollte, der sollte jenes der Pot-Redaktion kundtun. Einige sind bereits gesammelt und unter http://www.hempline.de/ einsehbar.


ein Alien
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