Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

Druckversion
Mit dem Summerjam wurde alles noch schärfer . .
Hanfdemo in Köln
(Pub. September 2003)
Publiziert am: 04.09.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal september03 artikel Mit dem Summerjam wurde alles noch schärfer . . .

Endlich beginnt nun auch in Köln der Wiederstand. Denn Anfang des Jahres wurde am Rande des Treffens des Technonetzwerkes Sonics, an dem Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet teilnahmen, beschlossen eine Hanfdemo in Köln zu veranstalten. Genauer gesagt kam mir mit einem DJ aus Köln zusammen die Idee, auch mal in Köln zu rocken, schließlich sind die Kölner doch auch tolle Feierleute sind (nicht so toll wie wir Berliner - versteht sich).

Neben dem Hanffest und Hanfmove in Hamburg (ironisch nach dem "Generation Move", dem Technoumzug in Hamburg benannt), der Hanfparade in Berlin (preußisch-militärisch paradieren auf breiten Straßen, nicht so wie beim Legalize Street Rave in Amsterdam, wo alles so eng ist) und den Hanftagen in Bayern (immer gut bewacht von den Jungs in grün) sollte auch der Pot mal "Legalize it!" rufen. Bei den kurzen Einkaufswegen in die Niederlande, ist es schließlich auch kein Wunder, dass es hier viele Kiffer gibt. Und die müssen nun irgendwie motiviert werden, für ihr Kraut auf die Straße zu gehen. Außerdem ist es immer mal eine gute Gelegenheit, die Straßen sperren zu lassen, um darauf mal richtig abzuhotten, und zwar umsonst für alle! Die Strassen gehören uns. Das machen die Kölner ja sonst auch beim Karneval, nur ist der dort in Teilen der Bevölkerung als spießig verschrien und außerdem im Winter. Ob der 27.9. uns gutes Wetter bringt bleibt abzuwarten und zu hoffen . . .

So grabbten wir uns erst mal die schicke Domain www.hanfdemo.de, und entwarfen den ersten Flyer (siehe Bild). Wir wollten besonders auf die ungleiche Rechtspraxis bei der Einstellung von Cannabisverfahren hinweisen und mit der Demo eine Vereinheitlichung fordern. Zudem wurde gerade der Normenkontrollantrag des Amtsrichters Andreas Müller aktuell, und wir wollen auch mit unserer Demo alle, die von einem Verfahren wegen Cannabisbesitzes betroffen sind auffordernd, ihren Richter davon zu überzeugen, sich diesem Antrag anzuschließen. Unterschreiben kann man auch: http://www.verfassungsklage-hanf.de. Es geht uns nicht darum, Drogenkonsum zu verharmlosen, sondern vielmehr darum, vor allem junge Menschen vor den oft gravierenden juristischen und gesellschaftlichen Folgen zu schützen. Es ist bei Hanfkonsum deutlich wahrscheinlicher durch Polizei und Justiz Probleme zu bekommen, als durch die Substanz selbst. Und selbst wenn jemand Probleme bekommt, so ist Hilfe in einer Gesellschaft, welche die Droge kennt und erforscht hat, eher wahrscheinlich und wirksam als in einer Gesellschaft, die Drogen generell tabuisiert. Generell schließen wir uns natürlich auch dem DHV, dem deutschen Hanfverband an mit seiner Forderung nach einer Cannabissteuer, und jeder sollte natürlich auch zu Hause growen dürfen. Schon allein die Einsparungen bei der Strafverfolgung würden wahrscheinlich der Lehrmittelknappheit an Schulen ein Ende setzen!

Um unsere Sache weiter voranzubringen, knüpften wir Kontakte, bald war die Grüne Jugend mit dabei, Eve & Rave NRW, die Redaktion des Grow!-Magazins, der Sonic Cybertribe, die Hanf für alle - Kampagne und schließlich auch die Aids-Hilfe NRW. Und natürlich das Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis 90/Die Grünen, bei dem ich Sprecherin bin.

In Köln ist es natürlich besonders spannend, die neue schwarz-grüne Koalition auszutesten. Die konservative Seite der Regierung in Köln zeigte sich von ihrer bedrohlichen Seite, als es um die Diskussion um den Summerjam ging, einem riesigen Reggaefestival am Fühlinger See. Es hieß das Festival sei drogenverseucht und ein Dealertreffpunkt und gehöre deshalb verboten, es sei denn, die Veranstalter würden "Drogenfreiheit" (was für ein Wort!) garantieren. Bei 25.000 Besuchern wird von 490 Anzeigen wegen Drogenbesitzes ausgegangen. Die Polizei hatte sich aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Jahr besonders vorbereitet, Verstöße gegen das BtMG galten als Haupteinsatzbereich. Originalpolizeizitat: "Die einschreitenden Beamten konnten sich bei ihrer Tätigkeit meist nur auf die Fälle beschränken, in denen offensichtlich Betäubungsmittelhandel betrieben wurde. Die Zahlen des Betäubungsmittelkonsums liegen weit höher. Ganz offen wurde von Teilen des Publikums Drogen konsumiert." So wurden nach Polizeiangaben in 41 Strafverfahren insgesamt 68 Personen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das BtMG (Handel mit und Besitz von Rauschgift) vorläufig festgenommen. Der Innensenator und ein hoher Polizeifuzzi forderten sogar, das Festival weiterhin zu verbieten. Natürlich können die Veranstalter keine Drogenfreiheit garantieren, also musste man einen Kompromiss finden, und der bestand darin, einen Drogenhilfedoppeldeckerbus auf das Festivalgelände zu schicken, um beratungsbedürftige Kids mit einem interaktiven Kiffertest zu beglücken. Immerhin lustwandelte Kölns Oberbürgermeister Schramma übers Festivalgelände und war angetan von der friedlichen Atmosphäre.

Nichtsdestotrotz haben jetzt 68 Leute ein ernstes Problem mit der Polizei und 490 Leute womöglich ein Führerscheinverfahren am Hals. Immerhin wurden auf dem Summerjam schon erste Flyer für die Hanfdemo verteilt - die waren aber auch bald alle, also machten wir ein Banner, was auf dem Somafestival hing und dann auch gleich von einem Liebhaber mitgenommen wurde. Die Demo wurde schon polizeilich angemeldet, nur die Polizei zickt noch etwas rum beim Streckenverlauf, so können wir leider noch nicht die genaue Strecke angeben. Nun steht die zweite Flyergeneration an, es sollen Plakate gedruckt werden. Wir suchen auch weiterhin noch nach Sponsoren, auch du kannst einer werden! Falls du die Demo unterstützen willst, lass dir eine originelle Idee einfallen, verkleide dich, bastle Plakate oder Transparente. Natürlich können auch noch weitere Wagen an der Demo teilnehmen. Ansonsten cu in Köln! Legalize it!

Silke Kollwitz
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-