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TANZEN FÜR VERÄNDERUNG
Die Nachttanzdemo 2003
(Pub. Dezember 2003)
Publiziert am: 30.11.03 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 03dezember artikel TANZEN FÜR VERÄNDERUNG Die Nachttanzdemo 2003

Bei einer Nachttanzdemo sollte man erfahrungsgemäß nicht so sehr auf die Details achten, sondern immer mehr die Gesamtidee im Auge behalten. Schon traditionell zogen auch dieses Jahr wieder eine Handvoll Wagen durch die Frankfurter Innenstadt, beanspruchten unter dem Motto „reclaim your area“ die Straßen als Dancefloor und den zunehmend kontrollierten öffentlichen Bereich als Freiraum für eigene nonkonforme Lebensformen.

Je nach Vorliebe stand dann für den einen der Party-Spaß in Vordergrund, während andere das Ganze in einen größeren politischen Zusammenhang stellten. Dem Aufruf gelang es recht sinnig beide Tendenzen miteinander zu verbinden: „Frankfurt, das heißt: weltoffene Metropole mit Flair, die sich ihrer multikulturellen Zusammensetzung rühmt. Das heißt tanzen beim Sound of Frankfurt, genießen der Idylle beim Rosenfest, feiern der Helden beim Ironman und so weiter und so fort. - Frankfurt, das heißt auch: Vertreibung all dessen, was nicht zum Image der schicken Metropole von Welt passt. Das heißt rassistische Kontrollen auf der Zeil, Abschiebungen nonstop vom Frankfurter Flughafen, Schließung alternativer Partylocations, Vertreibung von Wohnsitzlosen, Kriminalisierung von Partys, Illegalisierung von Wohnprojekten etc. Dieser Stadtpolitik gemeinsam und entschieden entgegenzutreten ist Ziel der nachttanzdemo.03 . . .“

Die Mitlaufenden bzw. Mittanzenden deckten dann auch ein weites Spektrum der Alternativ- und Jugendkulturen ab, von schrägen Drum&Basslern über die Post-Punk-Fraktion bis zu den Hippie-Goa-Fraggle-Freaks, von der Autonomen Antifa bis zu den ausdrücklich dionysischen Party-VeranstalterInnen und nicht zuletzt einem großen Haufen frei schwebender Gestalten. Deutlich wurde dabei einmal mehr, dass fernab der unterschiedlichen Rhythmen und Codes im Underground immer wieder die gleichen Bedürfnisse, Forderungen und Träume zu Ausdruck kommen, die letztlich in gegenkulturellen Freiräumen Gestalt annehmen. Freiräume, in denen zumindest ansatzweise eine gemeinschaftliche Entfaltung fernab der Profit- und Gleichschaltungsmechanismen möglich werden kann und die deshalb immer mehr auf der bürokratischen Ebene mit unerfüllbaren Auflagen des Ordnungsamtes oder auch ganz direkt mit repressiven polizeilichen Maßnahmen gezielt zerstört werden.

Dass die gutgemeinten Redebeiträge während der Demo fast völlig untergingen, weil beispielsweise an einer Stelle die übermotivierte Trommelgruppe und der Generator den Sound bestimmten, ist eher eine Randerscheinung. Auch dass dann zum Abschluss mindestens zwei Drittel der Demo noch an irgendeiner Kreuzung darauf wartete, dass es weiter geht, während einige Straßen entfernt kaum beachtetet schon der Abschlussbeitrag lief, passt treffend ins Bild. In das Bild einer bunten und vielfältigen, manchmal eben auch chaotischen Undergroundkultur, die sich nicht in die vorgefertigten Schemen der Stadtherren pressen lassen will, sondern an selbst gewählten Orten tanzen will. Und Tanzen steht dann tatsächlich nicht nur für Spass und Ekstase, sowie weitergeführt auch für Veränderung - für das Ziel radikaler Veränderung auf ganz unterschiedlichen und dennoch eng miteinander verbundenen Ebenen.
Kommentar von Wolfgang Sterneck
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